Zwischenstand der Agentur für Arbeit: Mehr Ausbildungsplätze, aber weniger Interessenten Vasco Stemmer Minden. Für Jugendliche, die sich im Mühlenkreis auf einen Ausbildungsplatz bewerben wollen, stehen die Chancen nicht schlecht – zumindest rechnerisch. Doch obwohl der Halbjahresbericht zum Ausbildungsmarkt der Agentur für Arbeit mehr Stellen als Bewerber verzeichnet, passen die Stellen nicht unbedingt zu den Bewerbern. Im Ostwestfalen-Vergleich steht der Kreis aber gut da. Für die Berufsberater ist es jedoch schwieriger geworden, die Schüler zu erreichen. Im Kreis Minden-Lübbecke meldeten sich bis Ende März 1.641 Bewerber bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Herford. Im Vergleich zum vorherigen Berichtsjahr sind das 57 oder 3,4 Prozent weniger Jugendliche. Gleichzeitig wurden der Agentur im Berichtsjahr 2020/21 bisher 1.937 offene Ausbildungsstellen gemeldet – 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „Es ist positiv, dass die Unternehmen weiterhin bereit sind in die Ausbildung zu investieren“, kommentiert Frauke Schwietert, Leiterin der Agentur für Arbeit in Herford, die Zahlen. Von den gemeldeten Stellen sind aktuell noch 1.236 Stellen unbesetzt, das sind 73 mehr als im März des Vorjahres. Von den Bewerbern aus dem Kreis haben aktuell 959 noch keine Stelle, das sind 32 weniger als im März 2020. Somit gibt es 1,18 Stellen für jeden Bewerber. Im Kreis Herford sind es nur 0,88 Stellen. Auch im Vergleich zum Land, erzielt der Mühlenkreis einen guten Wert. Dabei kommen im Durchschnitt 1,04 Stellen auf einen Bewerber. Bis jetzt wurden etwa 75 Prozent der zum August verfügbaren Stellen gemeldet. Kleinere Unternehmen entscheiden meist etwas später, ob sie Ausbildungsplätze vergeben wollen. Kaufmännische Berufe stehen bei den Bewerbern höher im Kurs als gewerbliche. Besonders beliebt ist die Ausbildung für Kaufleute im Büromanagement. Am häufigsten angeboten wird allerdings die Ausbildung für Kaufleute im Einzelhandel und für Verkäufer. Und auch im Einzelhandel gibt es Unterschiede: „Viele junge Leute suchen Stellen in Bereichen wie Elektronik oder Mode“, berichtet Frauke Schwietert. Der größere Teil der Stellen werde aber im Lebensmitteleinzelhandel angeboten. Die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker ist bei den gewerblichen Berufen besonders beliebt. Doch Ausbildungsplätze werden in diesem Bereich seltener angeboten, als von den Bewerbern angefragt. Diese Beispiele zeigen, dass es trotz der guten Werte, Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen. Der Fachkräftemangel macht auch vor dem Mühlenkreis nicht halt, und der Blick in die Zukunft gebe Anlass zur Sorge. Über 23 Prozent der Fachkräfte werden aus ihrem Beruf ausscheiden – allein in den nächsten zehn Jahren. Ebenfalls besorgniserregend sei, dass die Corona-Pandemie die Berufsberatung eingeschränkt habe. Zwar sind die Berater gut in die Schulen integriert, doch es fehle an persönlichen Kontakten. In den Beratungsgesprächen zeige sich, das die Situation auch den Jugendlichen zusetzt. Mechthild Teupen, kommissarische Geschäftsführerin Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), erklärt, dass die Anzahl der eingegangenen Ausbildungsverhältnisse, im Vergleich zwischen den Jahren 2019 und 2020, um 15,4 Prozent gesunken ist. Carl-Christian Goll, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, betont die Wichtigkeit von Praktika für das Handwerk. Diese Erfahrungen könnten Beratungsgespräche nicht ersetzten. Die Handwerkskammer verzeichnete im Jahr 2020 einen Rückgang der neu geschlossenen Ausbildungsverträge um 7,39 Prozent.

Zwischenstand der Agentur für Arbeit: Mehr Ausbildungsplätze, aber weniger Interessenten

Quelle: Agentur für Arbeit Herford © vstemmer

Minden. Für Jugendliche, die sich im Mühlenkreis auf einen Ausbildungsplatz bewerben wollen, stehen die Chancen nicht schlecht – zumindest rechnerisch. Doch obwohl der Halbjahresbericht zum Ausbildungsmarkt der Agentur für Arbeit mehr Stellen als Bewerber verzeichnet, passen die Stellen nicht unbedingt zu den Bewerbern. Im Ostwestfalen-Vergleich steht der Kreis aber gut da. Für die Berufsberater ist es jedoch schwieriger geworden, die Schüler zu erreichen.

Im Kreis Minden-Lübbecke meldeten sich bis Ende März 1.641 Bewerber bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Herford. Im Vergleich zum vorherigen Berichtsjahr sind das 57 oder 3,4 Prozent weniger Jugendliche. Gleichzeitig wurden der Agentur im Berichtsjahr 2020/21 bisher 1.937 offene Ausbildungsstellen gemeldet – 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „Es ist positiv, dass die Unternehmen weiterhin bereit sind in die Ausbildung zu investieren“, kommentiert Frauke Schwietert, Leiterin der Agentur für Arbeit in Herford, die Zahlen.

Von den gemeldeten Stellen sind aktuell noch 1.236 Stellen unbesetzt, das sind 73 mehr als im März des Vorjahres. Von den Bewerbern aus dem Kreis haben aktuell 959 noch keine Stelle, das sind 32 weniger als im März 2020. Somit gibt es 1,18 Stellen für jeden Bewerber. Im Kreis Herford sind es nur 0,88 Stellen. Auch im Vergleich zum Land, erzielt der Mühlenkreis einen guten Wert. Dabei kommen im Durchschnitt 1,04 Stellen auf einen Bewerber. Bis jetzt wurden etwa 75 Prozent der zum August verfügbaren Stellen gemeldet. Kleinere Unternehmen entscheiden meist etwas später, ob sie Ausbildungsplätze vergeben wollen.

Kaufmännische Berufe stehen bei den Bewerbern höher im Kurs als gewerbliche. Besonders beliebt ist die Ausbildung für Kaufleute im Büromanagement. Am häufigsten angeboten wird allerdings die Ausbildung für Kaufleute im Einzelhandel und für Verkäufer. Und auch im Einzelhandel gibt es Unterschiede: „Viele junge Leute suchen Stellen in Bereichen wie Elektronik oder Mode“, berichtet Frauke Schwietert. Der größere Teil der Stellen werde aber im Lebensmitteleinzelhandel angeboten.

Die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker ist bei den gewerblichen Berufen besonders beliebt. Doch Ausbildungsplätze werden in diesem Bereich seltener angeboten, als von den Bewerbern angefragt. Diese Beispiele zeigen, dass es trotz der guten Werte, Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen.

Der Fachkräftemangel macht auch vor dem Mühlenkreis nicht halt, und der Blick in die Zukunft gebe Anlass zur Sorge. Über 23 Prozent der Fachkräfte werden aus ihrem Beruf ausscheiden – allein in den nächsten zehn Jahren.

Ebenfalls besorgniserregend sei, dass die Corona-Pandemie die Berufsberatung eingeschränkt habe. Zwar sind die Berater gut in die Schulen integriert, doch es fehle an persönlichen Kontakten. In den Beratungsgesprächen zeige sich, das die Situation auch den Jugendlichen zusetzt.

Mechthild Teupen, kommissarische Geschäftsführerin Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), erklärt, dass die Anzahl der eingegangenen Ausbildungsverhältnisse, im Vergleich zwischen den Jahren 2019 und 2020, um 15,4 Prozent gesunken ist.

Carl-Christian Goll, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, betont die Wichtigkeit von Praktika für das Handwerk. Diese Erfahrungen könnten Beratungsgespräche nicht ersetzten. Die Handwerkskammer verzeichnete im Jahr 2020 einen Rückgang der neu geschlossenen Ausbildungsverträge um 7,39 Prozent.

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