MT-Serie 75 Jahre Kriegsende: Als die Panzer vor dem Haus standen Minden (mt/dc). Kriegsende am 8. Mai 1945 – was passierte da in Minderheide? Wie haben die Einwohner die letzten Tage und den Tag selbst erlebt? Die Fragen kamen beim Kulturgemeinschaftsvorsitzenden Hans-Jürgen Wolff bei der Pflanzung des Friedensbaumes an der Förderschule auf. Er selber wurde 1946 in einem anderen Ort im Kreis Minden-Lübbecke geboren. Auskunft bekam er von Heinz-Werner Borgmann, der zu jener Zeit in Minderheide an der Kreuzung Petershäger Weg und Stiftsallee/Stemmer Landstraße wohnte. Als damals 13-Jähriger besuchte Borgmann die Schule in dem Ortsteil. In den letzten Monaten vor Kriegsende habe es immer wieder Fliegeralarm gegeben. Bomberstaffeln überflogen Minden nach Westen. „Wir Kinder wurden dann nach Hause geschickt, bis der Alarm vorbei war. War das früh am Vormittag, mussten wir wieder zur Schule kommen. Der Unterricht ging bis 13 Uhr“, erinnert sich Borgmann. Große Kampfhandlungen habe es in Minderheide nicht gegeben. Am 8. Mai mussten die Kinder im Haus bleiben. Von dort beobachtete Borgmann, wie die Engländer mit Panzern auf der Kreuzung am Petershäger Weg/Stemmer Landstraße standen. Gegenwehr von deutscher Seite habe es bis auf kleine Scharmützel nicht gegeben. Die Panzer seien dann in Richtung Hahlen gefahren. Es folgten Infanterietruppen der Engländer. Am Blessenweg habe es noch Beschuss mit Flakgranaten gegeben, zwei Häuser seien teilweise zerstört worden. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist Borgmann die Aktion eines deutschen Soldaten, der im Bereich der Friedenseiche mit einer Panzerfaust auf britische Panzer schoss, diese aber verfehlte. Dieser sei wohl durch Propaganda aufgestachelt gewesen, mutmaßt er. Danach ergriff der Soldat die Flucht über das offene Feld, dabei wurde er von den Soldaten erschossen. Die Bewohner in Minderheide mussten in ihren Häusern bleiben. Die Engländer hätten den Feldflugplatz auf der Heide erst später entdeckt, so Borgmann weiter. Erst drei Tage später sei die Nachhut der Engländer eingetroffen. Von den Vorgängen in Minden hätte man erst später Kenntnis bekommen. Auch die Bevölkerung in Minderheide hatte Gefallene zu beklagen. Der ehemalige Ortsheimatpfleger Herbert Dallmeier hatte eine Auflistung angefertigt und vor Jahren der St. Lukas Kirche übergeben.

MT-Serie 75 Jahre Kriegsende: Als die Panzer vor dem Haus standen

Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg wurde die Regierung in Minden zerstört. © Foto: Horst Grätz (Archiv)

Minden (mt/dc). Kriegsende am 8. Mai 1945 – was passierte da in Minderheide? Wie haben die Einwohner die letzten Tage und den Tag selbst erlebt? Die Fragen kamen beim Kulturgemeinschaftsvorsitzenden Hans-Jürgen Wolff bei der Pflanzung des Friedensbaumes an der Förderschule auf. Er selber wurde 1946 in einem anderen Ort im Kreis Minden-Lübbecke geboren.

Auskunft bekam er von Heinz-Werner Borgmann, der zu jener Zeit in Minderheide an der Kreuzung Petershäger Weg und Stiftsallee/Stemmer Landstraße wohnte. Als damals 13-Jähriger besuchte Borgmann die Schule in dem Ortsteil. In den letzten Monaten vor Kriegsende habe es immer wieder Fliegeralarm gegeben. Bomberstaffeln überflogen Minden nach Westen. „Wir Kinder wurden dann nach Hause geschickt, bis der Alarm vorbei war. War das früh am Vormittag, mussten wir wieder zur Schule kommen. Der Unterricht ging bis 13 Uhr“, erinnert sich Borgmann.

Große Kampfhandlungen habe es in Minderheide nicht gegeben. Am 8. Mai mussten die Kinder im Haus bleiben. Von dort beobachtete Borgmann, wie die Engländer mit Panzern auf der Kreuzung am Petershäger Weg/Stemmer Landstraße standen. Gegenwehr von deutscher Seite habe es bis auf kleine Scharmützel nicht gegeben. Die Panzer seien dann in Richtung Hahlen gefahren. Es folgten Infanterietruppen der Engländer.

Am Blessenweg habe es noch Beschuss mit Flakgranaten gegeben, zwei Häuser seien teilweise zerstört worden. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist Borgmann die Aktion eines deutschen Soldaten, der im Bereich der Friedenseiche mit einer Panzerfaust auf britische Panzer schoss, diese aber verfehlte. Dieser sei wohl durch Propaganda aufgestachelt gewesen, mutmaßt er. Danach ergriff der Soldat die Flucht über das offene Feld, dabei wurde er von den Soldaten erschossen. Die Bewohner in Minderheide mussten in ihren Häusern bleiben. Die Engländer hätten den Feldflugplatz auf der Heide erst später entdeckt, so Borgmann weiter.

Erst drei Tage später sei die Nachhut der Engländer eingetroffen. Von den Vorgängen in Minden hätte man erst später Kenntnis bekommen. Auch die Bevölkerung in Minderheide hatte Gefallene zu beklagen. Der ehemalige Ortsheimatpfleger Herbert Dallmeier hatte eine Auflistung angefertigt und vor Jahren der St. Lukas Kirche übergeben.

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