Lockdown, Personalmangel und Lieferdienste - Heimische Gastronomen ziehen Bilanz Leandra Finke,Jan Lücking Minden. Im Biergarten ein kühles Blondes oder beim Lieblingsitaliener eine leckere Pizza genießen: Das alles ist seit den Sommermonaten im Mühlenkreis durch die Lockerungen in der Corona-Schutzverordnung wieder möglich. Seit dem 23. Mai 2021 dürfen Hotels, Pensionen und Campingplätze wieder Gäste beherbergen und auch die Gastronomie konnte in Minden-Lübbecke ihre Außenbereiche öffnen. Kurz darauf durfte ebenfalls die Innengastronomie wieder Besucher empfangen und zum Verweilen einladen. Wie schauen die Gastronomen aus dem Kreis auf die vergangenen Monate zurück? Besonders beliebt bei den Besuchern der Mindener Lokale waren in diesem Sommer vor allem die Außenbereiche. „Am Wochenende sind bei gutem Wetter in unserem Biergarten alle 300 Plätze besetzt. Die Gäste bleiben immer noch lieber draußen,“ sagt Anna Haas, Geschäftsführerin der Schiffsmühlengastronomie an der Weser, im MT-Gespräch. Ihr Betrieb ist noch bis Ende Oktober geöffnet. Der Biergarten am Hotel Bad Minden geht bald bis März 2022 in die Winterpause. In der Sommersaison wurde das Angebot laut Geschäftsführer Philipp Pudenz sehr gut angenommen: „Viele Menschen wollten das nachholen, worauf sie zuvor verzichten mussten.“ Zu kämpfen hatte Anna Haas in den vergangenen Monaten mit Personalmangel – viele ihrer Arbeitskräfte seien während des Lockdowns auf Stellen im Einzelhandel ausgewichen. Diese Kräfte fehlen nun in der Gastronomie: „Es ist sehr schwierig Personal zu finden. In der Küche geht es noch, aber im Service ist die Lage dramatisch.“ Insbesondere in der Vorbereitung für Feiern nehme die Personalplanung viel Zeit in Anspruch. Auch Pudenz berichtet von ähnlichen Erfahrungen: „Wir sind personell noch gut aufgestellt, aber es wird immer schwieriger in unserer Branche Nachwuchskräfte zu finden.“ Das Take-Away-Angebot des Restaurants hat das Hotel Bad Minden mittlerweile eingestellt. Der Fokus liegt laut Pudenz nun auf dem Restaurant, Hotel- und Veranstaltungsgeschäft vor Ort. Der Fahrradtourismus brachte viele Hotelgäste in die Region, von denen das Hotel Bad Minden profitiert. Hochzeitsfeiern und Firmenveranstaltungen laufen hingegen noch zaghaft an: „Im Frühjahr mussten wir Veranstaltungen lange im Voraus planen. Der Monat September war ein starker Monat, da wir auch kurzfristiger planen konnten. Eine große Veranstaltung in unserem Biergarten mit rund 350 Personen verlief sehr gut,“ zeigt sich Pudenz zufrieden. Jörg Mallwitz, Inhaber des Restaurants Zum seriösen Fußgänger, resümiert die vergangenen Monate der Öffnung positiv: „Wir sind eigentlich ganz gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Wir hatten teilweise Stammkunden, die zwei Mal in der Woche bei uns Essen bestellt haben.“ Auch Rüdiger Hirsch, Inhaber des Mindener Gasthofes Zum kühlen Grunde, findet, dass sein Restaurantbetrieb wieder „ein normales Level“ erreicht hat. Während des Lockdowns waren ihm viele Feierlichkeiten weggebrochen, die nicht mehr nachgeholt wurden. Unter Personalmangel habe das Lokal von Jörg Mallwitz nicht gelitten. Langsam läuft der normale Restaurantbetrieb wieder an, aber viele Kunden und Kundinnen würden noch immer wegbleiben, weil sie sich unsicher fühlen. Aus diesem Grund setzt Mallwitz weiterhin auf Außer-Haus-Bestellungen, die sehr gut angenommen werden. Auch größere Feiern mit bis zu 100 Gästen konnte Mallwitz wieder ausrichten. Ab November plant der Gastronom, Konzerte in seinem Restaurant zu veranstalten. Aktuell findet im Betrieb die 3G-Regelung Anwendung, bei den Konzerten soll die 2G-Regel, Eintritt nur für vollständig Geimpfte und Genesene, greifen. Außerdem will sich Mallwitz für seine treuen Kunden etwas Besonderes einfallen lassen: „Wenn das alles vorbei ist, feiern wir mit den Gästen eine Dankes-Party.“ Die Privatbrauerei Barre ist unterdessen gezeichnet durch die Folgen der Lockdowns. „Die Einbußen durch die Pandemie sind für uns weiterhin verheerend,“ sagt Christoph Barre, Geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei, auf MT-Nachfrage. Vor der Pandemie haben rund 40 Prozent der Barre-Produkte den Brauereihof im Fass verlassen – hauptsächlich für das Gast- und Veranstaltungsgewerbe. „Das sind Absätze, die während der Lockdowns fast komplett weggefallen sind und derzeit bei weitem noch nicht das Vorpandemie-Niveau erreicht haben. Man darf nicht vergessen, dass der Lockdown-Zeitraum in 2021 länger war als im Vorjahr. Auch wenn an vielen Stellen Entspannung zu erkennen ist, sind wir von einem normalen Niveau unserer Absätze immer noch weit entfernt,“ bedauert Barre. Es bleibe abzuwarten, wie sich das Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft nach Beendigung der Krise darstellt. Barre rechnet mit strukturellen Veränderungen. Trotzdem blickt er zuversichtlich in die Zukunft: „Wir sehen langfristig eine große Chance für uns. Regionalität, Nachhaltigkeit und Authentizität gewinnen an Wertschätzung. Das sind Eigenschaften, die wir als Regionalbrauerei seit Gründung leben und auch zukünftig in den Fokus stellen werden.“ Auch Philipp Pudenz sagt, dass die Gastronomie während der Pandemie eine andere geworden sei. „Es wird auch einen weiteren Wandel geben,“ davon ist der Geschäftsführer überzeugt.

Lockdown, Personalmangel und Lieferdienste - Heimische Gastronomen ziehen Bilanz

Auf dem Marktplatz ist viel los: Der Nachholbedarf ist nach dem Lockdown groß. © Patrick Schwemling

Minden. Im Biergarten ein kühles Blondes oder beim Lieblingsitaliener eine leckere Pizza genießen: Das alles ist seit den Sommermonaten im Mühlenkreis durch die Lockerungen in der Corona-Schutzverordnung wieder möglich. Seit dem 23. Mai 2021 dürfen Hotels, Pensionen und Campingplätze wieder Gäste beherbergen und auch die Gastronomie konnte in Minden-Lübbecke ihre Außenbereiche öffnen. Kurz darauf durfte ebenfalls die Innengastronomie wieder Besucher empfangen und zum Verweilen einladen. Wie schauen die Gastronomen aus dem Kreis auf die vergangenen Monate zurück?

Besonders beliebt bei den Besuchern der Mindener Lokale waren in diesem Sommer vor allem die Außenbereiche. „Am Wochenende sind bei gutem Wetter in unserem Biergarten alle 300 Plätze besetzt. Die Gäste bleiben immer noch lieber draußen,“ sagt Anna Haas, Geschäftsführerin der Schiffsmühlengastronomie an der Weser, im MT-Gespräch. Ihr Betrieb ist noch bis Ende Oktober geöffnet. Der Biergarten am Hotel Bad Minden geht bald bis März 2022 in die Winterpause. In der Sommersaison wurde das Angebot laut Geschäftsführer Philipp Pudenz sehr gut angenommen: „Viele Menschen wollten das nachholen, worauf sie zuvor verzichten mussten.“

Zu kämpfen hatte Anna Haas in den vergangenen Monaten mit Personalmangel – viele ihrer Arbeitskräfte seien während des Lockdowns auf Stellen im Einzelhandel ausgewichen. Diese Kräfte fehlen nun in der Gastronomie: „Es ist sehr schwierig Personal zu finden. In der Küche geht es noch, aber im Service ist die Lage dramatisch.“ Insbesondere in der Vorbereitung für Feiern nehme die Personalplanung viel Zeit in Anspruch. Auch Pudenz berichtet von ähnlichen Erfahrungen: „Wir sind personell noch gut aufgestellt, aber es wird immer schwieriger in unserer Branche Nachwuchskräfte zu finden.“

Malina Reckordt

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Das Take-Away-Angebot des Restaurants hat das Hotel Bad Minden mittlerweile eingestellt. Der Fokus liegt laut Pudenz nun auf dem Restaurant, Hotel- und Veranstaltungsgeschäft vor Ort. Der Fahrradtourismus brachte viele Hotelgäste in die Region, von denen das Hotel Bad Minden profitiert. Hochzeitsfeiern und Firmenveranstaltungen laufen hingegen noch zaghaft an: „Im Frühjahr mussten wir Veranstaltungen lange im Voraus planen. Der Monat September war ein starker Monat, da wir auch kurzfristiger planen konnten. Eine große Veranstaltung in unserem Biergarten mit rund 350 Personen verlief sehr gut,“ zeigt sich Pudenz zufrieden.

Jörg Mallwitz, Inhaber des Restaurants Zum seriösen Fußgänger, resümiert die vergangenen Monate der Öffnung positiv: „Wir sind eigentlich ganz gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Wir hatten teilweise Stammkunden, die zwei Mal in der Woche bei uns Essen bestellt haben.“ Auch Rüdiger Hirsch, Inhaber des Mindener Gasthofes Zum kühlen Grunde, findet, dass sein Restaurantbetrieb wieder „ein normales Level“ erreicht hat. Während des Lockdowns waren ihm viele Feierlichkeiten weggebrochen, die nicht mehr nachgeholt wurden.

Unter Personalmangel habe das Lokal von Jörg Mallwitz nicht gelitten. Langsam läuft der normale Restaurantbetrieb wieder an, aber viele Kunden und Kundinnen würden noch immer wegbleiben, weil sie sich unsicher fühlen. Aus diesem Grund setzt Mallwitz weiterhin auf Außer-Haus-Bestellungen, die sehr gut angenommen werden. Auch größere Feiern mit bis zu 100 Gästen konnte Mallwitz wieder ausrichten. Ab November plant der Gastronom, Konzerte in seinem Restaurant zu veranstalten. Aktuell findet im Betrieb die 3G-Regelung Anwendung, bei den Konzerten soll die 2G-Regel, Eintritt nur für vollständig Geimpfte und Genesene, greifen. Außerdem will sich Mallwitz für seine treuen Kunden etwas Besonderes einfallen lassen: „Wenn das alles vorbei ist, feiern wir mit den Gästen eine Dankes-Party.“

Die Privatbrauerei Barre ist unterdessen gezeichnet durch die Folgen der Lockdowns. „Die Einbußen durch die Pandemie sind für uns weiterhin verheerend,“ sagt Christoph Barre, Geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei, auf MT-Nachfrage. Vor der Pandemie haben rund 40 Prozent der Barre-Produkte den Brauereihof im Fass verlassen – hauptsächlich für das Gast- und Veranstaltungsgewerbe. „Das sind Absätze, die während der Lockdowns fast komplett weggefallen sind und derzeit bei weitem noch nicht das Vorpandemie-Niveau erreicht haben. Man darf nicht vergessen, dass der Lockdown-Zeitraum in 2021 länger war als im Vorjahr. Auch wenn an vielen Stellen Entspannung zu erkennen ist, sind wir von einem normalen Niveau unserer Absätze immer noch weit entfernt,“ bedauert Barre.

Es bleibe abzuwarten, wie sich das Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft nach Beendigung der Krise darstellt. Barre rechnet mit strukturellen Veränderungen. Trotzdem blickt er zuversichtlich in die Zukunft: „Wir sehen langfristig eine große Chance für uns. Regionalität, Nachhaltigkeit und Authentizität gewinnen an Wertschätzung. Das sind Eigenschaften, die wir als Regionalbrauerei seit Gründung leben und auch zukünftig in den Fokus stellen werden.“ Auch Philipp Pudenz sagt, dass die Gastronomie während der Pandemie eine andere geworden sei. „Es wird auch einen weiteren Wandel geben,“ davon ist der Geschäftsführer überzeugt.

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