MT-Serie: Nach zwei Bränden war das Haus Umradstraße 27 unbewohnbar Stefan Koch Minden. Seit Jahren sichert ein Bauzaun die Reste der Hausruine an der Umradstraße 27. Jeden Sommer sprießt dort das Grün, wo jahrzehntelang Menschen in einem Fachwerkgebäude in der oberen Altstadt lebten. Zweimal brannte es, bis es nicht mehr bewohnbar war und vom Eigentümer abgerissen wurde. Der hat bislang keine weiteren Pläne für eine zukünftige Nutzung des Geländes in idyllischer Lage. Als ein Passant am Donnerstag, 18. September 2003, gegen 8.45 Uhr, Rauchschwaden, die von der unteren Wohnung des zweieinhalbgeschossigen Hauses ausgingen, bemerkte, sah es damals aus, als komme auf die Feuerwehr ein Routineeinsatz zu. Kurze Zeit später traf sie unter anderem mit drei Löschfahrzeugen, der Drehleiter und einem Notarztfahrzeug mit Rettungswagen ein – denn das Haus war bewohnt. Die Einsatzkräfte brachen Wohnungstüren auf, um in das Innere zu gelangen. Sie brachten Personen über das Treppenhaus ins Freie und löschten den Vollbrand in der Wohnung im Parterre, wo das Feuer ausgebrochen war. Als sich der Qualm verzogen hatte, sahen sie ein Chaos an leeren Bierdosen und Essensresten. Norbert Riechmann, der damals Pressesprecher der Mindener Feuerwehr war, stand zusammen mit dem Einsatzleiter Jürgen Meyer mittendrin. Plötzlich habe ihn Meyer auf einen leblosen Körper hingewiesen, der sich vom Schutt bedeckt dicht neben ihm befand, erinnert sich Riechmann. „Da weiß man erst einmal nicht, wohin man sich bewegen soll“, meint der Stadtbrandinspektor a.D., der bereits mehrfach Brandleichen für die Polizei zu weiteren Ermittlungszwecken fotografieren musste. Als dann die damalige MT-Redakteurin Ulrike Mißbach für die Berichterstattung in die ausgebrannte Wohnung gehen wollte, habe er sie weggeschickt, um ihr den Anblick zu ersparen. Er kannte sie schon von anderen Brandeinsätzen mit durchaus brenzligen Situationen. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass es sich bei dem Toten um einen 39-jährigen Maschinenführer handelte, der schon sechs Stunden vor Eintreffen der Feuerwehr in seiner Wohnung verstorben war. Er hatte durch die Folgen der starken Rauchentwicklung das Leben verloren. Brandermittler schlossen ein Fremdverschulden aus und hielten eine Zigarettenkippe für die Ursache eines Schwelbrandes, der sich dann zu einem Feuer ausgeweitet hatte. In der Wohnung des Toten sollen Unmengen an Alkohol konsumiert worden sein. Acht Jahre später, am Sonntag, 21. Oktober 2012, rückte die Feuerwehr gegen 19.20 Uhr erneut zum Haus Umradstraße 27 aus. Als sie vor Ort eintraf, stand der Dachstuhl bereits in Flammen und die Bewohner hatten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Da der Zugang zum Treppenhaus komplett versperrt war, konnten die Einsatzkräfte den Brand nur von zwei Drehleitern aus angehen. Sie brauchten zwei Stunden, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Nach dem Feuer konnte wegen der Einsturzgefahr der Brandsachverständige der Polizei das Haus nur kurze Zeit betreten. Er stellte fest, dass die Flammen im oberen Geschoss ausgebrochen waren. Das Dachgeschoss des unbewohnbaren Gebäudes war vollkommen niedergebrannt und das Ordnungsamt der Stadt musste die Bewohner andernorts unterbringen. Mitte Juni 2013 ließ der Eigentümer die Brandruine dann abreißen. Schon 1979 sah es so aus, aus ob die Immobilie nicht mehr lange stehen sollte. Im März dieses Jahres drohte eine Wand in eine Baugrube abzusacken und 13 Bewohner mussten unverzüglich aus dem einsturzgefährdeten Haus evakuiert werden. Nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen konnten sie wenige Tage später wieder einziehen. Das Haus an der Umradstraße war um 1722 nach Aufteilung eines Hofgrundstückes vermutlich zunächst eingeschossig mit einem Dach entstanden. In den Jahren 1786/87 wurde renoviert, aufgestockt und verputzt.

MT-Serie: Nach zwei Bränden war das Haus Umradstraße 27 unbewohnbar

Seit Jahren ist die Brandruine aus Gründen der Sicherheit durch einen Zaun abgesperrt. MT- © Foto: Stefan Koch

Minden. Seit Jahren sichert ein Bauzaun die Reste der Hausruine an der Umradstraße 27. Jeden Sommer sprießt dort das Grün, wo jahrzehntelang Menschen in einem Fachwerkgebäude in der oberen Altstadt lebten. Zweimal brannte es, bis es nicht mehr bewohnbar war und vom Eigentümer abgerissen wurde. Der hat bislang keine weiteren Pläne für eine zukünftige Nutzung des Geländes in idyllischer Lage.

Als ein Passant am Donnerstag, 18. September 2003, gegen 8.45 Uhr, Rauchschwaden, die von der unteren Wohnung des zweieinhalbgeschossigen Hauses ausgingen, bemerkte, sah es damals aus, als komme auf die Feuerwehr ein Routineeinsatz zu. Kurze Zeit später traf sie unter anderem mit drei Löschfahrzeugen, der Drehleiter und einem Notarztfahrzeug mit Rettungswagen ein – denn das Haus war bewohnt.

Nach dem zweiten Brand war das Gebäude in der Umradstraße nicht mehr bewohnbar. MT-Foto (Archiv): Ulrike Mißbach
Nach dem zweiten Brand war das Gebäude in der Umradstraße nicht mehr bewohnbar. MT-Foto (Archiv): Ulrike Mißbach

Die Einsatzkräfte brachen Wohnungstüren auf, um in das Innere zu gelangen. Sie brachten Personen über das Treppenhaus ins Freie und löschten den Vollbrand in der Wohnung im Parterre, wo das Feuer ausgebrochen war. Als sich der Qualm verzogen hatte, sahen sie ein Chaos an leeren Bierdosen und Essensresten. Norbert Riechmann, der damals Pressesprecher der Mindener Feuerwehr war, stand zusammen mit dem Einsatzleiter Jürgen Meyer mittendrin.

Plötzlich habe ihn Meyer auf einen leblosen Körper hingewiesen, der sich vom Schutt bedeckt dicht neben ihm befand, erinnert sich Riechmann. „Da weiß man erst einmal nicht, wohin man sich bewegen soll“, meint der Stadtbrandinspektor a.D., der bereits mehrfach Brandleichen für die Polizei zu weiteren Ermittlungszwecken fotografieren musste. Als dann die damalige MT-Redakteurin Ulrike Mißbach für die Berichterstattung in die ausgebrannte Wohnung gehen wollte, habe er sie weggeschickt, um ihr den Anblick zu ersparen. Er kannte sie schon von anderen Brandeinsätzen mit durchaus brenzligen Situationen.

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass es sich bei dem Toten um einen 39-jährigen Maschinenführer handelte, der schon sechs Stunden vor Eintreffen der Feuerwehr in seiner Wohnung verstorben war. Er hatte durch die Folgen der starken Rauchentwicklung das Leben verloren. Brandermittler schlossen ein Fremdverschulden aus und hielten eine Zigarettenkippe für die Ursache eines Schwelbrandes, der sich dann zu einem Feuer ausgeweitet hatte. In der Wohnung des Toten sollen Unmengen an Alkohol konsumiert worden sein.

Acht Jahre später, am Sonntag, 21. Oktober 2012, rückte die Feuerwehr gegen 19.20 Uhr erneut zum Haus Umradstraße 27 aus. Als sie vor Ort eintraf, stand der Dachstuhl bereits in Flammen und die Bewohner hatten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Da der Zugang zum Treppenhaus komplett versperrt war, konnten die Einsatzkräfte den Brand nur von zwei Drehleitern aus angehen. Sie brauchten zwei Stunden, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Nach dem Feuer konnte wegen der Einsturzgefahr der Brandsachverständige der Polizei das Haus nur kurze Zeit betreten. Er stellte fest, dass die Flammen im oberen Geschoss ausgebrochen waren. Das Dachgeschoss des unbewohnbaren Gebäudes war vollkommen niedergebrannt und das Ordnungsamt der Stadt musste die Bewohner andernorts unterbringen. Mitte Juni 2013 ließ der Eigentümer die Brandruine dann abreißen.

Schon 1979 sah es so aus, aus ob die Immobilie nicht mehr lange stehen sollte. Im März dieses Jahres drohte eine Wand in eine Baugrube abzusacken und 13 Bewohner mussten unverzüglich aus dem einsturzgefährdeten Haus evakuiert werden. Nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen konnten sie wenige Tage später wieder einziehen. Das Haus an der Umradstraße war um 1722 nach Aufteilung eines Hofgrundstückes vermutlich zunächst eingeschossig mit einem Dach entstanden. In den Jahren 1786/87 wurde renoviert, aufgestockt und verputzt.

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