Menschenkette durch die Stadt: So ist die Aktion am Samstag geplant Nina Könemann Minden. Mit mindestens 700 Teilnehmern rechnen die Organisatoren der für Samstag geplanten Menschenkette „Minden steht zusammen". Allerdings könnten es auch noch deutlich mehr werden. „Das ist gerade schwer einzuschätzen, weil zusätzlich zu Corona auch noch Ferien sind", sagt Jannes Tilicke. Er fungiert als Sprecher für rund 20 Mindener, die mit der Aktion ein Zeichen der Solidarität und gegen die Corona-Proteste setzen wollen. Am Montag waren selbst ernannte Querdenker vor das Privathaus von Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) gezogen, um gegen die Schutzmaßnahmen zu protestieren. Der Staatsschutz ermittelt nun gegen einen Mindener Zahnarzt, der als Rädelsführer gilt. Damit es am Samstag auf dem Marktplatz ruhig und corona-konform zugeht, bittet Tilicke beim Treff um 12 Uhr darum, genügend Abstand zu halten und sich nicht vor der Bühne zu sammeln. Außerdem sollen alle Besucher eine Maske tragen. Laut der aktuellen Coronaschutzverordnung NRW sind Versammlungen im Freien bis 750 Personen sogar ohne erlaubt, „aber wer weiß wie viele kommen. Außerdem wird es auf dem Markt sonst zu eng." Auch in den Sozialen Netzwerken hatten die Veranstalter immer wieder auf die Abstands- und Hygieneregeln hingewiesen. Um für ruhige Stimmung zu sorgen, soll die Bühne bereits ab etwa 11 Uhr auf dem Markt aufgebaut werden. „Wir spielen dann schon Musik, damit niemand Angst hat etwas zu verpassen." Deshalb hat Anna Katharin Bölling abgesagt Den Auftakt machen dann um 12.05 Uhr Mindens Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Michael Mertins. Jäcke wird ein Solidaritätsbekunden verlesen, das alle Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Kreis unterzeichnet haben. Mertins will ebenfalls ein paar Worte an die Menge richten. Er spreche dabei, so Tilicke, auch bewusst für den Kirchenkreis und nicht nur als Privatmann. Auch die Landrätin selbst war laut Auskunft der Veranstalter eingeladen worden. „Sie hat sich für die Aktion bedankt, aber aus Gründen persönlicher Betroffenheit abgesagt", so Tilicke weiter. Nach den Redebeiträgen soll die Kette gebildet werden. Geplant ist dafür eine Strecke quer durch die Innenstand. „Mit 1200 Metern Länge haben wir genug Platz ", sagt Tilicke. „Wir starten die Kette in zwei Richtungen. Valeria Casselmann und Elke Bikowski führen die Schlangen an und gehen mit den Teilnehmern in unterschiedliche Richtungen. Sie werden sich irgendwann treffen, um den Kreis zu vervollständigen." Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Minden gegen Rechts (@mindengegenrechts) Alle Teilnehmer bekommen vom Veranstalter ein etwa ein Meter langes Band ausgehändigt, um den Abstand einzuhalten. Außerdem seien ausreichend Ordner vor Ort. „Wir können uns über Walkie Talkies verständigen und auch Kontakt zur Polizei halten", so Tilicke. Die Sicherheitskräfte selbst schätzen die Lage als unkritisch ein. „Wir rechnen mit einem friedlichen und störungsfreien Verlauf", so Polizeisprecher Thomas Bensch. Es gebe bisher keine Hinweise, dass jemand die Veranstaltung stören wolle. Tilicke schätzte das ebenso ein: „Natürlich wird in den einschlägigen Telegram-Gruppen der Querdenker immer wieder vorgeschlagen, zu kommen. Aber ich glaube das passiert am Ende nicht." Und sonst gelte für ihn: „Wer öffentlich ein Zeichen gegen rechts setzen und sich zu uns in die Menschenkette stellen will, ist willkommen." Sollte doch jemand Ärger machen, sei die Polizei ja vor Ort. „Wir sind vorbereitet, aber nicht in Alarmstimmung", bestätigt Thomas Bensch.  Nach den Ratsfraktionen der Stadt Minden erklärten sich gestern unterdessen auch noch die Kreistagsfraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP sowie die Gruppen der Linken und Freien Wähler solidarisch mit der Landrätin. „In breiten Teilen der heimischen Politik kann man nur schwer an einen zufälligen Fehlgriff oder an eine spontane Provokation glauben. Vielmehr lassen süffisante Kommentare in den sozialen Medien, unter anderem von prominenten AFD-Vertretern, eine gezielte und daher umso geschmacklosere Aktion vermuten", heißt es in dem offiziellen Schreiben. Auch politisch handele es sich um eine Respektlosigkeit, da die Landrätin bei nächster Gelegenheit „innerhalb von Sitzungen, wieder mit Personen konfrontiert ist, die wohl am Montagabend zumindest teilweise mit dabei waren." Lesen Sie dazu auch: - "Querdenker"-Protest vor dem Haus der Landrätin - Nach Demo vor dem Haus der Landrätin: Staatsschutz ermittelt gegen Mindener - Landrätin Anna Bölling sendet emotionale Botschaft - „Die Mehrheit ist gefordert" - So bewertet Konfliktforscher Andreas Zick die Querdenker-Proteste in Minden - Kommentar zum Querdenker-Aufmarsch vor Privathaus der Landrätin: Grenzüberschreitung

Menschenkette durch die Stadt: So ist die Aktion am Samstag geplant

Mit der Aktion „Minden steht zusammen" wollen die Veranstalter ein Zeichen setzen: Hand in Hand (mit Abstand) für Solidarität und gegen die Corona-Proteste. Im Mai 2021 (Foto) hatte „Minden trägt Maske" zu einer Gegendemonstration aufgerufen, um ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität zu setzen. Dem hatte sich auch „Minden gegen Rechts" angeschlossen.
© Doris Christoph

Minden. Mit mindestens 700 Teilnehmern rechnen die Organisatoren der für Samstag geplanten Menschenkette „Minden steht zusammen". Allerdings könnten es auch noch deutlich mehr werden. „Das ist gerade schwer einzuschätzen, weil zusätzlich zu Corona auch noch Ferien sind", sagt Jannes Tilicke. Er fungiert als Sprecher für rund 20 Mindener, die mit der Aktion ein Zeichen der Solidarität und gegen die Corona-Proteste setzen wollen. Am Montag waren selbst ernannte Querdenker vor das Privathaus von Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) gezogen, um gegen die Schutzmaßnahmen zu protestieren. Der Staatsschutz ermittelt nun gegen einen Mindener Zahnarzt, der als Rädelsführer gilt.

Damit es am Samstag auf dem Marktplatz ruhig und corona-konform zugeht, bittet Tilicke beim Treff um 12 Uhr darum, genügend Abstand zu halten und sich nicht vor der Bühne zu sammeln. Außerdem sollen alle Besucher eine Maske tragen. Laut der aktuellen Coronaschutzverordnung NRW sind Versammlungen im Freien bis 750 Personen sogar ohne erlaubt, „aber wer weiß wie viele kommen. Außerdem wird es auf dem Markt sonst zu eng." Auch in den Sozialen Netzwerken hatten die Veranstalter immer wieder auf die Abstands- und Hygieneregeln hingewiesen. Um für ruhige Stimmung zu sorgen, soll die Bühne bereits ab etwa 11 Uhr auf dem Markt aufgebaut werden. „Wir spielen dann schon Musik, damit niemand Angst hat etwas zu verpassen."

Deshalb hat Anna Katharin Bölling abgesagt

Den Auftakt machen dann um 12.05 Uhr Mindens Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Michael Mertins. Jäcke wird ein Solidaritätsbekunden verlesen, das alle Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Kreis unterzeichnet haben. Mertins will ebenfalls ein paar Worte an die Menge richten. Er spreche dabei, so Tilicke, auch bewusst für den Kirchenkreis und nicht nur als Privatmann. Auch die Landrätin selbst war laut Auskunft der Veranstalter eingeladen worden. „Sie hat sich für die Aktion bedankt, aber aus Gründen persönlicher Betroffenheit abgesagt", so Tilicke weiter.

Nach den Redebeiträgen soll die Kette gebildet werden. Geplant ist dafür eine Strecke quer durch die Innenstand. „Mit 1200 Metern Länge haben wir genug Platz ", sagt Tilicke. „Wir starten die Kette in zwei Richtungen. Valeria Casselmann und Elke Bikowski führen die Schlangen an und gehen mit den Teilnehmern in unterschiedliche Richtungen. Sie werden sich irgendwann treffen, um den Kreis zu vervollständigen."

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Alle Teilnehmer bekommen vom Veranstalter ein etwa ein Meter langes Band ausgehändigt, um den Abstand einzuhalten. Außerdem seien ausreichend Ordner vor Ort. „Wir können uns über Walkie Talkies verständigen und auch Kontakt zur Polizei halten", so Tilicke.

Die Sicherheitskräfte selbst schätzen die Lage als unkritisch ein. „Wir rechnen mit einem friedlichen und störungsfreien Verlauf", so Polizeisprecher Thomas Bensch. Es gebe bisher keine Hinweise, dass jemand die Veranstaltung stören wolle. Tilicke schätzte das ebenso ein: „Natürlich wird in den einschlägigen Telegram-Gruppen der Querdenker immer wieder vorgeschlagen, zu kommen. Aber ich glaube das passiert am Ende nicht." Und sonst gelte für ihn: „Wer öffentlich ein Zeichen gegen rechts setzen und sich zu uns in die Menschenkette stellen will, ist willkommen." Sollte doch jemand Ärger machen, sei die Polizei ja vor Ort. „Wir sind vorbereitet, aber nicht in Alarmstimmung", bestätigt Thomas Bensch.

Geplant ist für die Menschenkette eine Strecke quer durch die Innenstadt - © MT
Geplant ist für die Menschenkette eine Strecke quer durch die Innenstadt
- © MT

 Nach den Ratsfraktionen der Stadt Minden erklärten sich gestern unterdessen auch noch die Kreistagsfraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP sowie die Gruppen der Linken und Freien Wähler solidarisch mit der Landrätin. „In breiten Teilen der heimischen Politik kann man nur schwer an einen zufälligen Fehlgriff oder an eine spontane Provokation glauben. Vielmehr lassen süffisante Kommentare in den sozialen Medien, unter anderem von prominenten AFD-Vertretern, eine gezielte und daher umso geschmacklosere Aktion vermuten", heißt es in dem offiziellen Schreiben. Auch politisch handele es sich um eine Respektlosigkeit, da die Landrätin bei nächster Gelegenheit „innerhalb von Sitzungen, wieder mit Personen konfrontiert ist, die wohl am Montagabend zumindest teilweise mit dabei waren."

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