Mindener Zahnarzt fällt mit verschwörungstheoretischen Äußerungen zu Corona auf Facebook auf Stefan Koch Minden. Während Intensivmediziner und Pflegepersonal wegen lebensbedrohlicher Covid 19-Erkrankungen bis an den Rand der Belastungsgrenze Schichten schieben, gibt es Ärzte, die die Beurteilung der Coronapandemie durch die Bundesregierung und ihre wissenschaftlichen Berater öffentlich in Zweifel ziehen. Auch in Minden. Das ist ihnen durch die Meinungsfreiheit in gewissem Maß gestattet. Deren Kammern sehen aber Strafen vor, wenn sie von den anerkannten Hygiene- und Behandlungsrichtlinien abweichen. In Minden hat sich ein Zahnarzt schon vor Monaten auf seiner Facebook-Seite auf eine solche Gratwanderung begeben. Dort wird an der Schließung öffentlicher Einrichtungen gezweifelt, weil ja trotzdem die Infektionszahlen steigen. Das Maskentragen wird als Folter bezeichnet und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird als gelerntem Bankkaufmann die Kompetenz für sein Amt abgesprochen. Zudem wird Verschwörungstheoretisches gepostet und für die Allesdichtmachen-Kampagne deutscher Schauspieler gibt´s jede Menge Beifall. Ob da Patienten Angst haben müssen, demnächst mit einer SARS-CoV-2-Infektion den Behandlungsstuhl zu verlassen? „Auch in meiner Zahnarztpraxis werden die Corona-Schutzverordnungen nicht nur umfassend umgesetzt, sondern sogar durch erweiterte Schutzmaßnahmen übererfüllt“, versicherte der Zahnarzt auf MT-Anfrage am 26. April. „Bis zum heutigen Tag gab es somit weder bei meinen Mitarbeitern, noch meinen Patienten ein wie auch immer geartetes Covid-19-Infektionsgeschehen.“ Der Zahnarzt erklärt, dass diese „Vorbildlichkeit“ seiner Praxis zuletzt am 23. Februar 2021 im Zuge einer routinemäßigen Überprüfung der Zahnärztekammer erneut bestätigt worden sei. „Unabhängig davon wird natürlich auch auf meiner Facebook-Seite die weltweit und wissenschaftlich sehr kritisch diskutierte Frage nach einer tatsächlichen Schutzfunktion von FFP2-Masken mit ihrer hohen Durchlässigkeit von Aerosolen sehr lebhaft diskutiert“, sagt der Mediziner. Räumt aber ein, dass sich auf seiner Facebook-Seite gleichermaßen Humor, Satire, Zynismus, medizinische Recherche, ein Austausch unterschiedlicher oder konträrer Meinungen sowie die vielfältigsten Dokumentationen zu vielen Themen fänden. „Besondere Wertschätzung, Solidarität und Loyalität erfahre ich vor allem von meinen zahnärztlichen Kollegen, die den ungezwungenen Austausch unterschiedlichster Sichtweisen sehr schätzen.“ Solidarität bewies der Mindener auch schon mit rund 300 Ärzten und Therapeuten, die sich im November vergangenen Jahres unter dem Titel „Ärzte stehen auf“ in einem offenen Brief an das Bundeskanzleramt wandten. Beklagt wird darin eine einseitige Berichterstattung der Medien, die auf das Zelebrieren einer „Angstmache“ hinauslaufe. Die Pandemie wurde mit einer Grippewelle verglichen und die von Populisten genutzte Vokabel der „Notstandgesetzte“ wurde ebenfalls bemüht. Und natürlich wurde auch der Sinn eines Mund-Nasen-Schutzes in Zweifel gezogen. Eine weitere Unterzeichnerin des Schreibens – eine Internistin aus Oelsnitz – hatte nach einem öffentlichen Auftritt eine Anzeige ihrer Landesärztekammer eingehandelt, da sie die Maske mit dem Judenstern verglich. Wenngleich es gegen den Mindener keine Beanstandungen gab, musste sich Zahnärztekammer Westfalen-Lippe mit einem andern Kollegen auseinandersetzen, der in Verdacht stand, in berufsschädigender Weise agiert zu haben. In dem Fall war zu klären, ob seine öffentliche Aussage eine Corona-Leugnung darstellte – was sich dann aber nicht erhärtete. Im vergangenen Jahr hatte sich auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe mit dem unzulässigen Verhalten einiger Mitglieder auseinander zusetzten. Dabei ging es unter anderem um die Ausstellung unzulässiger Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht, was in einem Fall zu staatsanwaltlichen Ermittlungen geführt hatte. Auch ein Institut für Lebensberatung war dabei ins Zwielicht geraten, das sich in einer ehemaligen Mindener Arztpraxis niedergelassen hatte. Nachdem die Kammer intervenierte, hörte der Spuk auf. Wie damals die Kammer gegenüber dem MT mitteilte, machen sich Ärzte strafbar, wenn sie zum Nichtbeachten der Corona-Schutzverordnung aufrufen. Patienten dürfen nicht aufgrund der persönlichen Weltanschauung eines Arztes Schaden erleiden, was auch dann schon geschehen könnte, wenn Mediziner anerkannte Hygiene- und Schutzmaßnahmen ablehnten. Auch die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe folgt dieser Linie. „Die Hygienestandards in Zahnarztpraxen sind sehr hoch“, teilt auf MT-Anfrage Christina Conradi, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederkommunikation, mit. „Es wurde schon vor der Corona-Pandemie mit Schutzausrüstung auf Klinikniveau gearbeitet.“ So würden zum Beispiel nach jeder Behandlung alle Oberflächen sorgfältig desinfiziert, alle Instrumente sterilisiert und für jeden Patienten frisch aufgelegt. Die Abstandsregeln würden eingehalten und die Patienten einzeln einbestellt sowie räumlich getrennt. „Deshalb ist es unseres Wissens bislang zu keiner Covid 19-Infektion eines Patienten im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung gekommen.“

Mindener Zahnarzt fällt mit verschwörungstheoretischen Äußerungen zu Corona auf Facebook auf

Hygiene spielte in Zahnarztpraxen schon vor der Corna-Pandemie wichtige eine Rolle. Laut Zahnärztekammer ist es bei einer zahnärztlichen Behandlung bisher nicht zu Corona-Infektion gekommen. Foto: Markus Scholz/dpa © Markus Scholz

Minden. Während Intensivmediziner und Pflegepersonal wegen lebensbedrohlicher Covid 19-Erkrankungen bis an den Rand der Belastungsgrenze Schichten schieben, gibt es Ärzte, die die Beurteilung der Coronapandemie durch die Bundesregierung und ihre wissenschaftlichen Berater öffentlich in Zweifel ziehen. Auch in Minden. Das ist ihnen durch die Meinungsfreiheit in gewissem Maß gestattet. Deren Kammern sehen aber Strafen vor, wenn sie von den anerkannten Hygiene- und Behandlungsrichtlinien abweichen.

In Minden hat sich ein Zahnarzt schon vor Monaten auf seiner Facebook-Seite auf eine solche Gratwanderung begeben. Dort wird an der Schließung öffentlicher Einrichtungen gezweifelt, weil ja trotzdem die Infektionszahlen steigen. Das Maskentragen wird als Folter bezeichnet und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird als gelerntem Bankkaufmann die Kompetenz für sein Amt abgesprochen. Zudem wird Verschwörungstheoretisches gepostet und für die Allesdichtmachen-Kampagne deutscher Schauspieler gibt´s jede Menge Beifall.

- © Screenshot: MT
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Ob da Patienten Angst haben müssen, demnächst mit einer SARS-CoV-2-Infektion den Behandlungsstuhl zu verlassen? „Auch in meiner Zahnarztpraxis werden die Corona-Schutzverordnungen nicht nur umfassend umgesetzt, sondern sogar durch erweiterte Schutzmaßnahmen übererfüllt“, versicherte der Zahnarzt auf MT-Anfrage am 26. April. „Bis zum heutigen Tag gab es somit weder bei meinen Mitarbeitern, noch meinen Patienten ein wie auch immer geartetes Covid-19-Infektionsgeschehen.“

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Der Zahnarzt erklärt, dass diese „Vorbildlichkeit“ seiner Praxis zuletzt am 23. Februar 2021 im Zuge einer routinemäßigen Überprüfung der Zahnärztekammer erneut bestätigt worden sei. „Unabhängig davon wird natürlich auch auf meiner Facebook-Seite die weltweit und wissenschaftlich sehr kritisch diskutierte Frage nach einer tatsächlichen Schutzfunktion von FFP2-Masken mit ihrer hohen Durchlässigkeit von Aerosolen sehr lebhaft diskutiert“, sagt der Mediziner. Räumt aber ein, dass sich auf seiner Facebook-Seite gleichermaßen Humor, Satire, Zynismus, medizinische Recherche, ein Austausch unterschiedlicher oder konträrer Meinungen sowie die vielfältigsten Dokumentationen zu vielen Themen fänden. „Besondere Wertschätzung, Solidarität und Loyalität erfahre ich vor allem von meinen zahnärztlichen Kollegen, die den ungezwungenen Austausch unterschiedlichster Sichtweisen sehr schätzen.“

Solidarität bewies der Mindener auch schon mit rund 300 Ärzten und Therapeuten, die sich im November vergangenen Jahres unter dem Titel „Ärzte stehen auf“ in einem offenen Brief an das Bundeskanzleramt wandten. Beklagt wird darin eine einseitige Berichterstattung der Medien, die auf das Zelebrieren einer „Angstmache“ hinauslaufe. Die Pandemie wurde mit einer Grippewelle verglichen und die von Populisten genutzte Vokabel der „Notstandgesetzte“ wurde ebenfalls bemüht. Und natürlich wurde auch der Sinn eines Mund-Nasen-Schutzes in Zweifel gezogen. Eine weitere Unterzeichnerin des Schreibens – eine Internistin aus Oelsnitz – hatte nach einem öffentlichen Auftritt eine Anzeige ihrer Landesärztekammer eingehandelt, da sie die Maske mit dem Judenstern verglich.

Wenngleich es gegen den Mindener keine Beanstandungen gab, musste sich Zahnärztekammer Westfalen-Lippe mit einem andern Kollegen auseinandersetzen, der in Verdacht stand, in berufsschädigender Weise agiert zu haben. In dem Fall war zu klären, ob seine öffentliche Aussage eine Corona-Leugnung darstellte – was sich dann aber nicht erhärtete.

Im vergangenen Jahr hatte sich auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe mit dem unzulässigen Verhalten einiger Mitglieder auseinander zusetzten. Dabei ging es unter anderem um die Ausstellung unzulässiger Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht, was in einem Fall zu staatsanwaltlichen Ermittlungen geführt hatte. Auch ein Institut für Lebensberatung war dabei ins Zwielicht geraten, das sich in einer ehemaligen Mindener Arztpraxis niedergelassen hatte. Nachdem die Kammer intervenierte, hörte der Spuk auf. Wie damals die Kammer gegenüber dem MT mitteilte, machen sich Ärzte strafbar, wenn sie zum Nichtbeachten der Corona-Schutzverordnung aufrufen. Patienten dürfen nicht aufgrund der persönlichen Weltanschauung eines Arztes Schaden erleiden, was auch dann schon geschehen könnte, wenn Mediziner anerkannte Hygiene- und Schutzmaßnahmen ablehnten.

Auch die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe folgt dieser Linie. „Die Hygienestandards in Zahnarztpraxen sind sehr hoch“, teilt auf MT-Anfrage Christina Conradi, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederkommunikation, mit. „Es wurde schon vor der Corona-Pandemie mit Schutzausrüstung auf Klinikniveau gearbeitet.“ So würden zum Beispiel nach jeder Behandlung alle Oberflächen sorgfältig desinfiziert, alle Instrumente sterilisiert und für jeden Patienten frisch aufgelegt. Die Abstandsregeln würden eingehalten und die Patienten einzeln einbestellt sowie räumlich getrennt. „Deshalb ist es unseres Wissens bislang zu keiner Covid 19-Infektion eines Patienten im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung gekommen.“

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