Landratswahl: CDU enteilt der SPD im Kreis Henning Wandel Minden. Kurzzeitig sah es so aus, als könnte Anna Bölling den Landrats-Posten schon im ersten Wahlgang für den CDU gewinnen. Am Ende fehlen mit 46,3 Prozent dann aber doch fast vier Punkte. Am 27. September müssen die Wähler im Kreis Minden-Lübbecke also zwischen ihr und dem SPD-Kandidaten Ingo Ellerkamp (31,5 Prozent) entscheiden. Gestern liegt der Unterschied zwischen beiden bei fast 20.000 Stimmen. Siegfried Gutsche (Grüne) übertrifft mit 15,4 Prozent deutlich die 8,8 Prozent aus dem Jahr 2014, Thomas Röckemann (AfD) landet abgeschlagen bei 6,8 Prozent. Das deutliche Ergebnis ist auch für die CDU-Kandidatin überraschend. Sie habe mit einem guten Ergebnis gerechnet, sagt Anna Bölling, „dass es so gut sein würde, damit konnte niemand rechnen." Trotzdem sei die Wahl damit noch nicht gewonnen: „Bis zum 27. September werden wir nochmal alles mobilisieren." Ganz anders ist die Gemütslage bei Ingo Ellerkamp. Er habe mit einer Stichwahl gerechnet, sagt er – und auch damit, nicht unbedingt vorne zu liegen: „Aber es hätte knapper ausgehen dürfen." Trotzdem gibt sich der SPD-Mann kämpferisch: „Es gilt jetzt, die Ärmel hochzukrempeln", sagt er, bei der Stichwahl gehe es wieder bei Null los. Sollte Bölling ihren Vorsprung bei der Stichwahl in zwei Wochen ins Ziel retten, könnte sie mit einer CDU-Mehrheit im Kreistag arbeiten. Zwar haben die Christdemokraten schon jetzt einen knappen Vorsprung von einem Sitz, der Abstand zur SPD ist im Vergleich zur vergangenen Wahl vor fünf Jahren allerdings gewachsen und liegt jetzt bei fünf Mandaten. Der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Oliver Vogt ist daher nicht nur mit dem „sensationellen Ergebnis" der Landratswahl zufrieden. „Wir haben 23 von 30 Direktmandaten gewonnen", sagt er. Das zeige, dass die CDU im Mühlenkreis fest verwurzelt sei. Der SPD-Kreisvorsitzende Michael Buhre hingegen zeigt sich am Abend selbstkritisch. Er hätte Ellerkamp ein besseres Ergebnis gewünscht, sagt Buhre. Seiner Ansicht nach drücke der negative Trend auch auf die SPD im Kreis, es gebe aber auch eigene Schwächen: „Wir sind weniger kampagnenfähig als früher", sagt Buhre. Das liege auch an den Corona-Einschränkungen, da die SPD traditionell auf Nähe setze. „Aber wir haben auch ein demografisches Problem", sagt Buhre. Er sei trotzdem nach wie vor überzeugt, dass die SPD mit Ellerkamp einen guten Landratskandidaten habe. Entscheidend könnten jetzt unter anderem diejenigen Wähler werden, die dem Grünen Siegfried Gutsche zu knapp 15,4 Prozent verholfen haben. Ob es eine Wahlempfehlung für den 27. September geben werde, sei noch nicht klar. „Wir sind aber offen für Gespräche", sagt Gutsche. Mit einem ebenfalls starken Ergebnis bei der Kreistagswahl, wollen die Grünen dort jetzt noch stärker als früher auf ihre Themen Klima- und Umweltschutz setzen. „Und wir werden sehen, welche Mehrheiten im Kreistag jetzt möglich sind. Die FDP feiert vor allem die Wiederwahl von Kai Abruszat als Bürgermeister in Stemwede mit 90,4 Prozent. Abruszat war ohne Gegenkandidaten angetreten. Auch die AfD ist mit dem Abschneiden im Kreis zufrieden, nachdem sie in zehn von elf Stadtparlamenten und im Kreistag vertreten sein wird. In Lübbecke, wo die AfD-Liste nicht zugelassen wurde, wolle die Partei die Wahl anfechten, sagte Kreissprecher Sebastian Landwehr. Verteilung Mandate CDU: Ulrich Stadtmann, Lutz Abruszat, Philipp Müller, Florian Staab, Jonas Horstmann, Alexander Nolte-Ernsting,Martina Busche-Oberpenning, Moritz Brünger, Michael Grosskurth, Susanne Rongen, Sven Öpping, Wolfgang Koopmann, Marie-Luise Brigitte Sawade-Meyer, Alfred Günter Borgmann, Dr. Oliver Vogt, Detlef Beckschewe, Anja Kittel, Andreas Holdmann, Bent-Maria Grote, Ulrich Koors, Sven Reimers, Frank Rabe, Rolf Dieter Schütte. SPD: Sebastian Hasemann, Axel Brauckmüller, Thomas Darlath, Amal Hamdan, Rudolf Pieper, Birgit Härtel, Ulrike Grannemann, Reinhard Wandtke, Angelika Buttler, Ulrich Pock, Torsten Kuhlmann, Ruth Schürmann, Jürgen Gläscher, Claudia Strobel, Andreas Hoppe, Andreas, Katharina Koch, Frank Ernst Helming, Melanie Ochsenfarth. Grüne: Cornelia Maria Schmelzer, Siegfried Gutsche, , Melanie Hövert, Klaus Uwe Lämmel, Dr. Petra Spona, Benjamin Rauer, Jana Katharina Sasse, Nils Beinke-Schulte, Corinna Hanna Stöxen, Thomas Jürgen Dippert, Petra Maria Walter-Bußmann. FDP: Hans Eckhard Meyer, Gertrud Susanne Engelking, Prof. Dr. Dr. Matthias König, Ulrich Peter Kreft. AfD: Thomas Röckemann, Sebastian Landwehr, Jan Aussieker, Jürgen Sprick. Linke: Cathrin Marin, Jörg Ulrich Beste. FWG Mühlenkreis: Kurt Heinrich Riechmann, Ute Niestrat. Kommentar: Überraschend deutlich Dass Anna Bölling im Rennen um das Landratsamt einen Vorsprung haben würde, ist keine große Überraschung. Dass für die CDU-Kandidatin zwischenzeitlich sogar die absolute Mehrheit greifbar scheint, dürfte vor allem die SPD dann aber doch schwer getroffen haben. Ausgerechnet in Minden, wo die Sozialdemokraten allen Trends zum Trotz noch immer zumindest etwas von ihrer alten Stärke zeigen, liegt Bölling mit 6,5 Punkten vor dem SPD-Kandidaten Ellerkamp. Selbst wenn alle Grünen-Wähler in der Stichwahl rot wählten, würde es knapp für die SPD. Natürlich mag sich weder Anna Bölling als Gewinnerin und Ingo Ellerkamp als Verlierer bezeichnen. Beide betonen, dass die Karten in zwei Wochen neu gemischt werden. Das stimme schon allein deshalb, weil niemand voraussehen kann, wie die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl ausfallen wird. Dennoch ist das Ergebnis von gestern mehr als ein Fingerzeig.

Landratswahl: CDU enteilt der SPD im Kreis

Das ist selbst für die CDU überraschend: Landrats-Kandidatin Anna Bölling (CDU), hier mit der CDU-Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Landrätin Kirstin Korte, liegt im ersten Wahlgang deutlich vor Ingo Ellerkamp von der SPD. MT-Fotos: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Kurzzeitig sah es so aus, als könnte Anna Bölling den Landrats-Posten schon im ersten Wahlgang für den CDU gewinnen. Am Ende fehlen mit 46,3 Prozent dann aber doch fast vier Punkte. Am 27. September müssen die Wähler im Kreis Minden-Lübbecke also zwischen ihr und dem SPD-Kandidaten Ingo Ellerkamp (31,5 Prozent) entscheiden. Gestern liegt der Unterschied zwischen beiden bei fast 20.000 Stimmen. Siegfried Gutsche (Grüne) übertrifft mit 15,4 Prozent deutlich die 8,8 Prozent aus dem Jahr 2014, Thomas Röckemann (AfD) landet abgeschlagen bei 6,8 Prozent.

Das deutliche Ergebnis ist auch für die CDU-Kandidatin überraschend. Sie habe mit einem guten Ergebnis gerechnet, sagt Anna Bölling, „dass es so gut sein würde, damit konnte niemand rechnen." Trotzdem sei die Wahl damit noch nicht gewonnen: „Bis zum 27. September werden wir nochmal alles mobilisieren." Ganz anders ist die Gemütslage bei Ingo Ellerkamp. Er habe mit einer Stichwahl gerechnet, sagt er – und auch damit, nicht unbedingt vorne zu liegen: „Aber es hätte knapper ausgehen dürfen." Trotzdem gibt sich der SPD-Mann kämpferisch: „Es gilt jetzt, die Ärmel hochzukrempeln", sagt er, bei der Stichwahl gehe es wieder bei Null los.

Niedergeschlagen: SPD-Landrats-Kandidat Ingo Ellerkamp liegt fast 15 Prozentpunkte hinter Anna Bölling von der CDU. - © Alex Lehn
Niedergeschlagen: SPD-Landrats-Kandidat Ingo Ellerkamp liegt fast 15 Prozentpunkte hinter Anna Bölling von der CDU. - © Alex Lehn

Sollte Bölling ihren Vorsprung bei der Stichwahl in zwei Wochen ins Ziel retten, könnte sie mit einer CDU-Mehrheit im Kreistag arbeiten. Zwar haben die Christdemokraten schon jetzt einen knappen Vorsprung von einem Sitz, der Abstand zur SPD ist im Vergleich zur vergangenen Wahl vor fünf Jahren allerdings gewachsen und liegt jetzt bei fünf Mandaten. Der CDU-Kreisvorsitzende Dr. Oliver Vogt ist daher nicht nur mit dem „sensationellen Ergebnis" der Landratswahl zufrieden. „Wir haben 23 von 30 Direktmandaten gewonnen", sagt er. Das zeige, dass die CDU im Mühlenkreis fest verwurzelt sei. Der SPD-Kreisvorsitzende Michael Buhre hingegen zeigt sich am Abend selbstkritisch. Er hätte Ellerkamp ein besseres Ergebnis gewünscht, sagt Buhre. Seiner Ansicht nach drücke der negative Trend auch auf die SPD im Kreis, es gebe aber auch eigene Schwächen: „Wir sind weniger kampagnenfähig als früher", sagt Buhre. Das liege auch an den Corona-Einschränkungen, da die SPD traditionell auf Nähe setze. „Aber wir haben auch ein demografisches Problem", sagt Buhre. Er sei trotzdem nach wie vor überzeugt, dass die SPD mit Ellerkamp einen guten Landratskandidaten habe.

Mit Loriot-Maske: Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) steht nicht mehr zur Wahl. - © Alex Lehn
Mit Loriot-Maske: Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) steht nicht mehr zur Wahl. - © Alex Lehn

Entscheidend könnten jetzt unter anderem diejenigen Wähler werden, die dem Grünen Siegfried Gutsche zu knapp 15,4 Prozent verholfen haben. Ob es eine Wahlempfehlung für den 27. September geben werde, sei noch nicht klar. „Wir sind aber offen für Gespräche", sagt Gutsche. Mit einem ebenfalls starken Ergebnis bei der Kreistagswahl, wollen die Grünen dort jetzt noch stärker als früher auf ihre Themen Klima- und Umweltschutz setzen. „Und wir werden sehen, welche Mehrheiten im Kreistag jetzt möglich sind.

- © Grafik: MT
© Grafik: MT

Die FDP feiert vor allem die Wiederwahl von Kai Abruszat als Bürgermeister in Stemwede mit 90,4 Prozent. Abruszat war ohne Gegenkandidaten angetreten.

Auch die AfD ist mit dem Abschneiden im Kreis zufrieden, nachdem sie in zehn von elf Stadtparlamenten und im Kreistag vertreten sein wird. In Lübbecke, wo die AfD-Liste nicht zugelassen wurde, wolle die Partei die Wahl anfechten, sagte Kreissprecher Sebastian Landwehr.

Verteilung Mandate

CDU: Ulrich Stadtmann, Lutz Abruszat, Philipp Müller, Florian Staab, Jonas Horstmann, Alexander Nolte-Ernsting,Martina Busche-Oberpenning, Moritz Brünger, Michael Grosskurth, Susanne Rongen, Sven Öpping, Wolfgang Koopmann, Marie-Luise Brigitte Sawade-Meyer, Alfred Günter Borgmann, Dr. Oliver Vogt, Detlef Beckschewe, Anja Kittel, Andreas Holdmann, Bent-Maria Grote, Ulrich Koors, Sven Reimers, Frank Rabe, Rolf Dieter Schütte.

SPD: Sebastian Hasemann, Axel Brauckmüller, Thomas Darlath, Amal Hamdan, Rudolf Pieper, Birgit Härtel, Ulrike Grannemann, Reinhard Wandtke, Angelika Buttler, Ulrich Pock, Torsten Kuhlmann, Ruth Schürmann, Jürgen Gläscher, Claudia Strobel, Andreas Hoppe, Andreas, Katharina Koch, Frank Ernst Helming, Melanie Ochsenfarth.

Grüne: Cornelia Maria Schmelzer, Siegfried Gutsche, , Melanie Hövert, Klaus Uwe Lämmel, Dr. Petra Spona, Benjamin Rauer, Jana Katharina Sasse, Nils Beinke-Schulte, Corinna Hanna Stöxen, Thomas Jürgen Dippert, Petra Maria Walter-Bußmann.

FDP: Hans Eckhard Meyer, Gertrud Susanne Engelking, Prof. Dr. Dr. Matthias König, Ulrich Peter Kreft.

AfD: Thomas Röckemann, Sebastian Landwehr, Jan Aussieker, Jürgen Sprick.

Linke: Cathrin Marin, Jörg Ulrich Beste.

FWG Mühlenkreis: Kurt Heinrich Riechmann, Ute Niestrat.

Kommentar: Überraschend deutlich

Dass Anna Bölling im Rennen um das Landratsamt einen Vorsprung haben würde, ist keine große Überraschung. Dass für die CDU-Kandidatin zwischenzeitlich sogar die absolute Mehrheit greifbar scheint, dürfte vor allem die SPD dann aber doch schwer getroffen haben. Ausgerechnet in Minden, wo die Sozialdemokraten allen Trends zum Trotz noch immer zumindest etwas von ihrer alten Stärke zeigen, liegt Bölling mit 6,5 Punkten vor dem SPD-Kandidaten Ellerkamp. Selbst wenn alle Grünen-Wähler in der Stichwahl rot wählten, würde es knapp für die SPD. Natürlich mag sich weder Anna Bölling als Gewinnerin und Ingo Ellerkamp als Verlierer bezeichnen. Beide betonen, dass die Karten in zwei Wochen neu gemischt werden. Das stimme schon allein deshalb, weil niemand voraussehen kann, wie die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl ausfallen wird. Dennoch ist das Ergebnis von gestern mehr als ein Fingerzeig.

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