Leiter des Laborzentrums Weser pocht im MT-Interview auf neue Corona-Teststrategie für die nächsten Monate Sebastian Radermacher Minden. Die Zahl der nachweislich mit dem Corona-Virus Infizierten hat im Mühlenkreis zuletzt stetig zugenommen. Wie ist die Lage einzuschätzen? Und was heißt das für die bevorstehende kalte Jahreszeit? Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin, gibt einen Überblick. Das Interview wurde schriftlich geführt. Prof. Dr. Schmitz, wie schätzen Sie die aktuelle Situation am Corona-Testzentrum am Klinikum Minden ein? Dort werden weiterhin jeden Tag 350 bis 400 asymptomatische Personen getestet. Es handelt sich um Tests von Reiserückkehrern aus Risikogebieten, Lehrertestungen, Beauftragungen durch die Gesundheitsämter der Umgebung, sogenannte Firmenscreenings und Tests von Privatpersonen. Die Zahl ist seit Wochen stabil, das gilt auch für die Testzentren in Rahden, Herford und Bünde. Auch dort werden die gleichen Personengruppen getestet. Wie hoch ist der Anteil freiwilliger Tests, die die Menschen selbst bezahlen müssen? Dieser liegt bei etwa zwei Prozent bezogen auf Privatpersonen, die nicht im Rahmen von Firmenscreenings untersucht werden. Wie viele Corona-Tests haben ein positives Ergebnis? Dieser Anteil liegt bei einem bis zwei Prozent. Die Positivitätsrate steigt langsam, wie auch die korrespondierenden Zahlen des Robert-Koch-Institutes. Wie blicken Sie auf die Winterzeit? Im Corona-Testzentrum werden derzeit nur asymptomatische Patienten getestet, bei Personen mit Symptomen übernehmen das die Hausärzte. Im Herbst/Winter wird es erfahrungsgemäß eine steigende Zahl von Patienten mit Halsschmerzen, Erkältungssymptomen und eventuell Fieber geben, bei denen eine höhere Positivitätsrate zu erwarten ist und bei denen zwischen einer Grippe (Influenza), einer einfachen Erkältung, einer Corona-Infektion und anderen bakteriellen oder viralen Erregern unterschieden werden muss. Werden bald auch in den Testzentren Patienten mit Symptomen getestet? Mit den lokalen Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung wird aktuell geprüft, wie auch symptomatische Patientinnen und Patienten unter Einbeziehung von KV-Ärzten an allen vier Testzentren-Standorten abgestrichen, behandelt und diagnostiziert werden können. Aufgrund der Sicherheit in Schulen, Altenheimen, Krankenhäusern und Betrieben muss eine schnelle PCR-Diagnostik möglich sein. Beispielsweise, damit Eltern schnell wissen, woran ihr Kind leidet und wieder in die Kita oder Schule gehen kann, damit Mitarbeitende in Betrieben wissen, ob der hustende Kollege eventuell Corona hat und damit die Patienten in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern geschützt sind. Wie kann diese schnelle Diagnostik auch in Zukunft gewährleistet sein? In den nächsten Wochen soll im Corona-Testzentrum neben dem einfachen Corona-PCR-Test ein Kombi-Test auf Influenza/Corona und den sogenannten Respi-Finder angeboten werden. Mit diesem Test können 20 verschiedene Viren/Erreger parallel in einem PCR-Ansatz getestet werden. Mit dem neuen Test wird die Möglichkeit geschaffen, einerseits Corona auszuschließen und andererseits das Virus beziehungsweise den Erreger zu bestimmen, der den Patienten tatsächlich krank macht. Können Sie die Testkapazitäten weiter erhöhen? Rein technisch verfügt das Labor der Mühlenkreiskliniken über eine Kapazität von mehr als 10.000 Tests pro Tag, von denen derzeit täglich etwa 2.500 bis 3.000 abgerufen werden, so dass freie Valenzen für Nachbarkreise im Rahmen der Pandemiebekämpfung angeboten werden. In den vergangenen Monaten sind alle klinischen Proben, die am Tag bis 24 Uhr im Labor eingegangen sind, immer und nachvollziehbar am nächsten Morgen um 8 Uhr analysiert gewesen. Das Labor ist damit ein Garant für sehr schnelle PCR-Befunde im Mühlenkreis und in den Nachbarkreisen.

Leiter des Laborzentrums Weser pocht im MT-Interview auf neue Corona-Teststrategie für die nächsten Monate

Franz-Josef Schmitz leitet das Laborzentrum Weser. Foto: privat © privat

Minden. Die Zahl der nachweislich mit dem Corona-Virus Infizierten hat im Mühlenkreis zuletzt stetig zugenommen. Wie ist die Lage einzuschätzen? Und was heißt das für die bevorstehende kalte Jahreszeit? Professor Dr. Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Umweltmedizin und Transfusionsmedizin, gibt einen Überblick. Das Interview wurde schriftlich geführt.

Prof. Dr. Schmitz, wie schätzen Sie die aktuelle Situation am Corona-Testzentrum am Klinikum Minden ein?

Dort werden weiterhin jeden Tag 350 bis 400 asymptomatische Personen getestet. Es handelt sich um Tests von Reiserückkehrern aus Risikogebieten, Lehrertestungen, Beauftragungen durch die Gesundheitsämter der Umgebung, sogenannte Firmenscreenings und Tests von Privatpersonen. Die Zahl ist seit Wochen stabil, das gilt auch für die Testzentren in Rahden, Herford und Bünde. Auch dort werden die gleichen Personengruppen getestet.

Wie hoch ist der Anteil freiwilliger Tests, die die Menschen selbst bezahlen müssen?

Dieser liegt bei etwa zwei Prozent bezogen auf Privatpersonen, die nicht im Rahmen von Firmenscreenings untersucht werden.

Wie viele Corona-Tests haben ein positives Ergebnis?

Dieser Anteil liegt bei einem bis zwei Prozent. Die Positivitätsrate steigt langsam, wie auch die korrespondierenden Zahlen des Robert-Koch-Institutes.

Wie blicken Sie auf die Winterzeit?

Im Corona-Testzentrum werden derzeit nur asymptomatische Patienten getestet, bei Personen mit Symptomen übernehmen das die Hausärzte. Im Herbst/Winter wird es erfahrungsgemäß eine steigende Zahl von Patienten mit Halsschmerzen, Erkältungssymptomen und eventuell Fieber geben, bei denen eine höhere Positivitätsrate zu erwarten ist und bei denen zwischen einer Grippe (Influenza), einer einfachen Erkältung, einer Corona-Infektion und anderen bakteriellen oder viralen Erregern unterschieden werden muss.

Werden bald auch in den Testzentren Patienten mit Symptomen getestet?

Mit den lokalen Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung wird aktuell geprüft, wie auch symptomatische Patientinnen und Patienten unter Einbeziehung von KV-Ärzten an allen vier Testzentren-Standorten abgestrichen, behandelt und diagnostiziert werden können. Aufgrund der Sicherheit in Schulen, Altenheimen, Krankenhäusern und Betrieben muss eine schnelle PCR-Diagnostik möglich sein. Beispielsweise, damit Eltern schnell wissen, woran ihr Kind leidet und wieder in die Kita oder Schule gehen kann, damit Mitarbeitende in Betrieben wissen, ob der hustende Kollege eventuell Corona hat und damit die Patienten in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern geschützt sind.

Wie kann diese schnelle Diagnostik auch in Zukunft gewährleistet sein?

In den nächsten Wochen soll im Corona-Testzentrum neben dem einfachen Corona-PCR-Test ein Kombi-Test auf Influenza/Corona und den sogenannten Respi-Finder angeboten werden. Mit diesem Test können 20 verschiedene Viren/Erreger parallel in einem PCR-Ansatz getestet werden. Mit dem neuen Test wird die Möglichkeit geschaffen, einerseits Corona auszuschließen und andererseits das Virus beziehungsweise den Erreger zu bestimmen, der den Patienten tatsächlich krank macht.

Können Sie die Testkapazitäten weiter erhöhen?

Rein technisch verfügt das Labor der Mühlenkreiskliniken über eine Kapazität von mehr als 10.000 Tests pro Tag, von denen derzeit täglich etwa 2.500 bis 3.000 abgerufen werden, so dass freie Valenzen für Nachbarkreise im Rahmen der Pandemiebekämpfung angeboten werden. In den vergangenen Monaten sind alle klinischen Proben, die am Tag bis 24 Uhr im Labor eingegangen sind, immer und nachvollziehbar am nächsten Morgen um 8 Uhr analysiert gewesen. Das Labor ist damit ein Garant für sehr schnelle PCR-Befunde im Mühlenkreis und in den Nachbarkreisen.

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