Lichtinstallationen zum "Wagnis Wagner" Ursula Koch Minden (mt). Die Kunst fordert auch den Betrachter. Dabei kann es auch auf den eigenen Standpunkt ankommen. Das zeigt eindrucksvoll die Lichtinstallation „Parallel-Bühne“ von Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher hinter dem Kommunalarchiv. Was für eine Enttäuschung – dachte ich nach dem ersten Besuch. Bei der Projektions-Biennale Licht-Sicht in Bad Rothenfelde hatte das Duo Porträtfotos in eine Wasserfontäne projiziert. Durch die Bewegung des Wassers und den Einfluss des Windes entstand ein faszinierendes Spiel von klaren Bildern, die zu kaum noch erkennbar verschwammen. Das war eine der stärksten Arbeiten der temporären Ausstellung. In Minden schien der Parkplatz des Kommunalarchivs verschlossen. Vom öffentlichen Parkplatz dahinter sieht es an der Ecke zur Tonhallenstraße einfach so aus, als sei einer der Glacis-Bäume beleuchtet. Mit jedem Schritt am Zaun entlang wird deutlicher erkennbar, dass ein antiker Tempel in den Baum projiziert ist. Erkennbar, aber noch immer ein wenig flach und verschwommen. Aber das ist eben nur der Eindruck vom falschen Standort. Das Tor zum Parkplatz lässt sich aufschieben. Und erst dort entfaltet die Projektion ihre volle Wirkung. Jedes architektonische Detail tritt deutlich hervor. Der Tempel wirkt in dem Laub dreidimensional, ist haargenau auf die Gestalt der Bäume abgestimmt. Wenn sich der Betrachter ein wenig bewegt, scheint es, als füge sich das Gebäude überhaupt erst zusammen oder als stürze das Dach gerade ein. Die Projektion ist eine von insgesamt zehn Installationen, die von einer Fachjury für die Ausstellung „Wagnis Wagner“ ausgewählt worden waren. Zu ihr gehören auch drei Objekte von Mindener Künstlern, darunter der künstliche Schwan auf dem Schwanenteich, auf dem sich diese Tiere schon lange nicht mehr wohlfühlen. „Sag dem Schwan dein Leid“ hat Hartwig Reinboth seine Installation betitelt. Die Aufforderung findet sich als Schriftband vor der Aussichtsterrasse. Er spielt damit auf die Symbolik Wagners an und hat erst während der Realisation ein Gedicht Hölderlins entdeckt, das sich ebenfalls dieser Symbolik bedient. Diese und die anderen acht Projekte sind noch bis zum 6. Oktober in der Innenstadt zu entdecken. Eine letzte Führung startet am Freitag, 4. Oktober, um 17.30 Uhr am Stadttheater.

Lichtinstallationen zum "Wagnis Wagner"

Erkannt? Um dieses Kunstwerk zu sehen, muss man an der richtigen Stelle stehen. MT- © Foto: Alex Lehn

Minden (mt). Die Kunst fordert auch den Betrachter. Dabei kann es auch auf den eigenen Standpunkt ankommen. Das zeigt eindrucksvoll die Lichtinstallation „Parallel-Bühne“ von Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher hinter dem Kommunalarchiv.

Was für eine Enttäuschung – dachte ich nach dem ersten Besuch. Bei der Projektions-Biennale Licht-Sicht in Bad Rothenfelde hatte das Duo Porträtfotos in eine Wasserfontäne projiziert. Durch die Bewegung des Wassers und den Einfluss des Windes entstand ein faszinierendes Spiel von klaren Bildern, die zu kaum noch erkennbar verschwammen. Das war eine der stärksten Arbeiten der temporären Ausstellung.

In Minden schien der Parkplatz des Kommunalarchivs verschlossen. Vom öffentlichen Parkplatz dahinter sieht es an der Ecke zur Tonhallenstraße einfach so aus, als sei einer der Glacis-Bäume beleuchtet. Mit jedem Schritt am Zaun entlang wird deutlicher erkennbar, dass ein antiker Tempel in den Baum projiziert ist. Erkennbar, aber noch immer ein wenig flach und verschwommen. Aber das ist eben nur der Eindruck vom falschen Standort.

Das Tor zum Parkplatz lässt sich aufschieben. Und erst dort entfaltet die Projektion ihre volle Wirkung. Jedes architektonische Detail tritt deutlich hervor. Der Tempel wirkt in dem Laub dreidimensional, ist haargenau auf die Gestalt der Bäume abgestimmt. Wenn sich der Betrachter ein wenig bewegt, scheint es, als füge sich das Gebäude überhaupt erst zusammen oder als stürze das Dach gerade ein.

Die Projektion ist eine von insgesamt zehn Installationen, die von einer Fachjury für die Ausstellung „Wagnis Wagner“ ausgewählt worden waren. Zu ihr gehören auch drei Objekte von Mindener Künstlern, darunter der künstliche Schwan auf dem Schwanenteich, auf dem sich diese Tiere schon lange nicht mehr wohlfühlen. „Sag dem Schwan dein Leid“ hat Hartwig Reinboth seine Installation betitelt. Die Aufforderung findet sich als Schriftband vor der Aussichtsterrasse. Er spielt damit auf die Symbolik Wagners an und hat erst während der Realisation ein Gedicht Hölderlins entdeckt, das sich ebenfalls dieser Symbolik bedient.

Diese und die anderen acht Projekte sind noch bis zum 6. Oktober in der Innenstadt zu entdecken. Eine letzte Führung startet am Freitag, 4. Oktober, um 17.30 Uhr am Stadttheater.

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