Mal schrill, mal still: Die Hochwasserkatastrophe nährt die Frage, wie die Bevölkerung am besten zu warnen ist Jürgen Langenkämper Minden. Die Älteren – 30 plus – wissen es noch. In regelmäßigen Abständen, meist am Samstag, gingen plötzlich die Sirenen – Probealarm, nervig! Und dann auch in der Nacht – ein Brand! Schließlich wurden die aus Kriegszeiten stammenden Sirenen abgeschaltet – Eiserner Vorhang weg, Kalter Krieg vorbei, endlich Ruhe! Doch die Frage, wie die Bevölkerung bei Großschadenslagen auf geeignete Weise schnell und effizient zu informieren sei, schwelt weiter. Daran haben auch neue technische Möglichkeiten wie die Warn-App „Nina“ auf privaten Handys, Pager für Feuerwehrleute und mancher Schnickschnack nichts geändert. Seit Ende 2017 ist der Kreis mit den Städten und Gemeinden dabei, das Sirenennetz zwischen Dielingen und Eisbergen, von Wasserstraße bis Preußisch Oldendorf auf- und auszubauen. 157 Standorte sind geplant. Der Ausbaustand ist von Kommune zu Kommune recht unterschiedlich. Fast schon am Ziel ist die Gemeinde Hille – kein Wunder: Sie hat die geringste Anzahl an Standorten, nämlich neun. „Als aktuell letzte Maßnahme wurde 2021 der Auftrag erteilt, den Standort der Sirene am Feuerwehrgerätehaus in Rothenuffeln umzurüsten auf eine vollelektronische Sirene mit 1.200 Watt“, berichtet der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Bernhard Förster, der als Sachbearbeiter für Feuerschutz und Hilfeleistung sowie Brandschutzbeauftragter im Rathaus in Hartum arbeitet. Durch die Abdeckung sollen im Katastrophenfall 80 Prozent der Menschen in Hille erreicht werden können. Sehr gut im Rennen liegt auch Petershagen: 32 Sirenen in 27 Ortschaften – Quote (fast) erfüllt. „In den Ortschaften Seelenfeld und Döhren sind noch keine Sirenen installiert“, sagt Pressesprecherin Tatjana Brast. „Dort ist jedoch der Aufbau von Sirenen in Planung.“ Am effizientesten könnten Sirenen im dicht besiedelten Stadtgebiet von Minden warnen. Aufgebaut sind Sirenen bislang an fünf Standorten: auf der Feuer- und Rettungswache in der Marienstraße, auf den Dorfgemeinschaftshäusern in Bölhorst und Päpinghausen, auf dem Feuerwehrhaus in Aminghausen-Päpinghausen und in der Mainstraße in Dankersen. Insgesamt seien 24 Standorte in der Diskussion, so Pressesprecherin Susann Lewerenz. Ursprünglich geplant waren 26. „Das ist auch theoretisch immer noch so“, so Lewerenz weiter. „Die übrigen zwei werden aber nur installiert, wenn der Praxistest deren Notwendigkeit darstellt.“ „In der Stadt Porta Westfalica sind 13 Sirenenstandorte festgelegt worden“, sagt Pressesprecherin Babette Lissner. „Wir hoffen, dass der Aufbau noch in diesem Jahr beginnt.“ Die ausführende Firma habe Lieferschwierigkeiten gehabt, wodurch es zu zeitlichen Verzögerungen gekommen sei. Die Stadt, die wie die anderen Kommunen auch für den Aufbau und die spätere Unterhaltung zuständig ist, geht von durchschnittlich 15.000 Euro Kosten pro Anlage aus. Die Aufbaukosten können jedoch nach den Erfahrungen des Kreises je nach Standorterfordernissen und Stärke der Anlage stark variieren, wie Kreisbrandmeister Michael Schäfer erklärte. Beim Kreis liegt die Aufgabe, die Bevölkerung später im Bedarfsfall punktuell gezielt zu warnen, indem die Kreisleitstelle einzelne Sirenen in einem Gebiet ansteuert und Alarm auslöst. Darüber hinaus setzen die Brand- und Katastrophenschützer auf individuelle Warnmöglichkeiten wie die App „Nina“, wie Bezirksbrandmeister Michael Kirchhoff betont, der als Arbeitsgruppenleiter im Bevölkerungsschutz ebenfalls bei der Kreisverwaltung arbeitet. Der Vorteil sei, dass die Empfänger auch Angaben zur Art der Bedrohung erhielten. Wie verbreitet die App aber inzwischen auf privaten Smartphones ist, darüber gebe es keine Daten. 2018 gab es erstmals einen landesweiten Warntag. Seit 2020 ist daraus ein bundesweiter Warntag an jedem zweiten Donnerstag im September um 11 Uhr geworden. In sieben Wochen ist es wieder so weit.

Mal schrill, mal still: Die Hochwasserkatastrophe nährt die Frage, wie die Bevölkerung am besten zu warnen ist

Einer von zwei Dutzend Standorten in Minden: Eine Sirene ist bereits auf dem Turm der Feuer- und Rettungswache installiert. Foto: Feuerwehr Minden/privat © Feuerwehr Minden

Minden. Die Älteren – 30 plus – wissen es noch. In regelmäßigen Abständen, meist am Samstag, gingen plötzlich die Sirenen – Probealarm, nervig! Und dann auch in der Nacht – ein Brand! Schließlich wurden die aus Kriegszeiten stammenden Sirenen abgeschaltet – Eiserner Vorhang weg, Kalter Krieg vorbei, endlich Ruhe! Doch die Frage, wie die Bevölkerung bei Großschadenslagen auf geeignete Weise schnell und effizient zu informieren sei, schwelt weiter. Daran haben auch neue technische Möglichkeiten wie die Warn-App „Nina“ auf privaten Handys, Pager für Feuerwehrleute und mancher Schnickschnack nichts geändert.

Seit Ende 2017 ist der Kreis mit den Städten und Gemeinden dabei, das Sirenennetz zwischen Dielingen und Eisbergen, von Wasserstraße bis Preußisch Oldendorf auf- und auszubauen. 157 Standorte sind geplant. Der Ausbaustand ist von Kommune zu Kommune recht unterschiedlich. Fast schon am Ziel ist die Gemeinde Hille – kein Wunder: Sie hat die geringste Anzahl an Standorten, nämlich neun. „Als aktuell letzte Maßnahme wurde 2021 der Auftrag erteilt, den Standort der Sirene am Feuerwehrgerätehaus in Rothenuffeln umzurüsten auf eine vollelektronische Sirene mit 1.200 Watt“, berichtet der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Bernhard Förster, der als Sachbearbeiter für Feuerschutz und Hilfeleistung sowie Brandschutzbeauftragter im Rathaus in Hartum arbeitet. Durch die Abdeckung sollen im Katastrophenfall 80 Prozent der Menschen in Hille erreicht werden können.

Sehr gut im Rennen liegt auch Petershagen: 32 Sirenen in 27 Ortschaften – Quote (fast) erfüllt. „In den Ortschaften Seelenfeld und Döhren sind noch keine Sirenen installiert“, sagt Pressesprecherin Tatjana Brast. „Dort ist jedoch der Aufbau von Sirenen in Planung.“


Am effizientesten könnten Sirenen im dicht besiedelten Stadtgebiet von Minden warnen. Aufgebaut sind Sirenen bislang an fünf Standorten: auf der Feuer- und Rettungswache in der Marienstraße, auf den Dorfgemeinschaftshäusern in Bölhorst und Päpinghausen, auf dem Feuerwehrhaus in Aminghausen-Päpinghausen und in der Mainstraße in Dankersen. Insgesamt seien 24 Standorte in der Diskussion, so Pressesprecherin Susann Lewerenz. Ursprünglich geplant waren 26. „Das ist auch theoretisch immer noch so“, so Lewerenz weiter. „Die übrigen zwei werden aber nur installiert, wenn der Praxistest deren Notwendigkeit darstellt.“

„In der Stadt Porta Westfalica sind 13 Sirenenstandorte festgelegt worden“, sagt Pressesprecherin Babette Lissner. „Wir hoffen, dass der Aufbau noch in diesem Jahr beginnt.“ Die ausführende Firma habe Lieferschwierigkeiten gehabt, wodurch es zu zeitlichen Verzögerungen gekommen sei. Die Stadt, die wie die anderen Kommunen auch für den Aufbau und die spätere Unterhaltung zuständig ist, geht von durchschnittlich 15.000 Euro Kosten pro Anlage aus.

Die Aufbaukosten können jedoch nach den Erfahrungen des Kreises je nach Standorterfordernissen und Stärke der Anlage stark variieren, wie Kreisbrandmeister Michael Schäfer erklärte. Beim Kreis liegt die Aufgabe, die Bevölkerung später im Bedarfsfall punktuell gezielt zu warnen, indem die Kreisleitstelle einzelne Sirenen in einem Gebiet ansteuert und Alarm auslöst.

Darüber hinaus setzen die Brand- und Katastrophenschützer auf individuelle Warnmöglichkeiten wie die App „Nina“, wie Bezirksbrandmeister Michael Kirchhoff betont, der als Arbeitsgruppenleiter im Bevölkerungsschutz ebenfalls bei der Kreisverwaltung arbeitet. Der Vorteil sei, dass die Empfänger auch Angaben zur Art der Bedrohung erhielten. Wie verbreitet die App aber inzwischen auf privaten Smartphones ist, darüber gebe es keine Daten.

2018 gab es erstmals einen landesweiten Warntag. Seit 2020 ist daraus ein bundesweiter Warntag an jedem zweiten Donnerstag im September um 11 Uhr geworden. In sieben Wochen ist es wieder so weit.

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