„Mich sperrt niemand ein“: Mindener protestiert vor Polizeiwache gegen Ausgangssperre Patrick Schwemling Minden. „Frau Bölling: informieren sie ihre Beamten", schrieb Rolf Biere am Mittwochmorgen um 9.17 Uhr per Mail an Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU). Darin kündigte der 80-jährige Mindener seinen persönlichen Protest gegen die ab gestern Abend geltende Ausgangssperre im Kreis Minden-Lübbecke an. Und er ließ seiner Ankündigung um 21.30 Uhr vor der Mindener Polizeiwache zu erscheinen, auch Taten folgen. Pünktlich um 21.27 Uhr tauchte Biere vor dem Gebäude an der Marienstraße auf. Noch bevor der Rentner den Eingangsbereich der Wache erreicht hatte, nahmen ihn bereits zwei Beamte in Empfang, die im Vorfeld über Bieres Demonstration informiert wurden. Rund zehn Minuten lang erklärte der 80-Jährige den Polizisten, weshalb er gegen die Ausgangssperre verstoße – und ihm auch klar sei, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen werde. „Ich mache den Beamten gar keinen Vorwurf, sie machen nur ihre Arbeit", sagte Biere, der mit der gestrigen Aktion für seine demokratischen Rechte einstehen wollte. Auf die Frage ob er der Reichsbürgerszene angehöre, antwortete der Mindener mit „Nein". Sein Protest stehe viel mehr im Zusammenhang mit zwei Dingen. Zum einen verstehe er nicht, weshalb solch eine Maßnahme ergriffen werde, wenn lediglich 41 der rund 310.000 Einwohner des Mühlenkreises aktuell wegen Corona in den heimischen Krankenhäusern behandelt würden. „Wären die Krankenhäuser und Intensivstationen voll, würde ich hier jetzt nicht stehen", meint er. Zum anderen ärgert sich der Rentner über das Impfvorgehen und die Tatsache, dass zwei – ihm bekannte – 85-jährige Menschen mit erheblichen Vorerkrankungen erst Ende April einen ersten Corona-Impftermin bekommen haben. Aus diesem Grund hat Biere bereits zahlreiche E-Mails an die Landrätin geschrieben, die er zusätzlich an weitere heimische Politiker und auch die MT-Redaktion adressiert hat – ebenso wie die Ankündigung seines gestrigen Protests. „Bis heute habe ich keine Antwort von Frau Bölling bekommen", ärgert sich der Mindener , der seinen Protest vor der Mindener Polizeiwache übrigens fortsetzen will. Denn: „Frau Merkel hat einen Rückzieher gemacht, vielleicht macht es auch Frau Bölling." Biere hatte sich im Vorfeld seines stillen und kurzen Protests die Wut auf die neue Corona-Allgemeinverfügung des Kreises vom Leib geschrieben. „Vom Stadtrat, über den Kreistag, über den Landtag bis zum Bundestag! Wo sind diese Menschen, diese Volksvertreter, geblieben? Von uns gewählt, um unsere Interessen zu vertreten! Sie sind abgetaucht – man nimmt sie nicht mehr wahr", ärgerte sich der Mindener in seinem Schreiben und forderte weiter „diesem üblen Spiel ein Ende zu bereiten." Biere stellte in der Nachricht klar, dass er sich in der Pandemie angemessen verhalte. Doch „einsperren lassen", wie er es nennt, werde er sich nicht. „Ich demonstriere für meine demokratischen Rechte. Ohne Radau – ich stehe einfach nur dort – was ich ja nicht darf!" Bereits am Montagvormittag – zu diesem Zeitpunkt war die Ausgangssperre noch Zukunftsmusik – hatte der Mindener klargemacht: „Mich sperrt niemand ein!" Diese Worte setzte er nun in die Tat um – mit der Konsequenz einer Anzeige wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre. Das hält ihn nach eigener Aussage aber nicht von weiteren Protesten ab. „Ich komme morgen wieder", kündigte er an, als er die Wache gegen 21.50 Uhr verließ.

„Mich sperrt niemand ein“: Mindener protestiert vor Polizeiwache gegen Ausgangssperre

Der Mindener Rolf Biere ist nicht einverstanden mit dem Erlass der Ausgangssperre für den Kreis Minden-Lübbecke und hat am Mittwochabend vor der Mindener Polizeiwache still protestiert. MT-Foto: Patrick Schwemling

Minden. „Frau Bölling: informieren sie ihre Beamten", schrieb Rolf Biere am Mittwochmorgen um 9.17 Uhr per Mail an Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU). Darin kündigte der 80-jährige Mindener seinen persönlichen Protest gegen die ab gestern Abend geltende Ausgangssperre im Kreis Minden-Lübbecke an. Und er ließ seiner Ankündigung um 21.30 Uhr vor der Mindener Polizeiwache zu erscheinen, auch Taten folgen. Pünktlich um 21.27 Uhr tauchte Biere vor dem Gebäude an der Marienstraße auf.

Noch bevor der Rentner den Eingangsbereich der Wache erreicht hatte, nahmen ihn bereits zwei Beamte in Empfang, die im Vorfeld über Bieres Demonstration informiert wurden. Rund zehn Minuten lang erklärte der 80-Jährige den Polizisten, weshalb er gegen die Ausgangssperre verstoße – und ihm auch klar sei, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen werde. „Ich mache den Beamten gar keinen Vorwurf, sie machen nur ihre Arbeit", sagte Biere, der mit der gestrigen Aktion für seine demokratischen Rechte einstehen wollte. Auf die Frage ob er der Reichsbürgerszene angehöre, antwortete der Mindener mit „Nein".

Sein Protest stehe viel mehr im Zusammenhang mit zwei Dingen. Zum einen verstehe er nicht, weshalb solch eine Maßnahme ergriffen werde, wenn lediglich 41 der rund 310.000 Einwohner des Mühlenkreises aktuell wegen Corona in den heimischen Krankenhäusern behandelt würden. „Wären die Krankenhäuser und Intensivstationen voll, würde ich hier jetzt nicht stehen", meint er. Zum anderen ärgert sich der Rentner über das Impfvorgehen und die Tatsache, dass zwei – ihm bekannte – 85-jährige Menschen mit erheblichen Vorerkrankungen erst Ende April einen ersten Corona-Impftermin bekommen haben.


Aus diesem Grund hat Biere bereits zahlreiche E-Mails an die Landrätin geschrieben, die er zusätzlich an weitere heimische Politiker und auch die MT-Redaktion adressiert hat – ebenso wie die Ankündigung seines gestrigen Protests. „Bis heute habe ich keine Antwort von Frau Bölling bekommen", ärgert sich der Mindener , der seinen Protest vor der Mindener Polizeiwache übrigens fortsetzen will. Denn: „Frau Merkel hat einen Rückzieher gemacht, vielleicht macht es auch Frau Bölling."

Biere hatte sich im Vorfeld seines stillen und kurzen Protests die Wut auf die neue Corona-Allgemeinverfügung des Kreises vom Leib geschrieben. „Vom Stadtrat, über den Kreistag, über den Landtag bis zum Bundestag! Wo sind diese Menschen, diese Volksvertreter, geblieben? Von uns gewählt, um unsere Interessen zu vertreten! Sie sind abgetaucht – man nimmt sie nicht mehr wahr", ärgerte sich der Mindener in seinem Schreiben und forderte weiter „diesem üblen Spiel ein Ende zu bereiten." Biere stellte in der Nachricht klar, dass er sich in der Pandemie angemessen verhalte. Doch „einsperren lassen", wie er es nennt, werde er sich nicht. „Ich demonstriere für meine demokratischen Rechte. Ohne Radau – ich stehe einfach nur dort – was ich ja nicht darf!"

Bereits am Montagvormittag – zu diesem Zeitpunkt war die Ausgangssperre noch Zukunftsmusik – hatte der Mindener klargemacht: „Mich sperrt niemand ein!" Diese Worte setzte er nun in die Tat um – mit der Konsequenz einer Anzeige wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre. Das hält ihn nach eigener Aussage aber nicht von weiteren Protesten ab. „Ich komme morgen wieder", kündigte er an, als er die Wache gegen 21.50 Uhr verließ.
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