MT-Serie: 75 Jahre Kriegsende - Ihr Vater blieb nach letzter Feldpost für immer vermisst Anja Peper Minden. Es stimmt nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt. Aber sie kann doch helfen, mit dem Unbegreiflichen leben zu lernen. Ursel Rupprecht aus Minden, 91 Jahre alt, hat vieles von dem, was im Zweiten Weltkrieg passierte, noch deutlich vor Augen. Sie verlor ihren Vater – das Schicksal des Bäckers Gustav Tasche ist bis heute unklar. Der Verlust und die Ungewissheit traf die Familie hart. Weihnachten 1943 war er das letzte Mal auf Fronturlaub, danach verlor sich seine Spur für immer. Seine letzte Feldpost erreichte die Familie in Hausberge. Der Inhalt des Schreibens ließ viele Fragen offen. Ursel Rupprecht hat die gesammelte Feldpost ihres Vaters in einem hübschen Geschenkkarton verwahrt, der mit einer roten Schleife versehen ist. Gustav Tasche war gleich zu Kriegsbeginn von der Wehrmacht eingezogen worden, um bei der Heeresbäckerei Brot zu backen für die Soldaten. Hin und wieder lesen sie und ihre Schwestern die Briefe – allerdings mit Vorsicht, denn das Papier ist vergilbt und inzwischen schon etwas brüchig. Ihr Vater schrieb ordentlich in der alten deutschen Schrift, Sütterlin. In seinem letzten Brief an die Familie formulierte er: „Ihr könnt im Moment nicht schreiben. Ich bekomme eine neue Feldpostnummer.“ Die deutsche Feldpostnummer war eine Art Postleitzahl, jeder militärischen Einheit war eine bestimmte Nummer zugeordnet. Dieser letzte Brief, erinnert sich seine Tochter, trug ein Symbol der Leibstandarte Adolf Hitlers. Vermutlich war das seine letzte Division. Was danach passierte, wie er starb und wo er begraben wurde: Unbekannt. Selbst der DRK-Suchdienst (siehe Kasten) konnte über den Verbleib des Bäckers Gustav Tasche nichts herausfinden. Bis heute unterstützt der Suchdienst Menschen, die durch Krieg, Konflikte, Katastrophen oder Flucht von ihren Nächsten getrennt wurden. Er hilft, wieder miteinander in Kontakt zu bringen und Familien zu vereinen. Doch auch heute noch sind dem Suchdienst noch 1,3 Millionen Menschen bekannt, deren Schicksal ungewiss ist. Selbst die Erkennungsmarke von Gustav Tasche blieb verschwunden. Umsonst wartete und hoffte die Familie Tag für Tag darauf, dass der Briefträger Neuigkeiten bringen würde. Der 8. Mai 1945 markiert in der Geschichte einen besonderen Tag – er setzt einen Schlusspunkt hinter den verheerenden Zweiten Weltkrieg. Ursel Rupprecht, Jahrgang 1928, hat als Mädchen in den dunklen Kriegsjahren vieles erlebt, an das sie sich bis heute glasklar erinnert. Vor Augen hat sie zum Beispiel diese am Kabel hin und her schwankende Küchenlampe. Es war die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Damals war sie zehn. In Hausberge lebten damals mehrere jüdische Familien. Sie habe vor einem Lebensmittelmarkt, dem Konsum, gewartet, erinnert sie sich. „Plötzlich hörten wir den Lärm, es war das Geschrei und Getrampel von Soldaten.“ Die Sturmabteilung (SA) war ins Haus einer jüdischen Familie eingedrungen, von ihrem Standpunkt am Markt aus konnte das Mädchen das Haus sehen. Aber was genau im Inneren geschah, konnte sie nicht sehen, nur erahnen. Aus irgendeinem Grund gab jemand der brennenden Küchenlampe einen Stoß: „Sie flog hin und her.“ Eine von vielen Szenen, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben. Tausende Synagogen, Versammlungsräume sowie Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden in jener Nacht zerstört. „Wir hatten Angst, etwas zu sagen.“ Die Novemberpogrome 1938 steigerten den staatlichen Antisemitismus im ganzen Deutschen Reich. Was allerdings in den Konzentrationslagern geschah, hätte sie sich niemals ausmalen können, sagt sie. Nach Kriegsbeginn 1939 war die Mutter mit ihren vier Töchtern auf sich allein gestellt. 1942/43 absolvierte Ursel ein Pflichtjahr im Kirchenbüro der Marienkirche. Anschließend besuchte sie in Minden die Handelsschule – zumindest pro forma. „In der Zeit haben wir mehr im Bunker gesessen als dass wir in der Schule waren.“ Oft gab es Fliegeralarm: „Wir konnten hören, wenn die Formationen im Anflug waren.“ Auch der Ton hat sich ins Gedächtnis eingebrannt: „Am Anfang ist Minden ja nicht bombardiert worden, die Flugzeuge flogen meist nach Hannover.“ Schon immer war Krieg mit Lärm verbunden, der natürlich auch auf die Psyche schlägt. Allerdings war der Ton der Flieger von der Frequenz her unterschiedlich, je nachdem, ob noch die tonnenschweren Bomben an Bord waren oder nicht. „Auf dem Rückweg war der Ton immer heller.“ Es ist ihren blauen Augen anzusehen, dass sie dieses spezielle Geräusch auch nach Jahrzehnten noch hören kann. Und es gibt auch einen speziellen Geruch, der ihr nach all' den Jahren noch in der Nase sticht, wenn sie darüber spricht: Der in den so genannten „Volksgasmasken“ verwendete Kleber war vermutlich giftiger als damals angenommen. Diese Masken ließen sich schnell und billig herstellen, waren aber weniger leistungsfähig als die fürs Militär. Bis Kriegsende sollen knapp 45 Millionen Volksgasmasken hergestellt worden sein. Ob die Masken mittel- oder langfristig der Gesundheit schaden könnten, war offenbar kein allzu großes Thema: „Wir bekamen in der Fabrik immer Glas Milch gegen den ungesunden Klebstoff.“ Nach Abschluss der Handelsschule (mit einer Notprüfung) hat die Wehrmacht Ursel und ihre Mitschüler zum Arbeiten eingeteilt. In einer Mindener Fabrik, in der Uniformen genäht wurden, musste sie am Fließband Knöpfe per Hand annähen, einen nach dem anderen, Tag für Tag. Das sei langweilig gewesen. „Aber zum Glück durften wir uns an unserem Tisch unterhalten.“ Aber die Aufseher passten schon auf, dass alle zügig arbeiteten, denn die mussten schnell weitergeschoben werden. Was sie damals verdient hat, weiß Ursel Rupprecht auch noch ganz genau: „50 Pfennig pro Stunde.“ Der Verdienst wird auf die Rente angerechnet. In der Fabrik blieb sie bis Kriegsende. Nach dem Krieg begannen die Aufräumarbeiten. Langsam blühten die jungen Leute auf. Ursel Rupprecht schloss sich einer Volkstanzgruppe in Hausberge an und ging gerne samstags aus. Sie arbeitete in Minden bei der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. „Das Geld war furchtbar knapp damals“, erinnert sie sich. Sie heiratete, gründete eine Familie, zog weg und kehrte 1999 nach Minden zurück. Was sie heute wichtig findet: „Dankbar sein für Frieden.“ Suche nach Vermissten und Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs Nach Gründung der Bundesrepublik rief Bundespräsident Theodor Heuss im März 1950 die Bürger Westdeutschlands auf, ihre Vermissten registrieren zu lassen. Die Menschen strömten zu den Rathäusern und Amtsstuben, um dort Personalangaben über die Angehörigen auf Karteikarten zu hinterlassen. Insgesamt wurden rund 1,7 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder gemeldet, über deren Verbleib immer noch nichts Näheres bekannt geworden war. Der DRK-Suchdienst ging den Fällen nach. Viele dieser Schicksale konnte er klären, aber auch heute sind dem Suchdienst noch 1,3 Millionen Personen bekannt, deren Schicksal ungewiss ist. Da sich diese Erfassung auf den Westen Deutschlands beschränkte, blieben die Suchenden in der ehemaligen DDR und in den Ländern Osteuropas unberücksichtigt. Aus diesem Grund werden auch Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch völlig neue Anfragen gestellt. Die tatsächliche Zahl der Verschollenenfälle ist deshalb immer noch nicht abschließend. Eine restlose Klärung aller Schicksale wird nicht möglich sein, weil viele Menschen in den Wirren des Krieges verschwanden, ohne dass schriftliche Aufzeichnungen angefertigt wurden. So gerieten nach dem Zusammenbruch der Ostfront Hunderttausende in Gefangenschaft, entsprechende Registrierungen wurden aber erst von den Verwaltungen der Transportzüge und der Bestimmungslager durchgeführt. Menschen, die auf dem langen Marsch dorthin verstarben, werden für immer zu den Verschollenen zählen, deren Schicksal ungeklärt bleibt. Erst die Politik des Staatspräsidenten Michail Sergejewitsch Gorbatschow erlaubte die Erschließung der russischen Archivquellen. Quelle: DRK-Suchdienst

MT-Serie: 75 Jahre Kriegsende - Ihr Vater blieb nach letzter Feldpost für immer vermisst

Lebendige Erinnerungen an den Krieg hat Ursel Rupprecht (91). Sie beobachtete zum Beispiel, wie die SA in der Pogromnacht 1938 eine jüdische Familie in Hausberge überfiel. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Es stimmt nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt. Aber sie kann doch helfen, mit dem Unbegreiflichen leben zu lernen. Ursel Rupprecht aus Minden, 91 Jahre alt, hat vieles von dem, was im Zweiten Weltkrieg passierte, noch deutlich vor Augen. Sie verlor ihren Vater – das Schicksal des Bäckers Gustav Tasche ist bis heute unklar. Der Verlust und die Ungewissheit traf die Familie hart. Weihnachten 1943 war er das letzte Mal auf Fronturlaub, danach verlor sich seine Spur für immer. Seine letzte Feldpost erreichte die Familie in Hausberge. Der Inhalt des Schreibens ließ viele Fragen offen.

Ursel Rupprecht hat die gesammelte Feldpost ihres Vaters in einem hübschen Geschenkkarton verwahrt, der mit einer roten Schleife versehen ist. Gustav Tasche war gleich zu Kriegsbeginn von der Wehrmacht eingezogen worden, um bei der Heeresbäckerei Brot zu backen für die Soldaten. Hin und wieder lesen sie und ihre Schwestern die Briefe – allerdings mit Vorsicht, denn das Papier ist vergilbt und inzwischen schon etwas brüchig. Ihr Vater schrieb ordentlich in der alten deutschen Schrift, Sütterlin. In seinem letzten Brief an die Familie formulierte er: „Ihr könnt im Moment nicht schreiben. Ich bekomme eine neue Feldpostnummer.“ Die deutsche Feldpostnummer war eine Art Postleitzahl, jeder militärischen Einheit war eine bestimmte Nummer zugeordnet. Dieser letzte Brief, erinnert sich seine Tochter, trug ein Symbol der Leibstandarte Adolf Hitlers. Vermutlich war das seine letzte Division. Was danach passierte, wie er starb und wo er begraben wurde: Unbekannt.

Verblichenes Familienfoto: Der Bäcker Gustav Tasche verschwand spurlos im Zweiten Weltkrieg. Er hinterließ eine Frau und insgesamt vier Töchter. Ursel steht links außen. Foto: privat - © privat
Verblichenes Familienfoto: Der Bäcker Gustav Tasche verschwand spurlos im Zweiten Weltkrieg. Er hinterließ eine Frau und insgesamt vier Töchter. Ursel steht links außen. Foto: privat - © privat

Selbst der DRK-Suchdienst (siehe Kasten) konnte über den Verbleib des Bäckers Gustav Tasche nichts herausfinden. Bis heute unterstützt der Suchdienst Menschen, die durch Krieg, Konflikte, Katastrophen oder Flucht von ihren Nächsten getrennt wurden. Er hilft, wieder miteinander in Kontakt zu bringen und Familien zu vereinen. Doch auch heute noch sind dem Suchdienst noch 1,3 Millionen Menschen bekannt, deren Schicksal ungewiss ist. Selbst die Erkennungsmarke von Gustav Tasche blieb verschwunden. Umsonst wartete und hoffte die Familie Tag für Tag darauf, dass der Briefträger Neuigkeiten bringen würde.

Ein Stapel verblichener Feldpost ist Ursel Rupprecht von ihrem Vater geblieben. Während des Zweiten Weltkriegs lebte die Familie Tasche in Hausberge an der Findelstraße. MT-Foto: Anja Peper - © Anja Peper
Ein Stapel verblichener Feldpost ist Ursel Rupprecht von ihrem Vater geblieben. Während des Zweiten Weltkriegs lebte die Familie Tasche in Hausberge an der Findelstraße. MT-Foto: Anja Peper - © Anja Peper

Der 8. Mai 1945 markiert in der Geschichte einen besonderen Tag – er setzt einen Schlusspunkt hinter den verheerenden Zweiten Weltkrieg. Ursel Rupprecht, Jahrgang 1928, hat als Mädchen in den dunklen Kriegsjahren vieles erlebt, an das sie sich bis heute glasklar erinnert. Vor Augen hat sie zum Beispiel diese am Kabel hin und her schwankende Küchenlampe. Es war die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Damals war sie zehn. In Hausberge lebten damals mehrere jüdische Familien. Sie habe vor einem Lebensmittelmarkt, dem Konsum, gewartet, erinnert sie sich. „Plötzlich hörten wir den Lärm, es war das Geschrei und Getrampel von Soldaten.“ Die Sturmabteilung (SA) war ins Haus einer jüdischen Familie eingedrungen, von ihrem Standpunkt am Markt aus konnte das Mädchen das Haus sehen. Aber was genau im Inneren geschah, konnte sie nicht sehen, nur erahnen. Aus irgendeinem Grund gab jemand der brennenden Küchenlampe einen Stoß: „Sie flog hin und her.“ Eine von vielen Szenen, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben. Tausende Synagogen, Versammlungsräume sowie Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden in jener Nacht zerstört. „Wir hatten Angst, etwas zu sagen.“ Die Novemberpogrome 1938 steigerten den staatlichen Antisemitismus im ganzen Deutschen Reich. Was allerdings in den Konzentrationslagern geschah, hätte sie sich niemals ausmalen können, sagt sie.

Nach Kriegsbeginn 1939 war die Mutter mit ihren vier Töchtern auf sich allein gestellt. 1942/43 absolvierte Ursel ein Pflichtjahr im Kirchenbüro der Marienkirche. Anschließend besuchte sie in Minden die Handelsschule – zumindest pro forma. „In der Zeit haben wir mehr im Bunker gesessen als dass wir in der Schule waren.“ Oft gab es Fliegeralarm: „Wir konnten hören, wenn die Formationen im Anflug waren.“ Auch der Ton hat sich ins Gedächtnis eingebrannt: „Am Anfang ist Minden ja nicht bombardiert worden, die Flugzeuge flogen meist nach Hannover.“ Schon immer war Krieg mit Lärm verbunden, der natürlich auch auf die Psyche schlägt. Allerdings war der Ton der Flieger von der Frequenz her unterschiedlich, je nachdem, ob noch die tonnenschweren Bomben an Bord waren oder nicht. „Auf dem Rückweg war der Ton immer heller.“ Es ist ihren blauen Augen anzusehen, dass sie dieses spezielle Geräusch auch nach Jahrzehnten noch hören kann.

Und es gibt auch einen speziellen Geruch, der ihr nach all' den Jahren noch in der Nase sticht, wenn sie darüber spricht: Der in den so genannten „Volksgasmasken“ verwendete Kleber war vermutlich giftiger als damals angenommen. Diese Masken ließen sich schnell und billig herstellen, waren aber weniger leistungsfähig als die fürs Militär. Bis Kriegsende sollen knapp 45 Millionen Volksgasmasken hergestellt worden sein. Ob die Masken mittel- oder langfristig der Gesundheit schaden könnten, war offenbar kein allzu großes Thema: „Wir bekamen in der Fabrik immer Glas Milch gegen den ungesunden Klebstoff.“

Nach Abschluss der Handelsschule (mit einer Notprüfung) hat die Wehrmacht Ursel und ihre Mitschüler zum Arbeiten eingeteilt. In einer Mindener Fabrik, in der Uniformen genäht wurden, musste sie am Fließband Knöpfe per Hand annähen, einen nach dem anderen, Tag für Tag. Das sei langweilig gewesen. „Aber zum Glück durften wir uns an unserem Tisch unterhalten.“ Aber die Aufseher passten schon auf, dass alle zügig arbeiteten, denn die mussten schnell weitergeschoben werden. Was sie damals verdient hat, weiß Ursel Rupprecht auch noch ganz genau: „50 Pfennig pro Stunde.“ Der Verdienst wird auf die Rente angerechnet. In der Fabrik blieb sie bis Kriegsende.

Nach dem Krieg begannen die Aufräumarbeiten. Langsam blühten die jungen Leute auf. Ursel Rupprecht schloss sich einer Volkstanzgruppe in Hausberge an und ging gerne samstags aus. Sie arbeitete in Minden bei der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. „Das Geld war furchtbar knapp damals“, erinnert sie sich. Sie heiratete, gründete eine Familie, zog weg und kehrte 1999 nach Minden zurück. Was sie heute wichtig findet: „Dankbar sein für Frieden.“

Suche nach Vermissten und Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs

Nach Gründung der Bundesrepublik rief Bundespräsident Theodor Heuss im März 1950 die Bürger Westdeutschlands auf, ihre Vermissten registrieren zu lassen. Die Menschen strömten zu den Rathäusern und Amtsstuben, um dort Personalangaben über die Angehörigen auf Karteikarten zu hinterlassen.

Insgesamt wurden rund 1,7 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder gemeldet, über deren Verbleib immer noch nichts Näheres bekannt geworden war. Der DRK-Suchdienst ging den Fällen nach. Viele dieser Schicksale konnte er klären, aber auch heute sind dem Suchdienst noch 1,3 Millionen Personen bekannt, deren Schicksal ungewiss ist.

Da sich diese Erfassung auf den Westen Deutschlands beschränkte, blieben die Suchenden in der ehemaligen DDR und in den Ländern Osteuropas unberücksichtigt. Aus diesem Grund werden auch Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch völlig neue Anfragen gestellt. Die tatsächliche Zahl der Verschollenenfälle ist deshalb immer noch nicht abschließend.

Eine restlose Klärung aller Schicksale wird nicht möglich sein, weil viele Menschen in den Wirren des Krieges verschwanden, ohne dass schriftliche Aufzeichnungen angefertigt wurden. So gerieten nach dem Zusammenbruch der Ostfront Hunderttausende in Gefangenschaft, entsprechende Registrierungen wurden aber erst von den Verwaltungen der Transportzüge und der Bestimmungslager durchgeführt. Menschen, die auf dem langen Marsch dorthin verstarben, werden für immer zu den Verschollenen zählen, deren Schicksal ungeklärt bleibt.

Erst die Politik des Staatspräsidenten Michail Sergejewitsch Gorbatschow erlaubte die Erschließung der russischen Archivquellen.

Quelle: DRK-Suchdienst

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden