Kurzfristig neue Entwicklung im Fall Mechthild Schröer? San Franciscos Polizei deutet Verhaftungen an / Familie der erschossenen Schulleiterin ist für vier Tage vor Ort Von Hartmut Nolte Minden/San Francisco (mt). Im Fall der am 8. August 2010 in San Francisco erschossenen Mechthild Schröer aus Minden könnte es bald eine Verhaftung geben. Das deuteten Medien der kalifornischen Metropole gestern an. Die Leiterin der Michael-Ende-Grundschule in Hahlen war auf offener Straße Zufallsopfer einer Schießerei zwischen offenbar rivalisierenden Jugendbanden geworden. Sie wurde von einer Kugel tödlich in den Kopf getroffen.Mechthild Schröer hatte mit ihrem Mann Stefan in ihrer Lieblingsstadt San Francisco ihren 50. Geburtstag gefeiert. Zwei Tage später, am Sonntagabend gegen 21 Uhr (7. August) war das Ehepaar auf dem Weg zurück ins Hotel, als die beiden Mindener mitten im Touristenviertel um den Union Square an der Ecke Mason Street/Geary Boulevard in die Schießerei gerieten. Am Eingang zu einer Schulabschlussparty hatten sich zwei Gangs offenbar beschossen, sagte damals die städtische Polizei. Zwei weitere leicht verletzte Opfer konnten wenige Stunden später aus dem Krankenhaus entlassen werden. Mechthild Schröer starb vor dem Block 400 der Mason Street. Für den deutschen Generalkonsul Eberhard Brockmann war sie "zur falschen Zeit am falschen Ort".Staatsanwaltschaft hat offenbar Druck gemachtDas San Francisco Police Departement (SFPD) hatte fünf Personen gleich nach der Tat festgenommen, bis auf einen 18-Jährigen aber schnell wieder freigelassen. Auch den 18-Jährigen mussten die Ermittler zwei Tage später wieder auf freien Fuß setzen. Eine Hausdurchsuchung im nahen Fremont fünf Tage nach der Schießerei hat die Polizei offenbar nicht weitergebracht. Doch jetzt kündigte Staatsanwalt George Gascon, der damals zuständiger Polizeichef war, baldige Festnahmen an. Er will heute mit Stefan Schröer und den beiden Söhnen Tobias (22) und Jonas (18) Jonas darüber sprechen. Die Untersuchungen waren offensichtlich auf Druck der Staatsanwaltschaft wieder verschärft worden.Die drei hinterbliebenen Familienmitglieder halten sich zurzeit für vier Tage in San Francisco auf. Eine Art Wallfahrt, titelt "ABC 7 News" die Reise. "Its weird" (es ist seltsam, eigenartig), beschreibt Tobias Schröer seine Gefühle an dem Ort, an dem seine Mutter starb, fast 9000 Kilometer entfernt von zu Hause.Die Stadt San Francisco bemüht sich, durch den tragischen Tod der Mindenerin, der weltweit Schlagzeilen machte, keinen negativen Eindruck auf eine Visite an der Golden-Gate-Bridge zuzulassen. Nach US-Medienberichten bietet eine Hotelkette Stefan Schröer und beiden Söhnen kostenlose Übernachtungen an, und zwei Restaurantbesitzer laden die Familien werbewirksam zum Essen ein.Ex-Polizeichef Gascon sieht zwar auch die Folgen für den Tourismus an der Bay, einen wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt, muss aber gleichzeitig bekanntgeben, dass es in der vergangenen Woche drei Morde an zwei Tagen in der Region gegeben habe. In den vergangenen drei Monaten habe es 662 Fälle von Straßenraub in San Francisco gegeben.Witwer hegt keinen Groll gegen die StadtIm Fall Schröer hatte sich der Staatsanwalt und frühere Polizeichef über mangelnde Anteilnahme beklagt. "In anderen Städten hätte", so wird er zitiert, "nach einem solchen Fall mein Telefon nicht stillgestanden". Er sei enttäuscht, dass der "Aufschrei der Menschen ausgeblieben" sei.Stefan Schröer sagte dem San Francisco Examiner, er wolle nur Gerechtigkeit, hege keinen Groll gegen die Stadt. Denn was er und seine Söhne verloren hätten, könne ihnen keiner wiedergeben. Die drei werden heute an einem Gedenkgottesdienst für Mechthild Schröer in San Francisco teilnehmen.

Kurzfristig neue Entwicklung im Fall Mechthild Schröer?

Minden/San Francisco (mt). Im Fall der am 8. August 2010 in San Francisco erschossenen Mechthild Schröer aus Minden könnte es bald eine Verhaftung geben. Das deuteten Medien der kalifornischen Metropole gestern an.

Auf dieser Straße wurde die Mindener Schulleiterin Mechthild Schröer das Zufallsopfer einer Schießerei. - © Foto: MT-Archiv
Auf dieser Straße wurde die Mindener Schulleiterin Mechthild Schröer das Zufallsopfer einer Schießerei. - © Foto: MT-Archiv

Die Leiterin der Michael-Ende-Grundschule in Hahlen war auf offener Straße Zufallsopfer einer Schießerei zwischen offenbar rivalisierenden Jugendbanden geworden. Sie wurde von einer Kugel tödlich in den Kopf getroffen.

Mechthild Schröer hatte mit ihrem Mann Stefan in ihrer Lieblingsstadt San Francisco ihren 50. Geburtstag gefeiert. Zwei Tage später, am Sonntagabend gegen 21 Uhr (7. August) war das Ehepaar auf dem Weg zurück ins Hotel, als die beiden Mindener mitten im Touristenviertel um den Union Square an der Ecke Mason Street/Geary Boulevard in die Schießerei gerieten. Am Eingang zu einer Schulabschlussparty hatten sich zwei Gangs offenbar beschossen, sagte damals die städtische Polizei. Zwei weitere leicht verletzte Opfer konnten wenige Stunden später aus dem Krankenhaus entlassen werden. Mechthild Schröer starb vor dem Block 400 der Mason Street. Für den deutschen Generalkonsul Eberhard Brockmann war sie "zur falschen Zeit am falschen Ort".

Staatsanwaltschaft hat offenbar Druck gemacht

Das San Francisco Police Departement (SFPD) hatte fünf Personen gleich nach der Tat festgenommen, bis auf einen 18-Jährigen aber schnell wieder freigelassen. Auch den 18-Jährigen mussten die Ermittler zwei Tage später wieder auf freien Fuß setzen. Eine Hausdurchsuchung im nahen Fremont fünf Tage nach der Schießerei hat die Polizei offenbar nicht weitergebracht. Doch jetzt kündigte Staatsanwalt George Gascon, der damals zuständiger Polizeichef war, baldige Festnahmen an. Er will heute mit Stefan Schröer und den beiden Söhnen Tobias (22) und Jonas (18) Jonas darüber sprechen. Die Untersuchungen waren offensichtlich auf Druck der Staatsanwaltschaft wieder verschärft worden.

Die drei hinterbliebenen Familienmitglieder halten sich zurzeit für vier Tage in San Francisco auf. Eine Art Wallfahrt, titelt "ABC 7 News" die Reise. "Its weird" (es ist seltsam, eigenartig), beschreibt Tobias Schröer seine Gefühle an dem Ort, an dem seine Mutter starb, fast 9000 Kilometer entfernt von zu Hause.

Die Stadt San Francisco bemüht sich, durch den tragischen Tod der Mindenerin, der weltweit Schlagzeilen machte, keinen negativen Eindruck auf eine Visite an der Golden-Gate-Bridge zuzulassen. Nach US-Medienberichten bietet eine Hotelkette Stefan Schröer und beiden Söhnen kostenlose Übernachtungen an, und zwei Restaurantbesitzer laden die Familien werbewirksam zum Essen ein.

Ex-Polizeichef Gascon sieht zwar auch die Folgen für den Tourismus an der Bay, einen wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt, muss aber gleichzeitig bekanntgeben, dass es in der vergangenen Woche drei Morde an zwei Tagen in der Region gegeben habe. In den vergangenen drei Monaten habe es 662 Fälle von Straßenraub in San Francisco gegeben.

Witwer hegt keinen Groll gegen die Stadt

Im Fall Schröer hatte sich der Staatsanwalt und frühere Polizeichef über mangelnde Anteilnahme beklagt. "In anderen Städten hätte", so wird er zitiert, "nach einem solchen Fall mein Telefon nicht stillgestanden". Er sei enttäuscht, dass der "Aufschrei der Menschen ausgeblieben" sei.

Stefan Schröer sagte dem San Francisco Examiner, er wolle nur Gerechtigkeit, hege keinen Groll gegen die Stadt. Denn was er und seine Söhne verloren hätten, könne ihnen keiner wiedergeben. Die drei werden heute an einem Gedenkgottesdienst für Mechthild Schröer in San Francisco teilnehmen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden