Liebeserklärung an die Box - Erinnerungen von MT-Redakteur Patrick Schwemling Patrick Schwemling Liebe Box, „Never forget where you've coming from." Es ist dieser Song der britischen Boyband Take That, der im meinem Kopf läuft, wenn ich an dich denke. 1995 eroberten Robbie Williams und Co. mit dem Titel die Charts. Warum er in den 2000ern der Höhepunkt eines jeden Samstag- und Mittwochabend war, wusste niemand so recht, es war aber auch egal. Meine Freunde und ich standen auf den heiligen Treppenstufen deiner Tanzfläche. Gefühlt schmetterte jeder in der Disco die Strophen. Ein magischer Moment. Und heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke. „Vergiss niemals, wo du her kommst." Heute wirst du 40 Jahre alt. Es ist Zeit, dir Danke zu sagen. Ich erinnere mich noch gut, wie alles anfing. Mein erster Besuch war alles andere als geplant. Ich war 14 und habe bei meinem Kumpel Max übernachtet. Zeitgleich traf sich sein älterer Bruder mit seinen Freunden, um sich auf den Abend vorzubereiten. „Wir nehmen euch mit", hieß es dann irgendwann. Was sollten wir tun? „Wir kommen doch niemals da rein", sagte ich zu Max. Wir versuchten es trotzdem – und es klappte. Bis heute glaube ich, dass die Freunde seines Bruders die Türsteher bestochen haben. Ich war wirklich klein, die Pubertät machte sich in Form von fiesen Pickeln bemerkbar, und ich sah garantiert nicht aus wie 16. Doch ich war drin. Ich war stolz. Ich war cool. Ich traf Schüler aus den höheren Jahrgangsstufen. Es fühlte sich so gut an. Dieser Tag war der Anfang einer Liebesgeschichte, die für Freude, Tränen, Ärger, Glücksgefühle und Momente für die Ewigkeit sorgte. Sorry, liebe Box, du warst nie die Schönheit, wie es vielleicht andere Discos in der Umgebung waren. Und ja, ich bin dir auch fremdgegangen. Doch egal, wo wir waren, nirgends haben wir uns so wohl gefühlt wie bei dir. Wir fuhren nach Bielefeld, wir waren in Hannover und dann gab es da ja auch noch das PW, das wir freitags regelmäßig besuchten. Dein Freitag war damals nichts für mich. Aber der Freitag, die „Alternative Station", war so wichtig für so viele Menschen. Wo konnte man sonst schon zu „Basket Case" von Green Day tanzen? Wenn ich an dich denke, fallen mir so viele Anekdoten ein. Da ist der November 2007, als plötzlich die Handball-Weltmeister Pascal Hens, Jogi Bitter und Torsten Jansen neben mir an der Theke standen. Sie hatten mit dem HSV gerade in Lübbecke gewonnen und bekamen deswegen von ihrem Trainer frei. In der Handball-Hochburg Minden blieben sie natürlich nicht lange unerkannt, einen VIP-Bereich wie in den schnöseligen Clubs hattest du nicht, doch das störte sie nicht. Sie mischten sich unters Partyvolk und waren wahrscheinlich ähnlich verzückt wie wir. Zumindest sah es auf den Fotos, die ich am nächsten Morgen auf meinem Handy fand, so aus. Du bist für mich die Erinnerung an die gefühlt immer gleiche Playlist, die die Tanzfläche zum Kochen brachte. „You can't hurry love" von Phil Collins gefolgt von Soulsister mit „The way to your heart" und dem Culture Club-Klassiker „Karma Chameleon" ehe „Never forget" von Take That für den emotionalen Höhepunkt eines jeden Abends sorgte. Alles Lieder, die gar nicht in die Zeit passten. Aber bei der Musikauswahl warst du eben auch etwas speziell. Und da ist natürlich noch der Klassiker, den alle kennen, die zum Ende von deinen Türstehern und der Putzkolonne rausgekehrt wurden. „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät...", war der Schlusspunkt der Abende, die dann aber meist erst im benachbarten Schnellrestaurant zu Ende gingen. Liebe Box, von 2002 bis 2018 habe ich dich besucht. Zugegeben: Die Tage, in denen ich in den letzten fünf Jahren bei dir war, kann ich an einer Hand abzählen. Aber so ist es nun einmal – und auch davon kann jede Generation ein Lied singen. „Hier laufen nur noch Kinder rum", heißt es, sobald man 23, 24 Jahre alt ist. Was haben wir uns damals über die jungen Nachkömmlinge aufgeregt, die wir viele Jahre zuvor selbst waren. Zeiten ändern sich, du bist geblieben. Und das wird sich doch wohl nicht ändern, oder? Ein paar Jahrzehnte musst du noch durchhalten. Denn auch die nächsten Generationen wollen hoffentlich zu dir kommen. Wenn sie zur Abwechslung mal den Netflix-Account ruhen lassen, die Playstation ausgeschaltet haben und die private Hausparty ausfallen lassen. Wo sollen sonst all die Geschichten, die in und wegen dir geschrieben wurden, künftig entstehen? Ich sage Danke für unglaubliche Jahre, herbe Enttäuschungen, zahlreiche Freundschaften, verkaterte Sonntage, einige Fehlstunden, mein „Hobby-DJ"-Debüt und so viel mehr. Du hast mich geprägt, du hast viel für die Jugend unserer Stadt getan. Du gehörst zu Minden! Alles Gute zum 40. Geburtstag, liebe Musikbox – und auf die nächsten 40 Jahre. Sollte ich einmal Kinder haben, dann sollen sie nämlich nicht nur meine Geschichten von dir hören, sondern mit dir ihre eigenen erleben. „Never forget where you've coming from." Herzlichst,Patrick Schwemling Ein Playlist-Auszug aus den 2000er Box-Jahren

Liebeserklärung an die Box - Erinnerungen von MT-Redakteur Patrick Schwemling

Ein Blick zurück in das Jahr 2008: So sah es an einem Mittwochabend in der Musikbox aus – es war mit dem Samstag der beliebteste Tag in dieser Zeit. © Foto: Sven Wiese/pr https://fotos.zwaehnn.de/archive

Liebe Box,

Never forget where you've coming from." Es ist dieser Song der britischen Boyband Take That, der im meinem Kopf läuft, wenn ich an dich denke. 1995 eroberten Robbie Williams und Co. mit dem Titel die Charts. Warum er in den 2000ern der Höhepunkt eines jeden Samstag- und Mittwochabend war, wusste niemand so recht, es war aber auch egal.

Meine Freunde und ich standen auf den heiligen Treppenstufen deiner Tanzfläche. Gefühlt schmetterte jeder in der Disco die Strophen. Ein magischer Moment. Und heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke. „Vergiss niemals, wo du her kommst." Heute wirst du 40 Jahre alt. Es ist Zeit, dir Danke zu sagen.

Ich erinnere mich noch gut, wie alles anfing. Mein erster Besuch war alles andere als geplant. Ich war 14 und habe bei meinem Kumpel Max übernachtet. Zeitgleich traf sich sein älterer Bruder mit seinen Freunden, um sich auf den Abend vorzubereiten. „Wir nehmen euch mit", hieß es dann irgendwann. Was sollten wir tun? „Wir kommen doch niemals da rein", sagte ich zu Max.

Wir versuchten es trotzdem – und es klappte. Bis heute glaube ich, dass die Freunde seines Bruders die Türsteher bestochen haben. Ich war wirklich klein, die Pubertät machte sich in Form von fiesen Pickeln bemerkbar, und ich sah garantiert nicht aus wie 16. Doch ich war drin. Ich war stolz. Ich war cool. Ich traf Schüler aus den höheren Jahrgangsstufen. Es fühlte sich so gut an. Dieser Tag war der Anfang einer Liebesgeschichte, die für Freude, Tränen, Ärger, Glücksgefühle und Momente für die Ewigkeit sorgte.

Ein weiterer Blick in die Vergangenheit: Zusammen mit weiteren Schulfreunden feiere ich (Zweiter von links) an einem Mittwoch in der Musikbox. - © Foto: Sven Wiese/pr https://fotos.zwaehnn.de/archive
Ein weiterer Blick in die Vergangenheit: Zusammen mit weiteren Schulfreunden feiere ich (Zweiter von links) an einem Mittwoch in der Musikbox. - © Foto: Sven Wiese/pr https://fotos.zwaehnn.de/archive

Sorry, liebe Box, du warst nie die Schönheit, wie es vielleicht andere Discos in der Umgebung waren. Und ja, ich bin dir auch fremdgegangen. Doch egal, wo wir waren, nirgends haben wir uns so wohl gefühlt wie bei dir. Wir fuhren nach Bielefeld, wir waren in Hannover und dann gab es da ja auch noch das PW, das wir freitags regelmäßig besuchten. Dein Freitag war damals nichts für mich. Aber der Freitag, die „Alternative Station", war so wichtig für so viele Menschen. Wo konnte man sonst schon zu „Basket Case" von Green Day tanzen?

Wenn ich an dich denke, fallen mir so viele Anekdoten ein. Da ist der November 2007, als plötzlich die Handball-Weltmeister Pascal Hens, Jogi Bitter und Torsten Jansen neben mir an der Theke standen. Sie hatten mit dem HSV gerade in Lübbecke gewonnen und bekamen deswegen von ihrem Trainer frei. In der Handball-Hochburg Minden blieben sie natürlich nicht lange unerkannt, einen VIP-Bereich wie in den schnöseligen Clubs hattest du nicht, doch das störte sie nicht. Sie mischten sich unters Partyvolk und waren wahrscheinlich ähnlich verzückt wie wir. Zumindest sah es auf den Fotos, die ich am nächsten Morgen auf meinem Handy fand, so aus.

Ein Blick zurück in das Jahr 2009: Bei der „Lehrer-DJ-Battle“ haben die Lehrkräfte der heimischen Schulen die Tanzfläche zum Kochen gebracht. - © Foto: MT-Archiv
Ein Blick zurück in das Jahr 2009: Bei der „Lehrer-DJ-Battle“ haben die Lehrkräfte der heimischen Schulen die Tanzfläche zum Kochen gebracht. - © Foto: MT-Archiv

Du bist für mich die Erinnerung an die gefühlt immer gleiche Playlist, die die Tanzfläche zum Kochen brachte. „You can't hurry love" von Phil Collins gefolgt von Soulsister mit „The way to your heart" und dem Culture Club-Klassiker „Karma Chameleon" ehe „Never forget" von Take That für den emotionalen Höhepunkt eines jeden Abends sorgte. Alles Lieder, die gar nicht in die Zeit passten. Aber bei der Musikauswahl warst du eben auch etwas speziell.

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Liebe Box, von 2002 bis 2018 habe ich dich besucht. Zugegeben: Die Tage, in denen ich in den letzten fünf Jahren bei dir war, kann ich an einer Hand abzählen. Aber so ist es nun einmal – und auch davon kann jede Generation ein Lied singen. „Hier laufen nur noch Kinder rum", heißt es, sobald man 23, 24 Jahre alt ist. Was haben wir uns damals über die jungen Nachkömmlinge aufgeregt, die wir viele Jahre zuvor selbst waren.

Der Autor dieses Briefes (rechts) mit seinen Schulfreunden im Jahr 2005 in der Musikbox. - © Foto: Sven Wiese/pr https://fotos.zwaehnn.de/archive
Der Autor dieses Briefes (rechts) mit seinen Schulfreunden im Jahr 2005 in der Musikbox. - © Foto: Sven Wiese/pr https://fotos.zwaehnn.de/archive

Zeiten ändern sich, du bist geblieben. Und das wird sich doch wohl nicht ändern, oder? Ein paar Jahrzehnte musst du noch durchhalten. Denn auch die nächsten Generationen wollen hoffentlich zu dir kommen. Wenn sie zur Abwechslung mal den Netflix-Account ruhen lassen, die Playstation ausgeschaltet haben und die private Hausparty ausfallen lassen. Wo sollen sonst all die Geschichten, die in und wegen dir geschrieben wurden, künftig entstehen?

Ich sage Danke für unglaubliche Jahre, herbe Enttäuschungen, zahlreiche Freundschaften, verkaterte Sonntage, einige Fehlstunden, mein „Hobby-DJ"-Debüt und so viel mehr. Du hast mich geprägt, du hast viel für die Jugend unserer Stadt getan. Du gehörst zu Minden!

Alles Gute zum 40. Geburtstag, liebe Musikbox – und auf die nächsten 40 Jahre. Sollte ich einmal Kinder haben, dann sollen sie nämlich nicht nur meine Geschichten von dir hören, sondern mit dir ihre eigenen erleben.

Never forget where you've coming from."

Herzlichst,
Patrick Schwemling

Ein Playlist-Auszug aus den 2000er Box-Jahren

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