Landratswahl: Erste Frau an der Spitze des Kreises Henning Wandel Minden. Anna Bölling geht mit einem großen Vertrauensvorschuss an ihre neue Aufgabe als Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke. In der Stichwahl liegt die CDU-Kandidatin mit 63,7 Prozent der abgegebenen Stimmen deutlich vor Ingo Ellerkamp von der SPD. Er kommt auf 36,3 Prozent. Damit ist Bölling die erste Frau an der Spitze der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke. Die Wahlbeteiligung liegt kreisweit bei 35,5 Prozent und damit deutlich über dem Wert der vergangenen Stichwahl (24,6 Prozent). Anna Bölling zeigte sich gegenüber dem MT glücklich: „Ich freue mich unendlich über das Vertrauen der Wähler", sagt sie. Der Erfolg sei auch das Ergebnis einer starken Teamleistung. Sie habe den gesamten Wahlkampf über ein positives Gefühl gehabt. In der kommenden Woche nimmt sich die künftige Landrätin zunächst eine kurze Auszeit, bevor die Vorbereitungen auf die Amtsübernahme zum 1. November beginnen. Der unterlegene SPD-Kandidat Ingo Ellerkamp ist am Abend enttäuscht, aber gefasst. Es sei klar gewesen, dass eine Aufholjagd nötig gewesen wäre, sagt er, „die ist uns leider nicht gelungen." Die Niederlage habe sich aber schon in den vergangenen beiden Wochen angedeutet. Er wünsche Bölling persönlich alles gute „und eine glückliche Hand für den Kreis", sagt Ellerkamp, der morgen auf seinen Posten als Lübbecker Baudezernent zurückkehrt. Von der politischen Bühne wird er aber vorerst verschwinden, da der ehemalige Petershagener SPD-Fraktionsvorsitzende auf eine parallele Kandidatur für den Rat verzichtet hat: „Ich wollte mit aller Kraft Landrat werden." Für die SPD ist das Ergebnis der Stichwahl eine herbe Enttäuschung. Schon nach dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen war der Abstand zur CDU-Kandidatin mit rund 15 Prozentpunkten größer als erwartet. Der SPD-Kreisvorsitzende Michael Buhre hatte nach der Wahl am 13. September die Kampagnenfähigkeit seiner Partei infrage gestellt. Es gebe einen ganzen Strauß von Gründen, sagt Buhre jetzt, betont aber nach wie vor, dass die SPD einen guten Kandidaten ins Rennen geschickt habe. Mit Anna Bölling habe die CDU breite Wählerschichten angesprochen, sagt Buhre – „und das Verhältnis zwischen Landrat und SPD hat sicher auch nicht geholfen." Der Kreisvorstand wolle sich jetzt zusammensetzen und beraten. „Als Vorsitzender trage ich dabei eine besondere Verantwortung", sagt Buhre. Politisch wolle sich die SPD im Kreistag nicht verschließen. Es sei wichtig, gute Politik für den Kreis zu machen „und wenn wir dazu beitragen können, werden wir das tun", so Buhre. Die CDU auf der anderen Seite sieht ihren Wählerauftrag aus der Kreistagswahl bestätigt. Es gebe auf Kreisebene eine Fülle von Themen abzuarbeiten, sagt der Kreisvorsitzende Dr. Oliver Vogt und nennt exemplarisch die Mühlenkreiskliniken, den ÖPNV und die Kampa-Halle. Seine Partei werden diesen Auftrag gemeinsam mit der Landrätin angehen. Dazu werde es auch Gespräche mit potenziellen Partnern im Kreistag geben. Ein Blick in die einzelnen Wahlergebnisse verdeutlicht den klaren Vorsprung von Bölling. Die CDU-Kandidatin lag in allen elf Städten und Gemeinden vorn und hat damit auch Ellerkamps Heimatstadt Petershagen mit 52,3 Prozent für sich entschieden. Hier hatte der SPD-Bewerber im ersten Durchgang noch leicht vorn gelegen. Die Spitzenergebnisse erzielte Bölling in Stemwede (75,7 Prozent), Rahden (75) und Espelkamp (71,2), unter 60 Prozent lag sie außer in Petershagen nur noch in Minden. Ein klarer Auftrag Ein Kommentar von Henning Wandel Am Ende war der parteipolitische Rucksack für Ingo Ellerkamp dann doch zu schwer – und die Kontrahentin um den Chefposten in der Kreisverwaltung zu stark. Unter den für die SPD insgesamt schlechten Vorzeichen war gegen eine fachlich überzeugend und menschlich sympathisch auftretende CDU-Kandidatin Anna Bölling nichts zu gewinnen. Auch Ellerkamp hätte das Zeug zum Landrat gehabt. Doch die in den vergangenen Monaten zunehmend spürbare Entfremdung zwischen der SPD und ihrem bisherigen Landrat Ralf Niermann – bis hin zur gegenseitigen Sprachlosigkeit – dürfte auch so manchen ansonsten treuen SPD-Wähler irritiert haben. Vom handfesten Streit in Hille mal ganz zu schwiegen. Und dann auch noch dieser Bundestrend... In einer solchen Situation kommt eine für beide Seiten kompatible Kandidatin wie Bölling genau richtig. Mit dieser Personalentscheidung hat die CDU die Chance einer im Mühlenkreis historisch schwachen SPD und einer wechselwilligen Wählerschaft klug genutzt. Das mehr als deutliche Ergebnis ist ein klarer Auftrag, aber auch eine große Verantwortung. Denn die CDU hat den Anspruch geweckt, fast alles besser zu machen. Es braucht jetzt also schnelle Erfolge. Und die sind in einem komplexen Geflecht aus Politik und Verwaltung nicht leicht zu erreichen.

Landratswahl: Erste Frau an der Spitze des Kreises

Noch-Landrat Dr. Ralf Niermann gratuliert seiner Nachfolgerin Anna Bölling zur Wahl.

Minden. Anna Bölling geht mit einem großen Vertrauensvorschuss an ihre neue Aufgabe als Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke. In der Stichwahl liegt die CDU-Kandidatin mit 63,7 Prozent der abgegebenen Stimmen deutlich vor Ingo Ellerkamp von der SPD. Er kommt auf 36,3 Prozent. Damit ist Bölling die erste Frau an der Spitze der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke. Die Wahlbeteiligung liegt kreisweit bei 35,5 Prozent und damit deutlich über dem Wert der vergangenen Stichwahl (24,6 Prozent).

Anna Bölling zeigte sich gegenüber dem MT glücklich: „Ich freue mich unendlich über das Vertrauen der Wähler", sagt sie. Der Erfolg sei auch das Ergebnis einer starken Teamleistung. Sie habe den gesamten Wahlkampf über ein positives Gefühl gehabt. In der kommenden Woche nimmt sich die künftige Landrätin zunächst eine kurze Auszeit, bevor die Vorbereitungen auf die Amtsübernahme zum 1. November beginnen.

Der unterlegene SPD-Kandidat Ingo Ellerkamp ist am Abend enttäuscht, aber gefasst. Es sei klar gewesen, dass eine Aufholjagd nötig gewesen wäre, sagt er, „die ist uns leider nicht gelungen." Die Niederlage habe sich aber schon in den vergangenen beiden Wochen angedeutet. Er wünsche Bölling persönlich alles gute „und eine glückliche Hand für den Kreis", sagt Ellerkamp, der morgen auf seinen Posten als Lübbecker Baudezernent zurückkehrt. Von der politischen Bühne wird er aber vorerst verschwinden, da der ehemalige Petershagener SPD-Fraktionsvorsitzende auf eine parallele Kandidatur für den Rat verzichtet hat: „Ich wollte mit aller Kraft Landrat werden."

Ingo Ellerkamp zieht sich nach der Wahl von der politischen Bühne zurück.
Ingo Ellerkamp zieht sich nach der Wahl von der politischen Bühne zurück.

Für die SPD ist das Ergebnis der Stichwahl eine herbe Enttäuschung. Schon nach dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen war der Abstand zur CDU-Kandidatin mit rund 15 Prozentpunkten größer als erwartet. Der SPD-Kreisvorsitzende Michael Buhre hatte nach der Wahl am 13. September die Kampagnenfähigkeit seiner Partei infrage gestellt. Es gebe einen ganzen Strauß von Gründen, sagt Buhre jetzt, betont aber nach wie vor, dass die SPD einen guten Kandidaten ins Rennen geschickt habe. Mit Anna Bölling habe die CDU breite Wählerschichten angesprochen, sagt Buhre – „und das Verhältnis zwischen Landrat und SPD hat sicher auch nicht geholfen." Der Kreisvorstand wolle sich jetzt zusammensetzen und beraten. „Als Vorsitzender trage ich dabei eine besondere Verantwortung", sagt Buhre. Politisch wolle sich die SPD im Kreistag nicht verschließen. Es sei wichtig, gute Politik für den Kreis zu machen „und wenn wir dazu beitragen können, werden wir das tun", so Buhre.

Die CDU auf der anderen Seite sieht ihren Wählerauftrag aus der Kreistagswahl bestätigt. Es gebe auf Kreisebene eine Fülle von Themen abzuarbeiten, sagt der Kreisvorsitzende Dr. Oliver Vogt und nennt exemplarisch die Mühlenkreiskliniken, den ÖPNV und die Kampa-Halle. Seine Partei werden diesen Auftrag gemeinsam mit der Landrätin angehen. Dazu werde es auch Gespräche mit potenziellen Partnern im Kreistag geben.

Ein Blick in die einzelnen Wahlergebnisse verdeutlicht den klaren Vorsprung von Bölling. Die CDU-Kandidatin lag in allen elf Städten und Gemeinden vorn und hat damit auch Ellerkamps Heimatstadt Petershagen mit 52,3 Prozent für sich entschieden. Hier hatte der SPD-Bewerber im ersten Durchgang noch leicht vorn gelegen. Die Spitzenergebnisse erzielte Bölling in Stemwede (75,7 Prozent), Rahden (75) und Espelkamp (71,2), unter 60 Prozent lag sie außer in Petershagen nur noch in Minden.

Ein klarer Auftrag

Ein Kommentar von Henning Wandel

Am Ende war der parteipolitische Rucksack für Ingo Ellerkamp dann doch zu schwer – und die Kontrahentin um den Chefposten in der Kreisverwaltung zu stark. Unter den für die SPD insgesamt schlechten Vorzeichen war gegen eine fachlich überzeugend und menschlich sympathisch auftretende CDU-Kandidatin Anna Bölling nichts zu gewinnen.

Auch Ellerkamp hätte das Zeug zum Landrat gehabt. Doch die in den vergangenen Monaten zunehmend spürbare Entfremdung zwischen der SPD und ihrem bisherigen Landrat Ralf Niermann – bis hin zur gegenseitigen Sprachlosigkeit – dürfte auch so manchen ansonsten treuen SPD-Wähler irritiert haben. Vom handfesten Streit in Hille mal ganz zu schwiegen. Und dann auch noch dieser Bundestrend...

In einer solchen Situation kommt eine für beide Seiten kompatible Kandidatin wie Bölling genau richtig. Mit dieser Personalentscheidung hat die CDU die Chance einer im Mühlenkreis historisch schwachen SPD und einer wechselwilligen Wählerschaft klug genutzt. Das mehr als deutliche Ergebnis ist ein klarer Auftrag, aber auch eine große Verantwortung. Denn die CDU hat den Anspruch geweckt, fast alles besser zu machen. Es braucht jetzt also schnelle Erfolge.

Und die sind in einem komplexen Geflecht aus Politik und Verwaltung nicht leicht zu erreichen.

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