MT-Interview: Dietmar Wischmeyer vor seinem Auftritt bei "Kultur im Hof" in Minden Ursula Koch Minden. Dietmar Wischmeyer ist seit mehr als drei Jahrzehnten „Humorfacharbeiter“, wie er das nennt. Diverse Preise weisen ihn als Experten aus. Er hat die Comedy-Sparte bei Radio ffn mit aufgebaut, und ist bei dem Sender als „Günther der Treckerfahrer“ noch immer sechs Tage die Woche zu hören. Außerdem ist er regelmäßig in der „heute show“ im ZDF zu sehen. Am Samstag ist er bei „Kultur im Hof“ zu Gast und weil auch das Mindener Publikum um die Qualitäten des Schaumburgers wissen, war sein Auftritt ruckzuck ausverkauft – und auch die Zusatzvorstellung. Damit noch mehr Menschen in den Genuss der Erkenntnisse des Schaumburgers kommen, hat er dem MT ein Telefon-Interview gegeben. Sie haben bisher 23 Bücher veröffentlicht. Warum kommt jetzt der erste Roman heraus? Aus Langeweile. Ich hatte bisher keine Zeit, mich einem größeren Text zu widmen. Der hat ja immerhin 280 Seiten, die wollen erstmal geschrieben sein. Corona-Lockdown-Home-Office-Rumgesitze hat mir im letzten Jahr ermöglicht, morgens kontinuierlich, zwischen sieben und zehn Uhr drei Stunden am Schreibtisch zu sitzen, damit die Seiten zusammen kamen. Das hätte ich sonst nie geschafft. Wenn ich mich mal in Textinterpretation versuchen darf, dann schließe ich aus dem Titel „Begrabt meinen rechten Fuß auf der linken Spur“, dass Sie auf der Autobahn gerne schnell fahren? Ich in ja nicht der Protagonist dieses Buches. Es ist nicht meine Autobiografie. Also liege ich falsch? Ja. Gustave Flaubert war ja auch keine Frau, als er „Madame Bovari“ geschrieben hat. Das ist eben das Witzige an Literatur. „Begrabt meinen rechten Fuß auf der linken Spur“ ist natürlich eine Anspielung auf die Überholspur. Es ist natürlich für die älteren Semester unter uns auch eine Anspielung auf Dee Browns Roman „Bury my heart at wounded knee“ aus den 70er Jahren. Mein Held ist ja auch aus der Boomer-Generation. Den Roman hatte damals jeder in seinem Ikea-Regal. Gibt es davon beim Programm in Minden einen Ausschnitt zu hören? Auf jeden Fall. Das Programm in Minden ist für mich eine doppelte Premiere. Es ist das erste mal seit eineinhalb Jahren, dass ich überhaupt wieder mal auf einer Bühne stehe. Bis auf einen Ausflug zum Sprechen vor Autos. Das war ja eine grandios missglückte Nummer. Also: mein erster Auftritt vor lebenden Menschen, die nicht in Blech sitzen, und ich lese zum ersten Mal aus dem Roman. Ich lese drei Kapitel, aber ohne zu verraten, worum es in der Handlung geht. Das ist der Trick. Sie machen Comedy für den WDR, das Logbuch der Bescheuerten und Bekloppten bei Radioeins, den Podcast „Wischmeyers Stundenhotel“, Günther der Treckerfahrer bei ffn, Beiträge für die „heute show“ und haben den Roman geschrieben. Haben Sie genug zu tun? Ich kann mich nicht beklagen, dass ich arbeitslos bin. Ganz im Gegenteil: Man muss doppelt so viel arbeiten, für halb so viel Geld. Das ist der Unterschied zu der Zeit vor Corona. Ich habe von diesem herrlichen Staat nicht einen Euro Zuschuss bekommen. Insofern muss ich mich anstrengen, dass ich weiterhin meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das hat bislang ganz gut geklappt. Ich habe gelesen, dass Sie neben dem ehemaligen Forsthaus, in dem Sie leben, ein Tonstudio eingerichtet haben. Stimmt das? Das wäre zu viel gesagt. Heute braucht kein Mensch mehr ein Tonstudio. Das Forsthaus steht in einem Naturschutzgebiet, da kann man nicht anbauen. Ich habe einen LKW-Anhänger mit Aufbau, darin nehme ich für die diversen Radiostationen auf. Ich brauche eine abgeschlossene, ruhige Einheit, was auf dem Land schwierig ist, denn ab März laufen die Heckenscheren, die Rasenmäher und die Motorsägen. Ich habe Hunde, die bellen, wenn der Briefträger kommt. Mir reicht ein sehr gutes Mikrofon und ein Rechner und dann geht das alles seinen Weg. Wenn ich etwas Längeres mache, ich habe den Roman auch als Hörbuch eingesprochen, dann gehe ich in ein professionelles Tonstudio mit einem Tontechniker, also einem Menschen, der etwas davon versteht. Kommen Sie überhaupt noch raus aus Niedernwöhren? Jetzt hat die „heute show“ ja Pause. Dafür fahre ich immer nach Köln. In Hannover bei ffn bin ich ganz selten. Nach Bremen fahre ich nie. Aber ich komme ja jetzt nach Minden. Das ist immerhin über die Landesgrenze. Das ist meine weiteste Reise seit Langem. Hatten Sie denn dann in der letzten Zeit genug Ventile für die Themen, über die Sie sich aufregen? Es war schwierig. Ich habe oft mit der Faust gegen die Wand geschlagen. Dadurch, dass ich ständig neue Themen für das Radio brauche, und jeden Tag fünf Zeitungen lese, bin ich sehr geladen. Es braucht nicht die persönliche Begegnung, um die Welt Scheiße zu finden. Es reicht einfach, wenn man in den Medien ein bisschen herumguckt. Wie erträgt Ihre Familie das? Die interessiert sich da einfach nicht für. Das ist so ein Sicherheitsventil. Was ist nach Podcast und Buch als nächstes zu erwarten? Ich versuche noch in diesem Jahr eine Motorrad-CD aufzunehmen. Es gibt bereits zwei, die sind schon 20 Jahre alt. „Verchromte Eier“ hießen die. In der Motorrad-Szene haben die Kultstatus erreicht. Da ich jetzt wieder relativ häufig Motorrad fahre und mich in der Szene wieder auskenne – ich habe mit Freunden in diesem Jahr eine Tour in Süddeutschland gemacht – dachte ich, da kannste doch eine Neuauflage machen. Dafür schreibe ich. Davon werde ich auch zwei Texte in Minden vorlesen. Im vergangenen Jahr ist Ihr Buch „Günther – aufgewachsen unter Niedersachsen“ erschienen. Was macht den Niedersachsen aus? Ich würde den nicht ganz gesondert beschreiben gegenüber anderen Gattungen dieser Republik. Da ich mittlerweile bundesweit auftrete, bemerke ich ein Nord-Süd-Gefälle, was den Humor betrifft. Je weiter man nach Norden kommt, desto mehr ist der Humor ein schwarzer Humor. Er ist liberaler gegenüber allen möglichen Aussätzigkeiten. Cancle Culture ist dem Niedersachsen komplett fremd. Das dürfte zum Ostwestfalen kein großer Unterschied sein. Aber der Franke oder der Schwabe sind schon anders. Begleiten Sie eigentlich Bernd Gieseking auf seinen ostwestfälischen Erkundungstouren? Nein, das muss er schon alleine machen. Ich treffe Bernd alle 14 Tage freitags um 12 Uhr am Wildschwein-Bratwurst-Stand in Bückeburg und wir erzählen uns von unseren Projekten. Ich habe ihm diverse Sachen vorgeschlagen. Das muss er aber selber machen, es ist ja sein Buch. Ich komme da wohl drin vor. Er hat mit mir ein Interview gemacht, erinnere ich mich. Am 20. August um 20 Uhr tritt Dietmar Wischmeyer mit seiner „Zeltmission“ in Hüde auf.

MT-Interview: Dietmar Wischmeyer vor seinem Auftritt bei "Kultur im Hof" in Minden

Minden. Dietmar Wischmeyer ist seit mehr als drei Jahrzehnten „Humorfacharbeiter“, wie er das nennt. Diverse Preise weisen ihn als Experten aus. Er hat die Comedy-Sparte bei Radio ffn mit aufgebaut, und ist bei dem Sender als „Günther der Treckerfahrer“ noch immer sechs Tage die Woche zu hören. Außerdem ist er regelmäßig in der „heute show“ im ZDF zu sehen. Am Samstag ist er bei „Kultur im Hof“ zu Gast und weil auch das Mindener Publikum um die Qualitäten des Schaumburgers wissen, war sein Auftritt ruckzuck ausverkauft – und auch die Zusatzvorstellung. Damit noch mehr Menschen in den Genuss der Erkenntnisse des Schaumburgers kommen, hat er dem MT ein Telefon-Interview gegeben.

Im Corona-Lockdown hat der Satiriker Dietmar Wischmeyer seinen ersten Roman geschrieben. Foto: Gaby Gerster/pr - © Gaby Gerster 2017
Im Corona-Lockdown hat der Satiriker Dietmar Wischmeyer seinen ersten Roman geschrieben. Foto: Gaby Gerster/pr - © Gaby Gerster 2017

Sie haben bisher 23 Bücher veröffentlicht. Warum kommt jetzt der erste Roman heraus?

Aus Langeweile. Ich hatte bisher keine Zeit, mich einem größeren Text zu widmen. Der hat ja immerhin 280 Seiten, die wollen erstmal geschrieben sein. Corona-Lockdown-Home-Office-Rumgesitze hat mir im letzten Jahr ermöglicht, morgens kontinuierlich, zwischen sieben und zehn Uhr drei Stunden am Schreibtisch zu sitzen, damit die Seiten zusammen kamen. Das hätte ich sonst nie geschafft.


Wenn ich mich mal in Textinterpretation versuchen darf, dann schließe ich aus dem Titel „Begrabt meinen rechten Fuß auf der linken Spur“, dass Sie auf der Autobahn gerne schnell fahren?

Ich in ja nicht der Protagonist dieses Buches. Es ist nicht meine Autobiografie.

Also liege ich falsch?

Ja. Gustave Flaubert war ja auch keine Frau, als er „Madame Bovari“ geschrieben hat. Das ist eben das Witzige an Literatur. „Begrabt meinen rechten Fuß auf der linken Spur“ ist natürlich eine Anspielung auf die Überholspur. Es ist natürlich für die älteren Semester unter uns auch eine Anspielung auf Dee Browns Roman „Bury my heart at wounded knee“ aus den 70er Jahren. Mein Held ist ja auch aus der Boomer-Generation. Den Roman hatte damals jeder in seinem Ikea-Regal.

Gibt es davon beim Programm in Minden einen Ausschnitt zu hören?

Auf jeden Fall. Das Programm in Minden ist für mich eine doppelte Premiere. Es ist das erste mal seit eineinhalb Jahren, dass ich überhaupt wieder mal auf einer Bühne stehe. Bis auf einen Ausflug zum Sprechen vor Autos. Das war ja eine grandios missglückte Nummer. Also: mein erster Auftritt vor lebenden Menschen, die nicht in Blech sitzen, und ich lese zum ersten Mal aus dem Roman. Ich lese drei Kapitel, aber ohne zu verraten, worum es in der Handlung geht. Das ist der Trick.

Sie machen Comedy für den WDR, das Logbuch der Bescheuerten und Bekloppten bei Radioeins, den Podcast „Wischmeyers Stundenhotel“, Günther der Treckerfahrer bei ffn, Beiträge für die „heute show“ und haben den Roman geschrieben. Haben Sie genug zu tun?

Ich kann mich nicht beklagen, dass ich arbeitslos bin. Ganz im Gegenteil: Man muss doppelt so viel arbeiten, für halb so viel Geld. Das ist der Unterschied zu der Zeit vor Corona. Ich habe von diesem herrlichen Staat nicht einen Euro Zuschuss bekommen. Insofern muss ich mich anstrengen, dass ich weiterhin meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das hat bislang ganz gut geklappt.

Ich habe gelesen, dass Sie neben dem ehemaligen Forsthaus, in dem Sie leben, ein Tonstudio eingerichtet haben. Stimmt das?

Das wäre zu viel gesagt. Heute braucht kein Mensch mehr ein Tonstudio. Das Forsthaus steht in einem Naturschutzgebiet, da kann man nicht anbauen. Ich habe einen LKW-Anhänger mit Aufbau, darin nehme ich für die diversen Radiostationen auf. Ich brauche eine abgeschlossene, ruhige Einheit, was auf dem Land schwierig ist, denn ab März laufen die Heckenscheren, die Rasenmäher und die Motorsägen. Ich habe Hunde, die bellen, wenn der Briefträger kommt. Mir reicht ein sehr gutes Mikrofon und ein Rechner und dann geht das alles seinen Weg. Wenn ich etwas Längeres mache, ich habe den Roman auch als Hörbuch eingesprochen, dann gehe ich in ein professionelles Tonstudio mit einem Tontechniker, also einem Menschen, der etwas davon versteht.

Kommen Sie überhaupt noch raus aus Niedernwöhren?

Jetzt hat die „heute show“ ja Pause. Dafür fahre ich immer nach Köln. In Hannover bei ffn bin ich ganz selten. Nach Bremen fahre ich nie. Aber ich komme ja jetzt nach Minden. Das ist immerhin über die Landesgrenze. Das ist meine weiteste Reise seit Langem.

Hatten Sie denn dann in der letzten Zeit genug Ventile für die Themen, über die Sie sich aufregen?

Es war schwierig. Ich habe oft mit der Faust gegen die Wand geschlagen. Dadurch, dass ich ständig neue Themen für das Radio brauche, und jeden Tag fünf Zeitungen lese, bin ich sehr geladen. Es braucht nicht die persönliche Begegnung, um die Welt Scheiße zu finden. Es reicht einfach, wenn man in den Medien ein bisschen herumguckt.

Wie erträgt Ihre Familie das?

Die interessiert sich da einfach nicht für. Das ist so ein Sicherheitsventil.

Was ist nach Podcast und Buch als nächstes zu erwarten?

Ich versuche noch in diesem Jahr eine Motorrad-CD aufzunehmen. Es gibt bereits zwei, die sind schon 20 Jahre alt. „Verchromte Eier“ hießen die. In der Motorrad-Szene haben die Kultstatus erreicht. Da ich jetzt wieder relativ häufig Motorrad fahre und mich in der Szene wieder auskenne – ich habe mit Freunden in diesem Jahr eine Tour in Süddeutschland gemacht – dachte ich, da kannste doch eine Neuauflage machen. Dafür schreibe ich. Davon werde ich auch zwei Texte in Minden vorlesen.

Im vergangenen Jahr ist Ihr Buch „Günther – aufgewachsen unter Niedersachsen“ erschienen. Was macht den Niedersachsen aus?

Ich würde den nicht ganz gesondert beschreiben gegenüber anderen Gattungen dieser Republik. Da ich mittlerweile bundesweit auftrete, bemerke ich ein Nord-Süd-Gefälle, was den Humor betrifft. Je weiter man nach Norden kommt, desto mehr ist der Humor ein schwarzer Humor. Er ist liberaler gegenüber allen möglichen Aussätzigkeiten. Cancle Culture ist dem Niedersachsen komplett fremd. Das dürfte zum Ostwestfalen kein großer Unterschied sein. Aber der Franke oder der Schwabe sind schon anders.

Begleiten Sie eigentlich Bernd Gieseking auf seinen ostwestfälischen Erkundungstouren?

Nein, das muss er schon alleine machen. Ich treffe Bernd alle 14 Tage freitags um 12 Uhr am Wildschwein-Bratwurst-Stand in Bückeburg und wir erzählen uns von unseren Projekten. Ich habe ihm diverse Sachen vorgeschlagen. Das muss er aber selber machen, es ist ja sein Buch. Ich komme da wohl drin vor. Er hat mit mir ein Interview gemacht, erinnere ich mich.

Am 20. August um 20 Uhr tritt Dietmar Wischmeyer mit seiner „Zeltmission“ in Hüde auf.

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