Mehrere Lösungsansätze: Noch ist Minden-Lübbecke Schlusslicht bei der Patientenversorgung Stefan Koch Minden. Die von der Robert-Bosch- Stifung im Mai vorgestellten Zahlen zur Entwicklung der Hausarztdichte im Kreis Minden-Lübbecke klingen alarmierend. Danach droht bis zum Jahr 2035 ein Rückgang bei der Versorgungsdichte um mehr als 50 Prozent – jeder zweite Arzt ist laut der Prognose dann nicht mehr da. Schon jetzt gibt es nach MT-Informationen Praxen, die mangels Kapazitäten keine Patienten mehr annehmen. Der Kreis Minden-Lübbecke sieht dringend Handlungsbedarf. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Schritte gegen den Hausärzteschwund sind längst auf den Weg gebracht. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe stellt fest, dass dies in der Prognose der Stiftung überhaupt nicht berücksichtigt worden sei. Die Robert-Bosch-Stiftung (Stuttgart) fördert Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und globale Fragen. Ein Ziel ist die Verbesserung des Gesundheitssystems in Deutschland. Zuletzt war die hausärztliche Versorgungsdichte in Deutschland eines ihrer großen Themen. Nach der im Mai vorgestellten Studie sollen bundesweit bis ins Jahr 2035 knapp 11.000 Praxen unbesetzt bleiben. Wie das Berliner IGES Institut im Auftrag der Stiftung analysierte, dürften ausgehend von rund 52.000 Hausärzten im Jahr 2019 altersbedingt fast 30.000 Hausärzte in den kommenden 34 Jahren ausscheiden. Und in der Negativbilanz nimmt der Kreis Minden-Lübbecke einen Besorgnis erregenden Spitzenplatz ein. So veröffentliche die Stiftung ein Ranking der von Hausarztmangel betroffenen Landkreise in Deutschland. Unter den TOP 15 der Sorgenkinder führt der Kreis Minden-Lübbecke auf Platz eins mit einem Schwund von 53 Prozent. Auffällig ist, dass viele andere Kommunen aus Nordrhein-Westfalen mit einer schlechten Prognose abschneiden. Der Märkische Kreis, der Kreis Höxter und der Hochsauerlandkreis gehören zu denen, die mindestens die Hälfte ihrer Hausärzte bis ins Jahr 2035 verlieren werden. Als Gründe für diese Entwicklung führen die Macher der Studie an, dass nur noch wenige Nachwuchsmediziner den vermeintlich unattraktiven Job eines niedergelassenen Hausarztes machen wollen. Junge Ärzte bevorzugen vielmehr statt der arbeitsintensiven Einzelpraxis das Angestelltenverhältnis oder Teilzeitmodelle. Dass die Lage im Mühlenkreis angespannt ist, zeigen auch die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL). Danach sind aktuell 44 Prozent der Hausärzte 60 Jahre oder älter. Die KVWL weist dennoch darauf hin, dass das düstere Bild eines zukünftigen Mangels mit Vorsicht zu betrachten ist. „Zunächst muss bei der Studie der Robert-Bosch-Stiftung beachtet werden, dass es sich um eine rein rechnerische Prognose handelt“, teilt Jana Elbert vom Stabsbereich Kommunikation der KVWL in Dortmund mit. „Diese Prognose berücksichtigt nicht die verschiedenen Maßnahmen, die bereits getroffen wurden und auch in Zukunft getroffen werden.“ Eine große Hoffnung setzt die KVWL auf die medizinische Fakultät in Bielefeld. Nach der Genehmigung durch das Land soll schon im kommenden Wintersemester ein Modellstudiengang mit ungefähr 60 Studierenden beginnen. Ab 2025 soll es dann 300 Plätze für diesen Studiengang in Bielefeld geben, so dass genug Nachwuchs regional ausgebildet wird. Entlastung verspricht sich die Kammer des Weiteren von der Landarztquote. Seit dem Wintersemester 2019/2020 kann in Nordrhein-Westfalen ergänzend zum Vergabeverfahren ein angehender Mediziner einen Studienplatz bekommen, wenn er sich verpflichtet, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Auch hier hat bereits die Zahl der Bewerber die der Studienplätze überstiegen. „Auch die KVWL hat im Sinne ihres Sicherstellungsauftrags verschiedene Maßnahmen ergriffen, um auch in Zukunft eine flächendeckende hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe zu gewährleisten“, sagt Jana Elbert. Dazu zählt sie unter anderem das Förderverzeichnis der Kammer als eine Art Frühwarnsystem, mit dem sie aufzeigen kann, in welcher Gemeinde sich in naher Zukunft Probleme bei der ärztlichen Versorgung entwickeln könnten. Wer hier Hausarzt werden will, kommt in den Genuss von Privilegien wie beispielsweise der Übernahme von Umzugs- und Einrichtungskosten seiner Praxis oder die Gewährung von Darlehen. Aktuell sind Petershagen und Porta Westfalica in dem Verzeichnis enthalten. Doch auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe (Unna) war schon lange vor der Veröffentlichung der Studie der Robert-Bosch-Stiftung mit dem Problem der Überalterung beschäftigt. „Wir sind schon seit Jahren aktiv in der Nachwuchsgewinnung engagiert“, teilt Daniela Thamm, Pressesprecherin des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, mit. „Wir haben unsere ,Nachwuchsinitiative Allgemeinmedizin Zukunft Praxis’ ins Leben gerufen mit dem Ziel, bereits im Medizinstudium das Interesse an der Hausarztmedizin zu wecken und angehende Medizinerinnen und Mediziner für den Beruf des Hausarztes zu begeistern.“ Auch Quereinsteiger aus anderen Fachrichtungen würden begleitet. Zudem sei der Hausärzteverband Ansprechpartner für Kommunen, die die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung erkannt hätten. Wie Sabine Ohnesorge von der Pressestelle des Kreises Minden-Lübbecke mitteilt, sei dies in der Region der Fall. So hätten einige Kommunen mit Ärztehäusern und ähnlichen Konzepten auf schon bestehende Engpässe reagiert. Dazu zählten die Städte Espelkamp und Rahden sowie die Gemeinde Hüllhorst. „Auch einzelne Dörfer werben bereits für sich, um einzelne Ärzte in ländliche Räume zu ziehen.“ Ein wichtiger Baustein sei auch die seit 2016 gestartete Medizinerausbildung am Campus Minden des Johannes-Wesling-Klinikums. „Schon heute gibt es viele Medizin-Studierende, die die Vorzüge der Bedingungen hier vor Ort kennen und schätzen gelernt haben.“ Hier gelte es anzusetzen, um die ärztliche Versorgung im Kreis Minden-Lübbecke zukunftsfähig zu machen und strategisch weiterzuentwickeln. Landrätin Anna Bölling (CDU) erklärt auf MT-Anfrage, dass bei der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung dringender Handlungsbedarf bestehe. Das sei ein ganzheitliches Thema, dem sie auch als Vorsitzende des Verwaltungsrates der Mühlenkreiskliniken mit dem aktuell beschlossenen Gutachten zur Weiterentwicklung mehr Gewicht geben wolle. Unter anderem soll überprüft werden, wie die Mühlenkreiskliniken in der ambulanten Versorgung eine stärkere Rolle spielen könnten. Im Mai hatte der Verwaltungsrat in nichtöffentlicher Sitzung das Gutachten auf den Weg gebracht. Es soll im September vorliegen. Der schwächelnden hausärztlichen Versorgung hofft die Robert-Bosch-Stiftung mit speziellen Versorgungszentren begegnen zu können. Das Modell vereint Prävention und Beratung, Behandlung und Therapie bis zur Nachsorge und Reha unter einem Dach. Diese patientenorientierten Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung sollen mit den Kommunen eng zusammenarbeiten und in ihrer Umgebung gut vernetzt sein. Bislang gibt es 13 dieser PORT-Zentren in Deutschland. Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe sieht da aber auch Nachteile. „Bei Mehrversorgungszentren ist die Gefahr einfach größer, dass es zu einer Anonymisierung kommt“, meint Daniela Thamm. Um einen Menschen hausärztlich begleiten zu können, seien persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im sozialen Umfeld wichtig. Entscheidend sei daher, den medizinischen Nachwuchs zu erreichen und aufzuzeigen, wie flexibel, schön und erfüllend der Hausarztberuf sei und dass eine Niederlassung oder auch eine Anstellung in einer Hausarztpraxis der Region eine „tolle Möglichkeit“ biete, einen anspruchsvollen Job familienfreundlich und mit hohem Freizeitwert zu leben. Dazu müssten sich unter anderem die Praxen als Lehrpraxen für Studierende öffnen – für Praktika, als Ausbildungsorte und zur Weiterbildung. Der KVWL erscheint der Vorschlag der Robert-Bosch-Stiftung nicht neu. Sie ähnelten doch sehr den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), lautet die Einschätzung von Jana Elbert. Davon gebe es in Westfalen-Lippe bereits 280 an der Zahl – neben 1.995 Berufsausübungsgemeinschaften und 7.173 Einzelpraxen. „Grundsätzlich begrüßt es die KVWL, wenn der ärztliche Nachwuchs über die Niederlassung oder die Anstellung in einer Praxis oder in einem medizinisch geführten MVZ in der ambulanten Versorgung tätig wird und hierdurch zum Beispiel erste Erfahrungen sammeln kann.“ Ob und inwiefern sich auch umfangreichere Gesundheitszentren entwickelten und etablierten, bleibe abzuwarten.

Mehrere Lösungsansätze: Noch ist Minden-Lübbecke Schlusslicht bei der Patientenversorgung

ARCHIV - 18.09.2013, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck. Am 17.11.2018 findet der 25. Hausärztetag Mecklenburg-Vorpommern statt. Foto: Bernd Weissbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © (c) Copyright 2013, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Minden. Die von der Robert-Bosch- Stifung im Mai vorgestellten Zahlen zur Entwicklung der Hausarztdichte im Kreis Minden-Lübbecke klingen alarmierend. Danach droht bis zum Jahr 2035 ein Rückgang bei der Versorgungsdichte um mehr als 50 Prozent – jeder zweite Arzt ist laut der Prognose dann nicht mehr da. Schon jetzt gibt es nach MT-Informationen Praxen, die mangels Kapazitäten keine Patienten mehr annehmen. Der Kreis Minden-Lübbecke sieht dringend Handlungsbedarf. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Schritte gegen den Hausärzteschwund sind längst auf den Weg gebracht. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe stellt fest, dass dies in der Prognose der Stiftung überhaupt nicht berücksichtigt worden sei.

Die Robert-Bosch-Stiftung (Stuttgart) fördert Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und globale Fragen. Ein Ziel ist die Verbesserung des Gesundheitssystems in Deutschland. Zuletzt war die hausärztliche Versorgungsdichte in Deutschland eines ihrer großen Themen. Nach der im Mai vorgestellten Studie sollen bundesweit bis ins Jahr 2035 knapp 11.000 Praxen unbesetzt bleiben. Wie das Berliner IGES Institut im Auftrag der Stiftung analysierte, dürften ausgehend von rund 52.000 Hausärzten im Jahr 2019 altersbedingt fast 30.000 Hausärzte in den kommenden 34 Jahren ausscheiden. Und in der Negativbilanz nimmt der Kreis Minden-Lübbecke einen Besorgnis erregenden Spitzenplatz ein.

So veröffentliche die Stiftung ein Ranking der von Hausarztmangel betroffenen Landkreise in Deutschland. Unter den TOP 15 der Sorgenkinder führt der Kreis Minden-Lübbecke auf Platz eins mit einem Schwund von 53 Prozent. Auffällig ist, dass viele andere Kommunen aus Nordrhein-Westfalen mit einer schlechten Prognose abschneiden. Der Märkische Kreis, der Kreis Höxter und der Hochsauerlandkreis gehören zu denen, die mindestens die Hälfte ihrer Hausärzte bis ins Jahr 2035 verlieren werden. Als Gründe für diese Entwicklung führen die Macher der Studie an, dass nur noch wenige Nachwuchsmediziner den vermeintlich unattraktiven Job eines niedergelassenen Hausarztes machen wollen. Junge Ärzte bevorzugen vielmehr statt der arbeitsintensiven Einzelpraxis das Angestelltenverhältnis oder Teilzeitmodelle.


Dass die Lage im Mühlenkreis angespannt ist, zeigen auch die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL). Danach sind aktuell 44 Prozent der Hausärzte 60 Jahre oder älter. Die KVWL weist dennoch darauf hin, dass das düstere Bild eines zukünftigen Mangels mit Vorsicht zu betrachten ist. „Zunächst muss bei der Studie der Robert-Bosch-Stiftung beachtet werden, dass es sich um eine rein rechnerische Prognose handelt“, teilt Jana Elbert vom Stabsbereich Kommunikation der KVWL in Dortmund mit. „Diese Prognose berücksichtigt nicht die verschiedenen Maßnahmen, die bereits getroffen wurden und auch in Zukunft getroffen werden.“

- © Jörg Barner
© Jörg Barner

Eine große Hoffnung setzt die KVWL auf die medizinische Fakultät in Bielefeld. Nach der Genehmigung durch das Land soll schon im kommenden Wintersemester ein Modellstudiengang mit ungefähr 60 Studierenden beginnen. Ab 2025 soll es dann 300 Plätze für diesen Studiengang in Bielefeld geben, so dass genug Nachwuchs regional ausgebildet wird. Entlastung verspricht sich die Kammer des Weiteren von der Landarztquote. Seit dem Wintersemester 2019/2020 kann in Nordrhein-Westfalen ergänzend zum Vergabeverfahren ein angehender Mediziner einen Studienplatz bekommen, wenn er sich verpflichtet, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Auch hier hat bereits die Zahl der Bewerber die der Studienplätze überstiegen.

„Auch die KVWL hat im Sinne ihres Sicherstellungsauftrags verschiedene Maßnahmen ergriffen, um auch in Zukunft eine flächendeckende hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe zu gewährleisten“, sagt Jana Elbert. Dazu zählt sie unter anderem das Förderverzeichnis der Kammer als eine Art Frühwarnsystem, mit dem sie aufzeigen kann, in welcher Gemeinde sich in naher Zukunft Probleme bei der ärztlichen Versorgung entwickeln könnten. Wer hier Hausarzt werden will, kommt in den Genuss von Privilegien wie beispielsweise der Übernahme von Umzugs- und Einrichtungskosten seiner Praxis oder die Gewährung von Darlehen. Aktuell sind Petershagen und Porta Westfalica in dem Verzeichnis enthalten.

Doch auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe (Unna) war schon lange vor der Veröffentlichung der Studie der Robert-Bosch-Stiftung mit dem Problem der Überalterung beschäftigt. „Wir sind schon seit Jahren aktiv in der Nachwuchsgewinnung engagiert“, teilt Daniela Thamm, Pressesprecherin des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, mit. „Wir haben unsere ,Nachwuchsinitiative Allgemeinmedizin Zukunft Praxis’ ins Leben gerufen mit dem Ziel, bereits im Medizinstudium das Interesse an der Hausarztmedizin zu wecken und angehende Medizinerinnen und Mediziner für den Beruf des Hausarztes zu begeistern.“ Auch Quereinsteiger aus anderen Fachrichtungen würden begleitet. Zudem sei der Hausärzteverband Ansprechpartner für Kommunen, die die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung erkannt hätten.

Wie Sabine Ohnesorge von der Pressestelle des Kreises Minden-Lübbecke mitteilt, sei dies in der Region der Fall. So hätten einige Kommunen mit Ärztehäusern und ähnlichen Konzepten auf schon bestehende Engpässe reagiert. Dazu zählten die Städte Espelkamp und Rahden sowie die Gemeinde Hüllhorst. „Auch einzelne Dörfer werben bereits für sich, um einzelne Ärzte in ländliche Räume zu ziehen.“ Ein wichtiger Baustein sei auch die seit 2016 gestartete Medizinerausbildung am Campus Minden des Johannes-Wesling-Klinikums. „Schon heute gibt es viele Medizin-Studierende, die die Vorzüge der Bedingungen hier vor Ort kennen und schätzen gelernt haben.“ Hier gelte es anzusetzen, um die ärztliche Versorgung im Kreis Minden-Lübbecke zukunftsfähig zu machen und strategisch weiterzuentwickeln.

Landrätin Anna Bölling (CDU) erklärt auf MT-Anfrage, dass bei der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung dringender Handlungsbedarf bestehe. Das sei ein ganzheitliches Thema, dem sie auch als Vorsitzende des Verwaltungsrates der Mühlenkreiskliniken mit dem aktuell beschlossenen Gutachten zur Weiterentwicklung mehr Gewicht geben wolle. Unter anderem soll überprüft werden, wie die Mühlenkreiskliniken in der ambulanten Versorgung eine stärkere Rolle spielen könnten. Im Mai hatte der Verwaltungsrat in nichtöffentlicher Sitzung das Gutachten auf den Weg gebracht. Es soll im September vorliegen.

Der schwächelnden hausärztlichen Versorgung hofft die Robert-Bosch-Stiftung mit speziellen Versorgungszentren begegnen zu können. Das Modell vereint Prävention und Beratung, Behandlung und Therapie bis zur Nachsorge und Reha unter einem Dach. Diese patientenorientierten Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung sollen mit den Kommunen eng zusammenarbeiten und in ihrer Umgebung gut vernetzt sein. Bislang gibt es 13 dieser PORT-Zentren in Deutschland.

Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe sieht da aber auch Nachteile. „Bei Mehrversorgungszentren ist die Gefahr einfach größer, dass es zu einer Anonymisierung kommt“, meint Daniela Thamm. Um einen Menschen hausärztlich begleiten zu können, seien persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im sozialen Umfeld wichtig. Entscheidend sei daher, den medizinischen Nachwuchs zu erreichen und aufzuzeigen, wie flexibel, schön und erfüllend der Hausarztberuf sei und dass eine Niederlassung oder auch eine Anstellung in einer Hausarztpraxis der Region eine „tolle Möglichkeit“ biete, einen anspruchsvollen Job familienfreundlich und mit hohem Freizeitwert zu leben. Dazu müssten sich unter anderem die Praxen als Lehrpraxen für Studierende öffnen – für Praktika, als Ausbildungsorte und zur Weiterbildung.

Der KVWL erscheint der Vorschlag der Robert-Bosch-Stiftung nicht neu. Sie ähnelten doch sehr den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), lautet die Einschätzung von Jana Elbert. Davon gebe es in Westfalen-Lippe bereits 280 an der Zahl – neben 1.995 Berufsausübungsgemeinschaften und 7.173 Einzelpraxen. „Grundsätzlich begrüßt es die KVWL, wenn der ärztliche Nachwuchs über die Niederlassung oder die Anstellung in einer Praxis oder in einem medizinisch geführten MVZ in der ambulanten Versorgung tätig wird und hierdurch zum Beispiel erste Erfahrungen sammeln kann.“ Ob und inwiefern sich auch umfangreichere Gesundheitszentren entwickelten und etablierten, bleibe abzuwarten.

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