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Lebenshilfe baut Wohneinheiten für junge Menschen mit Behinderungen Minden (mt/och). Mit dem Spatenstich hat die Lebenshilfe den Bau eines neuen barrierefreien Haus an der Schillerstraße 75 gestartet. Bereits Ostern soll das Objekt bezogen werden. Dort sollen fünf kleine Apartments und drei Wohnungen für Einzelpersonen im Obergeschoss für junge Menschen mit Behinderungen entstehen, die bei ihren Eltern ausziehen, um künftig auf eigenen Füßen zu stehen. Es sei ein schwieriger Weg gewesen, seit der Lebenshilfe das Grundstück 2018 angeboten wurde, berichtet Jochen Rogmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Bis zur jetzigen Lösung seien zwei Bauanträge gestellt worden, zunächst war ein Nachbargrundstück geplant. Durch die lange Planungszeit sei alles teurer geworden, das sei „eine kleine Katastrophe“. Stadt und Land würden zu wenig Engagement zeigen Mit Hilfe des Kreises Minden-Lübbecke sei bei der NRW-Bank Sozialer Wohnungsbau ein Antrag gestellt worden, der der Lebenshilfe einen Tilgungsnachlass von 200.000 Euro gebracht habe. Von der Aktion Mensch sei schließlich ein Zuschuss von 300.000 Euro zugesagt worden und von der Stiftung Wohnhilfe NRW 150.000 Euro. Trotzdem fehlten für die Fertigstellung des Gebäudes noch immer 350.000 Euro, die über einen Kredit finanziert werden. „Wir werden weiter betteln müssen, um neue Projekte bezahlen zu können“, sagt Rogmann. Er fragt, warum Stadt und Land so wenig Engagement zeigen würden, um vor Ort sozialen und barrierefreien Wohnraum zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass Selbsthilfeorganisationen diese finanziellen Risiken als Investoren eingehen müssen. Wohnen ist Daseinsfürsorge und da dürfen Stadt und Land sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Für die Lebenshilfe sei klar, dass ihre Mieter nur eine Sozialmiete zahlen könnten. „Menschen mit Behinderung müssen auf dem Niveau der Armen leben, ein gutes Einkommen kann aufgrund der Erwerbsminderung nicht erzielt werden. Ein mögliches Vermögen, durch Erbschaft oder Schenkung, ist einzusetzen“, erläutert Rogmann. Kind soll eigenen Bereich haben In der Schillerstraße 75 errichtet die Firma Plenge & Plenge fünf kleine Apartments im Erdgeschoss mit jeweils eigenem Bad und Minikochgelegenheit mit Kühlschrank und einem großen Gemeinschaftsbereich zum Wohnen und Kochen. Im Obergeschoss sind drei Wohnungen für Einzelpersonen geplant. Für Eltern behinderter Kinder sei die brennende Frage: Wo kann mein Kind später wohnen? Dazu biete die Lebenshilfe seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen und Elternabende. Inzwischen habe die Lebenshilfe einen Fachdienst Wohnen, in dem seit mehr als einem Jahr Hilke Droste Beratung, Orientierung, Schulung und Wohnungsvermittlung für Familien bietet. Der Bedarf werde häufig so formuliert: Das Kind soll einen eigenen Bereich haben, ein eigenes Bad, aber auch die Möglichkeit der Gemeinschaft. Aber individueller als in einer gemeinschaftlichen Wohnstätte solle es doch sein. Bei wenigen Bewohnern sei aber eine ständige Nachtwache nicht zu realisieren. Es sei schwierig, alle Bedürfnisse in einer „Wohnform“ zu organisieren. „Am Ende ist unser aktueller Neubau eine Antwort auf diese Fragen“, sagt Rogmann.
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Lebenshilfe baut Wohneinheiten für junge Menschen mit Behinderungen

Die Lebenshilfe freut sich auf das barrierefreie Haus, das in der Schillerstraße entsteht. © pr

Minden (mt/och). Mit dem Spatenstich hat die Lebenshilfe den Bau eines neuen barrierefreien Haus an der Schillerstraße 75 gestartet. Bereits Ostern soll das Objekt bezogen werden. Dort sollen fünf kleine Apartments und drei Wohnungen für Einzelpersonen im Obergeschoss für junge Menschen mit Behinderungen entstehen, die bei ihren Eltern ausziehen, um künftig auf eigenen Füßen zu stehen.

Es sei ein schwieriger Weg gewesen, seit der Lebenshilfe das Grundstück 2018 angeboten wurde, berichtet Jochen Rogmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Bis zur jetzigen Lösung seien zwei Bauanträge gestellt worden, zunächst war ein Nachbargrundstück geplant. Durch die lange Planungszeit sei alles teurer geworden, das sei „eine kleine Katastrophe“.

Stadt und Land würden zu wenig Engagement zeigen

Mit Hilfe des Kreises Minden-Lübbecke sei bei der NRW-Bank Sozialer Wohnungsbau ein Antrag gestellt worden, der der Lebenshilfe einen Tilgungsnachlass von 200.000 Euro gebracht habe. Von der Aktion Mensch sei schließlich ein Zuschuss von 300.000 Euro zugesagt worden und von der Stiftung Wohnhilfe NRW 150.000 Euro. Trotzdem fehlten für die Fertigstellung des Gebäudes noch immer 350.000 Euro, die über einen Kredit finanziert werden. „Wir werden weiter betteln müssen, um neue Projekte bezahlen zu können“, sagt Rogmann. Er fragt, warum Stadt und Land so wenig Engagement zeigen würden, um vor Ort sozialen und barrierefreien Wohnraum zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass Selbsthilfeorganisationen diese finanziellen Risiken als Investoren eingehen müssen. Wohnen ist Daseinsfürsorge und da dürfen Stadt und Land sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

Benjamin Piel

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Jeden Donnerstag von unserem Chefredakteur Benjamin Piel

Für die Lebenshilfe sei klar, dass ihre Mieter nur eine Sozialmiete zahlen könnten. „Menschen mit Behinderung müssen auf dem Niveau der Armen leben, ein gutes Einkommen kann aufgrund der Erwerbsminderung nicht erzielt werden. Ein mögliches Vermögen, durch Erbschaft oder Schenkung, ist einzusetzen“, erläutert Rogmann.

Kind soll eigenen Bereich haben

In der Schillerstraße 75 errichtet die Firma Plenge & Plenge fünf kleine Apartments im Erdgeschoss mit jeweils eigenem Bad und Minikochgelegenheit mit Kühlschrank und einem großen Gemeinschaftsbereich zum Wohnen und Kochen. Im Obergeschoss sind drei Wohnungen für Einzelpersonen geplant.

Für Eltern behinderter Kinder sei die brennende Frage: Wo kann mein Kind später wohnen? Dazu biete die Lebenshilfe seit vielen Jahren Informationsveranstaltungen und Elternabende. Inzwischen habe die Lebenshilfe einen Fachdienst Wohnen, in dem seit mehr als einem Jahr Hilke Droste Beratung, Orientierung, Schulung und Wohnungsvermittlung für Familien bietet. Der Bedarf werde häufig so formuliert: Das Kind soll einen eigenen Bereich haben, ein eigenes Bad, aber auch die Möglichkeit der Gemeinschaft. Aber individueller als in einer gemeinschaftlichen Wohnstätte solle es doch sein. Bei wenigen Bewohnern sei aber eine ständige Nachtwache nicht zu realisieren. Es sei schwierig, alle Bedürfnisse in einer „Wohnform“ zu organisieren. „Am Ende ist unser aktueller Neubau eine Antwort auf diese Fragen“, sagt Rogmann.

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