Michael Jäcke wiedergewählt und ein etwas kleinerer Rat in Minden Monika Jäger Minden. Einen spannenden Wahlabend mit durchaus auch unerwarteten Ergebnissen erlebten nicht nur jene, die in der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule an der offiziellen Veranstaltung teilnahmen. Viele Parteifreunde trafen sich auch coronabedingt zu eigenen Veranstaltungen außerhalb. Wie die Wahl ausging? Das wussten manche erst richtig spät: Ergebnisse bekam angesichts der hoffnungslos überlasteten Leitungen zur den Ergebnisseiten des Kommunalen Rechenzentrums in Lemgo kaum jemand zeitnah. Die Wahlergebnisse in drei Sätzen Erstens: Mindens Bürgermeister bleibt Michael Jäcke, denn er muss mit 54,3 Prozent der Stimmen nicht in die Stichwahl, sondern wurde direkt gewählt. Zweitens: Nur die Grünen haben klar dazugewonnen (drei Sitze, 15,54 Prozent), aber auch nicht so viel wie die Grünen im Land NRW (18,7). Drittens: Der Mindener Rat wird bunter und zersplitterter: Sechs Parteien und Wählergruppen haben drei (AfD), zwei (Linke, FDP, Mindener Initiative) oder einen Sitz (Bürger-Bündnis Minden, Wir für Minden) – und weder SPD (21 Sitze, minus drei), noch CDU (15 Sitze, minus zwei) haben eine Mehrheit. Das wird bedeuten: Kompromisse, Suche nach dem kleinesten gemeinsamen Nenner, wechselnde Mehrheiten in kommunalpolitisch schwieriger werdenden Zeiten. Die ersten Reaktionen Michal Jäcke (54,28 Prozent) freute sich und zeigte das auch. „Mit der Deutlichkeit hatte ich das Ergebnis nicht erwartet", sagte er. Natürlich habe er gehofft, direkt gewählt zu werden. Der Grund für die hohe Stimmenzahl? „Ich habe einen guten Draht zur Mindener Bevölkerung aufgebaut – und das wohl auch zu Personen aus allen Schichten." Ist das ein Zeichen für ein „Weiter so"? „Naja", sagt Jäcke, „so ganz viel haben wir ja offenbar nicht falsch gemacht." Doch die politische Arbeit werde in der neuen Ratskonstellation sicher nicht einfacher – da müssten dann weiter Wege gefunden werden, bei guten Projekten politisch zusammenzuarbeiten. Aus seiner Sicht sei künftig vor allem nötig, ein „noch deutlicheres Zeichen gegen die Ränder" zu setzen. „Ärgerlich" sagt der Verlierer, Dr. Konrad Winckler (CDU/31,12 Prozent). Er habe fest mit einer Stichwahl gerechnet. Aber nun wolle er sich in den Mindener Stadtrat einbringen und rechne auch damit, als Ortsvorsteher für das Rechte Weserufer endlich dort wichtige Themen angehen zu können. Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden/8,99 Prozent), die sich ebenfalls für das Mindener Bürgermeisteramt beworben hatte, freut sich, dass sie ihr Ziel (acht Prozent) erreicht hat („Das ist besser, als ich gedacht habe"). Schade sei aber, dass das BBM wieder nur mit einer Person in den Rat gekommen sei. Ob sich nun eine strategische Allianz ergebe, müsse man erst einmal sehen. Auf Dauer sei Ratsarbeit allein „keine schöne Lösung". Sebastian Landwehr (AfD/5,61 Prozent) sagt, seine Partei hätte sich ein bisschen mehr erhofft – sein Ergebnis erklärt er damit, dass er zum ersten Mal angetreten sei und der jüngste Kandidat gewesen sei. Für den Rat hätte die AfD mit sieben bis acht Prozent gerechnet, aber nur 5,74 Prozent geholt. Was nun die größte Herausforderung wird? „Mit drei Ratsmitgliedern unsere Wahlversprechen durchzusetzen." Bettina Fuhg (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich für die nächste Zeit viel vorgenommen: „An uns kommt keiner vorbei", sagt sie selbstbewusst. „Wir können Stolz sein, und wir haben einen super Wahlkampf gemacht." Die Themen Natur, Umwelt, Soziales hätten da auch den Weg geebnet. Nun auch mit neuen Leuten in einer Fraktion, die aus Menschen zwischen 18 und 80 Jahren besteht, zu arbeiten, werde spannend. Und sie selbst will sich um den Fraktionsvorsitz bewerben. Die CDU freue sich, dass sie fünf Direktmandate geholt habe, so Stadtverbandsvorsitzender Lennart Ulrich. Unter anderem hat Kathrin Kosiek dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Kock den Wahlbezirk abgenommen. Kock selbst ist – nach Stand am Wahlabend – dann noch über die Liste in den Rat gekommen, als einziger SPD-Mann auf diesem Weg. Er bedauert, dass andere wie Jannes Tielicke, Maike Kochinke und Bernd Winkler nicht mehr im Rat sind. Verteilung Mandate SPD (21): Direktmandate: Bernd Volz, Klaus von der Ahe, Hans-Detlev Reh, Olaf Wortmann, Bärbel Jürgensmeyer, Kai Piepenbrink, Heinrich Weihe, Renate Schermer, Renate Riechmann-Gäbler, Stefan Kambartel, Bettina Lauer, Andreas Herbusch, Thorsten Bülte, Bernd Müller, Ulrieke Schulze, Raphael Lorenz, Günter Weßel, Elke Kehrer, Reinhard Pieper, Heiko Wesemann; Reserveliste: Peter Kock. CDU (15): Direktmandate: Thomas Jozefiak,Michael Behrens, Kathrin Kosiek, Dr. Konrad Winckler, Ulrich Stadtmann. Reserveliste: Lennart Ulrich, Sabine Fecht, Lutz Abruszat, Hendrik Mucke, Dolores Bernhard, Brigitte Kampeter, Ulrich Luckner, Markus Redeker, Christina Gerhardt, Pascal Brongkoll. Bündnis 90/Die Grünen (9): Bettina Fuhg, Philipp Segler, Renate Müller, Peter Ibe, Efstathia Pappa, Horst IOdelberger, Daniela Michels, Wolfgang Thienelt, Emelie Segler. Mindener Initiative MI (2): Harald Steinmetz, Ria Urban. Die Linke (2): Angela Gradler-Gebecke, Gesine Frank. AfD (3): Sebastian Landwehr, Sylke Rolfsmeyer, Frank Dunklau. FDP (2): Hartmut Freise, Alexander Heidenreich. Bürger-Bündnis Minden, BBM (1): Claudia Herziger-Möhlmann Wir für Minden (1): Thorsten Vogt. Kommentar: Veränderungen An einem Abend wie diesem sind fast alle Sieger. Sagen sie jedenfalls. Die SPD, weil sie zwar verloren hat, aber nicht so viel wie im Landestrend. Die Grünen, weil sie deutlich mehr Sitze im Rat geholt haben, auch wenn sie nicht so gut wie die Grünen im Land NRW insgesamt abgeschnitten haben. Die AfD sowieso, und die CDU auch, weil sie fünf Direktmandate geholt und nur zwei Sitze im Rat verloren hat. Da tut es fast gut, wenn Konrad Winckler (CDU) als Verlierer im Rennen um das Bürgermeisteramt klar sagt „ärgerlich." Oder Harald Steinmetz für die MI erklärt, dass er es schade findet, nur zu zweit drin zu sein. Und sowohl Claudia Herziger-Möhlmann (BBM) als auch Angela Gradler-Gebecke (Linke) sehr ehrlich erklären, dass es schwierig werden kann mit so wenigen Vertretern im Rat. Und schwieriger dürfte es wirklich werden – ohne klare Mehrheiten, mit einer erstarkten Grünen-Fraktion unter möglicherweise neuer Leitung, mit durchgeschüttelten alten Großfraktionen: Der SPD, die nach Stand heute Abend mal gerade ihren Fraktionsvorsitzenden reinbekommen hat und ansonsten Direktmandate abgeben musste, die CDU mit neuen führungswilligen, aber in Kommunalparlamenten noch nicht sehr erfahrenen Köpfen, die AfD mit Personen, die in Sprache und Habitus schon im Wahlkampf deutlich aggressiver aufgetreten sind als ihre Vorgänger. Wie dieser Rat all die Themen diskutieren und gestalten wird, die in Minden in den kommenden Monaten wichtig werden – von Multihalle über Schulgestaltung und Bildung, dem Retten von Kultur und dem Leben in der Innenstadt und möglicherweise neuen Entwicklungen durch Corona. Man darf gespannt sein. Und hoffen,dass sich die neue bunte Stadtverordnetenversammlung nicht in Wortgefechten und Grundsatzdebatten verliert.

Michael Jäcke wiedergewählt und ein etwas kleinerer Rat in Minden

Siegerpose: Michael Jäcke erfuhr in der Mensa der KTG von seiner direkten Wiederwahl. © MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Einen spannenden Wahlabend mit durchaus auch unerwarteten Ergebnissen erlebten nicht nur jene, die in der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule an der offiziellen Veranstaltung teilnahmen. Viele Parteifreunde trafen sich auch coronabedingt zu eigenen Veranstaltungen außerhalb. Wie die Wahl ausging? Das wussten manche erst richtig spät: Ergebnisse bekam angesichts der hoffnungslos überlasteten Leitungen zur den Ergebnisseiten des Kommunalen Rechenzentrums in Lemgo kaum jemand zeitnah.

Die Wahlergebnisse in drei Sätzen

Erstens: Mindens Bürgermeister bleibt Michael Jäcke, denn er muss mit 54,3 Prozent der Stimmen nicht in die Stichwahl, sondern wurde direkt gewählt. Zweitens: Nur die Grünen haben klar dazugewonnen (drei Sitze, 15,54 Prozent), aber auch nicht so viel wie die Grünen im Land NRW (18,7). Drittens: Der Mindener Rat wird bunter und zersplitterter: Sechs Parteien und Wählergruppen haben drei (AfD), zwei (Linke, FDP, Mindener Initiative) oder einen Sitz (Bürger-Bündnis Minden, Wir für Minden) – und weder SPD (21 Sitze, minus drei), noch CDU (15 Sitze, minus zwei) haben eine Mehrheit.

Das wird bedeuten: Kompromisse, Suche nach dem kleinesten gemeinsamen Nenner, wechselnde Mehrheiten in kommunalpolitisch schwieriger werdenden Zeiten.

Die ersten Reaktionen

Ein Blick, der vieles sagt: CDU-Bürgermeisterkandidat Konrad Winckler (r.) mit Parteifreund Peter Kienzle. - © MT-Foto: Alex Lehn
Ein Blick, der vieles sagt: CDU-Bürgermeisterkandidat Konrad Winckler (r.) mit Parteifreund Peter Kienzle. - © MT-Foto: Alex Lehn

Michal Jäcke (54,28 Prozent) freute sich und zeigte das auch. „Mit der Deutlichkeit hatte ich das Ergebnis nicht erwartet", sagte er. Natürlich habe er gehofft, direkt gewählt zu werden. Der Grund für die hohe Stimmenzahl? „Ich habe einen guten Draht zur Mindener Bevölkerung aufgebaut – und das wohl auch zu Personen aus allen Schichten." Ist das ein Zeichen für ein „Weiter so"? „Naja", sagt Jäcke, „so ganz viel haben wir ja offenbar nicht falsch gemacht." Doch die politische Arbeit werde in der neuen Ratskonstellation sicher nicht einfacher – da müssten dann weiter Wege gefunden werden, bei guten Projekten politisch zusammenzuarbeiten. Aus seiner Sicht sei künftig vor allem nötig, ein „noch deutlicheres Zeichen gegen die Ränder" zu setzen.

„Ärgerlich" sagt der Verlierer, Dr. Konrad Winckler (CDU/31,12 Prozent). Er habe fest mit einer Stichwahl gerechnet. Aber nun wolle er sich in den Mindener Stadtrat einbringen und rechne auch damit, als Ortsvorsteher für das Rechte Weserufer endlich dort wichtige Themen angehen zu können.

Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden/8,99 Prozent), die sich ebenfalls für das Mindener Bürgermeisteramt beworben hatte, freut sich, dass sie ihr Ziel (acht Prozent) erreicht hat („Das ist besser, als ich gedacht habe"). Schade sei aber, dass das BBM wieder nur mit einer Person in den Rat gekommen sei. Ob sich nun eine strategische Allianz ergebe, müsse man erst einmal sehen. Auf Dauer sei Ratsarbeit allein „keine schöne Lösung".

Sebastian Landwehr (AfD/5,61 Prozent) sagt, seine Partei hätte sich ein bisschen mehr erhofft – sein Ergebnis erklärt er damit, dass er zum ersten Mal angetreten sei und der jüngste Kandidat gewesen sei. Für den Rat hätte die AfD mit sieben bis acht Prozent gerechnet, aber nur 5,74 Prozent geholt. Was nun die größte Herausforderung wird? „Mit drei Ratsmitgliedern unsere Wahlversprechen durchzusetzen."

Bettina Fuhg (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich für die nächste Zeit viel vorgenommen: „An uns kommt keiner vorbei", sagt sie selbstbewusst. „Wir können Stolz sein, und wir haben einen super Wahlkampf gemacht." Die Themen Natur, Umwelt, Soziales hätten da auch den Weg geebnet. Nun auch mit neuen Leuten in einer Fraktion, die aus Menschen zwischen 18 und 80 Jahren besteht, zu arbeiten, werde spannend. Und sie selbst will sich um den Fraktionsvorsitz bewerben.

Die CDU freue sich, dass sie fünf Direktmandate geholt habe, so Stadtverbandsvorsitzender Lennart Ulrich. Unter anderem hat Kathrin Kosiek dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Kock den Wahlbezirk abgenommen. Kock selbst ist – nach Stand am Wahlabend – dann noch über die Liste in den Rat gekommen, als einziger SPD-Mann auf diesem Weg. Er bedauert, dass andere wie Jannes Tielicke, Maike Kochinke und Bernd Winkler nicht mehr im Rat sind.

Verteilung Mandate

SPD (21): Direktmandate: Bernd Volz, Klaus von der Ahe, Hans-Detlev Reh, Olaf Wortmann, Bärbel Jürgensmeyer, Kai Piepenbrink, Heinrich Weihe, Renate Schermer, Renate Riechmann-Gäbler, Stefan Kambartel, Bettina Lauer, Andreas Herbusch, Thorsten Bülte, Bernd Müller, Ulrieke Schulze, Raphael Lorenz, Günter Weßel, Elke Kehrer, Reinhard Pieper, Heiko Wesemann; Reserveliste: Peter Kock.

CDU (15): Direktmandate: Thomas Jozefiak,Michael Behrens, Kathrin Kosiek, Dr. Konrad Winckler, Ulrich Stadtmann. Reserveliste: Lennart Ulrich, Sabine Fecht, Lutz Abruszat, Hendrik Mucke, Dolores Bernhard, Brigitte Kampeter, Ulrich Luckner, Markus Redeker, Christina Gerhardt, Pascal Brongkoll.

Bündnis 90/Die Grünen (9): Bettina Fuhg, Philipp Segler, Renate Müller, Peter Ibe, Efstathia Pappa, Horst IOdelberger, Daniela Michels, Wolfgang Thienelt, Emelie Segler.

Mindener Initiative MI (2): Harald Steinmetz, Ria Urban.

Die Linke (2): Angela Gradler-Gebecke, Gesine Frank.

AfD (3): Sebastian Landwehr, Sylke Rolfsmeyer, Frank Dunklau.

FDP (2): Hartmut Freise, Alexander Heidenreich.

Bürger-Bündnis Minden, BBM (1): Claudia Herziger-Möhlmann

Wir für Minden (1): Thorsten Vogt.

Kommentar: Veränderungen

An einem Abend wie diesem sind fast alle Sieger. Sagen sie jedenfalls. Die SPD, weil sie zwar verloren hat, aber nicht so viel wie im Landestrend. Die Grünen, weil sie deutlich mehr Sitze im Rat geholt haben, auch wenn sie nicht so gut wie die Grünen im Land NRW insgesamt abgeschnitten haben. Die AfD sowieso, und die CDU auch, weil sie fünf Direktmandate geholt und nur zwei Sitze im Rat verloren hat. Da tut es fast gut, wenn Konrad Winckler (CDU) als Verlierer im Rennen um das Bürgermeisteramt klar sagt „ärgerlich." Oder Harald Steinmetz für die MI erklärt, dass er es schade findet, nur zu zweit drin zu sein. Und sowohl Claudia Herziger-Möhlmann (BBM) als auch Angela Gradler-Gebecke (Linke) sehr ehrlich erklären, dass es schwierig werden kann mit so wenigen Vertretern im Rat.

Und schwieriger dürfte es wirklich werden – ohne klare Mehrheiten, mit einer erstarkten Grünen-Fraktion unter möglicherweise neuer Leitung, mit durchgeschüttelten alten Großfraktionen: Der SPD, die nach Stand heute Abend mal gerade ihren Fraktionsvorsitzenden reinbekommen hat und ansonsten Direktmandate abgeben musste, die CDU mit neuen führungswilligen, aber in Kommunalparlamenten noch nicht sehr erfahrenen Köpfen, die AfD mit Personen, die in Sprache und Habitus schon im Wahlkampf deutlich aggressiver aufgetreten sind als ihre Vorgänger.

Wie dieser Rat all die Themen diskutieren und gestalten wird, die in Minden in den kommenden Monaten wichtig werden – von Multihalle über Schulgestaltung und Bildung, dem Retten von Kultur und dem Leben in der Innenstadt und möglicherweise neuen Entwicklungen durch Corona. Man darf gespannt sein. Und hoffen,dass sich die neue bunte Stadtverordnetenversammlung nicht in Wortgefechten und Grundsatzdebatten verliert.

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