Lieferengpässe bei Weihnachtsartikeln führen zu geringerer Auswahl Leandra Finke,Lea Oetjen Minden. Eigentlich ist noch Zeit genug. Um genau zu sein sind es noch 59 Tagen bis Heiligabend. Und doch machen sich schon viele Menschen auf die Suche nach ersten Weihnachtsgeschenken. Das könnte sich in diesem Jahr besonders auszahlen. Denn: Der Einzelhandel klagt deutschlandweit über erhebliche Lieferschwierigkeiten und Engpässe bei bestimmten Produkten. Viele Bestellungen können aktuell nicht erfüllt werden. Das wird aller Voraussicht nach auch das Weihnachtsgeschäft betreffen, wie Einzelhändler aus Minden befürchten. „Durch den Lockdown waren die Händler zurückhaltend mit der Order. Dies trifft auf gestörte Lieferketten und den Rohstoffmangel am Anfang der Produktion", sagt Arno Sebening, Geschäftsführer des Handelsverbandes OWL für Minden-Herford. Dies sei vor allem im Textilbereich extrem, weniger oder fast gar nicht hingegen etwa in der Schmuck-Branche. So oder so: „Preissteigerungen werden wohl unumgänglich sein", sagt Sebening. Er betont jedoch, dass „ alles getan wird, um sicherzustellen, dass die Ware pünktlich in den Läden sei und am Ende auf dem Gabentisch landen könne – auch wenn der Transport dadurch vielleicht etwas teurer werde", erläutert er. „So werde ein Teil der Lieferungen bereits vom Schiff auf die Bahn umgeleitet" damit die Zustellung der bestellten Ware möglichst zügig über die Bühne geht. Darauf wartet auch Thorsten Uphoff. Der Inhaber des Tabak Depot Uphoff, erzählt im MT-Gespräch von großen Lieferschwierigkeiten: „Rund 30 bis 35 Prozent der bestellten Artikel sind seit vielen Wochen nicht lieferbar." Betroffen sei besonders der „braune Markt" – so fasst Uphoff den Markt um Zigarren und Zigarillos zusammen. Da er in seinem Geschäft keine leeren Regale präsentieren möchte, greift er auf Ersatzprodukte zurück, die noch lieferbar sind. Das sei aber nicht immer möglich. Zumal Uphoff bezweifelt, dass diese Zwischenlösung den gewünschten Absatz erzielen kann. „Ich befürchte, wir werden das Problem noch länger haben", sagt er. Damit rechnet auch Lisa Kettenbach. Sie übernimmt das Traditionsgeschäft „Sternenkind" an der Kampstraße und eröffnet den Spielzeugladen am 1. November unter dem Namen „Fräulein Rosa" neu. Im Einkauf erlebt die 32-Jährige vor allem bei Holzspielzeug aus Deutschland lange Lieferzeiten. „Ein Außendienstler hat mir erzählt, dass etwa die Frachtkosten für einen Container aus China in den letzten zwölf Monaten um mehrere 100 Prozent gestiegen sind." Bei steigenden Preisen von Produkten aus Fernost würde die Nachfrage nach heimischen Rohstoffen immer größer. „Das wirkt sich dann auf die von uns bevorzugten Produkte aus Deutschland und Europa aus." Ein Teufelskreis, der langfristig zu allgemeinen Preissteigerungen führen kann, wie die „Fräulein Rosa"-Inhaberin befürchtet – vor allem mit Blick auf die Rohstoffknappheit und die steigenden Energiekosten. „So gesehen kann ich mir nur schwer vorstellen, bei welchen Produkten es zu keinen Preiserhöhungen kommen soll", sagt sie. Über das Weihnachtsgeschäft macht sich Lisa Kettenbach aber noch keine Sorgen. Die 32-Jährige hätte sich eine Eröffnung ihres Ladens unter „normaleren Umständen" gewünscht. „Aber die aktuelle Rohstoffkrise wird uns hoffentlich wieder mehr hinterfragen lassen, was in Produkten drin steckt, welchen Weg diese hinter sich haben und wo sie hergestellt wurden", hofft sie. Ein solches Umdenken von Kunden sei alternativlos, findet auch Daniela Drabert. Sie ist Geschäftsführerin von Hagemeyer und Vorsitzende der Werbegemeinschaft Minden: „Bislang sind es alle gewohnt, dass die Regale in den Geschäften voll sind." Sie ist überzeugt davon, dass das nicht so bleiben wird. Die Planung der Ware sei aktuell „unglaublich schwierig" weil nie genau klar ist, welche Produkte wann und wie ankommen. „Am schlimmsten ist das bei Sportbekleidung", erklärt sie und nennt prompt ein Beispiel: „Wir haben jetzt einen Liefertermin erhalten für Wanderschuhe, die eigentlich fürs Sortiment diesen Herbst geplant waren. Im August 2022 soll die Bestellung wohl ankommen." Die Schwierigkeiten mit Sportartikeln erlebt auch Kornelia Bühne. Sie ist Inhaberin des Spiel- und Sportwarengeschäfts Skyracer. So seien Sportartikel schon in den vergangenen Monaten stets rar gewesen – darunter auch die Darts-Ausrüstung, die bei den Kunden zuletzt aber sehr beliebt war. Seit den vergangenen zwei Monaten trudeln nun Bestellungen ein, bei denen es zuvor Lieferverzögerungen gab. Dazu gehören auch Inline-Skates, die besonders während des Lockdowns begehrt waren. Der Bestand sei im Lager nun zum Weihnachtsgeschäft wieder gut aufgefüllt. Dass Bühne die Kapazitäten ihres Lagers ausreizt, ist übrigens untypisch. Vor der Pandemie sei zuverlässig geliefert worden. Das sei im Buchhandel zum Beispiel auch immer noch der Fall, erzählt ein Buchhändler aus der Region, der namentlich nicht genannt werden möchte. Viele andere Buchläden leiden schon jetzt unter der Rohstoff- und Papierknappheit. Aber: „Wir spüren noch keine Auswirkungen." Trotzdem sollten sich Leseratten frühzeitig um Bücher zu Weihnachten kümmern, denn diese gehören zu den beliebtesten Geschenken. Nach der monatelangen Unsicherheit erlebt der Einzelhandel derzeit den nächsten Dämpfer. „Keine Frage, das ist auf jeden Fall frustrierend. Das macht einen schon manchmal verrückt", gesteht etwa Werbegemeinschaftsvorsitzende Daniela Drabert. Sie rechnet auch nicht damit, dass sich die Situation zeitnah entspannt. „Eher im Gegenteil sogar. Wahrscheinlich muss spätestens im nächsten Jahr dann auch mit Preissteigerungen gerechnet werden", kündigt die Geschäftsführerin an. Auch wenn aller Voraussicht nach das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr noch nicht allzu stark von Preisschwankungen betroffen sein wird, hat Drabert für den Verbraucher ein paar Tipps. „Wer auf der Suche nach Geschenken ist, sollte in diesem Jahr frühzeitig los oder offen für Ersatzprodukte etwa von anderen Marken sein", betont sie. Zudem weist sie darauf hin, dass sich Kunden nicht auf die „falsche Sicherheit" des Internets verlassen sollten. In Online-Shops sei die Lieferzeit oft nicht der momentanen Lage angepasst. „Darauf kann man sich absolut nicht verlassen", warnt die Hagemeyer-Chefin all diejenigen, die auf den letzten Drücker nach Geschenken suchen. Dasselbe rät auch Arno Sebening, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Einen Hinweis ergänzt er darüber hinaus noch: „Je nachdem welches Weihnachtsgeschenk der Verbraucher kaufen möchte, kann er auch einen Gutschein aus seinem stationären Handel vor Ort wählen." Irgendwann kehre die Ware ins Regal zurück.

Lieferengpässe bei Weihnachtsartikeln führen zu geringerer Auswahl

Die Fußgängerzone ist zur Weihnachtszeit stets festlich geschmückt. Ob die Stimmung ebenso besinnlich bleibt, selbst wenn die Preise durch die Lieferengpässe stark ansteigen, bleibt abzuwarten. MT-Archivfoto: Alex Lehn

Minden. Eigentlich ist noch Zeit genug. Um genau zu sein sind es noch 59 Tagen bis Heiligabend. Und doch machen sich schon viele Menschen auf die Suche nach ersten Weihnachtsgeschenken. Das könnte sich in diesem Jahr besonders auszahlen. Denn: Der Einzelhandel klagt deutschlandweit über erhebliche Lieferschwierigkeiten und Engpässe bei bestimmten Produkten. Viele Bestellungen können aktuell nicht erfüllt werden. Das wird aller Voraussicht nach auch das Weihnachtsgeschäft betreffen, wie Einzelhändler aus Minden befürchten.

„Durch den Lockdown waren die Händler zurückhaltend mit der Order. Dies trifft auf gestörte Lieferketten und den Rohstoffmangel am Anfang der Produktion", sagt Arno Sebening, Geschäftsführer des Handelsverbandes OWL für Minden-Herford. Dies sei vor allem im Textilbereich extrem, weniger oder fast gar nicht hingegen etwa in der Schmuck-Branche. So oder so: „Preissteigerungen werden wohl unumgänglich sein", sagt Sebening.

Er betont jedoch, dass „ alles getan wird, um sicherzustellen, dass die Ware pünktlich in den Läden sei und am Ende auf dem Gabentisch landen könne – auch wenn der Transport dadurch vielleicht etwas teurer werde", erläutert er. „So werde ein Teil der Lieferungen bereits vom Schiff auf die Bahn umgeleitet" damit die Zustellung der bestellten Ware möglichst zügig über die Bühne geht.

Malina Reckordt

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Darauf wartet auch Thorsten Uphoff. Der Inhaber des Tabak Depot Uphoff, erzählt im MT-Gespräch von großen Lieferschwierigkeiten: „Rund 30 bis 35 Prozent der bestellten Artikel sind seit vielen Wochen nicht lieferbar." Betroffen sei besonders der „braune Markt" – so fasst Uphoff den Markt um Zigarren und Zigarillos zusammen. Da er in seinem Geschäft keine leeren Regale präsentieren möchte, greift er auf Ersatzprodukte zurück, die noch lieferbar sind. Das sei aber nicht immer möglich. Zumal Uphoff bezweifelt, dass diese Zwischenlösung den gewünschten Absatz erzielen kann. „Ich befürchte, wir werden das Problem noch länger haben", sagt er.

Damit rechnet auch Lisa Kettenbach. Sie übernimmt das Traditionsgeschäft „Sternenkind" an der Kampstraße und eröffnet den Spielzeugladen am 1. November unter dem Namen „Fräulein Rosa" neu. Im Einkauf erlebt die 32-Jährige vor allem bei Holzspielzeug aus Deutschland lange Lieferzeiten. „Ein Außendienstler hat mir erzählt, dass etwa die Frachtkosten für einen Container aus China in den letzten zwölf Monaten um mehrere 100 Prozent gestiegen sind." Bei steigenden Preisen von Produkten aus Fernost würde die Nachfrage nach heimischen Rohstoffen immer größer. „Das wirkt sich dann auf die von uns bevorzugten Produkte aus Deutschland und Europa aus."

Ein Teufelskreis, der langfristig zu allgemeinen Preissteigerungen führen kann, wie die „Fräulein Rosa"-Inhaberin befürchtet – vor allem mit Blick auf die Rohstoffknappheit und die steigenden Energiekosten. „So gesehen kann ich mir nur schwer vorstellen, bei welchen Produkten es zu keinen Preiserhöhungen kommen soll", sagt sie.

Über das Weihnachtsgeschäft macht sich Lisa Kettenbach aber noch keine Sorgen. Die 32-Jährige hätte sich eine Eröffnung ihres Ladens unter „normaleren Umständen" gewünscht. „Aber die aktuelle Rohstoffkrise wird uns hoffentlich wieder mehr hinterfragen lassen, was in Produkten drin steckt, welchen Weg diese hinter sich haben und wo sie hergestellt wurden", hofft sie.

Ein solches Umdenken von Kunden sei alternativlos, findet auch Daniela Drabert. Sie ist Geschäftsführerin von Hagemeyer und Vorsitzende der Werbegemeinschaft Minden: „Bislang sind es alle gewohnt, dass die Regale in den Geschäften voll sind." Sie ist überzeugt davon, dass das nicht so bleiben wird. Die Planung der Ware sei aktuell „unglaublich schwierig" weil nie genau klar ist, welche Produkte wann und wie ankommen. „Am schlimmsten ist das bei Sportbekleidung", erklärt sie und nennt prompt ein Beispiel: „Wir haben jetzt einen Liefertermin erhalten für Wanderschuhe, die eigentlich fürs Sortiment diesen Herbst geplant waren. Im August 2022 soll die Bestellung wohl ankommen."

Die Schwierigkeiten mit Sportartikeln erlebt auch Kornelia Bühne. Sie ist Inhaberin des Spiel- und Sportwarengeschäfts Skyracer. So seien Sportartikel schon in den vergangenen Monaten stets rar gewesen – darunter auch die Darts-Ausrüstung, die bei den Kunden zuletzt aber sehr beliebt war. Seit den vergangenen zwei Monaten trudeln nun Bestellungen ein, bei denen es zuvor Lieferverzögerungen gab. Dazu gehören auch Inline-Skates, die besonders während des Lockdowns begehrt waren. Der Bestand sei im Lager nun zum Weihnachtsgeschäft wieder gut aufgefüllt. Dass Bühne die Kapazitäten ihres Lagers ausreizt, ist übrigens untypisch. Vor der Pandemie sei zuverlässig geliefert worden.

Das sei im Buchhandel zum Beispiel auch immer noch der Fall, erzählt ein Buchhändler aus der Region, der namentlich nicht genannt werden möchte. Viele andere Buchläden leiden schon jetzt unter der Rohstoff- und Papierknappheit. Aber: „Wir spüren noch keine Auswirkungen." Trotzdem sollten sich Leseratten frühzeitig um Bücher zu Weihnachten kümmern, denn diese gehören zu den beliebtesten Geschenken.

Nach der monatelangen Unsicherheit erlebt der Einzelhandel derzeit den nächsten Dämpfer. „Keine Frage, das ist auf jeden Fall frustrierend. Das macht einen schon manchmal verrückt", gesteht etwa Werbegemeinschaftsvorsitzende Daniela Drabert. Sie rechnet auch nicht damit, dass sich die Situation zeitnah entspannt. „Eher im Gegenteil sogar. Wahrscheinlich muss spätestens im nächsten Jahr dann auch mit Preissteigerungen gerechnet werden", kündigt die Geschäftsführerin an.

Auch wenn aller Voraussicht nach das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr noch nicht allzu stark von Preisschwankungen betroffen sein wird, hat Drabert für den Verbraucher ein paar Tipps. „Wer auf der Suche nach Geschenken ist, sollte in diesem Jahr frühzeitig los oder offen für Ersatzprodukte etwa von anderen Marken sein", betont sie. Zudem weist sie darauf hin, dass sich Kunden nicht auf die „falsche Sicherheit" des Internets verlassen sollten. In Online-Shops sei die Lieferzeit oft nicht der momentanen Lage angepasst. „Darauf kann man sich absolut nicht verlassen", warnt die Hagemeyer-Chefin all diejenigen, die auf den letzten Drücker nach Geschenken suchen. Dasselbe rät auch Arno Sebening, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Einen Hinweis ergänzt er darüber hinaus noch: „Je nachdem welches Weihnachtsgeschenk der Verbraucher kaufen möchte, kann er auch einen Gutschein aus seinem stationären Handel vor Ort wählen." Irgendwann kehre die Ware ins Regal zurück.

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