Viele Ideen, nichts Konkretes: Wie geht es weiter mit der Bahnhofskaserne? Sebastian Radermacher Minden. Am 8. Dezember 2016 erhielt die Bahnhofskaserne Minden im Rechten Weserufer eine neue Perspektive. Frank Kögel gab bei einer Zwangsversteigerung vor dem Mindener Amtsgericht mit 361.000 Euro das höchste Gebot ab. Er setzte sich damit gegen zwei weitere Bieter durch und erwarb das Objekt für die Kögel Immobilien GmbH aus Bad Oeynhausen. Seitdem ist es ruhig geworden um das seit Jahren leerstehende Gebäude. Wann wird sich daran etwas ändern? Der neue Eigentümer hat viele Ideen für den 1869 errichteten Komplex an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße/Kasernenstraße, wie er im MT-Gespräch verdeutlicht. Konkrete Pläne gebe es bislang allerdings noch nicht. „Die Bahnhofskaserne hängt insgesamt natürlich mit der Entwicklung des Rechten Weserufers zusammen", sagt Kögel. Und bei Letzterem gebe es noch viele Fragezeichen, bedauert er. Das Unternehmen Kögel habe noch andere wichtige Projekte vor der Brust, weshalb es kein Muss zur zeitnahen Entwicklung der Kaserne gebe, erklärt der Geschäftsführer. Er macht aber auch deutlich: „Natürlich würden uns freuen, wenn es bald vorangeht und das Rechte Weserufer aufgewertet wird." Zum Hintergrund: Das Quartier rechts der Weser – zwischen Mittellandkanal, Bahnhof und Kanzlers Weide – hat seit Jahren ein Schmuddel-Image. Dabei ist es äußerst vielfältig und bietet ein großes Entwicklungspotenzial – da sind sich alle Experten einig. Nach zwei verworfenen Anläufen 2002 und 2011 hat die Stadt Minden vor vier Jahren einen weiteren Anlauf gestartet, den Bezirk aufzuwerten und langfristig wieder zu einem attraktiven Stadtteil zu machen. In einem Konzept sind Schwerpunkte festgelegt, die angegangen werden sollen – zum Beispiel Wohnen und Leben, Wirtschaft, Erreichbarkeit und Mobilität oder Freizeit und Erholung. Investitionen von fast 100 Millionen Euro stehen auf der Ideenliste. Auch die Bahnhofskaserne spielt dabei eine Rolle. Der viergeschossige Bau verfügt über 9.749 Quadratmeter Nutzfläche, die Gestaltung ist vielseitig möglich. „Ein tolles Gebäude mit einer wunderschönen historischen Bausubstanz", findet Frank Kögel: „Die Kaserne hat großes Potenzial." Nach dem Kauf musste der neue Eigentümer viele Dinge erledigen, die nichts mit der künftigen Nutzung zu tun hatten. Aufräumen statt gestalten – so lautete das Motto. Denn bei einem Dachstuhlbrand im August 2015 hatte das Gebäude großen Schaden genommen (siehe Text unten), es war teilweise einsturzgefährdet und musste mit Bauzäunen gesichert werden. Außerdem hatte es zuvor mehrere Fälle von Vandalismus gegeben, das leerstehende Gebäude und der Innenhof waren zugemüllt und zugewuchert. Es sei sehr viel Arbeit gewesen, bis alle Brandschäden und Altlasten entfernt, der Unrat beseitigt und die Kaserne wieder abgedichtet worden sei, berichtet Kögel rückblickend. Anschließend sei der gesamte Gebäudekomplex vermessen und in einem 3D-Gutachten digital erfasst worden, als Grundlage für die künftige Planung. Ideen, was aus der Kaserne in den nächsten Jahren werden soll, hat Kögel viele. Möglich wären Studentenwohnungen, altersgerechtes Wohnen, aber auch Arztpraxen, Loft-Büroräume oder Gastronomie im Erdgeschoss, zählt er auf. Und es gebe Interessenten, die gerne ein Hotel eröffnen würden, diese hätten schon mehrfach nachgefragt, berichtet Kögel. Eine Entscheidung, in welche Richtung es künftig geht, sei aber noch nicht gefallen. Und es gibt dafür auch keinen genauen Zeitplan. Das sei aber bereits beim Kauf Ende 2016 klar gewesen. Er habe das Objekt ohne einen konkreten Plan erworben. Und für die künftige Gestaltung sei er weiterhin flexibel: „Wir können unsere Planung darauf abstimmen, um einen Mehrwert für das gesamte Gebiet zu schaffen." Kögel hat aber auch festgestellt, dass die Entwicklung des Stadtteils irgendwie nicht richtig in Fahrt kommt, nach dem Motto „Jeder schaut erst mal auf den anderen und keiner macht etwas". Die seit Jahren zur Diskussion stehende Multifunktionsarena würde der Aufwertung des Quartiers laut Kögel definitiv gut tun. Aber: „Selbst, wenn die Halle nicht kommt, wäre das nicht schlimm", meint er. Es gebe viele andere Möglichkeiten, den Stadtteil attraktiver zu machen. Verständlich Ein Kommentar von Sebastian Radermacher Die Bahnhofskaserne ist ein kleines, aber wichtiges Puzzleteil bei der Entwicklung des Quartiers rechts der Weser. Die Ideen des Eigentümers klingen vielversprechend, ebenso das Gesamtkonzept, das es mittlerweile aber auch schon wieder seit vier (!) Jahren gibt – ohne konkrete Pläne. Bislang warten Investoren ab und schielen auf die Nebenleute und deren Ideen. Das ist verständlich, niemand möchte vorpreschen und am Ende passt sein Projekt gar nicht ins Gesamtbild des künftigen Stadtteils. Doch so ein Spiel auf Zeit kann auch nach hinten losgehen – schlimmstenfalls vegetiert der Stadtteil nämlich weitere 15 Jahre vor sich hin. Das wäre fatal. Es sollte also bald jemand den Anfang machen, das könnte dem gesamten Projekt einen Schub verleihen. Die Stadt Minden ist jetzt besonders gefordert, dass es im Quartier endlich vorangeht.

Viele Ideen, nichts Konkretes: Wie geht es weiter mit der Bahnhofskaserne?

Minden. Am 8. Dezember 2016 erhielt die Bahnhofskaserne Minden im Rechten Weserufer eine neue Perspektive. Frank Kögel gab bei einer Zwangsversteigerung vor dem Mindener Amtsgericht mit 361.000 Euro das höchste Gebot ab. Er setzte sich damit gegen zwei weitere Bieter durch und erwarb das Objekt für die Kögel Immobilien GmbH aus Bad Oeynhausen.

Leerstand: Das Unternehmen Kögel aus Bad Oeynhausen hat die Bahnhofskaserne Ende 2016 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Über die künftige Nutzung ist noch nichts entschieden. MT- - © Foto: Alex Lehn
Leerstand: Das Unternehmen Kögel aus Bad Oeynhausen hat die Bahnhofskaserne Ende 2016 bei einer Zwangsversteigerung erworben. Über die künftige Nutzung ist noch nichts entschieden. MT- - © Foto: Alex Lehn

Seitdem ist es ruhig geworden um das seit Jahren leerstehende Gebäude. Wann wird sich daran etwas ändern? Der neue Eigentümer hat viele Ideen für den 1869 errichteten Komplex an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße/Kasernenstraße, wie er im MT-Gespräch verdeutlicht. Konkrete Pläne gebe es bislang allerdings noch nicht. „Die Bahnhofskaserne hängt insgesamt natürlich mit der Entwicklung des Rechten Weserufers zusammen", sagt Kögel. Und bei Letzterem gebe es noch viele Fragezeichen, bedauert er. Das Unternehmen Kögel habe noch andere wichtige Projekte vor der Brust, weshalb es kein Muss zur zeitnahen Entwicklung der Kaserne gebe, erklärt der Geschäftsführer. Er macht aber auch deutlich: „Natürlich würden uns freuen, wenn es bald vorangeht und das Rechte Weserufer aufgewertet wird."

Karte: MT
Karte: MT

Zum Hintergrund: Das Quartier rechts der Weser – zwischen Mittellandkanal, Bahnhof und Kanzlers Weide – hat seit Jahren ein Schmuddel-Image. Dabei ist es äußerst vielfältig und bietet ein großes Entwicklungspotenzial – da sind sich alle Experten einig. Nach zwei verworfenen Anläufen 2002 und 2011 hat die Stadt Minden vor vier Jahren einen weiteren Anlauf gestartet, den Bezirk aufzuwerten und langfristig wieder zu einem attraktiven Stadtteil zu machen. In einem Konzept sind Schwerpunkte festgelegt, die angegangen werden sollen – zum Beispiel Wohnen und Leben, Wirtschaft, Erreichbarkeit und Mobilität oder Freizeit und Erholung. Investitionen von fast 100 Millionen Euro stehen auf der Ideenliste. Auch die Bahnhofskaserne spielt dabei eine Rolle.

Der viergeschossige Bau verfügt über 9.749 Quadratmeter Nutzfläche, die Gestaltung ist vielseitig möglich. „Ein tolles Gebäude mit einer wunderschönen historischen Bausubstanz", findet Frank Kögel: „Die Kaserne hat großes Potenzial." Nach dem Kauf musste der neue Eigentümer viele Dinge erledigen, die nichts mit der künftigen Nutzung zu tun hatten. Aufräumen statt gestalten – so lautete das Motto. Denn bei einem Dachstuhlbrand im August 2015 hatte das Gebäude großen Schaden genommen (siehe Text unten), es war teilweise einsturzgefährdet und musste mit Bauzäunen gesichert werden. Außerdem hatte es zuvor mehrere Fälle von Vandalismus gegeben, das leerstehende Gebäude und der Innenhof waren zugemüllt und zugewuchert. Es sei sehr viel Arbeit gewesen, bis alle Brandschäden und Altlasten entfernt, der Unrat beseitigt und die Kaserne wieder abgedichtet worden sei, berichtet Kögel rückblickend.

Anschließend sei der gesamte Gebäudekomplex vermessen und in einem 3D-Gutachten digital erfasst worden, als Grundlage für die künftige Planung. Ideen, was aus der Kaserne in den nächsten Jahren werden soll, hat Kögel viele. Möglich wären Studentenwohnungen, altersgerechtes Wohnen, aber auch Arztpraxen, Loft-Büroräume oder Gastronomie im Erdgeschoss, zählt er auf. Und es gebe Interessenten, die gerne ein Hotel eröffnen würden, diese hätten schon mehrfach nachgefragt, berichtet Kögel. Eine Entscheidung, in welche Richtung es künftig geht, sei aber noch nicht gefallen. Und es gibt dafür auch keinen genauen Zeitplan. Das sei aber bereits beim Kauf Ende 2016 klar gewesen. Er habe das Objekt ohne einen konkreten Plan erworben. Und für die künftige Gestaltung sei er weiterhin flexibel: „Wir können unsere Planung darauf abstimmen, um einen Mehrwert für das gesamte Gebiet zu schaffen." Kögel hat aber auch festgestellt, dass die Entwicklung des Stadtteils irgendwie nicht richtig in Fahrt kommt, nach dem Motto „Jeder schaut erst mal auf den anderen und keiner macht etwas".

Die seit Jahren zur Diskussion stehende Multifunktionsarena würde der Aufwertung des Quartiers laut Kögel definitiv gut tun. Aber: „Selbst, wenn die Halle nicht kommt, wäre das nicht schlimm", meint er. Es gebe viele andere Möglichkeiten, den Stadtteil attraktiver zu machen.

Verständlich

Ein Kommentar von Sebastian Radermacher

Die Bahnhofskaserne ist ein kleines, aber wichtiges Puzzleteil bei der Entwicklung des Quartiers rechts der Weser. Die Ideen des Eigentümers klingen vielversprechend, ebenso das Gesamtkonzept, das es mittlerweile aber auch schon wieder seit vier (!) Jahren gibt – ohne konkrete Pläne. Bislang warten Investoren ab und schielen auf die Nebenleute und deren Ideen. Das ist verständlich, niemand möchte vorpreschen und am Ende passt sein Projekt gar nicht ins Gesamtbild des künftigen Stadtteils. Doch so ein Spiel auf Zeit kann auch nach hinten losgehen – schlimmstenfalls vegetiert der Stadtteil nämlich weitere 15 Jahre vor sich hin. Das wäre fatal. Es sollte also bald jemand den Anfang machen, das könnte dem gesamten Projekt einen Schub verleihen. Die Stadt Minden ist jetzt besonders gefordert, dass es im Quartier endlich vorangeht.

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