MT clever: Mehr Labor als Tatort Nadine Conti Minden (mt). Nein, stellt Prof. Dr. Udo Kellner gleich zu Anfang der Kinderuni-Vorlesung klar, er ist nicht Prof. Dr. Börne. Die Enttäuschung bei den Kindern hält sich in Grenzen. Die meisten der acht- bis zwölfjährigen Zuhörer dürften zu jung für den Münsteraner Kult-Tatort sein. Die schräge Krimi-Gleichung Pathologie = Gerichtsmedizin = Ermittlung von Todesursachen bei Mordfällen, die hat sich allerdings auch schon in den kleinen Köpfen festgesetzt. Das stellt Kellner, Leiter der Pathologie am Johannes-Wesling-Klinikum, gleich zu Beginn mit einer kleinen Umfrage im Publikum fest. Das möchte er nun sehr gern und mit sichtlicher Genugtuung geraderücken. Sein Fachbereich hat nämlich sehr viel mehr mit Lebenden zu tun als mit Toten. Und, jawohl, auch ein Pathologe ist ein richtiger Arzt. Allerdings schon einer, der sich sehr viel mehr mit Gewebeproben als Patienten befasst. Und der sich dabei vor allem in einem Hightech-Labor bewegt, das Kellner mit einem kleinen, selbst gedrehten Film vorführt. Der zeigt zum Beispiel, wie eine medizinisch-technische Assistentin (MTA) ein großes, grau-braunes Stück menschlichen Darm untersucht und zerteilt. Oder wie ein kleines Stück Gewebe, das gerade bei einer Operation entnommen wurde, für einen „Schnellschnitt“ vorbereitet wird. Darum dreht sich nämlich ein großer Teil der Arbeit in der Pathologie: Krankes Gewebe in Präparate zu verwandeln, die man unter dem Mikroskop anschauen kann, um zu einer Diagnose zu kommen. Dazu sind zahlreiche Arbeitsschritte nötig: Die Probe muss erst einmal so ausgehärtet werden, dass sie in dünne Scheiben geschnitten werden kann. Dazu nimmt man in der Regel Wachs, wenn es schnell gehen muss (weil im OP auf die Diagnose gewartet wird) auch mal Eis. Dann müssen die Schnitte mit verschiedenen Mitteln gefärbt und konserviert werden – bis zu hundert Jahre sollen sie halten, erklärt Kellner. Viele dieser Arbeitsschritte werden mittlerweile von Robotern übernommen, aber an einigen Stellen braucht man auch immer noch das Fingerspitzengefühl einer guten MTA, sagt er. Erst am Schluss kommen er und seine Ärztekolleginnen ins Spiel: Wenn es darum geht, die Schnitte unter dem Mikroskop anzuschauen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei gibt es allein hunderte von Krebssorten, die ganz unterschiedliche Zellveränderungen produzieren. Und natürlich muss hier extrem sorgfältig gearbeitet und dokumentiert werden: Es möchte ja schließlich niemand eine falsche Krebsdiagnose überbringen. Am Schluss dürfen die Kinder noch selbst an die Mikroskope und Präparate. Und dem Andrang nach zu urteilen, scheint die zentrale Botschaft durchaus angekommen zu sein: Das ist vielleicht kein Tatort, aber trotzdem spannend. Kinder-Uni Die Kinder-Uni ist eine Veranstaltungsreihe von MT clever und den Mühlenkreiskliniken sowie der FH Bielefeld. Die Vorlesungs-Reihe zur Medizin ist ausverkauft. Plätze gibt es noch in den Veranstaltungen der Kinder-Uni Campus mit Themen aus Wissenschaft und Technik. Die nächste Veranstaltung ist hier am Donnerstag, 12. Dezember zum Thema „Warum ist Papas altes Handy immer soooo langsam?“ mit Prof. Dr. Oliver Wetter im Audimax, Campus Minden, Artilleriestraße 9. Einlass ist ab 16.30 Uhr. Eine Vorlesung dauert 45 Minuten. Der Eintritt kostet 2,50 Euro und wird am Ende gespendet. Karten gibt es bei „express“-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30.

MT clever: Mehr Labor als Tatort

© Nadine Conti

Minden (mt). Nein, stellt Prof. Dr. Udo Kellner gleich zu Anfang der Kinderuni-Vorlesung klar, er ist nicht Prof. Dr. Börne. Die Enttäuschung bei den Kindern hält sich in Grenzen. Die meisten der acht- bis zwölfjährigen Zuhörer dürften zu jung für den Münsteraner Kult-Tatort sein.

Die schräge Krimi-Gleichung Pathologie = Gerichtsmedizin = Ermittlung von Todesursachen bei Mordfällen, die hat sich allerdings auch schon in den kleinen Köpfen festgesetzt. Das stellt Kellner, Leiter der Pathologie am Johannes-Wesling-Klinikum, gleich zu Beginn mit einer kleinen Umfrage im Publikum fest. Das möchte er nun sehr gern und mit sichtlicher Genugtuung geraderücken.

Sein Fachbereich hat nämlich sehr viel mehr mit Lebenden zu tun als mit Toten. Und, jawohl, auch ein Pathologe ist ein richtiger Arzt. Allerdings schon einer, der sich sehr viel mehr mit Gewebeproben als Patienten befasst. Und der sich dabei vor allem in einem Hightech-Labor bewegt, das Kellner mit einem kleinen, selbst gedrehten Film vorführt.

Der zeigt zum Beispiel, wie eine medizinisch-technische Assistentin (MTA) ein großes, grau-braunes Stück menschlichen Darm untersucht und zerteilt. Oder wie ein kleines Stück Gewebe, das gerade bei einer Operation entnommen wurde, für einen „Schnellschnitt“ vorbereitet wird. Darum dreht sich nämlich ein großer Teil der Arbeit in der Pathologie: Krankes Gewebe in Präparate zu verwandeln, die man unter dem Mikroskop anschauen kann, um zu einer Diagnose zu kommen. Dazu sind zahlreiche Arbeitsschritte nötig: Die Probe muss erst einmal so ausgehärtet werden, dass sie in dünne Scheiben geschnitten werden kann. Dazu nimmt man in der Regel Wachs, wenn es schnell gehen muss (weil im OP auf die Diagnose gewartet wird) auch mal Eis. Dann müssen die Schnitte mit verschiedenen Mitteln gefärbt und konserviert werden – bis zu hundert Jahre sollen sie halten, erklärt Kellner.

Viele dieser Arbeitsschritte werden mittlerweile von Robotern übernommen, aber an einigen Stellen braucht man auch immer noch das Fingerspitzengefühl einer guten MTA, sagt er. Erst am Schluss kommen er und seine Ärztekolleginnen ins Spiel: Wenn es darum geht, die Schnitte unter dem Mikroskop anzuschauen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei gibt es allein hunderte von Krebssorten, die ganz unterschiedliche Zellveränderungen produzieren. Und natürlich muss hier extrem sorgfältig gearbeitet und dokumentiert werden: Es möchte ja schließlich niemand eine falsche Krebsdiagnose überbringen.

Am Schluss dürfen die Kinder noch selbst an die Mikroskope und Präparate. Und dem Andrang nach zu urteilen, scheint die zentrale Botschaft durchaus angekommen zu sein: Das ist vielleicht kein Tatort, aber trotzdem spannend.

Kinder-Uni

Die Kinder-Uni ist eine Veranstaltungsreihe von MT clever und den Mühlenkreiskliniken sowie der FH Bielefeld. Die Vorlesungs-Reihe zur Medizin ist ausverkauft. Plätze gibt es noch in den Veranstaltungen der Kinder-Uni Campus mit Themen aus Wissenschaft und Technik.

Die nächste Veranstaltung ist hier am Donnerstag, 12. Dezember zum Thema „Warum ist Papas altes Handy immer soooo langsam?“ mit Prof. Dr. Oliver Wetter im Audimax, Campus Minden, Artilleriestraße 9.

Einlass ist ab 16.30 Uhr. Eine Vorlesung dauert 45 Minuten. Der Eintritt kostet 2,50 Euro und wird am Ende gespendet. Karten gibt es bei „express“-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30.

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