Mindener Hygiene-Experte Dr. Peter Witte stellt deutsche Corona-Strategie vor Monika Jäger Minden. Testen, testen, noch mal testen: Wer Covid-19-Ausbrüche wirksam verhindern will, sollte dieser Regel folgen, und dazu auch möglichst innerhalb der ersten vier Tage testen. Denn nur da lassen sich die Viren leicht aus Nasenabstrichen nachweisen. So der unmissverständliche Rat von Dr. Peter Witte. Der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken sprach am Donnerstagnachmittag bei einem internationalen „Webinar“, einem Seminar im Internet. Auf Bitten des Robert-Koch-Institus stellte er beispielhaft für Deutschland vor, wie in einem Land mit verhältnismäßig wenigen Neuinfektionen Schutz und Kontrolle funktionieren. Veranstalter war die niederländische KNCV, eine übergreifende Organisation, die sich dem Kampf gegen Tuberkulose weltweit widmet. In ihrem Netzwerk befasst sich diese Organisation gerade mit der Frage, inwieweit Erkenntnisse aus der Corona-Bekämpfung auch zur Ausrottung von Tuberkulose herangezogen werden können. An TB erkranken jedes Jahr weltweit etwa zehn Millionen Menschen, es ist die tödlichste aller Infektionskrankheiten. In Deutschland allerdings gibt es nur sehr wenige Tuberkulose-Fälle, wie Witte auf Nachfrage berichtete. So werden hier etwa sechs Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner gezählt. Diese nachzuverfolgen, sei nicht immer einfach, so Witte. Denn die Erkrankten seien zu etwa 80 Prozent nicht in Deutschland geboren und oftmals sehr mobil. Wie es gelungen sei, nach dem Ausbruch von Covid 19 so schnell so breit testen zu können, wurde Witte ebenfalls gefragt. Das sei möglich gewesen, weil sein Kollege, Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, sehr früh – praktisch sofort, als die Tragweite der Ausbrüche in Wuhan bekannt wurde –, die nötige Hardware bestellt habe. Auf großes Interesse stieß auch die Kontakt-Nachverfolgung. Witte hatte in seinem Vortrag betont, wie bedeutend diese aus seiner Sicht ist. Die Fachleute tauschten sich zudem über die Wirksamkeit von Antikörper-Tests und die Aussagekraft von positiven und negativen Covid-19-Testergebnissen aus. Weitere Empfehlung: Viel Kommunikation – die Mühlenkreiskliniken setzten hier unter anderem auf einen täglichen Newsletter für ihr Personal, und konsequenter Schutz. So habe es seit Anfang April im Klinikums-Personal keine Neuinfektionen gegeben, nachdem alle mit wirksamen Gesichtsmasken ausgestattet worden waren. Hatte Deutschland schon ähnliche Schutzmaßnahmen ausprobiert, bevor Covid 19 kam? Diese Frage aus Afrika konnte Witte nur bedingt bejahen. Zwar seien viele Maßnahmen übernommen worden, die für die Schweinegrippe und die Influenza erdacht wurden, doch das Corona-Virus sei ja ungleich aggressiver und breite sich viel schneller aus.

Mindener Hygiene-Experte Dr. Peter Witte stellt deutsche Corona-Strategie vor

Minden. Testen, testen, noch mal testen: Wer Covid-19-Ausbrüche wirksam verhindern will, sollte dieser Regel folgen, und dazu auch möglichst innerhalb der ersten vier Tage testen. Denn nur da lassen sich die Viren leicht aus Nasenabstrichen nachweisen. So der unmissverständliche Rat von Dr. Peter Witte. Der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken sprach am Donnerstagnachmittag bei einem internationalen „Webinar“, einem Seminar im Internet. Auf Bitten des Robert-Koch-Institus stellte er beispielhaft für Deutschland vor, wie in einem Land mit verhältnismäßig wenigen Neuinfektionen Schutz und Kontrolle funktionieren.

Dr. Peter Witte sprach auf Bitten des Robert-Koch-Instituts auf einem internationalen Online-Podium. Foto: Privat - © Muehlenkreiskliniken
Dr. Peter Witte sprach auf Bitten des Robert-Koch-Instituts auf einem internationalen Online-Podium. Foto: Privat - © Muehlenkreiskliniken

Veranstalter war die niederländische KNCV, eine übergreifende Organisation, die sich dem Kampf gegen Tuberkulose weltweit widmet. In ihrem Netzwerk befasst sich diese Organisation gerade mit der Frage, inwieweit Erkenntnisse aus der Corona-Bekämpfung auch zur Ausrottung von Tuberkulose herangezogen werden können. An TB erkranken jedes Jahr weltweit etwa zehn Millionen Menschen, es ist die tödlichste aller Infektionskrankheiten.

In Deutschland allerdings gibt es nur sehr wenige Tuberkulose-Fälle, wie Witte auf Nachfrage berichtete. So werden hier etwa sechs Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner gezählt. Diese nachzuverfolgen, sei nicht immer einfach, so Witte. Denn die Erkrankten seien zu etwa 80 Prozent nicht in Deutschland geboren und oftmals sehr mobil.

Wie es gelungen sei, nach dem Ausbruch von Covid 19 so schnell so breit testen zu können, wurde Witte ebenfalls gefragt. Das sei möglich gewesen, weil sein Kollege, Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, sehr früh – praktisch sofort, als die Tragweite der Ausbrüche in Wuhan bekannt wurde –, die nötige Hardware bestellt habe.

Auf großes Interesse stieß auch die Kontakt-Nachverfolgung. Witte hatte in seinem Vortrag betont, wie bedeutend diese aus seiner Sicht ist. Die Fachleute tauschten sich zudem über die Wirksamkeit von Antikörper-Tests und die Aussagekraft von positiven und negativen Covid-19-Testergebnissen aus.

Weitere Empfehlung: Viel Kommunikation – die Mühlenkreiskliniken setzten hier unter anderem auf einen täglichen Newsletter für ihr Personal, und konsequenter Schutz. So habe es seit Anfang April im Klinikums-Personal keine Neuinfektionen gegeben, nachdem alle mit wirksamen Gesichtsmasken ausgestattet worden waren.

Hatte Deutschland schon ähnliche Schutzmaßnahmen ausprobiert, bevor Covid 19 kam? Diese Frage aus Afrika konnte Witte nur bedingt bejahen. Zwar seien viele Maßnahmen übernommen worden, die für die Schweinegrippe und die Influenza erdacht wurden, doch das Corona-Virus sei ja ungleich aggressiver und breite sich viel schneller aus.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden