Leben mit dem Tod: Miriam Püschel ist neue Leiterin des Pflegedienstes im Hospiz Christine Riechmann Minden. Der Tod hat seinen Schrecken verloren. „Das ist kein Moment, der mir Angst macht“, sagt Miriam Püschel. Die 41-Jährige hat fast ihr gesamtes Berufsleben in der Hospizpflege gearbeitet. „Das Sterben an sich ist über die Jahre für mich normal geworden“, beschreibt sie, was ihr Beruf mit ihr gemacht hat. Und so solle es auch sein, das sei das, was Hospiz wolle. „Der Tod gehört zum Leben dazu.“ Miriam Püschel ist die neue Pflegedienstleitung im Mindener Hospiz „Volker Pardey Haus“, einer Einrichtung der Parisozial Minden-Lübbecke/Herford und der Diakonie Stiftung Salem. Wobei „neu“ nur die leitende Funktion ist. Bereits seit der Eröffnung des Hospiz im Jahr 2019 ist Miriam Püschel stellvertretende Pflegedienstleiterin. Sie kennt das Haus, in dem zwölf Gäste ihren letzten Lebensabschnitt verbringen können, von Anfang an. Begonnen hat Miriam Püschel ihren beruflichen Werdegang mit einem Sozialen Jahr in Bethel. Im Anschluss folgte die Krankenschwesterausbildung in Marburg. Eine Zeit lang hat sie dann in der Ambulanten Pflege gearbeitet und nebenher Biologie studiert. Als feststand, dass sie in der Pflege bleiben möchte, begann sie in einem Hospiz in Osnabrück als Krankenschwester zu arbeiten und absolvierte berufsbegleitend ein Pflegemanagementstudium. Als Bachelorarbeit entwickelte Miriam Püschel ein Pflegemodell für die Hospizarbeit, das mittlerweile bundesweit in die Praxis überführt wird und auf dessen Grundlage Schulungen, Workshops und Seminare durchgeführt werden. Zuletzt war sie als Krankenschwester im Hospiz in Osnabrück auch für das Qualitätsmanagement zuständig. „Mir macht es Spaß über die Grenzen der einzelnen Einrichtungen zu schauen und gemeinsam mit anderen an der hospizlichen Sache zu arbeiten“, beschreibt sie ihre Motivation. Zu ihren Aufgaben im Volker Pardey Haus gehört es, den Tagesablauf personell, strukturell und organisatorisch zu gestalten. „Das ist sehr komplex.“ So gehört die Koordination der Krankheitsvertretungen genauso dazu, wie die Anschaffung von medizinischen Hilfsmitteln oder die Organisation von Aufnahmen neuer Gäste. „Ich sorge gemeinsam mit der Hospizleitung und dem interdisziplinären Team dafür, dass der Laden läuft“, sagt Miriam Püschel mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Wichtig ist der ausgebildeten Krankenschwester dabei, dass sie auch weiterhin in der Pflege mitarbeitet. „Ich möchte den Kontakt zu den Pflegenden nicht verlieren und außerdem wissen, wie groß die Teambelastung ist.“ Wichtig bei der täglichen Arbeit sei die absolute Orientierung an den Gästen. „Deren Wunsch und Willen stellen wir in den Mittelpunkt unseres Handelns“, berichtet die Pflegedienstleiterin. Es ginge dabei darum, die Symptomlast der zu Pflegenden so gering wie möglich zu halten, damit diese Menschen ihre letzten Lebenstage noch mit den Dingen verbringen können, die für sie wichtig sind. Im Schnitt blieben die Gäste zwischen 16 und 25 Tage im Hospiz. „Und die große Mehrheit stirbt bei uns“, erzählt Miriam Püschel von dem, was ihren Alltag bestimmt. Tagtäglich mit dem Tod konfrontiert zu sein, führe einen zurück zu den großen Fragen des Lebens. „Was ist wirklich wichtig? Man beginnt, sein eigenes Leben anders zu reflektieren“, beschreibt die Krankenschwester. Zufrieden mache sie, wenn die Menschen so gehen können, wie sie es wollten. Etwas, dass sie in all den Jahren gelernt hat ist, dass es möglich ist, dass Menschen selbstbestimmt sterben. „Das ist gut und das kann funktionieren.“ Damit gebe man ihnen ihre Würde zurück. Es ginge darum, herauszufinden, ob die Menschen noch essen oder ob sie den Verband noch wechsel wollen. „Ihrem Willen muss entsprochen werden“, erklärt die Pflegedienstleiterin. „Wir begegnen uns hier von Mensch zu Mensch und wollen mit unseren Gästen in eine Beziehung treten.“ Viel Zeit, sie kennen zu lernen und herauszufinden, was ihnen gut tut, hätten sie in der Regel nämlich nicht. Aber es sind gerade die Herausforderungen, die Miriam Püschel an ihrem Job liebt. Es gefalle ihr, dass kein Tag wie der andere sei und jeder Mensch individuell in der Begleitung. „Ich möchte immer die beste Lebensqualität für jeden einzelnen Gast herausholen.“ Die Energie dafür zieht die in Osnabrück und Minden lebende verheiratete 41-Jährige aus ihrem großen Garten, Touren mit dem Fahrrad und beim Musizieren in einer japanischen Trommelgruppe. Für die Zukunft wünscht sich Miriam Püschel mit ihrer Arbeit alt zu werden. „Ich bin Hospizlerin mit Leib und Seele.“

Leben mit dem Tod: Miriam Püschel ist neue Leiterin des Pflegedienstes im Hospiz

Miriam Püschel ist die neue Pflegedienstleiterin im Hospiz Minden. MT-Foto: Christine Riechmann © Christine Riechmann

Minden. Der Tod hat seinen Schrecken verloren. „Das ist kein Moment, der mir Angst macht“, sagt Miriam Püschel. Die 41-Jährige hat fast ihr gesamtes Berufsleben in der Hospizpflege gearbeitet. „Das Sterben an sich ist über die Jahre für mich normal geworden“, beschreibt sie, was ihr Beruf mit ihr gemacht hat. Und so solle es auch sein, das sei das, was Hospiz wolle. „Der Tod gehört zum Leben dazu.“

Miriam Püschel ist die neue Pflegedienstleitung im Mindener Hospiz „Volker Pardey Haus“, einer Einrichtung der Parisozial Minden-Lübbecke/Herford und der Diakonie Stiftung Salem. Wobei „neu“ nur die leitende Funktion ist. Bereits seit der Eröffnung des Hospiz im Jahr 2019 ist Miriam Püschel stellvertretende Pflegedienstleiterin. Sie kennt das Haus, in dem zwölf Gäste ihren letzten Lebensabschnitt verbringen können, von Anfang an.

Begonnen hat Miriam Püschel ihren beruflichen Werdegang mit einem Sozialen Jahr in Bethel. Im Anschluss folgte die Krankenschwesterausbildung in Marburg. Eine Zeit lang hat sie dann in der Ambulanten Pflege gearbeitet und nebenher Biologie studiert. Als feststand, dass sie in der Pflege bleiben möchte, begann sie in einem Hospiz in Osnabrück als Krankenschwester zu arbeiten und absolvierte berufsbegleitend ein Pflegemanagementstudium. Als Bachelorarbeit entwickelte Miriam Püschel ein Pflegemodell für die Hospizarbeit, das mittlerweile bundesweit in die Praxis überführt wird und auf dessen Grundlage Schulungen, Workshops und Seminare durchgeführt werden.


Zuletzt war sie als Krankenschwester im Hospiz in Osnabrück auch für das Qualitätsmanagement zuständig. „Mir macht es Spaß über die Grenzen der einzelnen Einrichtungen zu schauen und gemeinsam mit anderen an der hospizlichen Sache zu arbeiten“, beschreibt sie ihre Motivation.

Zu ihren Aufgaben im Volker Pardey Haus gehört es, den Tagesablauf personell, strukturell und organisatorisch zu gestalten. „Das ist sehr komplex.“ So gehört die Koordination der Krankheitsvertretungen genauso dazu, wie die Anschaffung von medizinischen Hilfsmitteln oder die Organisation von Aufnahmen neuer Gäste. „Ich sorge gemeinsam mit der Hospizleitung und dem interdisziplinären Team dafür, dass der Laden läuft“, sagt Miriam Püschel mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Wichtig ist der ausgebildeten Krankenschwester dabei, dass sie auch weiterhin in der Pflege mitarbeitet. „Ich möchte den Kontakt zu den Pflegenden nicht verlieren und außerdem wissen, wie groß die Teambelastung ist.“

Wichtig bei der täglichen Arbeit sei die absolute Orientierung an den Gästen. „Deren Wunsch und Willen stellen wir in den Mittelpunkt unseres Handelns“, berichtet die Pflegedienstleiterin. Es ginge dabei darum, die Symptomlast der zu Pflegenden so gering wie möglich zu halten, damit diese Menschen ihre letzten Lebenstage noch mit den Dingen verbringen können, die für sie wichtig sind. Im Schnitt blieben die Gäste zwischen 16 und 25 Tage im Hospiz. „Und die große Mehrheit stirbt bei uns“, erzählt Miriam Püschel von dem, was ihren Alltag bestimmt. Tagtäglich mit dem Tod konfrontiert zu sein, führe einen zurück zu den großen Fragen des Lebens. „Was ist wirklich wichtig? Man beginnt, sein eigenes Leben anders zu reflektieren“, beschreibt die Krankenschwester.

Zufrieden mache sie, wenn die Menschen so gehen können, wie sie es wollten. Etwas, dass sie in all den Jahren gelernt hat ist, dass es möglich ist, dass Menschen selbstbestimmt sterben. „Das ist gut und das kann funktionieren.“ Damit gebe man ihnen ihre Würde zurück. Es ginge darum, herauszufinden, ob die Menschen noch essen oder ob sie den Verband noch wechsel wollen. „Ihrem Willen muss entsprochen werden“, erklärt die Pflegedienstleiterin. „Wir begegnen uns hier von Mensch zu Mensch und wollen mit unseren Gästen in eine Beziehung treten.“ Viel Zeit, sie kennen zu lernen und herauszufinden, was ihnen gut tut, hätten sie in der Regel nämlich nicht.

Aber es sind gerade die Herausforderungen, die Miriam Püschel an ihrem Job liebt. Es gefalle ihr, dass kein Tag wie der andere sei und jeder Mensch individuell in der Begleitung. „Ich möchte immer die beste Lebensqualität für jeden einzelnen Gast herausholen.“

Die Energie dafür zieht die in Osnabrück und Minden lebende verheiratete 41-Jährige aus ihrem großen Garten, Touren mit dem Fahrrad und beim Musizieren in einer japanischen Trommelgruppe.

Für die Zukunft wünscht sich Miriam Püschel mit ihrer Arbeit alt zu werden. „Ich bin Hospizlerin mit Leib und Seele.“

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