Lustig vorm Laptop: Der erste Online-Geburtstag wird zu einem unterhaltsamen Abend Claudia Hyna Minden. Soll ich mir noch die Haare waschen? Und wie sehen denn meine Fingernägel aus? Hilfe, da kleben Reste von den Schokoladenplätzchen, die ich nachmittags gebacken habe. Bei einer richtigen Geburtstagsfeier wäre ich 20 Minuten vor Beginn längst gestylt, aber bei der ersten Mädels-Party vor dem Laptop? Sieht ja eh keine. Disziplin Claudia, ermahne ich mich, ab ins Bad, schminken, umziehen. In richtigen Schuhen soll man sich ja ganz anders fühlen als in Hausschuhen. Ach was, Schlappen müssen reichen. Sieht ja eh keine. Das denke ich zumindest zu dem Zeitpunkt, es kommt aber anders. Von vorn. Am 25. November trudelte eine „Geburtstagseinladung der anderen Art“ ein. Gastgeberin Dorit hatte vor einiger Zeit angekündigt, dass sie ihren 51. auf jeden Fall feiern möchte. Über das Wie mache sie sich nach Bekanntgabe der neuesten Corona-Bestimmungen Gedanken. Am 3. Dezember kam dann die Einladung zur Zoom-Konferenz. Um uns in Stimmung zu bringen, brachte Dorit am Tag der Feier eine liebevoll gepackte Tüte mit Glühwein, selbst gemachten Leckereien sowie gebrannten Mandeln zu den Gästen. Zwei Stunden später – nach einigen technischen Startschwierigkeiten – beginnt die Feier zu fünft vor dem Bildschirm. Das Glas Wein und Wasser in Reichweite, die Snacks neben mir, es kann los gehen. Wir prosten uns zu und sind sogleich schon mitten im Gespräch. Wir loben Keas neue Frisur, „sieht toll aus“. Silke zeigt Fotos vom Skiurlaub vor fünf Jahren. Wie klein die Kinder da noch waren. Und weißt du noch, der Gastschüler aus Brasilien im Schnee? Lange ist es her, heute jammern wir – mittlerweile haben alle die 50 erreicht – über Hormone und Wechseljahre. Vor allem Schlafstörungen sind – übrigens wie bei Treffen im wirklichen Leben – immer ein Thema. Viel zu oft sei die Nacht um 4 Uhr zu Ende, höre ich. Das Los der Lehrerinnen: Da sie im Alltag früh raus müssen, fällt es ihnen schwer, am Wochenende mal länger zu schlafen. Silke kommentiert knapp: Hauptsache, man liegt. Nicht aus unserer Frauenrunde wegzudenken sind die Prominenten. Das geht auf einen weinseligen Abend zurück, als wir uns Männer aus Film und Fernsehen offenbarten, die wir cool finden. Das Repertoire reicht von Claus Kleber (lacht da jemand?), über Jan Josef Liefers und Axel Prahl bis hin zu Sebastian Koch und Ingo Zamperoni. Der smarte Tagesthemen-Moderator liefert erneut ein gutes Stichwort, da er kürzlich mit einer Dokumentation im Fernsehen zu sehen war. Titel: Trump, meine amerikanische Familie und ich. Dabei reist Zamperoni kurz vor der US-Wahl nach Amerika, um sich ein Bild von der Zerrissenheit des Landes zu machen. Unbedingt sehenswert, sagen Kea und ich. Die Mädels schnappen sich Stifte und notieren den Titel, um in der Mediathek danach zu suchen. Keine Ahnung, wie es passiert ist, aber plötzlich reden wir über Müll und die Einführung der Gelben Tonne. Dorit berichtet, das Thema sei ein Dauerbrenner in ihrer Familie. In jedem Urlaub fragten sich vor allem ihr Mann und ihr Sohn, wie in dem fremden Land wohl die Entsorgung gehandhabt werde. Kein Wunder, dass der Sohn sich nun nach dem Abi übergangsweise sein Geld bei der Müllabfuhr verdient. Eigentlich hatte er andere Pläne, aber im Moment ist die Zukunft völlig offen. Wir sprechen darüber, wie blöd die Corona-Situation jetzt für die Kinder – alles junge Erwachsene – ist. Und wer ist eigentlich pflegeleichter, Söhne oder Töchter? Es entspinnt sich eine muntere Diskussion, aber das finden wir heute nicht mehr heraus, denn schon ist ein Meeting beendet. Alle 40 Minuten müssen wir uns neu einwählen. Das aktuelle Thema gerät dabei in Vergessenheit. Wer schnell ist, hat kurz die Gelegenheit für ein Vier-Augen-Gespräch. Das geht auf einer Party problemlos, heute Abend hören immer alle alles. Jeder ist im Fokus, immer präsent. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir uns unser Schuhwerk zeigen. Alle haben sich schick gemacht, doch Geburtstagskind Dorit ist die einzige, die sich hohe Schuhe angezogen hat. Sie sagt, es fühle sich wirklich anders an. Beim nächsten Mal bin ich vorbereitet. Wer legt an so einem Abend die Themen fest?, habe ich mich vorher gefragt. Schwer zu sagen, auf jeden Fall springen wir munter von Impfungen, zu Adventskalendern und landen irgendwann bei Brittas Silberhochzeit. Die ist im nächsten Jahr und sie lädt uns ein, auf Norderney mit ihnen zu feiern – wenn die Pandemie es erlaubt. Alle sind begeistert. Endlich wieder ein Fest, zusammen Zeit am Strand verbringen, das wäre toll. Und wo wir gerade so davon träumen, verabreden wir uns für ein Treffen in meinem Garten. Offenbar ist beim vierstündigen digitalen Miteinander der Wunsch nach mehr entstanden. Mädels, war echt schön mit euch. Aber echte Begegnungen sind durch nichts zu ersetzen.

Lustig vorm Laptop: Der erste Online-Geburtstag wird zu einem unterhaltsamen Abend

Prost Mädels! Diesen ersten Online-Geburtstag werde ich sicher nie vergessen. Foto: privat © pr

Minden. Soll ich mir noch die Haare waschen? Und wie sehen denn meine Fingernägel aus? Hilfe, da kleben Reste von den Schokoladenplätzchen, die ich nachmittags gebacken habe. Bei einer richtigen Geburtstagsfeier wäre ich 20 Minuten vor Beginn längst gestylt, aber bei der ersten Mädels-Party vor dem Laptop? Sieht ja eh keine. Disziplin Claudia, ermahne ich mich, ab ins Bad, schminken, umziehen. In richtigen Schuhen soll man sich ja ganz anders fühlen als in Hausschuhen. Ach was, Schlappen müssen reichen. Sieht ja eh keine. Das denke ich zumindest zu dem Zeitpunkt, es kommt aber anders.

Von vorn. Am 25. November trudelte eine „Geburtstagseinladung der anderen Art“ ein. Gastgeberin Dorit hatte vor einiger Zeit angekündigt, dass sie ihren 51. auf jeden Fall feiern möchte. Über das Wie mache sie sich nach Bekanntgabe der neuesten Corona-Bestimmungen Gedanken. Am 3. Dezember kam dann die Einladung zur Zoom-Konferenz. Um uns in Stimmung zu bringen, brachte Dorit am Tag der Feier eine liebevoll gepackte Tüte mit Glühwein, selbst gemachten Leckereien sowie gebrannten Mandeln zu den Gästen. Zwei Stunden später – nach einigen technischen Startschwierigkeiten – beginnt die Feier zu fünft vor dem Bildschirm.

Das Glas Wein und Wasser in Reichweite, die Snacks neben mir, es kann los gehen. Wir prosten uns zu und sind sogleich schon mitten im Gespräch. Wir loben Keas neue Frisur, „sieht toll aus“. Silke zeigt Fotos vom Skiurlaub vor fünf Jahren. Wie klein die Kinder da noch waren. Und weißt du noch, der Gastschüler aus Brasilien im Schnee? Lange ist es her, heute jammern wir – mittlerweile haben alle die 50 erreicht – über Hormone und Wechseljahre. Vor allem Schlafstörungen sind – übrigens wie bei Treffen im wirklichen Leben – immer ein Thema. Viel zu oft sei die Nacht um 4 Uhr zu Ende, höre ich. Das Los der Lehrerinnen: Da sie im Alltag früh raus müssen, fällt es ihnen schwer, am Wochenende mal länger zu schlafen. Silke kommentiert knapp: Hauptsache, man liegt.

Nicht aus unserer Frauenrunde wegzudenken sind die Prominenten. Das geht auf einen weinseligen Abend zurück, als wir uns Männer aus Film und Fernsehen offenbarten, die wir cool finden. Das Repertoire reicht von Claus Kleber (lacht da jemand?), über Jan Josef Liefers und Axel Prahl bis hin zu Sebastian Koch und Ingo Zamperoni. Der smarte Tagesthemen-Moderator liefert erneut ein gutes Stichwort, da er kürzlich mit einer Dokumentation im Fernsehen zu sehen war. Titel: Trump, meine amerikanische Familie und ich. Dabei reist Zamperoni kurz vor der US-Wahl nach Amerika, um sich ein Bild von der Zerrissenheit des Landes zu machen. Unbedingt sehenswert, sagen Kea und ich. Die Mädels schnappen sich Stifte und notieren den Titel, um in der Mediathek danach zu suchen.

Keine Ahnung, wie es passiert ist, aber plötzlich reden wir über Müll und die Einführung der Gelben Tonne. Dorit berichtet, das Thema sei ein Dauerbrenner in ihrer Familie. In jedem Urlaub fragten sich vor allem ihr Mann und ihr Sohn, wie in dem fremden Land wohl die Entsorgung gehandhabt werde. Kein Wunder, dass der Sohn sich nun nach dem Abi übergangsweise sein Geld bei der Müllabfuhr verdient. Eigentlich hatte er andere Pläne, aber im Moment ist die Zukunft völlig offen. Wir sprechen darüber, wie blöd die Corona-Situation jetzt für die Kinder – alles junge Erwachsene – ist. Und wer ist eigentlich pflegeleichter, Söhne oder Töchter? Es entspinnt sich eine muntere Diskussion, aber das finden wir heute nicht mehr heraus, denn schon ist ein Meeting beendet.

Alle 40 Minuten müssen wir uns neu einwählen. Das aktuelle Thema gerät dabei in Vergessenheit. Wer schnell ist, hat kurz die Gelegenheit für ein Vier-Augen-Gespräch. Das geht auf einer Party problemlos, heute Abend hören immer alle alles. Jeder ist im Fokus, immer präsent. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir uns unser Schuhwerk zeigen. Alle haben sich schick gemacht, doch Geburtstagskind Dorit ist die einzige, die sich hohe Schuhe angezogen hat. Sie sagt, es fühle sich wirklich anders an. Beim nächsten Mal bin ich vorbereitet.

Wer legt an so einem Abend die Themen fest?, habe ich mich vorher gefragt. Schwer zu sagen, auf jeden Fall springen wir munter von Impfungen, zu Adventskalendern und landen irgendwann bei Brittas Silberhochzeit. Die ist im nächsten Jahr und sie lädt uns ein, auf Norderney mit ihnen zu feiern – wenn die Pandemie es erlaubt.

Alle sind begeistert. Endlich wieder ein Fest, zusammen Zeit am Strand verbringen, das wäre toll. Und wo wir gerade so davon träumen, verabreden wir uns für ein Treffen in meinem Garten. Offenbar ist beim vierstündigen digitalen Miteinander der Wunsch nach mehr entstanden. Mädels, war echt schön mit euch. Aber echte Begegnungen sind durch nichts zu ersetzen.

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