Mindener Wärmestube hat kaum noch Personal Jan Lücking Minden. Warme Mahlzeiten, immer ein offenes Ohr, Lebensmittel zum Mitnehmen oder Futter für den Hund – all das gibt es täglich außer mittwochs von 13 bis 16 Uhr in der Wärmestube St. Nikolai. Zur Zeit suchen die Verantwortlichen dringend Unterstützung, vor allem donnerstags und am Wochenende. An vielen Tagen hat Annette Stuff, Leiterin der Wärmestube, nur zwei ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. „Ich benötige aber eigentlich jeden Tag mindestens vier“, sagt die Leiterin der Caritas-Einrichtung. Wer hier helfe, müsse bereit sein, mit anzupacken, sagt sie. Das Team umfasste mal 28 Personen. Jetzt kann sie nur auf zwölf Ehrenamtliche zurückgreifen. Als Gründe für die angespannte Personalsituation nennt sie die Sorge, sich mit dem Coronavirus anzustecken, Altersgründe und ein Wegfall von Studierenden. Welche Lebensmittel sind da? Was wird am nächsten Tag frisch gekocht? All das und dazu viele Hygienevorschriften organisiert die 63-Jährige von ihrem Platz aus. Wer in der Wärmestube helfen will, könne dies völlig frei und ganz ohne Zwang, erklärt die Ordensschwester, die 2013 die Leitung übernommen hat. Was für die täglich frisch zubereiteten, warmen Mahlzeiten in der Einrichtung nicht verwendet werden kann, wird an die Besucher verteilt. Es sollen möglichst keine Lebensmittel weggeworfen werden, das ist Schwester Annette Stuff wichtig. Sie achtet mit ihren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern auch penibel darauf, dass die Kühlkette bei Milchprodukten und Fleisch eingehalten wird. Freundlich weist sie eine Helferin darauf hin, beim Joghurt zuerst den älteren Becher auszugeben, damit nichts entsorgt werden muss.Jeder, der bei Schwester Annette vorbei kommt wird freundlich begrüßt. In die Wärmestube kommen Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen ebenso wie Besucher mit einer kleinen Rente und Wohnungslose. Manche sind einsam und suchen Gemeinschaft.„Es hat gut geschmeckt. Morgen komme ich wieder“, verabschiedet sich ein Besucher. Weitere Personen sitzen noch im Speiseraum und lassen sich ihre frisch gekochte Mahlzeit schmecken. 80 Cent kostet das Mittagsmenü, für 50 Cent gibt es Kaffee und Kuchen. Ein Nachweis für die Bedürftigkeit muss nicht vorgelegt werden.Aus der Küche duftet es. Die Besucher, etwa 25 Personen am Tag, lassen sich als Vorspeise thailändische Hühnersuppe mit Curry und Kokosmilch schmecken. Das Hauptgericht besteht aus Geflügelspießen, Spießen mit Grillkäse, Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen und Möhren. Aus dem, was da ist, überlegt sich Schwester Annette spontan ein Mittagsmenü. Auch im Speiseraum achtet die Leiterin auf alle Vorschriften. Wer nicht geimpft ist, kann sein Mittagessen draußen in einem Pavillon bekommen. Früher habe sie auch mal einen Besucher umarmt, der ihr von seinen Sorgen und Problemen erzählt hat. Seit der Corona-Pandemie legt sie stattdessen manchmal ihre Hand auf den Arm des Gesprächspartners und versucht so, Trost zu spenden oder Verständnis zu zeigen.In der Wärmestube werde niemand bekehrt, sagt sie deutlich. Wenn manchmal der Wunsch aufkäme, über den Glauben zu sprechen, dann würde sie immer aufzeigen, was andere Glaubensrichtungen dazu sagen. Besucher, die von ihrer eigenen Religion erzählen wollen, höre sie gerne zu.Es ist Freitagmittag und gerade ist eine große Lebensmittellieferung der Tafel Bückeburg angekommen. Die Lebensmittelspenden kommen von dort, aber auch von Märkten oder Privatpersonen. „Manchmal bekommen wir Essen von Familienfeiern oder Betriebsfesten. Auch hier achten wir natürlich auf die Hygienevorschriften.“Zum Ende des MT-Gesprächs findet sie in der Tasche ihrer Kittelschürze einen Zettel mit einer Telefonnummer. Ein junger Mann hatte ihr im Dezember seine Hilfe angeboten, den ruft sie jetzt zurück. Über weitere helfende Hände in der Wärmestube würde sie sich sehr freuen.

Mindener Wärmestube hat kaum noch Personal

Alles im Blick: Die Leiterin der Wärmestube des Caritasverbandes, Schwester Annette Stuff, muss täglich viel organisieren. Wer sich nicht an die Regeln hält, bekommt von ihr auch mal eine deutliche Ansage. MT-Foto: Jan Lücking

Minden. Warme Mahlzeiten, immer ein offenes Ohr, Lebensmittel zum Mitnehmen oder Futter für den Hund – all das gibt es täglich außer mittwochs von 13 bis 16 Uhr in der Wärmestube St. Nikolai. Zur Zeit suchen die Verantwortlichen dringend Unterstützung, vor allem donnerstags und am Wochenende.

An vielen Tagen hat Annette Stuff, Leiterin der Wärmestube, nur zwei ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. „Ich benötige aber eigentlich jeden Tag mindestens vier“, sagt die Leiterin der Caritas-Einrichtung. Wer hier helfe, müsse bereit sein, mit anzupacken, sagt sie. Das Team umfasste mal 28 Personen. Jetzt kann sie nur auf zwölf Ehrenamtliche zurückgreifen. Als Gründe für die angespannte Personalsituation nennt sie die Sorge, sich mit dem Coronavirus anzustecken, Altersgründe und ein Wegfall von Studierenden.

Welche Lebensmittel sind da? Was wird am nächsten Tag frisch gekocht? All das und dazu viele Hygienevorschriften organisiert die 63-Jährige von ihrem Platz aus. Wer in der Wärmestube helfen will, könne dies völlig frei und ganz ohne Zwang, erklärt die Ordensschwester, die 2013 die Leitung übernommen hat.

Malina Reckordt

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Was für die täglich frisch zubereiteten, warmen Mahlzeiten in der Einrichtung nicht verwendet werden kann, wird an die Besucher verteilt. Es sollen möglichst keine Lebensmittel weggeworfen werden, das ist Schwester Annette Stuff wichtig. Sie achtet mit ihren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern auch penibel darauf, dass die Kühlkette bei Milchprodukten und Fleisch eingehalten wird. Freundlich weist sie eine Helferin darauf hin, beim Joghurt zuerst den älteren Becher auszugeben, damit nichts entsorgt werden muss.

Jeder, der bei Schwester Annette vorbei kommt wird freundlich begrüßt. In die Wärmestube kommen Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen ebenso wie Besucher mit einer kleinen Rente und Wohnungslose. Manche sind einsam und suchen Gemeinschaft.

„Es hat gut geschmeckt. Morgen komme ich wieder“, verabschiedet sich ein Besucher. Weitere Personen sitzen noch im Speiseraum und lassen sich ihre frisch gekochte Mahlzeit schmecken. 80 Cent kostet das Mittagsmenü, für 50 Cent gibt es Kaffee und Kuchen. Ein Nachweis für die Bedürftigkeit muss nicht vorgelegt werden.

Aus der Küche duftet es. Die Besucher, etwa 25 Personen am Tag, lassen sich als Vorspeise thailändische Hühnersuppe mit Curry und Kokosmilch schmecken. Das Hauptgericht besteht aus Geflügelspießen, Spießen mit Grillkäse, Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen und Möhren. Aus dem, was da ist, überlegt sich Schwester Annette spontan ein Mittagsmenü. Auch im Speiseraum achtet die Leiterin auf alle Vorschriften. Wer nicht geimpft ist, kann sein Mittagessen draußen in einem Pavillon bekommen.

Früher habe sie auch mal einen Besucher umarmt, der ihr von seinen Sorgen und Problemen erzählt hat. Seit der Corona-Pandemie legt sie stattdessen manchmal ihre Hand auf den Arm des Gesprächspartners und versucht so, Trost zu spenden oder Verständnis zu zeigen.

In der Wärmestube werde niemand bekehrt, sagt sie deutlich. Wenn manchmal der Wunsch aufkäme, über den Glauben zu sprechen, dann würde sie immer aufzeigen, was andere Glaubensrichtungen dazu sagen. Besucher, die von ihrer eigenen Religion erzählen wollen, höre sie gerne zu.

Es ist Freitagmittag und gerade ist eine große Lebensmittellieferung der Tafel Bückeburg angekommen. Die Lebensmittelspenden kommen von dort, aber auch von Märkten oder Privatpersonen. „Manchmal bekommen wir Essen von Familienfeiern oder Betriebsfesten. Auch hier achten wir natürlich auf die Hygienevorschriften.“

Zum Ende des MT-Gesprächs findet sie in der Tasche ihrer Kittelschürze einen Zettel mit einer Telefonnummer. Ein junger Mann hatte ihr im Dezember seine Hilfe angeboten, den ruft sie jetzt zurück. Über weitere helfende Hände in der Wärmestube würde sie sich sehr freuen.

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