MT-Serie: Türsteher-Duo setzt sich durch Patrick Schwemling Minden (mt). Mirco Henken stand als Türsteher fast sein halbes Leben lang an den verschiedensten Diskotheken und Clubs dieser Region. Dabei lernte er früh, was es heißt in diesem Beruf zu arbeiten. In seiner Laufbahn wurde er nicht nur in Diskussionen, sondern auch Auseinandersetzungen und Schlägereien verwickelt. Er erhielt Morddrohungen, einmal wurde auf ihn und seine Kollegen sogar geschossen. Heute, mit 38 Jahren , sagt er dennoch: „Ich möchte diese Zeit nicht missen." Sein Kollege Stefan Fischer ist im Gegensatz zu Henken fast noch ein Neuling – und das obwohl auch er schon fast vier Jahre in der Branche arbeitet. „Ich habe 2015 als Security in einem Flüchtlingsheim begonnen. Inzwischen bin ich viel im Objektschutz und bei Veranstaltungen im Einsatz", beschreibt er sein Aufgabengebiet. Die klassische Tätigkeit als Türsteher vor einer Disco, wie sie Henken über Jahre hinweg ausübte, kommt bei ihm nur gelegentlich vor. Trotzdem hat er beobachtet, dass gerade in dem Bereich die Hemmschwelle für Gewalt sinkt. „Auf Festivals oder Konzerten ist das Publikum deutlich entspannter", sagt auch Mirco Henken. Für ihn begann mit gerade einmal 18 Jahren die Arbeit bei genau solchen Veranstaltungen, ehe es ihn vor die Diskotheken dieser Region verschlug: So ist er vielen Partygängern – damals noch mit einer Glatze – als jahrelanger Türchef der Großraumdisco PW bekannt. In gleicher Position arbeitete er auch für den Go Parc in Herford. Hinzu kamen Engagements in Minden, beispielsweise der Musikbox oder dem Markt 15. 2016 hat er sich dann aus der Türsteher-Szene verabschiedet. „Ich habe meine Arbeit vom Wochenende vor der Tür ins Büro verlegt", sagt Henken, der seit 2018 als festangestellter Mitarbeiter bei der Mindener Sicherheitsfirma „K9 Save House" arbeitet und dort für die Koordination von Mitarbeitern und Veranstaltungen zuständig ist. Wegen seiner Erfahrung, ist er bei großen Veranstaltungen allerdings gelegentlich noch immer im Außeneinsatz. „Nach 18 Jahren am Stück war es auch irgendwann an der Zeit", erklärt der 38-Jährige seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft. Denn die Arbeit an der Tür bedeutet auch eine enorme Belastung: „In den 18 Jahren gab es kein Wochenende, an dem ich nicht im Einsatz war. Silvester, Weihnachten, all die Feiertage – ich kann mich nicht erinnern, dass ich in der Zeit da einmal frei hatte." Jetzt ist er froh geregelte Arbeitszeiten zu haben, wenngleich er die Zeiten manchmal auch vermisst: „Wenn man gerne mit Menschen arbeitet, ist es der beste Job der Welt." Dass Henken nach all den Vorfällen und Situationen, die zum Teil ein lebensgefährliches Ausmaß erreicht hatten, diese Worte findet, ist auf den ersten Blick schwer verständlich. „Morddrohungen habe ich zu der Zeit wöchentlich bekommen", erinnert er sich. Genauso gut ist ihm eine Abiturfeier in Stadthagen im Gedächtnis geblieben: Auf dieser wurde auf ihn und seine Kollegen geschossen – von wem und warum, das ist bis heute unklar. „Es gibt aber auch Leute, die seit 15 Jahren dabei sind, und denen nichts passiert ist", erklärt der Sicherheitsexperte und fügt an: „Als guter Türsteher lassen sich 95 Prozent aller Konflikte verbal regeln." „Ich habe solche Erfahrungen glücklicherweise noch nicht gemacht", sagt sein Kollege Stefan Fischer. Dennoch merke er, dass die Hemmschwelle zur Gewalt sinke, und die Bereitschaft Messer oder andere waffenähnliche Gegenstände zu tragen, größer wird: „Das sehen wir ja bei Einlasskontrollen. Oft – wie bei Frauen, die Pfefferspray tragen – ist keine böse oder kriminelle Absicht dahinter." Dennoch bereitet dies Probleme. Türsteher und auch Sicherheitspersonal im Allgemeinen dürfen in der Regel nämlich keine Waffen tragen, und handeln im Rahmen des Hausrechts des Auftraggebers. Dafür ist ihnen einzig das Durchsetzen des „Jedermannsrechts" erlaubt. Das erlaubt jedem, unter bestimmten Bedingungen, einen Täter am Tatort festzuhalten bis dieser sich ausweist oder die Polizei eintrifft. Auf dieses Recht kann sich zum Beispiel berufen werden, wenn man jemanden dabei beobachtet, wie er Dinge zerstört oder einen Menschen schlägt. Zwar seien die meisten Auseinandersetzungen verbal zu regeln und irgendwann begreife auch der schwierigste Fall, dass er zu gehen habe. „Für den Fall, dass es doch mal brenzlig wird, ist Vertrauen zu den Kollegen das A und O", sagt Henken und verweist darauf, dass eben mit dem Körper gearbeitet wird: „Da muss ich mich zu 100 Prozent auf meine Partner verlassen können." Laut dem 38-Jährigen komme es vor allem auf Erfahrung an: „Es ist learning by doing." Die Arbeit als Türsteher vergleicht er gern mit einer Art Prellbock. „Wir setzen ja nur die Vorgaben des Auftraggebers durch. Im Normalfall ist jeder willkommen, es sei denn er kommt jetzt mit Badelatschen oder Trainingsanzug zu einer feinen Party – oder eben viel zu alkoholisiert. Das ist eigentlich meistens der Fall", erklärt er, weshalb Gäste an der Tür abgewiesen werden. „Das nimmt dann jeder persönlich, obwohl es nie eine persönliche Entscheidung ist. Als guter Türsteher darf man so etwas auch niemals tun, sonder muss völlig wertfrei entscheiden", sagt der 38-Jährige. Im Prinzip gehe es darum, für die Sicherheit der Gäste zu sorgen und nicht nur Sicherheitsmitarbeiter, sondern auch Informationsgeber und Wegweiser zu sein. „Mit dem Großteil der Leute hat man keine Probleme", sagt Henken, der fehlenden Respekt bemängelt. „Sobald jemand nicht reinkommt, geht es direkt los mit Beleidigungen und es wird sofort persönlich." Wie oft er hören musste, dass er zu dumm für andere Berufe sei oder zuhause nichts zu sagen habe, kann er nicht ansatzweise aufzählen. „Dabei arbeiten viele Türsteher nebenberuflich und studieren beispielsweise. Aber sobald man die Uniform trägt, ist man der dumme, ungebildete Türsteher", erklärt er. Deswegen sind sowohl Henken als auch Fischer froh, dass sie aktuell auch andere Erfahrungen machen. Beide kümmern sich bei diversen Veranstaltungen um VIP-Gäste und deren Betreuung. So haben sie in den letzten Monaten mit den Sänger Pietro Lombardi und Mike Singer, den Fußballern von Bayern München oder auch Nena oder Sarah Connor gearbeitet. „Das ist eine tolle Abwechslung und macht Spaß. Zum einen bekommt man dort Respekt entgegengebracht, zum anderen sieht man, dass es auch ganz normale Menschen sind", schwärmt Fischer über die Erfahrungen – auch wenn die sich weit weg vom harten Alltag als Türsteher befinden. MT-Serie „Zu zweit" Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind sie so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit",E-Mail: lokales@MT.de Lesen Sie dazu auch: Neue App für die Sicherheitsbranche

MT-Serie: Türsteher-Duo setzt sich durch

Stefan Fischer und Mirco Henken (von links) haben in der Sicherheitsbranche schon Vieles erlebt. Henken war mehr als 18 Jahre lang in Diskotheken als Türsteher aktiv, Fischer arbeitet seit drei Jahren in der Szene – ob bei Veranstaltungen oder beim Objektschutz. MT- © Foto: Patrick Schwemling

Minden (mt). Mirco Henken stand als Türsteher fast sein halbes Leben lang an den verschiedensten Diskotheken und Clubs dieser Region. Dabei lernte er früh, was es heißt in diesem Beruf zu arbeiten. In seiner Laufbahn wurde er nicht nur in Diskussionen, sondern auch Auseinandersetzungen und Schlägereien verwickelt. Er erhielt Morddrohungen, einmal wurde auf ihn und seine Kollegen sogar geschossen. Heute, mit 38 Jahren , sagt er dennoch: „Ich möchte diese Zeit nicht missen."

Sein Kollege Stefan Fischer ist im Gegensatz zu Henken fast noch ein Neuling – und das obwohl auch er schon fast vier Jahre in der Branche arbeitet. „Ich habe 2015 als Security in einem Flüchtlingsheim begonnen. Inzwischen bin ich viel im Objektschutz und bei Veranstaltungen im Einsatz", beschreibt er sein Aufgabengebiet. Die klassische Tätigkeit als Türsteher vor einer Disco, wie sie Henken über Jahre hinweg ausübte, kommt bei ihm nur gelegentlich vor. Trotzdem hat er beobachtet, dass gerade in dem Bereich die Hemmschwelle für Gewalt sinkt.

„Auf Festivals oder Konzerten ist das Publikum deutlich entspannter", sagt auch Mirco Henken. Für ihn begann mit gerade einmal 18 Jahren die Arbeit bei genau solchen Veranstaltungen, ehe es ihn vor die Diskotheken dieser Region verschlug: So ist er vielen Partygängern – damals noch mit einer Glatze – als jahrelanger Türchef der Großraumdisco PW bekannt. In gleicher Position arbeitete er auch für den Go Parc in Herford. Hinzu kamen Engagements in Minden, beispielsweise der Musikbox oder dem Markt 15. 2016 hat er sich dann aus der Türsteher-Szene verabschiedet.

„Ich habe meine Arbeit vom Wochenende vor der Tür ins Büro verlegt", sagt Henken, der seit 2018 als festangestellter Mitarbeiter bei der Mindener Sicherheitsfirma „K9 Save House" arbeitet und dort für die Koordination von Mitarbeitern und Veranstaltungen zuständig ist. Wegen seiner Erfahrung, ist er bei großen Veranstaltungen allerdings gelegentlich noch immer im Außeneinsatz.

„Nach 18 Jahren am Stück war es auch irgendwann an der Zeit", erklärt der 38-Jährige seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft. Denn die Arbeit an der Tür bedeutet auch eine enorme Belastung: „In den 18 Jahren gab es kein Wochenende, an dem ich nicht im Einsatz war. Silvester, Weihnachten, all die Feiertage – ich kann mich nicht erinnern, dass ich in der Zeit da einmal frei hatte." Jetzt ist er froh geregelte Arbeitszeiten zu haben, wenngleich er die Zeiten manchmal auch vermisst: „Wenn man gerne mit Menschen arbeitet, ist es der beste Job der Welt."

Dass Henken nach all den Vorfällen und Situationen, die zum Teil ein lebensgefährliches Ausmaß erreicht hatten, diese Worte findet, ist auf den ersten Blick schwer verständlich. „Morddrohungen habe ich zu der Zeit wöchentlich bekommen", erinnert er sich. Genauso gut ist ihm eine Abiturfeier in Stadthagen im Gedächtnis geblieben: Auf dieser wurde auf ihn und seine Kollegen geschossen – von wem und warum, das ist bis heute unklar. „Es gibt aber auch Leute, die seit 15 Jahren dabei sind, und denen nichts passiert ist", erklärt der Sicherheitsexperte und fügt an: „Als guter Türsteher lassen sich 95 Prozent aller Konflikte verbal regeln."

„Ich habe solche Erfahrungen glücklicherweise noch nicht gemacht", sagt sein Kollege Stefan Fischer. Dennoch merke er, dass die Hemmschwelle zur Gewalt sinke, und die Bereitschaft Messer oder andere waffenähnliche Gegenstände zu tragen, größer wird: „Das sehen wir ja bei Einlasskontrollen. Oft – wie bei Frauen, die Pfefferspray tragen – ist keine böse oder kriminelle Absicht dahinter."

Dennoch bereitet dies Probleme. Türsteher und auch Sicherheitspersonal im Allgemeinen dürfen in der Regel nämlich keine Waffen tragen, und handeln im Rahmen des Hausrechts des Auftraggebers. Dafür ist ihnen einzig das Durchsetzen des „Jedermannsrechts" erlaubt. Das erlaubt jedem, unter bestimmten Bedingungen, einen Täter am Tatort festzuhalten bis dieser sich ausweist oder die Polizei eintrifft. Auf dieses Recht kann sich zum Beispiel berufen werden, wenn man jemanden dabei beobachtet, wie er Dinge zerstört oder einen Menschen schlägt.

Zwar seien die meisten Auseinandersetzungen verbal zu regeln und irgendwann begreife auch der schwierigste Fall, dass er zu gehen habe. „Für den Fall, dass es doch mal brenzlig wird, ist Vertrauen zu den Kollegen das A und O", sagt Henken und verweist darauf, dass eben mit dem Körper gearbeitet wird: „Da muss ich mich zu 100 Prozent auf meine Partner verlassen können."

Laut dem 38-Jährigen komme es vor allem auf Erfahrung an: „Es ist learning by doing." Die Arbeit als Türsteher vergleicht er gern mit einer Art Prellbock. „Wir setzen ja nur die Vorgaben des Auftraggebers durch. Im Normalfall ist jeder willkommen, es sei denn er kommt jetzt mit Badelatschen oder Trainingsanzug zu einer feinen Party – oder eben viel zu alkoholisiert. Das ist eigentlich meistens der Fall", erklärt er, weshalb Gäste an der Tür abgewiesen werden.

„Das nimmt dann jeder persönlich, obwohl es nie eine persönliche Entscheidung ist. Als guter Türsteher darf man so etwas auch niemals tun, sonder muss völlig wertfrei entscheiden", sagt der 38-Jährige. Im Prinzip gehe es darum, für die Sicherheit der Gäste zu sorgen und nicht nur Sicherheitsmitarbeiter, sondern auch Informationsgeber und Wegweiser zu sein.

„Mit dem Großteil der Leute hat man keine Probleme", sagt Henken, der fehlenden Respekt bemängelt. „Sobald jemand nicht reinkommt, geht es direkt los mit Beleidigungen und es wird sofort persönlich." Wie oft er hören musste, dass er zu dumm für andere Berufe sei oder zuhause nichts zu sagen habe, kann er nicht ansatzweise aufzählen. „Dabei arbeiten viele Türsteher nebenberuflich und studieren beispielsweise. Aber sobald man die Uniform trägt, ist man der dumme, ungebildete Türsteher", erklärt er.

Deswegen sind sowohl Henken als auch Fischer froh, dass sie aktuell auch andere Erfahrungen machen. Beide kümmern sich bei diversen Veranstaltungen um VIP-Gäste und deren Betreuung. So haben sie in den letzten Monaten mit den Sänger Pietro Lombardi und Mike Singer, den Fußballern von Bayern München oder auch Nena oder Sarah Connor gearbeitet. „Das ist eine tolle Abwechslung und macht Spaß. Zum einen bekommt man dort Respekt entgegengebracht, zum anderen sieht man, dass es auch ganz normale Menschen sind", schwärmt Fischer über die Erfahrungen – auch wenn die sich weit weg vom harten Alltag als Türsteher befinden.

MT-Serie „Zu zweit"

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen gemeinsam unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind sie so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind.

Stichwort: „Zu zweit",E-Mail: lokales@MT.de

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