Marco Assmann mit seinen blutsaugenden Artisten bei den "Mindener Zeitinseln" Katzenfloh macht Zirkusbesucher froh / Ausstattung in London entdeckt Von Inge Czygan Minden (ic). Wenn "Flohrian" die kleine goldene Kutsche zieht, "Flohkatoni", der beste Fußball spielende Floh der Welt, ein Tor schießt, und wenn schließlich noch Madame "Flohrentine" auf dem Hochseil tanzt, dann geraten die Besucher völlig aus dem Häuschen und klatschen begeistert Beifall. Bei den "Mindener Zeitinseln" gehört "Marco Assmann´s Floh- Circus" zu den spektakulärsten Attraktionen. Upps - ein Aufschrei lässt das Publikum zusammenzucken, als plötzlich Floh Alfredo den Sprung auf die Besucher wagt, doch Dompteur Marco fängt ihn geistesgegenwärtig wieder ein. Zum Glück ist das nur ein Gag, denn Alfredo gibt es in Wirklichkeit gar nicht.Dabei fing mit ihm alles an. "Ich war schon immer ein Fan von alten Jahrmarkts- und Zirkuskünsten und zauberte nebenberuflich mit dem virtuellen Floh Alfredo für Kinder", berichtet Zirkusdirektor Marco Assmann, der am 15. Mai 1973 als Sohn eines Busunternehmers in Goslar geboren wurde und nach dem Abitur eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolvierte. "Außerdem sammelte ich auf Reisen alles, was mit einem Flohzirkus zu tun hat, alte Eintrittskarten, Requisiten, Plakate."Als ein Freund 1995 in einem Londoner Antiquitätengeschäft eine kleine goldene Kutsche und ein Karussell entdeckte, flog er sofort hin, kaufte alles und gründete seinen Floh-Zirkus. "Von Anette, einer befreundeten Tierärztin, bekam ich meine ersten acht Flöhe, doch bei dem Versuch, sie zu dressieren, hauten fünf von ihnen ab. Im Jahr 2000 machte ich mein Hobby zum Beruf."Inzwischen zeigt der berühmte Blutsauger-Bändiger, der mit Ehefrau Julia, einer promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin an der TU Clausthal, einem Chihuahua, einem Zwergschwein sowie Papageien in Lautenthal lebt und dort den nostalgischen Indoor-Vergnügungspark "Luna Land" betreibt, seine Show nicht nur im Fernsehen, sondern rund 500 Mal im Jahr in ganz Europa.Während der spannenden 20-minütigen Vorführung, für die ein Koffer als Manege dient, erfahren die Zuschauer Erstaunliches über Flöhe. "Der Floh gehört zu den stärksten Tieren der Welt, kann das 160000-fache seines eigenen Gewichts in Bewegung bringen und springt über das 150-Fache seiner Größe", erklärt Marco Assmann, in dessen fünf Quadratmeter großen Zirkuswagen schon mal 42 Besucher Platz gefunden haben sollen."Von den 250 Floharten kommen Katzenflöhe wie diese am häufigsten vor", so der Zirkusdirektor. "Wichtig für die Dressur ist, dass die Tiere gut genährt sind und dass die Temperatur stimmt. Ich habe einen Brutkasten im Auto und kühle oder wärme die Flöhe vor Auftritten je nach Witterung auf 20 Grad, denn wenn es dem Floh zu kalt ist, dann bewegt er sich nicht."Gefüttert werden die 120 Flöhe, die ihn auf Reisen begleiten, mit dem Blut des Direktors. "Ich setze mir nacheinander jeweils sechs bis acht Flöhe auf den Arm und lasse sie zehn Minuten saugen", sagt Marco Assmann.Doch wie dressiert man einen Floh? "Zuerst beobachte ich ihre Talente, ob sie Springer oder Läufer sind", verrät der Floh-Fan. "Dann verteile ich sie auf unterschiedlich hohe Plastikdosen." Die Flöhe in einer flachen Petrischale hätten nach zwei Tagen gelernt, dass sie nicht hoch springen könnten und eigneten sich zum Ziehen der Kutsche. Das Halsband bestehe aus einem 0,12 Millimeter dünnen Draht mit einer winzigen Schlaufe am Ende. Vor dem Auftritt halte er den Floh mit einer Pinzette am Hinterteil fest und schiebe seinen Kopf da durch. "Dann drücke ich den Draht zu."Ist das nicht Tierquälerei? "Nein", betont Marco Assmann. "Der Floh besitzt einen festen Panzer, und der Draht ist wie ein Halsband beim Hund. Hinterher lasse ich ihn ja auch wieder frei."Wie lange lebt eigentlich ein Floh? "Zehn bis zwölf Monate, wenn er noch nicht gefressen hat", erklärt der Zirkusdirektor. "Nachdem er zum ersten Mal gefressen hat und erwachsen ist, nur noch acht Wochen, in denen ich ihn drei Wochen anfüttere und dann drei Wochen mit ihm auftrete".

Marco Assmann mit seinen blutsaugenden Artisten bei den "Mindener Zeitinseln"

Minden (ic). Wenn "Flohrian" die kleine goldene Kutsche zieht, "Flohkatoni", der beste Fußball spielende Floh der Welt, ein Tor schießt, und wenn schließlich noch Madame "Flohrentine" auf dem Hochseil tanzt, dann geraten die Besucher völlig aus dem Häuschen und klatschen begeistert Beifall. Bei den "Mindener Zeitinseln" gehört "Marco Assmann´s Floh- Circus" zu den spektakulärsten Attraktionen.

Hereinspaziert, hereinspaziert: Nur wenig Zuschauer passen in den Wagen mit der Floh-Manege. Fotos (2): Inge Czygan
Hereinspaziert, hereinspaziert: Nur wenig Zuschauer passen in den Wagen mit der Floh-Manege. Fotos (2): Inge Czygan

Upps - ein Aufschrei lässt das Publikum zusammenzucken, als plötzlich Floh Alfredo den Sprung auf die Besucher wagt, doch Dompteur Marco fängt ihn geistesgegenwärtig wieder ein. Zum Glück ist das nur ein Gag, denn Alfredo gibt es in Wirklichkeit gar nicht.

Katzenfloh macht Zirkusbesucher froh - © MINDEN
Katzenfloh macht Zirkusbesucher froh - © MINDEN

Dabei fing mit ihm alles an. "Ich war schon immer ein Fan von alten Jahrmarkts- und Zirkuskünsten und zauberte nebenberuflich mit dem virtuellen Floh Alfredo für Kinder", berichtet Zirkusdirektor Marco Assmann, der am 15. Mai 1973 als Sohn eines Busunternehmers in Goslar geboren wurde und nach dem Abitur eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolvierte. "Außerdem sammelte ich auf Reisen alles, was mit einem Flohzirkus zu tun hat, alte Eintrittskarten, Requisiten, Plakate."

Als ein Freund 1995 in einem Londoner Antiquitätengeschäft eine kleine goldene Kutsche und ein Karussell entdeckte, flog er sofort hin, kaufte alles und gründete seinen Floh-Zirkus. "Von Anette, einer befreundeten Tierärztin, bekam ich meine ersten acht Flöhe, doch bei dem Versuch, sie zu dressieren, hauten fünf von ihnen ab. Im Jahr 2000 machte ich mein Hobby zum Beruf."

Inzwischen zeigt der berühmte Blutsauger-Bändiger, der mit Ehefrau Julia, einer promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin an der TU Clausthal, einem Chihuahua, einem Zwergschwein sowie Papageien in Lautenthal lebt und dort den nostalgischen Indoor-Vergnügungspark "Luna Land" betreibt, seine Show nicht nur im Fernsehen, sondern rund 500 Mal im Jahr in ganz Europa.

Während der spannenden 20-minütigen Vorführung, für die ein Koffer als Manege dient, erfahren die Zuschauer Erstaunliches über Flöhe. "Der Floh gehört zu den stärksten Tieren der Welt, kann das 160000-fache seines eigenen Gewichts in Bewegung bringen und springt über das 150-Fache seiner Größe", erklärt Marco Assmann, in dessen fünf Quadratmeter großen Zirkuswagen schon mal 42 Besucher Platz gefunden haben sollen.

Auch am Hochseil sind die Winzlinge aktiv.
Auch am Hochseil sind die Winzlinge aktiv.

"Von den 250 Floharten kommen Katzenflöhe wie diese am häufigsten vor", so der Zirkusdirektor. "Wichtig für die Dressur ist, dass die Tiere gut genährt sind und dass die Temperatur stimmt. Ich habe einen Brutkasten im Auto und kühle oder wärme die Flöhe vor Auftritten je nach Witterung auf 20 Grad, denn wenn es dem Floh zu kalt ist, dann bewegt er sich nicht."

Gefüttert werden die 120 Flöhe, die ihn auf Reisen begleiten, mit dem Blut des Direktors. "Ich setze mir nacheinander jeweils sechs bis acht Flöhe auf den Arm und lasse sie zehn Minuten saugen", sagt Marco Assmann.

Doch wie dressiert man einen Floh? "Zuerst beobachte ich ihre Talente, ob sie Springer oder Läufer sind", verrät der Floh-Fan. "Dann verteile ich sie auf unterschiedlich hohe Plastikdosen." Die Flöhe in einer flachen Petrischale hätten nach zwei Tagen gelernt, dass sie nicht hoch springen könnten und eigneten sich zum Ziehen der Kutsche. Das Halsband bestehe aus einem 0,12 Millimeter dünnen Draht mit einer winzigen Schlaufe am Ende. Vor dem Auftritt halte er den Floh mit einer Pinzette am Hinterteil fest und schiebe seinen Kopf da durch. "Dann drücke ich den Draht zu."

Ist das nicht Tierquälerei? "Nein", betont Marco Assmann. "Der Floh besitzt einen festen Panzer, und der Draht ist wie ein Halsband beim Hund. Hinterher lasse ich ihn ja auch wieder frei."

Wie lange lebt eigentlich ein Floh? "Zehn bis zwölf Monate, wenn er noch nicht gefressen hat", erklärt der Zirkusdirektor. "Nachdem er zum ersten Mal gefressen hat und erwachsen ist, nur noch acht Wochen, in denen ich ihn drei Wochen anfüttere und dann drei Wochen mit ihm auftrete".

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden