MT-Interview: Kommunikationstraining für Medizinstudenten in der Geriatrie Minden. Seit dem Wintersemester 2020 bietet das Universitätsklinikum Minden als Teil der Ruhr-Universität Bochum ein Kommunikationstraining für Medizinstudenten mit dem Schauspieler Gregor Eckert. Dr. Mechthild Lakomek hat dieses eineinhalbstündige Seminar, das Bestandteil eines Blockpraktikums in der Geriatrie ist, zusammen mit ihrem Mann Prof. Dr. Heinz Jürgen Lakomek als Leiter der Universitätsklinik für Geriatrie konzipiert und gibt den Studierenden eine Rückmeldung zu ihren „Auftritten“. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Schauspieler zu engagieren? Per Zufall! Wir hatten schon länger die Idee, dass wir den Studierenden ein Angebot zum Training besonders schwieriger Kommunikations-Situationen im Patientenkontakt machen wollten. Insbesondere, da diese nun kurz vor ihrem zweiten Staatsexamen und damit kurz vor ihrem Einsatz auf den Stationen im Rahmen des praktischen Jahres (PJ) sind. Und da traf Prof. Lakomek zufällig Herrn Eckert. Dieser berichtete ihm, dass sämtliche geplanten Engagements Corona-bedingt abgesagt worden seien. Noch am gleichen Abend stand unser Plan, ihn für ein Kommunikationstraining zu verpflichten. Herr Eckert sagte dann auch sofort zu und war begeistert – wie wir auch! Was ist für die Studierenden anders, als im Gespräch mit Patienten? Drei Dinge. Erstens: Die Studierenden lernen schwierige Konfliktsituationen kennen, die im Studium nicht vorkommen. Zweitens: Sie erhalten ein Feedback des Betroffenen (hier: Schauspielers). Drittens: Sie können sich und ihr Verhalten im geschützten Raum erproben und profitieren von praxisnahen Tipps der Kommilitonen und der ärztlichen Leitung. Was soll die Unterrichtseinheit vermitteln und warum ist sie der Geriatrie zugeordnet? Die Unterrichtseinheit ist das Blockpraktikum Geriatrie. Hier sollen die Studierenden die besonderen Erkrankungen des älteren Menschen am Patienten kennen lernen. Selbstverständlich wird das so unterrichtet – aber das hat uns nicht ausgereicht. Immer wieder sind junge Ärzte in schwierigen Gesprächssituationen gefordert. Das erproben wir beispielhaft in verschiedenen Settings: Zum Beispiel das Überbringen einer schwerwiegenden Diagnose wie einer Demenz. Wie wurde das Thema Dialog mit Patienten zuvor vermittelt? Das Thema Dialog zieht sich durch das gesamte klinische Studium. In jedem klinischen Fach haben die Studierenden Patientenkontakt und üben die Befragung des Patienten. Auch gibt es Seminare mit Laienschauspielern/Patienten, mit denen das Erkennen von Krankheiten geübt wird. In einigen Fächern gibt es sogenannte Patient-Partner-Programme, in denen informierte Patienten den Studierenden über ihre Herausforderungen im Umgang mit ihrer Erkrankung berichten (im Rahmen des UAK Rheumatologie). Wie haben Sie den Schauspieler Gregor Eckert auf seine Rollen vorbereitet? Zuerst haben wir drei im klinischen Alltag mit geriatrischen Patienten häufiger vorkommende, herausfordernde Gesprächssituationen beschrieben. Dann haben wir eine Art Drehbuch geschrieben und die kommunikativen Fähigkeiten, die die Studierenden lernen sollen, dargestellt. Und dann? Dann kam die gemeinsame Arbeit mit der Sichtweise des Schauspielers auf seine Rolle: Herr Eckert schlüpft komplett in die Rolle des Patienten, er hat zu jeder Rolle eine eigene Biografie geschrieben und so IST er in diesem Moment der Patient! Daher ist jedes Kommunikationstraining anders – je nachdem wie die/der angehende Ärzt(in) agiert. Und da kann es ruhig und sachlich aber auch hoch emotional hergehen.

MT-Interview: Kommunikationstraining für Medizinstudenten in der Geriatrie

Minden. Seit dem Wintersemester 2020 bietet das Universitätsklinikum Minden als Teil der Ruhr-Universität Bochum ein Kommunikationstraining für Medizinstudenten mit dem Schauspieler Gregor Eckert. Dr. Mechthild Lakomek hat dieses eineinhalbstündige Seminar, das Bestandteil eines Blockpraktikums in der Geriatrie ist, zusammen mit ihrem Mann Prof. Dr. Heinz Jürgen Lakomek als Leiter der Universitätsklinik für Geriatrie konzipiert und gibt den Studierenden eine Rückmeldung zu ihren „Auftritten“.

Prof. Dr. Heinz Jürgen Lakomek leitet die Universitätsklinik für Geriatrie. Foto: Veit Mette/pr - © Veit Mette
Prof. Dr. Heinz Jürgen Lakomek leitet die Universitätsklinik für Geriatrie. Foto: Veit Mette/pr - © Veit Mette

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Schauspieler zu engagieren?

Per Zufall! Wir hatten schon länger die Idee, dass wir den Studierenden ein Angebot zum Training besonders schwieriger Kommunikations-Situationen im Patientenkontakt machen wollten. Insbesondere, da diese nun kurz vor ihrem zweiten Staatsexamen und damit kurz vor ihrem Einsatz auf den Stationen im Rahmen des praktischen Jahres (PJ) sind. Und da traf Prof. Lakomek zufällig Herrn Eckert. Dieser berichtete ihm, dass sämtliche geplanten Engagements Corona-bedingt abgesagt worden seien. Noch am gleichen Abend stand unser Plan, ihn für ein Kommunikationstraining zu verpflichten. Herr Eckert sagte dann auch sofort zu und war begeistert – wie wir auch!


Was ist für die Studierenden anders, als im Gespräch mit Patienten?

Drei Dinge. Erstens: Die Studierenden lernen schwierige Konfliktsituationen kennen, die im Studium nicht vorkommen. Zweitens: Sie erhalten ein Feedback des Betroffenen (hier: Schauspielers). Drittens: Sie können sich und ihr Verhalten im geschützten Raum erproben und profitieren von praxisnahen Tipps der Kommilitonen und der ärztlichen Leitung.

Was soll die Unterrichtseinheit vermitteln und warum ist sie der Geriatrie zugeordnet?

Die Unterrichtseinheit ist das Blockpraktikum Geriatrie. Hier sollen die Studierenden die besonderen Erkrankungen des älteren Menschen am Patienten kennen lernen. Selbstverständlich wird das so unterrichtet – aber das hat uns nicht ausgereicht. Immer wieder sind junge Ärzte in schwierigen Gesprächssituationen gefordert. Das erproben wir beispielhaft in verschiedenen Settings: Zum Beispiel das Überbringen einer schwerwiegenden Diagnose wie einer Demenz.

Wie wurde das Thema Dialog mit Patienten zuvor vermittelt?

Das Thema Dialog zieht sich durch das gesamte klinische Studium. In jedem klinischen Fach haben die Studierenden Patientenkontakt und üben die Befragung des Patienten. Auch gibt es Seminare mit Laienschauspielern/Patienten, mit denen das Erkennen von Krankheiten geübt wird. In einigen Fächern gibt es sogenannte Patient-Partner-Programme, in denen informierte Patienten den Studierenden über ihre Herausforderungen im Umgang mit ihrer Erkrankung berichten (im Rahmen des UAK Rheumatologie).

Wie haben Sie den Schauspieler Gregor Eckert auf seine Rollen vorbereitet?

Zuerst haben wir drei im klinischen Alltag mit geriatrischen Patienten häufiger vorkommende, herausfordernde Gesprächssituationen beschrieben. Dann haben wir eine Art Drehbuch geschrieben und die kommunikativen Fähigkeiten, die die Studierenden lernen sollen, dargestellt.

Und dann?

Dann kam die gemeinsame Arbeit mit der Sichtweise des Schauspielers auf seine Rolle: Herr Eckert schlüpft komplett in die Rolle des Patienten, er hat zu jeder Rolle eine eigene Biografie geschrieben und so IST er in diesem Moment der Patient! Daher ist jedes Kommunikationstraining anders – je nachdem wie die/der angehende Ärzt(in) agiert. Und da kann es ruhig und sachlich aber auch hoch emotional hergehen.

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