Mehr Museum als erwartet - das LWL-Preußenmuseum bekommt eine zweite Fläche für Sonderausstellungen Ursula Koch Minden. Der Eröffnungstermin ist seit 2018 mehrfach verschoben worden. Im August 2019 hat Dr. Sylvia Necker als neue Leiterin des LWL-Preußenmuseums ihren Dienst angetreten. Seitdem leitet sie ein Museum, das für das Publikum noch immer geschlossen ist. Was nach außen so ruhig dasteht, entfaltet im Innern durchaus Dynamik. Allein der Personalstand hat sich seit ihrem Antritt nahezu verdoppelt. Neben der Leiterin und dem Historiker Carsten Reuß, Museumspädagogin Doris Wermelt, Hannah Meisinger für digitale Kommunikation und Veranstaltungskoordination, den beiden Verwaltungskräften und dem Hausmeister sind aktuell fünf Volontäre beschäftigt. André-Marcel Siegel absolviert sein wissenschaftliches Volontariat. Zeitlich befristet kommen noch vier studentische Volontärinnen hinzu: Anna-Lena Geis und Danielle Dörsing kümmern sich um eine Strategie für die Präsenz in den sozialen Medien, Inga Krischnick und Larissa Bekemeier helfen dabei, den Bestand des Museums digital zu erfassen. Ihre Stellen sind bis zum Jahresende befristet.Gemeinsam arbeiten sie daran, dass am 11. November für die Sonderausstellung „Jüdisch? Preußisch? Oder was?“ die Türen geöffnet werden können. 2022 soll dann die lange angekündigte Dauerausstellung an den Start gehen. Und recht bald auch schon soll eine Präsentation zu sehen sein, die über die ehemalige Defensionskaserne und den Simeonsplatz informiert. Dafür ist etwa ein Viertel des Obergeschosses vorgesehen, berichtet Necker. Damit bekommt Minden sehr viel mehr Preußenmuseum, als vom LWL bislang in Aussicht gestellt war. Es hatte immer geheißen: Wir eröffnen erst einmal die Dauerausstellung im Erdgeschoss, dann sehen wir weiter. „Potz Blitz“ so der Titel der dauerhaften Präsentation zur preußischen Geschichte wird im Erdgeschoss in dem Gebäudeteil rechts vom Eingang in Inszenierungen deutlich machen, wie Preußen unsere Gegenwart beeinflusst.Mit dem Mindener Beitrag zum bundesweiten Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ geht dann sogar noch vorher die Sonderausstellung im Obergeschoss an den Start, die ebenfalls die gesamte Fläche rechts vom Eingang umfasst. Links vom Eingang soll auf dieser Etage etwa auf der Hälfte der Fläche der Ausstellungsort selber vorgestellt werden. In die Räume dahinter sind Necker und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezogen. Auf diese Weise könne einem möglichen Pächter der Gastronomie im Erdgeschoss mehr Fläche geboten werden, begründet Necker diesen Umzug.„Corona hat uns zugesetzt, obwohl wir noch geschlossen haben“, sagt Necker. Viele Projekte, die sie im vergangenen Jahr in Angriff genommen hat, sind aufgrund der Schutzmaßnahmen radikal ausgebremst worden: die Vortragsreihe „Blaupause“ ebenso wie die Platzkonzerte „Blauklang“ oder die aktive Nutzung des Containers als 33 Kubikmeter Museum. Der soll schon ab Herbst auf Reisen gehen. Bünde, Preußisch Oldendorf, Bielefeld und Herford sind als erste auswärtige Stationen im Visier, dazwischen macht der mobile Raum immer wieder in Minden Halt.Zusammen mit der Stadtbibliothek plant sie die Reihe „Buch auf, hört rein“ mit Lesungen und Podcasts zu preußischen Themen. „Preußen on Air“ ist der Titel eines neuen Podcasts, für den Volontär André-Marcel Siegel Stationen des Netzwerks „Preußen in Westfalen“ bereist. Drei Folgen soll er pro Jahr realisieren. Die Burg Altena, das Kreismuseum Wewelsburg und das Mindener Museum sollen in diesem Jahr realisiert werden. Der erste Beitrag soll noch diesen Monat auf der Internet-Seite des Museums zu finden sein.Mit dem Ratsgymnasium hatte das Museum noch vor Corona eine Kooperation gestartet. Unter dem Dach ist ein Raum eingerichtet, der als Unterrichtsraum genutzt werden kann, ein zweiter als Leseraum. In die neue Dauerausstellung möchte Necker Podcasts von Schülern einbauen.Bereits am 28. Oktober soll eine kleine Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung eröffnet werden, die die Vorgeschichte Nordrhein-Westfalens abbildet. Analog sichtbar ist eine Litfaßsäule, bestückt mit Postern, Fotos und einem QR-Code, der zu der digitalen Präsentation in vier Kapiteln führt. Nach dem Start in Minden wird die Litfaßsäule in Düsseldorf und elf weiteren Städten in allen fünf Regierungsbezirken zu sehen sein. „Das ist unsere erste Kooperation über OWL hinaus“, betont die Museumsdirektorin.Für das Besucherzentrum am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das ebenfalls vom Museumsteam betreut wird, ist für dieses Jahr eine erste kleine Foto-Ausstellung geplant.Die erste große Sonderausstellung ist zwar noch nicht eröffnet, trotzdem steht das Thema für die zweite bereits fest: In „Schwarz-Weiß“ geht es um Kolonialismus und Preußen. Sie soll im November 2022 starten. „Ich habe zum Auftakt bewusst zwei brennende Themen gewählt, um zu zeigen, dass die Auseinandersetzung mit preußischer Geschichte Antworten auf gegenwärtige Fragen liefert“, sagt die Historikerin. Mit den Sonderausstellungen will sie Debatten anregen.Für diese zusätzlichen Präsentationen ist sie weiterhin auf Drittmittel angewiesen. Für das Projekt „Jüdisch? Preußisch? Oder was?“ stellt die LWL-Kulturstiftung 250.000 Euro zur Verfügung. Auch für „Schwarz-Weiß“ laufen Förderanträge. Sonderausstellungen seien notwendig, um das Museum aktiv und lebendig zu halten, sagt Necker. Sie wolle das Thema Preußen breit spiegeln, darum brauche das Haus viel Ausstellungsfläche.

Mehr Museum als erwartet - das LWL-Preußenmuseum bekommt eine zweite Fläche für Sonderausstellungen

Minden. Der Eröffnungstermin ist seit 2018 mehrfach verschoben worden. Im August 2019 hat Dr. Sylvia Necker als neue Leiterin des LWL-Preußenmuseums ihren Dienst angetreten. Seitdem leitet sie ein Museum, das für das Publikum noch immer geschlossen ist. Was nach außen so ruhig dasteht, entfaltet im Innern durchaus Dynamik. Allein der Personalstand hat sich seit ihrem Antritt nahezu verdoppelt. Neben der Leiterin und dem Historiker Carsten Reuß, Museumspädagogin Doris Wermelt, Hannah Meisinger für digitale Kommunikation und Veranstaltungskoordination, den beiden Verwaltungskräften und dem Hausmeister sind aktuell fünf Volontäre beschäftigt. André-Marcel Siegel absolviert sein wissenschaftliches Volontariat. Zeitlich befristet kommen noch vier studentische Volontärinnen hinzu: Anna-Lena Geis und Danielle Dörsing kümmern sich um eine Strategie für die Präsenz in den sozialen Medien, Inga Krischnick und Larissa Bekemeier helfen dabei, den Bestand des Museums digital zu erfassen. Ihre Stellen sind bis zum Jahresende befristet.Gemeinsam arbeiten sie daran, dass am 11. November für die Sonderausstellung „Jüdisch? Preußisch? Oder was?“ die Türen geöffnet werden können. 2022 soll dann die lange angekündigte Dauerausstellung an den Start gehen. Und recht bald auch schon soll eine Präsentation zu sehen sein, die über die ehemalige Defensionskaserne und den Simeonsplatz informiert. Dafür ist etwa ein Viertel des Obergeschosses vorgesehen, berichtet Necker. Damit bekommt Minden sehr viel mehr Preußenmuseum, als vom LWL bislang in Aussicht gestellt war. Es hatte immer geheißen: Wir eröffnen erst einmal die Dauerausstellung im Erdgeschoss, dann sehen wir weiter. „Potz Blitz“ so der Titel der dauerhaften Präsentation zur preußischen Geschichte wird im Erdgeschoss in dem Gebäudeteil rechts vom Eingang in Inszenierungen deutlich machen, wie Preußen unsere Gegenwart beeinflusst.Mit dem Mindener Beitrag zum bundesweiten Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ geht dann sogar noch vorher die Sonderausstellung im Obergeschoss an den Start, die ebenfalls die gesamte Fläche rechts vom Eingang umfasst. Links vom Eingang soll auf dieser Etage etwa auf der Hälfte der Fläche der Ausstellungsort selber vorgestellt werden. In die Räume dahinter sind Necker und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezogen. Auf diese Weise könne einem möglichen Pächter der Gastronomie im Erdgeschoss mehr Fläche geboten werden, begründet Necker diesen Umzug.„Corona hat uns zugesetzt, obwohl wir noch geschlossen haben“, sagt Necker. Viele Projekte, die sie im vergangenen Jahr in Angriff genommen hat, sind aufgrund der Schutzmaßnahmen radikal ausgebremst worden: die Vortragsreihe „Blaupause“ ebenso wie die Platzkonzerte „Blauklang“ oder die aktive Nutzung des Containers als 33 Kubikmeter Museum. Der soll schon ab Herbst auf Reisen gehen. Bünde, Preußisch Oldendorf, Bielefeld und Herford sind als erste auswärtige Stationen im Visier, dazwischen macht der mobile Raum immer wieder in Minden Halt.Zusammen mit der Stadtbibliothek plant sie die Reihe „Buch auf, hört rein“ mit Lesungen und Podcasts zu preußischen Themen. „Preußen on Air“ ist der Titel eines neuen Podcasts, für den Volontär André-Marcel Siegel Stationen des Netzwerks „Preußen in Westfalen“ bereist. Drei Folgen soll er pro Jahr realisieren. Die Burg Altena, das Kreismuseum Wewelsburg und das Mindener Museum sollen in diesem Jahr realisiert werden. Der erste Beitrag soll noch diesen Monat auf der Internet-Seite des Museums zu finden sein.Mit dem Ratsgymnasium hatte das Museum noch vor Corona eine Kooperation gestartet. Unter dem Dach ist ein Raum eingerichtet, der als Unterrichtsraum genutzt werden kann, ein zweiter als Leseraum. In die neue Dauerausstellung möchte Necker Podcasts von Schülern einbauen.Bereits am 28. Oktober soll eine kleine Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung eröffnet werden, die die Vorgeschichte Nordrhein-Westfalens abbildet. Analog sichtbar ist eine Litfaßsäule, bestückt mit Postern, Fotos und einem QR-Code, der zu der digitalen Präsentation in vier Kapiteln führt. Nach dem Start in Minden wird die Litfaßsäule in Düsseldorf und elf weiteren Städten in allen fünf Regierungsbezirken zu sehen sein. „Das ist unsere erste Kooperation über OWL hinaus“, betont die Museumsdirektorin.Für das Besucherzentrum am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das ebenfalls vom Museumsteam betreut wird, ist für dieses Jahr eine erste kleine Foto-Ausstellung geplant.Die erste große Sonderausstellung ist zwar noch nicht eröffnet, trotzdem steht das Thema für die zweite bereits fest: In „Schwarz-Weiß“ geht es um Kolonialismus und Preußen. Sie soll im November 2022 starten. „Ich habe zum Auftakt bewusst zwei brennende Themen gewählt, um zu zeigen, dass die Auseinandersetzung mit preußischer Geschichte Antworten auf gegenwärtige Fragen liefert“, sagt die Historikerin. Mit den Sonderausstellungen will sie Debatten anregen.Für diese zusätzlichen Präsentationen ist sie weiterhin auf Drittmittel angewiesen. Für das Projekt „Jüdisch? Preußisch? Oder was?“ stellt die LWL-Kulturstiftung 250.000 Euro zur Verfügung. Auch für „Schwarz-Weiß“ laufen Förderanträge. Sonderausstellungen seien notwendig, um das Museum aktiv und lebendig zu halten, sagt Necker. Sie wolle das Thema Preußen breit spiegeln, darum brauche das Haus viel Ausstellungsfläche.

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