"Mein erstes Mal": Schlafen unter freiem Himmel - romantisch oder nicht? Thomas Lieske Minden. Die Sterne funkeln, die Grillen zirpen – ansonsten Stille. Wohlig eingepackt in den gemütlichen Schlafsack, könnte die Stimmung romantischer nicht sein. Klare Luft, nur ein Windhauch streicht über die Wange. Die letzten Vögel haben sich in der großen Kiefer nebenan zur Abendruhe gesetzt. Fern am Horizont blitzt der letzte Orangeton des Sonnenuntergangs über den Himmelsrand. Schlafen unter freiem Himmel kann so romantisch sein. Romantisch? Von wegen! Die Sterne funkeln, es ist ziemlich kalt. Der Rauch des improvisierten Lagerfeuers aus alten Holzlatten zieht ständig ins Gesicht. Das Nachtlager am laut knackenden Feuer ist eher ein Provisorium als ein freiwillig gewählter Schlafplatz. Drinnen, im alten leerstehenden Bauernhaus haben es sich die Mitschülerinnen gemütlich gemacht. Die wollen wir lieber nicht stören. Uns bleibt die Nacht in alten Schlafsäcken auf einem ziemlich harten Untergrund. Klassenfahrt – oder zumindest so ähnlich. Eine freiwillige Kursfahrt in der Oberstufe. Mit dem Rad fahren wir die ehemalige innerdeutsche Grenze entlang. Meine Eltern haben zufällig noch ein altes Bauernhaus auf dem Dorf, das liegt nur zwei Kilometer von der ehemaligen Grenze entfernt. Der Lehrer ist froh – wir sparen Übernachtungskosten. Und die Lage ist top. Das soll es also sein: Mein erstes Mal unter freiem Himmel schlafen. Mit ein paar Kumpels aus dem Jahrgang. Ganz cool. Könnte man meinen. So richtig Stimmung kommt aber nicht auf. Die Nacht Ende August wird ziemlich frisch. Wir haben nur leichte Klamotten dabei. 30 Grad und mehr am Tag können trügerisch sein. Leicht zitternd, mummeln wir uns in die Schlafsäcke. Sie riechen nach Staub, abgestandener Wäsche – wie ein alter Schlafsack eben so riecht. Der Qualm des Feuers treibt die eine oder andere Träne ins Auge. Ansonsten ertragen wir das Schreikonzert der Dolen in der Kiefer, die unweit der Lagerfeuerstelle steht. Und nein, auch so ein Gespräch unter Männern mag nicht so richtig aufkommen. Nur noch das Flackern der kleinen Flamme in der Lagerfeuerstelle spendet etwas Licht. Ansonsten ist es dunkel geworden um uns herum. Wir sind mitten auf dem Dorf. 170 Seelen wohnen hier – wenn’s hochkommt. Man kennt sich. Und trotzdem: Das ist kein Bett in einem Haus, dessen Haustür abgeschlossen ist. Im Gras raschelt ist. Die Äste der Bäume knacken im Wind. Fledermäuse üben ihre Kamikaze-artigen Sturzflüge genau über uns. Das ist wirklich keine Atmosphäre, um sich von der Radtour des Tages zu erholen. Doch irgendwann überkommt uns die Müdigkeit Die ersten fangen an zu schnarchen. Die Erschöpfung tut ihr Übriges. Ich schließe meine Augen – und schlafe ein. Was um uns herum geschieht? Keine Ahnung. Ob Mäuse vorbeiflitzen, Spinnen über uns hinwegkrabbeln, Ameisen sich gestört fühlen – wer weiß. Unschön wird es vor allem am nächsten Morgen. Für Langschläfer ist dieses „Unter freiem Himmel Schlafen“ ehrlich gesagt nichts. Mit einem Kratzen im Hals wachen wir auf. War es der Rauch des Lagerfeuers? Oder die viele frische Luft? Rückenschmerzen kommen dazu. Wow, das erste Mal schlafen unter freiem Himmel. Wir sind wahrscheinlich zu sehr verwöhnt, um dieses Erlebnis zu schätzen.

"Mein erstes Mal": Schlafen unter freiem Himmel - romantisch oder nicht?

Schlafen unter freiem Himmel kann romantisch sein – muss es aber nicht, wie der Erfahrungsbericht von MT-Redakteur Thomas Lieske deutlich macht. Symbolfoto: Marcus Führer/dpa © Marcus Führer

Minden. Die Sterne funkeln, die Grillen zirpen – ansonsten Stille. Wohlig eingepackt in den gemütlichen Schlafsack, könnte die Stimmung romantischer nicht sein. Klare Luft, nur ein Windhauch streicht über die Wange. Die letzten Vögel haben sich in der großen Kiefer nebenan zur Abendruhe gesetzt. Fern am Horizont blitzt der letzte Orangeton des Sonnenuntergangs über den Himmelsrand. Schlafen unter freiem Himmel kann so romantisch sein.

Romantisch? Von wegen! Die Sterne funkeln, es ist ziemlich kalt. Der Rauch des improvisierten Lagerfeuers aus alten Holzlatten zieht ständig ins Gesicht. Das Nachtlager am laut knackenden Feuer ist eher ein Provisorium als ein freiwillig gewählter Schlafplatz. Drinnen, im alten leerstehenden Bauernhaus haben es sich die Mitschülerinnen gemütlich gemacht. Die wollen wir lieber nicht stören. Uns bleibt die Nacht in alten Schlafsäcken auf einem ziemlich harten Untergrund.

Klassenfahrt – oder zumindest so ähnlich. Eine freiwillige Kursfahrt in der Oberstufe. Mit dem Rad fahren wir die ehemalige innerdeutsche Grenze entlang. Meine Eltern haben zufällig noch ein altes Bauernhaus auf dem Dorf, das liegt nur zwei Kilometer von der ehemaligen Grenze entfernt. Der Lehrer ist froh – wir sparen Übernachtungskosten. Und die Lage ist top. Das soll es also sein: Mein erstes Mal unter freiem Himmel schlafen. Mit ein paar Kumpels aus dem Jahrgang. Ganz cool. Könnte man meinen.

So richtig Stimmung kommt aber nicht auf. Die Nacht Ende August wird ziemlich frisch. Wir haben nur leichte Klamotten dabei. 30 Grad und mehr am Tag können trügerisch sein. Leicht zitternd, mummeln wir uns in die Schlafsäcke. Sie riechen nach Staub, abgestandener Wäsche – wie ein alter Schlafsack eben so riecht. Der Qualm des Feuers treibt die eine oder andere Träne ins Auge. Ansonsten ertragen wir das Schreikonzert der Dolen in der Kiefer, die unweit der Lagerfeuerstelle steht.

Und nein, auch so ein Gespräch unter Männern mag nicht so richtig aufkommen. Nur noch das Flackern der kleinen Flamme in der Lagerfeuerstelle spendet etwas Licht. Ansonsten ist es dunkel geworden um uns herum. Wir sind mitten auf dem Dorf. 170 Seelen wohnen hier – wenn’s hochkommt. Man kennt sich. Und trotzdem: Das ist kein Bett in einem Haus, dessen Haustür abgeschlossen ist. Im Gras raschelt ist. Die Äste der Bäume knacken im Wind. Fledermäuse üben ihre Kamikaze-artigen Sturzflüge genau über uns. Das ist wirklich keine Atmosphäre, um sich von der Radtour des Tages zu erholen.

Doch irgendwann überkommt uns die Müdigkeit Die ersten fangen an zu schnarchen. Die Erschöpfung tut ihr Übriges. Ich schließe meine Augen – und schlafe ein. Was um uns herum geschieht? Keine Ahnung. Ob Mäuse vorbeiflitzen, Spinnen über uns hinwegkrabbeln, Ameisen sich gestört fühlen – wer weiß.

Unschön wird es vor allem am nächsten Morgen. Für Langschläfer ist dieses „Unter freiem Himmel Schlafen“ ehrlich gesagt nichts. Mit einem Kratzen im Hals wachen wir auf. War es der Rauch des Lagerfeuers? Oder die viele frische Luft? Rückenschmerzen kommen dazu. Wow, das erste Mal schlafen unter freiem Himmel. Wir sind wahrscheinlich zu sehr verwöhnt, um dieses Erlebnis zu schätzen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden