MT-Newsletter "Post von Piel": Die Schattenseite der Kritik an Parteien Minden. Kennen Sie schon den kostenlosen Newsletter von MT-Chefredakteur Benjamin Piel? Jeden Donnerstag kommentiert er hier aktuelle Themen, gibt einen Einblick in die Redaktionsarbeit und wirft einen Blick voraus in die kommenden Tage. Den heutigen Newsletter können Sie hier lesen und auch gern kostenlos abonnieren. Unten können sich sich einfach mit ihrer E-Mailadresse anmelden und erhalten dann nächste Woche Post. Guten Tag, während dieses Wahlkampfes ist mir in Minden-Lübbecke eines mehrfach aufgefallen: Es gibt fundamentale Kritik an den Parteien. Teilweise ist sie berechtigt, klar. Denn Parteien haben Mühe, Wege der Erneuerungen zu gehen, neue Kräfte zu gewinnen, alte Verkrustungen aufzubrechen, sich immer wieder zu modernisieren und gleichzeitig mit den althergebrachten Zielen nicht zu brechen, sondern diese Traditionen in die Gegenwart zu transponieren. Alles richtig. Doch diese inhaltliche Kritik, für die sich zahlreiche Argumente finden ließen, ist etwas anderes als die Häme, die einige Mitbewerber im Wahlkampf über die Parteien auskippen. Da ist beispielsweise Astrid Engel, eine Architektin, die als parteilose Einzelkandidatin im Wahlbezirk Rodenbeck antritt. Das ist ein möglicher Weg, in den Stadtrat einzuziehen. Soweit, so normal, so legitim. Unangenehm ist, mit welchem Maß an Verachtung beispielsweise eine Plakatkampagne, die auf Engels Internetseite zu sehen ist, Parteien darstellt. Da stehen Sprüche wie „Wählen + Parteien = Treudoof / Wählen – Parteien = Clever". Und: „Kirche + Glocke = Heimat / Dunst + Glocke = Partei". Oder: „Doktrin + Kader = Partei / Anstand + Haltung = Parteifrei". Das hört sich erstmal nach lockeren Sprüchen an, irgendwie witzig. Auf den zweiten Blick bleibt zumindest mir das Lachen im Halse stecken. Aus zwei Gründen. Erstens: Die Inhalte der Plakate sind letztlich Ausdruck einer Einstellung, die sich durch die ganze Gesellschaft frisst: Parteien sind einfach zu blöd, ihre Mitglieder machtbesessen, ihre Ziele allenfalls halbseiden und erreicht haben Vertreter von Parteien quasi noch nie etwas. Ernsthaft? Wollen wir auf dem Niveau miteinander umgehen? Wollen wir uns pauschal zu Losern erklären? Wollen wir den politischen Gegner als beschränkt oder wahlweise machtbesessen darstellen? Wenn ja, dann mag das kämpferisch und nach Aufbruch aussehen. In Wahrheit ist es ein Abbruch des Anständigen. So arbeitet auch Trump – und wir sehen, was das mit einer Gesellschaft macht. Politische Gegnerschaft ist gut, unterschiedlicher Meinung zu sein, kann befruchtend sein. Miteinander um Entscheidungen zu ringen, ist angebracht. Doch das geht sehr gut auch im gegenseitigen Respekt voreinander. Es geht ohne Aburteilen des Gegenübers. Wenn jene, die Politik machen, so agieren, wenn sie vorleben, dass es gut ist, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen oder gleich in den Abfalleimer zu werfen, dann wirkt sich das auf die Gesellschaft zerstörerisch aus. Und zweitens: Im Umkehrschluss erklären sich jene, die eine parteifreie Alternative anbieten, ebenso polemisch zu Messiassen – oder im konkreten Fall zum „Engel für Minden" –, zu Rettern, ganz und gar Unabhängigen, Alleswissern, Alleskönnern, Allesdurchschauern. Was für eine fragwürdige Haltung, was für eine Überhöhung. Wie weit entfernt ist das von Bescheidenheit. Wie wenig drückt das von der Wahrheit aus, dass die Welt immer komplexer wird und dass die Themen, die die Politik zu bearbeiten hat, ebenfalls komplex sind. Es ist nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen, es wird auch nicht leichter werden. „Wer keinen Grips hat, kann sich mit einem Parteibuch behelfen", schreibt Engel auf ihrer Seite. Denkt sie ernsthaft, sie könnte Minden im Alleingang retten? Sie hätte einen alles durchsteigenden Plan? Mir kommt so eine Sicht auf die eigene Person reichlich egoman vor. Und es bleibt zu hoffen, dass nicht mehr und mehr Menschen auf der Bühne der Politik ihre Egomanie und Ich-Darstellung pflegen möchten. Sollte es so kommen, wäre die Folge gegenseitige Zerfleischung und übrigens auch Selbstzerfleischung, wie sich gerade bei der Wählergruppe „Wir für Minden" gezeigt hat (zum Artikel). Deren bisherige zweite Vorsitzende fühlte sich innerhalb der Gruppe unter Druck gesetzt (was die Verbliebenen bestreiten) und trat nach bemerkenswert kurzer Zeit den Rückzug an. Das Geschäftsmodell vieler Wählergruppen ist schnell erzählt: Sich selbst in Anti-Establishment-Weise zu Antagonisten der klassischen Parteien erklären, das Versprechen abgeben, alles besser zu machen und als einzige das Wohl des Wählers in den Blick nehmen zu wollen. Das Blöde ist nur: Gerade weil viele der Mitglieder in übersteigerter Dosis das sind, was sie den Parteivertretern vorwerfen, enden die Projekte regelmäßig in inneren Kämpfen, gegenseitigen Abstoßungstendenzen und permanentem Anecken. Das wird dann auch noch als Erfolg verkauft. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Wähler diese Zusammenhänge erkennen. Nicht unter den Tisch fallen dürfen zwei Dinge. Zum einen sind Parteien in Deutschland nicht irgendein Unfall, der sich dummerweise ereignet hat. Nein, Parteien sind grundgesetzlich vorgesehen und geschützt. In Artikel 21 des Grundgesetzes ist festgeschrieben, dass Parteien an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken. Das ist nicht irgendein Auftrag, sondern unterstreicht die verfassungsgemäße Bedeutung der Parteien (www.gesetze-im-internet.de/gg/art_21.html). Natürlich müssen Parteien bessere Wege finden, um mit der Bevölkerung in Austausch zu kommen und die Wähler nicht nur alle vier Jahre, sondern regelmäßiger in Entscheidungsprozesse einzubinden. Denn immer mehr Menschen fordern mehr Partizipation ein. Das sollte aber im Umkehrschluss nicht heißen, Parteien, ihre Mitglieder und ihre Vertreter pauschal abzuurteilen und als undemokratisch hinzustellen. Wer das tut, handelt letztlich gegen die Verfassung. Und um das auch noch deutlich zu sagen: Kritik an Parteien, Räten und politischen Entscheidungen ist dringend notwendig – nicht zuletzt durch das Handeln von Journalisten. Doch es gibt eine Kritik, die deutlich in der Sache und trotzdem respektvoll gegenüber Menschen ist. MT-Wahlforen in Minden und Petershagen Apropos Wahl. Inzwischen haben drei MT-Wahlforen stattgefunden: Die Runde mit den Landratskandidaten (zum Artikel mit Video) – Anna Bölling (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD), Siegfried Gutsche (Grüne) und Thomas Röckemann (AfD) –, den Bürgermeisterkandidaten in Hille (zum Artikel mit Video) – Michael Schweiß (aus dem Amt heraus), Burkhard Günther (SPD) und Henning Grinke (CDU) sowie mit den Bürgermeisterkandidaten in Porta Westfalica (zum Artikel mit Video) – Anke Grotjohann (parteilos, Kandidatin der Grünen), Dr. Sonja Gerlach (CDU, Kandidatin von CDU und FDP), Jörg Achilles (SPD) und Dietrich Edler (Republikaner). Die Videos von den beiden Veranstaltungen stehen allen Interessierten zur Verfügung. Das Gespräch mit den Bürgermeisterkandidaten in Petershagen – Dirk Breves (CDU), Jens Wölke (SPD) und Lydia Behnke (AfD) – findet am heutigen Donnerstag (27.) ab 18 Uhr an der Beachbar in Lahde statt und ist ebenfalls live auf MT.de zu verfolgen. Der Reigen der MT-Wahlforen schließt am Samstag, 29. August, ab 14 Uhr mit der Runde der Mindener Bürgermeister-Kandidaten – Bürgermeisterkandidaten Michael Jäcke (SPD), Dr. Konrad Winckler (CDU), Claudia-Herziger-Möhlmann (BBM) und Sebastian Landwehr (AfD) – im Innenhof der Neuen Regierung am Weserglacis. Für diese Veranstaltung sind bereits alle 199 Tickets vergeben. Aber auch hier gilt: Die Veranstaltung wird live auf MT.de übertragen. Wer den Kandidaten bereits jetzt oder während der Veranstaltung eine Frage stellen möchte, kann diese jederzeit unter diesem Link einreichen: www.mt.de/wahlfrage Was in den nächsten Tagen wichtig wird Der Kreis Minden-Lübbecke will die Förderschule Rodenbeck und das Leo-Sympher-Berufskolleg fit für die Zukunft machen. Die Bauprojekte sind umfangreich und kompliziert. Wir sprechen mit der Kreisverwaltung über den Stand der Planung, die Zeitschiene und die Finanzierung. Kitas erhalten für erweiterte Öffnungszeiten Geld vom Land und der Stadt. In Minden erfüllt rund die Hälfte der Einrichtungen dafür die Voraussetzungen. „Eltern haben heute weniger Rückhalt", sagen Experten. Schlafprobleme, Wutausbrüche, Trennungen – Familien sind vielfachen Belastungen ausgesetzt. Ein neues Angebot des Kinderschutzbundes unterstützt. Warum Mütter und Väter hier besser beraten werden als im Internet, erklärt Expertin Antje Schuhmann-Waltke. Die zuletzt gestiegenen Corona-Fallzahlen (zu den Artikeln) in Minden-Lübbecke hängen laut Aussage des Kreises Minden-Lübbecke auch mit einem größeren Ausbruchsgeschehen zusammen, in dem es Zusammenhänge bei den Infektionsketten gebe. Was heißt das genau? Wie geht das Gesundheitsamt vor, um diese Querverbindungen herauszufinden und die Ketten zu unterbrechen? Und wie lange kann ein solcher „Schneeballeffekt" andauern? Wir fassen nach. Schon vor der Diskussion auf Landesebene hat ein Großteil der heimischen Karnevalsvereine die Notbremse gezogen und ihre Veranstaltungen abgesagt. Prunksitzungen und öffentliche Auftritte oder Besuche in Seniorenheimen wird es nicht geben. Nur in Petershagen möchte man sich noch nicht festlegen, wie die Karnevalssession aussehen könnte. Die Redaktion hat mit den Vereinen über die Situation gesprochen. Urlaub jedes Jahr in Südfelde? Vielen wäre es wahrscheinlich lieber, in den Süden zu fliegen. Doch Claudia Hyna hat eine Familie aufgetrieben, die sich in dem Dorf zwischen Minden und Petershagen pudelwohl fühlt und sich kaum vorstellen kann, anderswo zu urlauben. Außerdem schaut sich MT-Redakteur Oliver Plöger einen Petershäger Gastronomiebetrieb an, der nur noch regionale Produkte auf die Teller bringt. In Porta ist die Redaktion zu Besuch auf einer Baustelle, die täglich tausende Autofahrer passieren. Derzeit gibt es oft lange Staus auf der B482 in Hausberge. Doch was passiert eigentlich hinter den Absperrbaken? Wie kommen die Arbeiten voran und welchen Herausforderungen müssen sich die Arbeiter täglich stellen? Das schildert MT-Redakteur Thomas Lieske in einer Reportage. Mehr Busse für Porta? Stadt und Politik ziehen derzeit an einem Strang, zumindest, wenn es um die Busverbindungen geht. Manche Ortsteile sind ziemlich abgehängt. Deshalb laufen derzeit Gespräche mit der Betreibergesellschaft der Buslinien, um ein neues Paket zu schnüren. Das ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Seit zwei Tagen läuft der Unterricht an der Verbundschule Hille wieder. Wie läuft der Alltag mit 1500 Schülern und Corona-Regeln? MT-Redakteur Carsten Korfesmeyer hat es sich angesehen. 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MT-Newsletter "Post von Piel": Die Schattenseite der Kritik an Parteien

Screenshot der Website von Astrid Engel.

Minden. Kennen Sie schon den kostenlosen Newsletter von MT-Chefredakteur Benjamin Piel? Jeden Donnerstag kommentiert er hier aktuelle Themen, gibt einen Einblick in die Redaktionsarbeit und wirft einen Blick voraus in die kommenden Tage. Den heutigen Newsletter können Sie hier lesen und auch gern kostenlos abonnieren. Unten können sich sich einfach mit ihrer E-Mailadresse anmelden und erhalten dann nächste Woche Post.

Guten Tag,

während dieses Wahlkampfes ist mir in Minden-Lübbecke eines mehrfach aufgefallen: Es gibt fundamentale Kritik an den Parteien. Teilweise ist sie berechtigt, klar. Denn Parteien haben Mühe, Wege der Erneuerungen zu gehen, neue Kräfte zu gewinnen, alte Verkrustungen aufzubrechen, sich immer wieder zu modernisieren und gleichzeitig mit den althergebrachten Zielen nicht zu brechen, sondern diese Traditionen in die Gegenwart zu transponieren. Alles richtig.

Doch diese inhaltliche Kritik, für die sich zahlreiche Argumente finden ließen, ist etwas anderes als die Häme, die einige Mitbewerber im Wahlkampf über die Parteien auskippen. Da ist beispielsweise Astrid Engel, eine Architektin, die als parteilose Einzelkandidatin im Wahlbezirk Rodenbeck antritt. Das ist ein möglicher Weg, in den Stadtrat einzuziehen. Soweit, so normal, so legitim.

Unangenehm ist, mit welchem Maß an Verachtung beispielsweise eine Plakatkampagne, die auf Engels Internetseite zu sehen ist, Parteien darstellt. Da stehen Sprüche wie „Wählen + Parteien = Treudoof / Wählen – Parteien = Clever". Und: „Kirche + Glocke = Heimat / Dunst + Glocke = Partei". Oder: „Doktrin + Kader = Partei / Anstand + Haltung = Parteifrei". Das hört sich erstmal nach lockeren Sprüchen an, irgendwie witzig. Auf den zweiten Blick bleibt zumindest mir das Lachen im Halse stecken. Aus zwei Gründen.

Erstens: Die Inhalte der Plakate sind letztlich Ausdruck einer Einstellung, die sich durch die ganze Gesellschaft frisst: Parteien sind einfach zu blöd, ihre Mitglieder machtbesessen, ihre Ziele allenfalls halbseiden und erreicht haben Vertreter von Parteien quasi noch nie etwas. Ernsthaft? Wollen wir auf dem Niveau miteinander umgehen? Wollen wir uns pauschal zu Losern erklären? Wollen wir den politischen Gegner als beschränkt oder wahlweise machtbesessen darstellen? Wenn ja, dann mag das kämpferisch und nach Aufbruch aussehen. In Wahrheit ist es ein Abbruch des Anständigen.

So arbeitet auch Trump – und wir sehen, was das mit einer Gesellschaft macht. Politische Gegnerschaft ist gut, unterschiedlicher Meinung zu sein, kann befruchtend sein. Miteinander um Entscheidungen zu ringen, ist angebracht. Doch das geht sehr gut auch im gegenseitigen Respekt voreinander. Es geht ohne Aburteilen des Gegenübers. Wenn jene, die Politik machen, so agieren, wenn sie vorleben, dass es gut ist, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen oder gleich in den Abfalleimer zu werfen, dann wirkt sich das auf die Gesellschaft zerstörerisch aus.

Und zweitens: Im Umkehrschluss erklären sich jene, die eine parteifreie Alternative anbieten, ebenso polemisch zu Messiassen – oder im konkreten Fall zum „Engel für Minden" –, zu Rettern, ganz und gar Unabhängigen, Alleswissern, Alleskönnern, Allesdurchschauern. Was für eine fragwürdige Haltung, was für eine Überhöhung. Wie weit entfernt ist das von Bescheidenheit. Wie wenig drückt das von der Wahrheit aus, dass die Welt immer komplexer wird und dass die Themen, die die Politik zu bearbeiten hat, ebenfalls komplex sind. Es ist nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen, es wird auch nicht leichter werden.

„Wer keinen Grips hat, kann sich mit einem Parteibuch behelfen", schreibt Engel auf ihrer Seite. Denkt sie ernsthaft, sie könnte Minden im Alleingang retten? Sie hätte einen alles durchsteigenden Plan? Mir kommt so eine Sicht auf die eigene Person reichlich egoman vor. Und es bleibt zu hoffen, dass nicht mehr und mehr Menschen auf der Bühne der Politik ihre Egomanie und Ich-Darstellung pflegen möchten. Sollte es so kommen, wäre die Folge gegenseitige Zerfleischung und übrigens auch Selbstzerfleischung, wie sich gerade bei der Wählergruppe „Wir für Minden" gezeigt hat (zum Artikel). Deren bisherige zweite Vorsitzende fühlte sich innerhalb der Gruppe unter Druck gesetzt (was die Verbliebenen bestreiten) und trat nach bemerkenswert kurzer Zeit den Rückzug an.

Das Geschäftsmodell vieler Wählergruppen ist schnell erzählt: Sich selbst in Anti-Establishment-Weise zu Antagonisten der klassischen Parteien erklären, das Versprechen abgeben, alles besser zu machen und als einzige das Wohl des Wählers in den Blick nehmen zu wollen. Das Blöde ist nur: Gerade weil viele der Mitglieder in übersteigerter Dosis das sind, was sie den Parteivertretern vorwerfen, enden die Projekte regelmäßig in inneren Kämpfen, gegenseitigen Abstoßungstendenzen und permanentem Anecken. Das wird dann auch noch als Erfolg verkauft. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Wähler diese Zusammenhänge erkennen.

Nicht unter den Tisch fallen dürfen zwei Dinge. Zum einen sind Parteien in Deutschland nicht irgendein Unfall, der sich dummerweise ereignet hat. Nein, Parteien sind grundgesetzlich vorgesehen und geschützt. In Artikel 21 des Grundgesetzes ist festgeschrieben, dass Parteien an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken. Das ist nicht irgendein Auftrag, sondern unterstreicht die verfassungsgemäße Bedeutung der Parteien (www.gesetze-im-internet.de/gg/art_21.html). Natürlich müssen Parteien bessere Wege finden, um mit der Bevölkerung in Austausch zu kommen und die Wähler nicht nur alle vier Jahre, sondern regelmäßiger in Entscheidungsprozesse einzubinden. Denn immer mehr Menschen fordern mehr Partizipation ein. Das sollte aber im Umkehrschluss nicht heißen, Parteien, ihre Mitglieder und ihre Vertreter pauschal abzuurteilen und als undemokratisch hinzustellen. Wer das tut, handelt letztlich gegen die Verfassung.

Und um das auch noch deutlich zu sagen: Kritik an Parteien, Räten und politischen Entscheidungen ist dringend notwendig – nicht zuletzt durch das Handeln von Journalisten. Doch es gibt eine Kritik, die deutlich in der Sache und trotzdem respektvoll gegenüber Menschen ist.

Die Bürgermeisterkandidaten in Petershagen: Dirk Breves (CDU, oben links), Jens Wölke (SPD, oben rechts) und Lydia Behnke (AfD, unten rechts).
Die Bürgermeisterkandidaten in Petershagen: Dirk Breves (CDU, oben links), Jens Wölke (SPD, oben rechts) und Lydia Behnke (AfD, unten rechts).

MT-Wahlforen in Minden und Petershagen

Apropos Wahl. Inzwischen haben drei MT-Wahlforen stattgefunden: Die Runde mit den Landratskandidaten (zum Artikel mit Video) – Anna Bölling (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD), Siegfried Gutsche (Grüne) und Thomas Röckemann (AfD) –, den Bürgermeisterkandidaten in Hille (zum Artikel mit Video) – Michael Schweiß (aus dem Amt heraus), Burkhard Günther (SPD) und Henning Grinke (CDU) sowie mit den Bürgermeisterkandidaten in Porta Westfalica (zum Artikel mit Video) – Anke Grotjohann (parteilos, Kandidatin der Grünen), Dr. Sonja Gerlach (CDU, Kandidatin von CDU und FDP), Jörg Achilles (SPD) und Dietrich Edler (Republikaner). Die Videos von den beiden Veranstaltungen stehen allen Interessierten zur Verfügung.

Das Gespräch mit den Bürgermeisterkandidaten in Petershagen – Dirk Breves (CDU), Jens Wölke (SPD) und Lydia Behnke (AfD) – findet am heutigen Donnerstag (27.) ab 18 Uhr an der Beachbar in Lahde statt und ist ebenfalls live auf MT.de zu verfolgen. Der Reigen der MT-Wahlforen schließt am Samstag, 29. August, ab 14 Uhr mit der Runde der Mindener Bürgermeister-Kandidaten – Bürgermeisterkandidaten Michael Jäcke (SPD), Dr. Konrad Winckler (CDU), Claudia-Herziger-Möhlmann (BBM) und Sebastian Landwehr (AfD) – im Innenhof der Neuen Regierung am Weserglacis. Für diese Veranstaltung sind bereits alle 199 Tickets vergeben. Aber auch hier gilt: Die Veranstaltung wird live auf MT.de übertragen. Wer den Kandidaten bereits jetzt oder während der Veranstaltung eine Frage stellen möchte, kann diese jederzeit unter diesem Link einreichen: www.mt.de/wahlfrage

Was in den nächsten Tagen wichtig wird

Der Kreis Minden-Lübbecke will die Förderschule Rodenbeck und das Leo-Sympher-Berufskolleg fit für die Zukunft machen. Die Bauprojekte sind umfangreich und kompliziert. Wir sprechen mit der Kreisverwaltung über den Stand der Planung, die Zeitschiene und die Finanzierung.

Kitas erhalten für erweiterte Öffnungszeiten Geld vom Land und der Stadt. In Minden erfüllt rund die Hälfte der Einrichtungen dafür die Voraussetzungen.

„Eltern haben heute weniger Rückhalt", sagen Experten. Schlafprobleme, Wutausbrüche, Trennungen – Familien sind vielfachen Belastungen ausgesetzt. Ein neues Angebot des Kinderschutzbundes unterstützt. Warum Mütter und Väter hier besser beraten werden als im Internet, erklärt Expertin Antje Schuhmann-Waltke.

Die zuletzt gestiegenen Corona-Fallzahlen (zu den Artikeln) in Minden-Lübbecke hängen laut Aussage des Kreises Minden-Lübbecke auch mit einem größeren Ausbruchsgeschehen zusammen, in dem es Zusammenhänge bei den Infektionsketten gebe. Was heißt das genau? Wie geht das Gesundheitsamt vor, um diese Querverbindungen herauszufinden und die Ketten zu unterbrechen? Und wie lange kann ein solcher „Schneeballeffekt" andauern? Wir fassen nach.

Schon vor der Diskussion auf Landesebene hat ein Großteil der heimischen Karnevalsvereine die Notbremse gezogen und ihre Veranstaltungen abgesagt. Prunksitzungen und öffentliche Auftritte oder Besuche in Seniorenheimen wird es nicht geben. Nur in Petershagen möchte man sich noch nicht festlegen, wie die Karnevalssession aussehen könnte. Die Redaktion hat mit den Vereinen über die Situation gesprochen.

Urlaub jedes Jahr in Südfelde? Vielen wäre es wahrscheinlich lieber, in den Süden zu fliegen. Doch Claudia Hyna hat eine Familie aufgetrieben, die sich in dem Dorf zwischen Minden und Petershagen pudelwohl fühlt und sich kaum vorstellen kann, anderswo zu urlauben.

Außerdem schaut sich MT-Redakteur Oliver Plöger einen Petershäger Gastronomiebetrieb an, der nur noch regionale Produkte auf die Teller bringt.

In Porta ist die Redaktion zu Besuch auf einer Baustelle, die täglich tausende Autofahrer passieren. Derzeit gibt es oft lange Staus auf der B482 in Hausberge. Doch was passiert eigentlich hinter den Absperrbaken? Wie kommen die Arbeiten voran und welchen Herausforderungen müssen sich die Arbeiter täglich stellen? Das schildert MT-Redakteur Thomas Lieske in einer Reportage.

Mehr Busse für Porta? Stadt und Politik ziehen derzeit an einem Strang, zumindest, wenn es um die Busverbindungen geht. Manche Ortsteile sind ziemlich abgehängt. Deshalb laufen derzeit Gespräche mit der Betreibergesellschaft der Buslinien, um ein neues Paket zu schnüren. Das ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes.

Seit zwei Tagen läuft der Unterricht an der Verbundschule Hille wieder. Wie läuft der Alltag mit 1500 Schülern und Corona-Regeln? MT-Redakteur Carsten Korfesmeyer hat es sich angesehen.

Bis nächste Woche Ihr Benjamin Piel



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