Mindener fahndet privat nach Raddieb - Staatsanwaltschaft stellt drei Wochen später die Ermittlungen ein Minden. Der Fahrraddieb konnte entkommen und die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren schneller ein, als sich der Bestohlene einen Ersatz mit Elektroantrieb besorgen konnte. So endete eine private Fahndung im Internet und in der Mindener Innenstadt, bei der der Geschädigte in Unkenntnis der Gesetzeslage zunächst die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Diebes verletzt hatte. Die Geschichte: Am 25. Mai hatte ein Mindener sein teures E-Bike im Hauseingang vor seiner Wohnung am Simeonscarree abgestellt. Nur wenige Minuten war der 49-Jährige durch einen Handwerker abgelenkt. Diese Zeit reichte dem Dieb, um sich das Rad zu schnappen und damit wegzufahren. Die Videoüberwachung des Hauses zeigte später eine schlanke, männliche Person mit Brille, dunkelblonden, kurzen Haaren und zwischen 180 und 185 Zentimeter groß, die gelassen zum Rad ging, sich einfach darauf setzte und wegfuhr. Diese Videosequenz stellte der Geschädigte auf Youtube für jeden einsehbar ein, verbreitete in Sozialen Netzwerken sowie auf Plakaten im Glacis und in Verbrauchermärkten einen privaten, mit einer Belohnung für Hinweise verbundenen Fahndungsaufruf und erstattete Anzeige bei der Mindener Polizei. Weil allerdings überall der Gesuchte klar zu erkennen war, mussten die Beamten den Fahrradbesitzer darüber belehren, dass dies gegen das Kunsturheberrecht verstößt. Denn nur mit richterlicher Genehmigung oder der Einwilligung des Betroffenen selbst, dürfen Bilder und andere personenbezogene Daten an die Öffentlichkeit gelangen. So nahm der Bestohlene die Videoaufzeichnung aus dem Netz und hing die Plakate wieder ab. „Passanten, die dabei zufällig vorbeigekommen waren, hatten nur mit Kopfschütteln über die Rechtslage reagiert“, erklärte er gegenüber dem MT. „Es konnte von keinem nachvollzogen werden, warum ein Täter geschützt wird, während mir eine Anzeige drohen würde.“ Etwas mehr als drei Wochen dauerte es, bis der 49-Jährige von der Staatsanwaltschaft die Nachricht erhielt, dass die Ermittlungen gegen den Raddieb eingestellt worden seien. „Damit ist nun auch von Seiten der Polizei die Angelegenheit erledigt.“ Der Mindener meint, dass es erschreckend sei, dass das Verfahren in so kurzer Zeit beendet worden sei, während es ihm dagegen nicht einmal gelungen sei, im Handel Ersatz zu beschaffen, da sich die Bestellung um weitere vier Wochen verschoben habe. „Bis Mitte Juli bin ich erst einmal Fußgänger.“ Nicht nur dem Privatfahnder setzte die Rechtslage Grenzen. Im Dezember 2019 wollte ein Rothenuffelner eine Hausdurchsuchung erwirken, nachdem Unbekannte das Rad seiner Tochter gestohlen hatten. Ein Tracking-Sender an dem Vehikel zeigte zwar einen Standort – ein Gebäude in Eickhorst – an. Dort durfte aber die Polizei nicht einfach an der Tür klingeln, weil dazu ebenfalls ein richterlicher Beschluss erforderlich gewesen wäre. Als diese Voraussetzung endlich vorlag, konnte die Polizei das Rad nicht mehr ausfindig machen.

Mindener fahndet privat nach Raddieb - Staatsanwaltschaft stellt drei Wochen später die Ermittlungen ein

Bei seiner privaten Fahndung musste der Mindener den mutmaßlichen Raddieb unkenntlich machen. Repro: MT © Repro: MT

Minden. Der Fahrraddieb konnte entkommen und die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren schneller ein, als sich der Bestohlene einen Ersatz mit Elektroantrieb besorgen konnte. So endete eine private Fahndung im Internet und in der Mindener Innenstadt, bei der der Geschädigte in Unkenntnis der Gesetzeslage zunächst die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Diebes verletzt hatte.

Die Geschichte: Am 25. Mai hatte ein Mindener sein teures E-Bike im Hauseingang vor seiner Wohnung am Simeonscarree abgestellt. Nur wenige Minuten war der 49-Jährige durch einen Handwerker abgelenkt. Diese Zeit reichte dem Dieb, um sich das Rad zu schnappen und damit wegzufahren. Die Videoüberwachung des Hauses zeigte später eine schlanke, männliche Person mit Brille, dunkelblonden, kurzen Haaren und zwischen 180 und 185 Zentimeter groß, die gelassen zum Rad ging, sich einfach darauf setzte und wegfuhr.

Diese Videosequenz stellte der Geschädigte auf Youtube für jeden einsehbar ein, verbreitete in Sozialen Netzwerken sowie auf Plakaten im Glacis und in Verbrauchermärkten einen privaten, mit einer Belohnung für Hinweise verbundenen Fahndungsaufruf und erstattete Anzeige bei der Mindener Polizei. Weil allerdings überall der Gesuchte klar zu erkennen war, mussten die Beamten den Fahrradbesitzer darüber belehren, dass dies gegen das Kunsturheberrecht verstößt. Denn nur mit richterlicher Genehmigung oder der Einwilligung des Betroffenen selbst, dürfen Bilder und andere personenbezogene Daten an die Öffentlichkeit gelangen. So nahm der Bestohlene die Videoaufzeichnung aus dem Netz und hing die Plakate wieder ab. „Passanten, die dabei zufällig vorbeigekommen waren, hatten nur mit Kopfschütteln über die Rechtslage reagiert“, erklärte er gegenüber dem MT. „Es konnte von keinem nachvollzogen werden, warum ein Täter geschützt wird, während mir eine Anzeige drohen würde.“


Etwas mehr als drei Wochen dauerte es, bis der 49-Jährige von der Staatsanwaltschaft die Nachricht erhielt, dass die Ermittlungen gegen den Raddieb eingestellt worden seien. „Damit ist nun auch von Seiten der Polizei die Angelegenheit erledigt.“ Der Mindener meint, dass es erschreckend sei, dass das Verfahren in so kurzer Zeit beendet worden sei, während es ihm dagegen nicht einmal gelungen sei, im Handel Ersatz zu beschaffen, da sich die Bestellung um weitere vier Wochen verschoben habe. „Bis Mitte Juli bin ich erst einmal Fußgänger.“

Nicht nur dem Privatfahnder setzte die Rechtslage Grenzen. Im Dezember 2019 wollte ein Rothenuffelner eine Hausdurchsuchung erwirken, nachdem Unbekannte das Rad seiner Tochter gestohlen hatten. Ein Tracking-Sender an dem Vehikel zeigte zwar einen Standort – ein Gebäude in Eickhorst – an. Dort durfte aber die Polizei nicht einfach an der Tür klingeln, weil dazu ebenfalls ein richterlicher Beschluss erforderlich gewesen wäre. Als diese Voraussetzung endlich vorlag, konnte die Polizei das Rad nicht mehr ausfindig machen.

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