Landrätin Anna Bölling sendet emotionale Botschaft - Solidarität nach "Querdenker"-Aufmarsch Henning Wandel,Nina Könemann Minden. Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) hat sich in einem emotionalen Videostatement auf dem Instagram-Kanal des Kreises Minden-Lübbecke erstmals öffentlich zu dem Protest am Montagabend vor ihrem Privathaus geäußert. „Der Aufmarsch von Corona-Leugnern vor meinem Haus hat mich und meine Familie sprach- und fassungslos gemacht“, sagte sie in dem knapp zweiminütigen Beitrag, in dem sie allein spricht und angefasst wirkt. Immer wieder hält sie inne, um sich zu sammeln. Das Eindringen in eine Privatsphäre, in der kleine Kinder leben, sei für sie eine klare Grenzüberschreitung und habe mit demokratischem Diskurs nichts mehr zu tun, sagt sie in dem Statement weiter. Sie bedankte sich bei der Polizei für den Einsatz am Abend und kündigte an, dass der Kreis Minden-Lübbecke Strafanzeige erstatten werde. „Das ist aus meiner Sicht die einzig richtige Antwort.“ Ebenfalls dankte die Landrätin für die vielen Solidaritätsbekundungen – persönlich, digital und telefonisch. „Das tut gut und das gibt mir auch die Kraft, mein Amt weiter auszufüllen und genauso weiter zu machen.“ Demokratiefeindlichkeit und rechtsradikale Tendenzen hätten im Kreis keinen Platz, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sehe das so und stehe auch hinter ihr. Unterdessen reißt die Unterstützung für die Landrätin nicht ab. So haben die Mindener Ratsfraktionen von Bündnis 90/Grünen, CDU, Die Linke, FDP, Mindener Initiative und SPD sowie das Bürgerbündnis Minden eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie sich „aufs Schärfste gemeinsam gegen die von Querdenkern und so genannten „Spaziergängern“ initiierte persönliche Bedrohung unserer Landrätin Anna Katharina Bölling an ihrem Privathaus“ distanzieren. Als Mindener Stadtverordnete hielten sie „diese wie jede Form von Bedrohungen und Gewaltanwendungen für inakzeptabel“. Hauptamtliche wie ehrenamtliche Mandatsträgerinnen und -träger dürften nicht eingeschüchtert und bedroht werden, heißt es weiter. Mit solchen „Spaziergängen“ würden die Meinungsfreiheit und das Versammlungsrecht missbraucht: „Proteste im öffentlichen Raum müssen sich an die Regeln des Versammlungsrechts halten, um die notwendige demokratische Auseinandersetzung zu ermöglichen.“ Dass sich viele Menschen schnell und einmütig mit der Landrätin solidarisch erklärt hätten, zeige das demokratische Miteinander in Minden. „Viele Mindener Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter und Vertreterinnen öffentlicher Einrichtungen werden weiter auf verschiedene Weise ihre klare Haltung zeigen, beispielsweise auch am Samstag mit einer angekündigten Menschenkette“, schreiben die Ratsvertreter abschließend. Eine Gruppe von 20 Mindenern hatte für Samstag, 8. Januar, ab 12.05 Uhr zu der Veranstaltung „Minden steht zusammen“ auf dem Markt aufgerufen. Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Michael Mertins wollen zu Beginn der Aktion ein paar Worte sagen. Auch die AG Frauen nannte den Protest vor Böllings Haus „eine respektlose, massive Grenzüberschreitung und Ausübung psychischer Gewalt gegenüber der Landrätin“ und erklärte sich solidarisch mit allen Frauen, die von Gewalt bedroht sind. Die Arbeitsgemeinschaft als Zusammenschluss aller Frauengruppen und engagierten Bürgerinnen rief alle „Spaziergänger“ dazu auf, sich an die demokratischen Spielregeln zu halten und erklärte ihre Unterstützung für die Aktion „Minden steht zusammen“. Auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) zeigte sich in einer Stellungnahme „in großer Sorge“. Die Verwendung von Nazi-Vokabular während des Aufmarsches sei „völlig unangebracht und verhöhnt die Opfer des Nationalsozialismus“. Bölling war am Montag als „Gauleiterin der Herzen“ bezeichnet worden. „Das ist rechtes Gedankengut, dem sofort Einhalt geboten werden muss“, schreibt die GCJZ.

Landrätin Anna Bölling sendet emotionale Botschaft - Solidarität nach "Querdenker"-Aufmarsch

Anna Katharina Bölling (CDU) äußerte sich am Donnerstag in einer Videobotschaft zu dem Aufmarsch vor ihrem Haus. © Screenshot: MT

Minden. Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) hat sich in einem emotionalen Videostatement auf dem Instagram-Kanal des Kreises Minden-Lübbecke erstmals öffentlich zu dem Protest am Montagabend vor ihrem Privathaus geäußert. „Der Aufmarsch von Corona-Leugnern vor meinem Haus hat mich und meine Familie sprach- und fassungslos gemacht“, sagte sie in dem knapp zweiminütigen Beitrag, in dem sie allein spricht und angefasst wirkt. Immer wieder hält sie inne, um sich zu sammeln.

Das Eindringen in eine Privatsphäre, in der kleine Kinder leben, sei für sie eine klare Grenzüberschreitung und habe mit demokratischem Diskurs nichts mehr zu tun, sagt sie in dem Statement weiter. Sie bedankte sich bei der Polizei für den Einsatz am Abend und kündigte an, dass der Kreis Minden-Lübbecke Strafanzeige erstatten werde. „Das ist aus meiner Sicht die einzig richtige Antwort.“

Ebenfalls dankte die Landrätin für die vielen Solidaritätsbekundungen – persönlich, digital und telefonisch. „Das tut gut und das gibt mir auch die Kraft, mein Amt weiter auszufüllen und genauso weiter zu machen.“ Demokratiefeindlichkeit und rechtsradikale Tendenzen hätten im Kreis keinen Platz, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sehe das so und stehe auch hinter ihr.

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Patrick Schwemmling

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Unterdessen reißt die Unterstützung für die Landrätin nicht ab. So haben die Mindener Ratsfraktionen von Bündnis 90/Grünen, CDU, Die Linke, FDP, Mindener Initiative und SPD sowie das Bürgerbündnis Minden eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie sich „aufs Schärfste gemeinsam gegen die von Querdenkern und so genannten „Spaziergängern“ initiierte persönliche Bedrohung unserer Landrätin Anna Katharina Bölling an ihrem Privathaus“ distanzieren. Als Mindener Stadtverordnete hielten sie „diese wie jede Form von Bedrohungen und Gewaltanwendungen für inakzeptabel“.

Hauptamtliche wie ehrenamtliche Mandatsträgerinnen und -träger dürften nicht eingeschüchtert und bedroht werden, heißt es weiter. Mit solchen „Spaziergängen“ würden die Meinungsfreiheit und das Versammlungsrecht missbraucht: „Proteste im öffentlichen Raum müssen sich an die Regeln des Versammlungsrechts halten, um die notwendige demokratische Auseinandersetzung zu ermöglichen.“

Dass sich viele Menschen schnell und einmütig mit der Landrätin solidarisch erklärt hätten, zeige das demokratische Miteinander in Minden. „Viele Mindener Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter und Vertreterinnen öffentlicher Einrichtungen werden weiter auf verschiedene Weise ihre klare Haltung zeigen, beispielsweise auch am Samstag mit einer angekündigten Menschenkette“, schreiben die Ratsvertreter abschließend. Eine Gruppe von 20 Mindenern hatte für Samstag, 8. Januar, ab 12.05 Uhr zu der Veranstaltung „Minden steht zusammen“ auf dem Markt aufgerufen. Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Michael Mertins wollen zu Beginn der Aktion ein paar Worte sagen.

Auch die AG Frauen nannte den Protest vor Böllings Haus „eine respektlose, massive Grenzüberschreitung und Ausübung psychischer Gewalt gegenüber der Landrätin“ und erklärte sich solidarisch mit allen Frauen, die von Gewalt bedroht sind. Die Arbeitsgemeinschaft als Zusammenschluss aller Frauengruppen und engagierten Bürgerinnen rief alle „Spaziergänger“ dazu auf, sich an die demokratischen Spielregeln zu halten und erklärte ihre Unterstützung für die Aktion „Minden steht zusammen“.

Auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) zeigte sich in einer Stellungnahme „in großer Sorge“. Die Verwendung von Nazi-Vokabular während des Aufmarsches sei „völlig unangebracht und verhöhnt die Opfer des Nationalsozialismus“. Bölling war am Montag als „Gauleiterin der Herzen“ bezeichnet worden. „Das ist rechtes Gedankengut, dem sofort Einhalt geboten werden muss“, schreibt die GCJZ.

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