Landpartie 2020: Das Rundum-sorglos-Paket für Medizinstudenten im Blockpraktikum Anja Peper Minden/Lübbecke (mt). Landarzt werden? Oder doch lieber Karriere machen als Chirurg in der Großstadt? Medizinstudenten haben die Wahl. Weil im Kreis Minden-Lübbecke in den nächsten fünf bis zehn Jahren etwa hundert niedergelassene Hausärzte in den Ruhestand gehen, braucht die Region dringend Nachwuchs. Mit der Medizinerausbildung an den Mühlenkreiskliniken (MKK) ist ein entscheidender Schritt getan. Seit Herbst 2016 werden in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) 60 Studierende pro Semester ausgebildet. In diesen drei Jahren hat die Ausbildung an den MKK bei den künftigen jungen Ärzten einen guten Ruf erworben. Die Lehrqualität, die Betreuung, der Unterricht am Krankenbett – all das schneidet auf dem Medizin Campus OWL gut ab. Dafür verteilen die jungen Leute in den Befragungen nach Angaben der Mühlenkreiskliniken sogar Bestnoten. Aber es gibt auch ein paar dicke Minuspunkte, die gegen ihre persönliche Zukunft in OWL sprechen: Oft genannt werden die schlechten Verbindungen mit Bus und Bahn und das fehlende Studentenleben. Andererseits hat das Landleben auch viele Vorzüge. Die sollen ab Sommer 2020 beim Projekt Landpartie herausgekehrt werden. Besonders kleine Kommunen sollen auch bei den möglichen Lebenspartnern punkten – und das so früh wie möglich. Die Idee: Landpartie 2020 Der Vorschlag kommt von Dr. med. Beate Lubbe. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Akupunktur mit einer Praxis in Hille-Oberlübbe. Im Auftrag der Universität Bochum betreut sie Studierende vor Ort und verbringt darum auch viel Zeit in ihrem Büro im Vorlesungsgebäude des JWK. Dr. Lubbe kommt aus Dortmund, hat also eine eigene Ruhrpott-Biografie: „Darum kann ich mich in die Studenten gut hineindenken." Mit dem Projekt Landpartie 2020 möchte sie ihnen sozusagen ein Rundum-sorglos-Paket fürs Landleben schnüren. Damit sollen die Studenten in der Zeit des Blockpraktikums die allerbesten Seiten der Region kennenlernen. Punkten und später profitieren sollen die Städte und Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohnern. Sowohl die Großgemeinde Hille (rund 16.000 Einwohner) als auch Petershagen (rund 25.000 Einwohner) sind mit drin. Es geht bei dem Projekt also nicht um die Studienstandorte Minden und Herford, sondern um die Ortschaften drumherum. Die Attraktivität des ländlichen Raumes soll dargestellt werden. Finanziell unterstützt werden die Übernachtungen und das touristische Programm. Raus aus der Klinik und zwei Wochen aufs Land Das Angebot „Landpartie 2020" existiert bereits als Angebot verschiedener deutscher Universitäten. Es richtet sich an Studierende in der zweiten Hälfte ihres Studiums (9. und 10. Semester). Das so genannte Blockpraktikum dauert zwei Wochen, dann arbeiten die jungen Mediziner in der Allgemeinmedizin in einer Praxis und somit im ambulanten Versorgungsbereich. Die zwei Wochen während des Praktikums wollen die Initiatoren gezielt nutzen, um ihnen den roten Teppich Richtung Landarztpraxis auszurollen. Es gilt, die Vorteile des ländlichen Raums zu betonen. Mit welchen Angeboten können auch die Dörfer bei jungen Leuten punkten? Dazu freuen sich die Initiatoren der Landpartie auf Vorschläge. Gute Jobs für Partner,Kitaplätze für die Kinder Hinter dem Projekt steckt das Ideal einer Life-Work-Balance, also die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Viele Studien belegen, dass gerade junge Leute großen Wert darauf legen. Die Studierenden sind etwa Mitte bis Ende Zwanzig – also in der Familiengründungsphase. Für Beate Lubbe ist daher klar: Wer die jungen Ärzte in die Region bekommen möchte, muss auch die Partner, die Familien bzw. die Familienplanung berücksichtigen. „Zwei Drittel der Medizinstudenten sind weiblich. Also müssen wir vor allem junge Ärztinnen für die Region interessieren." Und: Wegen des Berufes wollen viele nicht auf Kinder verzichten. Viele Allgemeinmedizinerinnen bekommen laut Statistik zwei Kinder oder mehr. Kinder brauchen eine Kita oder eine Schule, die Partner brauchen einen adäquaten Job. An dieser Stelle kommt die Wirtschaftsförderung des Kreises Minden-Lübbecke ins Spiel: Dort sind die Kontakte zu den Arbeitgebern vor Ort vorhanden. Der Kreis kann die Landpartie 2020 organisatorisch unterstützen und die Übernachtungen sowie das touristische Programm bezuschussen. Anspruchsvolle berufliche Ziele – auch der jeweiligen Partner – können im Kreis Minden-Lübbecke gut mit einem harmonischen Lebensumfeld für die ganze Familie vereint werden, heißt es in der Beschreibung der Projektidee. Dann setzt vielleicht der erhoffte „Klebe-Effekt" ein, der die jungen Ärzte tatsächlich auf dem Land hält. Pilotprojekte laufen in der Nachbarschaft Vergleichbare Pilotprojekte bestehen bereits an den Instituten für Allgemeinmedizin in Frankfurt, Marburg und Hannover. Praktische Erfahrungen hat Dr. Rolf Stegemann, Institut für Allgemeinmedizin der Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Er sagt: „Viele Medizinstudenten werden im Praktikum positiv überrascht, wie viel Medizin hier passiert." Ihr Blockpraktikum verbringen die Studierenden in Akademischen Lehrpraxen der MHH, zum Beispiel im Landkreis Schaumburg, der direkt an Minden-Lübbecke grenzt. Von dort aus ist die Idee sozusagen über die Landesgrenze geschwappt, als Dr. Stegemann und Dr. Lubbe sich bei einem Kongress austauschten. Für die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) ist die Gewinnung neuer Hausärzte ein zentrales Anliegen. Was getan wird, um das Projekt zu realisieren Für das Projekt ist eine Laufzeit von drei Jahren (2020 bis 2022) vorgesehen. In diesen drei Jahren werden jährlich begleitend zum 14-tägigen Blockpraktikum in einer Hausarztpraxis im Kreisgebiet mehrere Angebote für die Studierenden entwickelt. Zum einen soll ihnen eine Unterkunft für die zwei Wochen bereitgestellt werden, die Übernachtungen werden finanziell unterstützt. Darüber hinaus soll den jeweiligen Partnern die Möglichkeit gegeben werden, mittelständische Betriebe im Kreis Minden-Lübbecke kennenzulernen. Die Kontakte zu den Arbeitgebern vor Ort hat die Wirtschaftsförderung des Kreises Minden-Lübbecke. Beispiel: Bei einer Betriebsbesichtigung werden die Fahrtkosten übernommen, entweder für Bus und Bahn oder mit 30 Cent pro Kilometer. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, sollen sich die Studierenden von FH Bielefeld (Campus Minden) und der medizinische Nachwuchs so vernetzten, dass das Studentenleben attraktiver wird. Vielleicht ist auch ein gemeinsames Sportprogramm möglich. Auch Ideen für ein touristisches Begleitprogramm sind gefragt. Da hoffen die Initiatoren auf die Mithilfe der Kommunen mit weniger als 30.000 Einwohnern, für die das Projekt Landpartie gedacht ist. Da denkt Dr. Lubbe vor allem an Angebote, die es im Ruhrgebiet nicht gibt – etwas Besonderes eben. Spontan fällt ihr die Wilhelmshöhe in Stemwede ein. Unterm Strich: „Ich wünsche mir, dass die Landpartie eine Party wird", sagt Dr. Lubbe. Vorbehaltlich einer Förderzusage aus dem Programm Vital.NRW leistet der Kreis Minden-Lübbecke einen Zuschuss in Höhe von 27.000 Euro jährlich. Rechnerisch 2,7 Köpfe für eine Arztstelle nötig Junge Ärzte auf ihrem Weg in die ambulante Versorgung zu begleiten – das hat sich auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zur Aufgabe gemacht. Einen Überblick über die Fördermöglichkeiten, die unter bestimmten Voraussetzungen schon im Studium in Anspruch genommen werden können, gibt die Homepage www.praxisstart.info. Die KV nimmt auch regelmäßig den Versorgungsgrad mit Hausärzten für die Kreise Minden-Lübbecke und Herford unter die Lupe. Ergebnis: Unterversorgt ist vor allem Löhne (Kreis Herford) mit einem Versorgungsgrad von 74,1 Prozent (siehe Grafik). In dieser Statistik (Stand: 30. November 2018) gilt Minden, das gemeinsam mit Hille veranschlagt wird, mit mehr als 110 Prozent noch als überversorgt, allerdings gehen viele Ärzte bald in den Ruhestand. Um diese Lücken zu schließen, wird es künftig mehr Ärzte brauchen. Dr. Lubbe: „Schon aufgrund der Kindererziehungszeiten braucht es rechnerisch 2,7 Köpfe, um eine Arztstelle zu besetzen." Bis ein Projekt wie dieses seine Wirkung entfalten kann, wird es einige Zeit dauern. Oliver Gubela (Wirtschaftsförderung) rechnet mit einer Vorlaufzeit bis zu 15 Jahren. Lesen Sie dazu auch: Kommentar zum Thema: Die Medizin wird weiblich

Landpartie 2020: Das Rundum-sorglos-Paket für Medizinstudenten im Blockpraktikum

Versorgungsgrad der Hausärzte. © Grafik: Alex Lehn/mt

Minden/Lübbecke (mt). Landarzt werden? Oder doch lieber Karriere machen als Chirurg in der Großstadt? Medizinstudenten haben die Wahl. Weil im Kreis Minden-Lübbecke in den nächsten fünf bis zehn Jahren etwa hundert niedergelassene Hausärzte in den Ruhestand gehen, braucht die Region dringend Nachwuchs. Mit der Medizinerausbildung an den Mühlenkreiskliniken (MKK) ist ein entscheidender Schritt getan. Seit Herbst 2016 werden in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) 60 Studierende pro Semester ausgebildet. In diesen drei Jahren hat die Ausbildung an den MKK bei den künftigen jungen Ärzten einen guten Ruf erworben.

Die Lehrqualität, die Betreuung, der Unterricht am Krankenbett – all das schneidet auf dem Medizin Campus OWL gut ab. Dafür verteilen die jungen Leute in den Befragungen nach Angaben der Mühlenkreiskliniken sogar Bestnoten. Aber es gibt auch ein paar dicke Minuspunkte, die gegen ihre persönliche Zukunft in OWL sprechen: Oft genannt werden die schlechten Verbindungen mit Bus und Bahn und das fehlende Studentenleben.

- © Grafik: Alex Lehn/mt
© Grafik: Alex Lehn/mt

Andererseits hat das Landleben auch viele Vorzüge. Die sollen ab Sommer 2020 beim Projekt Landpartie herausgekehrt werden. Besonders kleine Kommunen sollen auch bei den möglichen Lebenspartnern punkten – und das so früh wie möglich.

Die Idee: Landpartie 2020

Der Vorschlag kommt von Dr. med. Beate Lubbe. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Akupunktur mit einer Praxis in Hille-Oberlübbe. Im Auftrag der Universität Bochum betreut sie Studierende vor Ort und verbringt darum auch viel Zeit in ihrem Büro im Vorlesungsgebäude des JWK. Dr. Lubbe kommt aus Dortmund, hat also eine eigene Ruhrpott-Biografie: „Darum kann ich mich in die Studenten gut hineindenken." Mit dem Projekt Landpartie 2020 möchte sie ihnen sozusagen ein Rundum-sorglos-Paket fürs Landleben schnüren. Damit sollen die Studenten in der Zeit des Blockpraktikums die allerbesten Seiten der Region kennenlernen. Punkten und später profitieren sollen die Städte und Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohnern. Sowohl die Großgemeinde Hille (rund 16.000 Einwohner) als auch Petershagen (rund 25.000 Einwohner) sind mit drin. Es geht bei dem Projekt also nicht um die Studienstandorte Minden und Herford, sondern um die Ortschaften drumherum. Die Attraktivität des ländlichen Raumes soll dargestellt werden. Finanziell unterstützt werden die Übernachtungen und das touristische Programm.

Raus aus der Klinik und zwei Wochen aufs Land

„Ich lerne gerne Menschen kennen. Für mich stand schon mit 22 fest, dass ich Landärztin werden wollte." Dr. Beate Lubbe, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Allgemeinmedizin am Campus OWL in Minden, hat eine eigene Praxis in Oberlübbe. - © Mindener Tageblatt
„Ich lerne gerne Menschen kennen. Für mich stand schon mit 22 fest, dass ich Landärztin werden wollte." Dr. Beate Lubbe, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Allgemeinmedizin am Campus OWL in Minden, hat eine eigene Praxis in Oberlübbe. - © Mindener Tageblatt

Das Angebot „Landpartie 2020" existiert bereits als Angebot verschiedener deutscher Universitäten. Es richtet sich an Studierende in der zweiten Hälfte ihres Studiums (9. und 10. Semester). Das so genannte Blockpraktikum dauert zwei Wochen, dann arbeiten die jungen Mediziner in der Allgemeinmedizin in einer Praxis und somit im ambulanten Versorgungsbereich. Die zwei Wochen während des Praktikums wollen die Initiatoren gezielt nutzen, um ihnen den roten Teppich Richtung Landarztpraxis auszurollen. Es gilt, die Vorteile des ländlichen Raums zu betonen. Mit welchen Angeboten können auch die Dörfer bei jungen Leuten punkten? Dazu freuen sich die Initiatoren der Landpartie auf Vorschläge.

Gute Jobs für Partner,Kitaplätze für die Kinder

Hinter dem Projekt steckt das Ideal einer Life-Work-Balance, also die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Viele Studien belegen, dass gerade junge Leute großen Wert darauf legen. Die Studierenden sind etwa Mitte bis Ende Zwanzig – also in der Familiengründungsphase. Für Beate Lubbe ist daher klar: Wer die jungen Ärzte in die Region bekommen möchte, muss auch die Partner, die Familien bzw. die Familienplanung berücksichtigen. „Zwei Drittel der Medizinstudenten sind weiblich. Also müssen wir vor allem junge Ärztinnen für die Region interessieren." Und: Wegen des Berufes wollen viele nicht auf Kinder verzichten. Viele Allgemeinmedizinerinnen bekommen laut Statistik zwei Kinder oder mehr. Kinder brauchen eine Kita oder eine Schule, die Partner brauchen einen adäquaten Job. An dieser Stelle kommt die Wirtschaftsförderung des Kreises Minden-Lübbecke ins Spiel: Dort sind die Kontakte zu den Arbeitgebern vor Ort vorhanden. Der Kreis kann die Landpartie 2020 organisatorisch unterstützen und die Übernachtungen sowie das touristische Programm bezuschussen. Anspruchsvolle berufliche Ziele – auch der jeweiligen Partner – können im Kreis Minden-Lübbecke gut mit einem harmonischen Lebensumfeld für die ganze Familie vereint werden, heißt es in der Beschreibung der Projektidee. Dann setzt vielleicht der erhoffte „Klebe-Effekt" ein, der die jungen Ärzte tatsächlich auf dem Land hält.

Pilotprojekte laufen in der Nachbarschaft

Vergleichbare Pilotprojekte bestehen bereits an den Instituten für Allgemeinmedizin in Frankfurt, Marburg und Hannover. Praktische Erfahrungen hat Dr. Rolf Stegemann, Institut für Allgemeinmedizin der Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Er sagt: „Viele Medizinstudenten werden im Praktikum positiv überrascht, wie viel Medizin hier passiert." Ihr Blockpraktikum verbringen die Studierenden in Akademischen Lehrpraxen der MHH, zum Beispiel im Landkreis Schaumburg, der direkt an Minden-Lübbecke grenzt. Von dort aus ist die Idee sozusagen über die Landesgrenze geschwappt, als Dr. Stegemann und Dr. Lubbe sich bei einem Kongress austauschten. Für die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) ist die Gewinnung neuer Hausärzte ein zentrales Anliegen.

Was getan wird, um das Projekt zu realisieren

Für das Projekt ist eine Laufzeit von drei Jahren (2020 bis 2022) vorgesehen. In diesen drei Jahren werden jährlich begleitend zum 14-tägigen Blockpraktikum in einer Hausarztpraxis im Kreisgebiet mehrere Angebote für die Studierenden entwickelt. Zum einen soll ihnen eine Unterkunft für die zwei Wochen bereitgestellt werden, die Übernachtungen werden finanziell unterstützt. Darüber hinaus soll den jeweiligen Partnern die Möglichkeit gegeben werden, mittelständische Betriebe im Kreis Minden-Lübbecke kennenzulernen. Die Kontakte zu den Arbeitgebern vor Ort hat die Wirtschaftsförderung des Kreises Minden-Lübbecke. Beispiel: Bei einer Betriebsbesichtigung werden die Fahrtkosten übernommen, entweder für Bus und Bahn oder mit 30 Cent pro Kilometer. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, sollen sich die Studierenden von FH Bielefeld (Campus Minden) und der medizinische Nachwuchs so vernetzten, dass das Studentenleben attraktiver wird. Vielleicht ist auch ein gemeinsames Sportprogramm möglich. Auch Ideen für ein touristisches Begleitprogramm sind gefragt. Da hoffen die Initiatoren auf die Mithilfe der Kommunen mit weniger als 30.000 Einwohnern, für die das Projekt Landpartie gedacht ist. Da denkt Dr. Lubbe vor allem an Angebote, die es im Ruhrgebiet nicht gibt – etwas Besonderes eben. Spontan fällt ihr die Wilhelmshöhe in Stemwede ein. Unterm Strich: „Ich wünsche mir, dass die Landpartie eine Party wird", sagt Dr. Lubbe. Vorbehaltlich einer Förderzusage aus dem Programm Vital.NRW leistet der Kreis Minden-Lübbecke einen Zuschuss in Höhe von 27.000 Euro jährlich.

Rechnerisch 2,7 Köpfe für eine Arztstelle nötig

Junge Ärzte auf ihrem Weg in die ambulante Versorgung zu begleiten – das hat sich auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zur Aufgabe gemacht. Einen Überblick über die Fördermöglichkeiten, die unter bestimmten Voraussetzungen schon im Studium in Anspruch genommen werden können, gibt die Homepage www.praxisstart.info. Die KV nimmt auch regelmäßig den Versorgungsgrad mit Hausärzten für die Kreise Minden-Lübbecke und Herford unter die Lupe. Ergebnis: Unterversorgt ist vor allem Löhne (Kreis Herford) mit einem Versorgungsgrad von 74,1 Prozent (siehe Grafik). In dieser Statistik (Stand: 30. November 2018) gilt Minden, das gemeinsam mit Hille veranschlagt wird, mit mehr als 110 Prozent noch als überversorgt, allerdings gehen viele Ärzte bald in den Ruhestand. Um diese Lücken zu schließen, wird es künftig mehr Ärzte brauchen. Dr. Lubbe: „Schon aufgrund der Kindererziehungszeiten braucht es rechnerisch 2,7 Köpfe, um eine Arztstelle zu besetzen." Bis ein Projekt wie dieses seine Wirkung entfalten kann, wird es einige Zeit dauern. Oliver Gubela (Wirtschaftsförderung) rechnet mit einer Vorlaufzeit bis zu 15 Jahren.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar zum Thema: Die Medizin wird weiblich

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden