MT-Serie: Im Team für die Baumpflege Stefan Koch Minden (mt). Wenn jetzt das Kreischen der Kettensäge im Glacis erklingt, haben sie vielleicht die Hand am Gashebel: Peter Adams (29) und Ines Schmeding (31) von den Städtischen Betrieben Minden (SBM) pflegen das kommunale Gehölz. Nicht der Mutwille einer Behörde ist Anlass ihres Tuns, wie mitunter Passanten glauben. Vielmehr müssen sie den Baumbestand schonend erhalten und gleichzeitig auf die Verkehrssicherheit achten. Eine Aufgabe, die neben schwerem Gerät jede Menge Fingerspitzengefühl erfordert. Und neben beruflicher Erfahrung auch körperliche Fitness als Voraussetzung hat. Erst seit einigen Monaten sind sie als Team mit dem Hubsteiger unterwegs. Einer von ihnen steigt im Korb nach oben und entfernt Äste; der andere sichert am Boden die Arbeiten. Da müssen sich beide aufeinander verlassen. Neben der ständigen Pflege des Baumbestandes im Glacis sind die beiden für das Grün entlang der Straßen und auf anderen städtischen Anlagen zuständig. Dabei unterstützt sie noch die Besatzung eines weiteren Hubsteigers. „Zurzeit nehmen wir das Totholz aus dem Bereich der Wege weg", sagt Peter Adams. Die Dürre des Sommers habe zwar im Glacis zu sichtbaren Schäden geführt. Andernorts auf der Fläche des Mindener Stadtgebietes hätten die Bäume aber vergleichsweise noch viel mehr gelitten. Da gibt es einiges zu tun, um zu verhindern, dass Äste auf Fahrzeuge und Passanten fallen. Wer von den beiden mit dem Hubsteiger in die Kronen fährt, um dort oben dürres Geäst abzutrennen, hat eine akkubetriebene Top-Handle-Säge dabei. Die lässt sich mit einer Hand bedienen. „Der Vorteil ist auch, dass sie nicht laut ist und wir ohne Gehörschutz arbeiten können", sagt Peter Adams. Schließlich müssten sie sich über eine weite Entfernung per Zuruf miteinander verständigen – was besonders wichtig sei, wenn Passanten den Gefahrenbereich der Baumarbeiten passieren. „Wenn wir am Boden arbeiten nutzen wir dagegen die Motorsäge", sagt Ines Schmeding. Für die Arbeit im Grünen hatten beide eine dreijährige Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau in Firmen der Gartenbaubranche absolviert und ihre Kenntnisse mit weiteren Lehrgängen ergänzt. So war auch eine Fortbildung zur Bedienung der Hubsteiger notwendig, die die SBM aus Kostengründen von einem Verleih im Nachbarkreis Schaumburg anmieten. Auch der Umgang mit den Kettensägen erforderte eine umfangreiche Ausbildung, die weit über das hinausgeht, was private Holzwerber wissen müssen, die sich im Wald mit Brennstoff eindecken. „Manchmal kommt es vor, dass wir Bäume oder größere Äste zerlegen und am nächsten Tag liegen sie nicht mehr dort, wo sie abgeholt werden sollen", sagt Adams. Dann habe offenbar ebenfalls ein Interessent Holz für den eigenen Kamin geholt. Das allerdings ist illegal, denn auch nach dem Fällen bleibt die Stadt Minden die Eigentümerin des Holzes. Ob es Spaß macht, jeden Tag an der frischen Luft zu arbeiten? „Bei schönem Wetter ist die Baumpflege kein Problem", sagt Schmeding. „Bei schlechtem Wetter suchen wir uns dagegen passendere Arbeiten wie die Pflege von Maschinen, das Schärfen der Ketten oder die Fahrzeugreinigung. Beide bekunden aber unisono, dass sie den für sie passenden Beruf gewählt haben. Und Adams fügt hinzu: „Bei der Arbeit in den Anlagen der Stadt habe ich eine ganz andere Beziehung zu den Bäumen, mit denen ich es zu tun habe, als in einem Forstbetrieb. Ich kann sie jahrelang durch mein Berufsleben hindurch begleiten, sehe, wie sie sich entwickeln und erinnere mich daran, was ich an ihnen schon gemacht habe." Bis zur Rente mit 67 und stets die Kettensäge mit dabei? „Da gibt es bestimmt noch die eine oder andere Art der Umschulung", stellt er sich vor. Was sich die beiden zurzeit gar nicht vorstellen können, ist, täglich in wechselnder Zusammensetzung mit anderen Kollegen die Arbeit zu beginnen. „Wenn man zum Beispiel an der Straße neben dem laufenden Verkehr arbeitet, steht man ohnehin schon unter Stress", sagt Adams. „Da ist man froh, wenn man nicht auf alles achten muss, weil man weiß, dass es der andere tut, den man kennt." Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbstgewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit",E-Mail: lokales@MT.de

MT-Serie: Im Team für die Baumpflege

Peter Adams und Ines Schmeding teilen sich die Arbeit am Hubsteiger. Bei schlechtem Wetter wechseln sie sich häufiger bei der Arbeit im Korb ab. MT- © Foto: Stefan Koch

Minden (mt). Wenn jetzt das Kreischen der Kettensäge im Glacis erklingt, haben sie vielleicht die Hand am Gashebel: Peter Adams (29) und Ines Schmeding (31) von den Städtischen Betrieben Minden (SBM) pflegen das kommunale Gehölz. Nicht der Mutwille einer Behörde ist Anlass ihres Tuns, wie mitunter Passanten glauben. Vielmehr müssen sie den Baumbestand schonend erhalten und gleichzeitig auf die Verkehrssicherheit achten. Eine Aufgabe, die neben schwerem Gerät jede Menge Fingerspitzengefühl erfordert. Und neben beruflicher Erfahrung auch körperliche Fitness als Voraussetzung hat.

Erst seit einigen Monaten sind sie als Team mit dem Hubsteiger unterwegs. Einer von ihnen steigt im Korb nach oben und entfernt Äste; der andere sichert am Boden die Arbeiten. Da müssen sich beide aufeinander verlassen.

Neben der ständigen Pflege des Baumbestandes im Glacis sind die beiden für das Grün entlang der Straßen und auf anderen städtischen Anlagen zuständig. Dabei unterstützt sie noch die Besatzung eines weiteren Hubsteigers. „Zurzeit nehmen wir das Totholz aus dem Bereich der Wege weg", sagt Peter Adams. Die Dürre des Sommers habe zwar im Glacis zu sichtbaren Schäden geführt. Andernorts auf der Fläche des Mindener Stadtgebietes hätten die Bäume aber vergleichsweise noch viel mehr gelitten. Da gibt es einiges zu tun, um zu verhindern, dass Äste auf Fahrzeuge und Passanten fallen.

Wer von den beiden mit dem Hubsteiger in die Kronen fährt, um dort oben dürres Geäst abzutrennen, hat eine akkubetriebene Top-Handle-Säge dabei. Die lässt sich mit einer Hand bedienen. „Der Vorteil ist auch, dass sie nicht laut ist und wir ohne Gehörschutz arbeiten können", sagt Peter Adams. Schließlich müssten sie sich über eine weite Entfernung per Zuruf miteinander verständigen – was besonders wichtig sei, wenn Passanten den Gefahrenbereich der Baumarbeiten passieren. „Wenn wir am Boden arbeiten nutzen wir dagegen die Motorsäge", sagt Ines Schmeding.

Für die Arbeit im Grünen hatten beide eine dreijährige Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau in Firmen der Gartenbaubranche absolviert und ihre Kenntnisse mit weiteren Lehrgängen ergänzt. So war auch eine Fortbildung zur Bedienung der Hubsteiger notwendig, die die SBM aus Kostengründen von einem Verleih im Nachbarkreis Schaumburg anmieten. Auch der Umgang mit den Kettensägen erforderte eine umfangreiche Ausbildung, die weit über das hinausgeht, was private Holzwerber wissen müssen, die sich im Wald mit Brennstoff eindecken.

„Manchmal kommt es vor, dass wir Bäume oder größere Äste zerlegen und am nächsten Tag liegen sie nicht mehr dort, wo sie abgeholt werden sollen", sagt Adams. Dann habe offenbar ebenfalls ein Interessent Holz für den eigenen Kamin geholt. Das allerdings ist illegal, denn auch nach dem Fällen bleibt die Stadt Minden die Eigentümerin des Holzes.

Ob es Spaß macht, jeden Tag an der frischen Luft zu arbeiten? „Bei schönem Wetter ist die Baumpflege kein Problem", sagt Schmeding. „Bei schlechtem Wetter suchen wir uns dagegen passendere Arbeiten wie die Pflege von Maschinen, das Schärfen der Ketten oder die Fahrzeugreinigung. Beide bekunden aber unisono, dass sie den für sie passenden Beruf gewählt haben. Und Adams fügt hinzu: „Bei der Arbeit in den Anlagen der Stadt habe ich eine ganz andere Beziehung zu den Bäumen, mit denen ich es zu tun habe, als in einem Forstbetrieb. Ich kann sie jahrelang durch mein Berufsleben hindurch begleiten, sehe, wie sie sich entwickeln und erinnere mich daran, was ich an ihnen schon gemacht habe."

Bis zur Rente mit 67 und stets die Kettensäge mit dabei? „Da gibt es bestimmt noch die eine oder andere Art der Umschulung", stellt er sich vor.

Was sich die beiden zurzeit gar nicht vorstellen können, ist, täglich in wechselnder Zusammensetzung mit anderen Kollegen die Arbeit zu beginnen. „Wenn man zum Beispiel an der Straße neben dem laufenden Verkehr arbeitet, steht man ohnehin schon unter Stress", sagt Adams. „Da ist man froh, wenn man nicht auf alles achten muss, weil man weiß, dass es der andere tut, den man kennt."

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbstgewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit",E-Mail: lokales@MT.de

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