Update: Das sagt Landrätin Anna Bölling zu ihrem Auftritt bei Markus Lanz Jan Henning Rogge,Monika Jäger Minden. Die rasant fallende Inzidenz der Corona-Neuinfektionen im Kreis Minden-Lübbecke hatte die Redaktion der ZDF-Talkshow „Markus Lanz" neugierig gemacht und bescherte Mindens Landrätin Anna Bölling einen virtuellen Kurzauftritt: Etwa vier Minuten war sie in der Sendung vom Mittwochabend zugeschaltet, um über den starken Rückgang von Corona-Neuinfektionen im Kreis zu berichten. Themen der Sendung sind an diesem Abend – wie so oft – der Umgang mit der Pandemie in Deutschland und mögliche Auswege aus der Dauerkrise. Zu Gast: der CDU-Politiker Carsten Linnemann, der Spiegel-Redakteur Markus Feldenkirchen, der Pharmazeut Professor Thorsten Lehr und die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats Professorin Christiane Woopen (die Lanz übrigens als „einzige Frau heute in der Runde" begrüßt). Bölling wird nach gut 40 Minuten zugeschaltet – und gibt auf die Frage des Moderators, wie sie es geschafft hat, die Ansteckungszahlen zu verringern, dann keine konkrete Antwort. Das liege an der Regie, wie Bölling am Donnerstag bei einem kurzen Rückblick bedauernd sagt. „Ich finde schade, dass der erste Teil abgeschnitten worden ist, in dem es genau darum ging, wie wir den Inzidenzwert runter bekommen haben." Als Bölling um kurz nach Mitternacht auf dem Bildschirm im Studio zu sehen ist. schläft sie in Wirklichkeit längst. Die Sendung wurde nachmittags aufgezeichnet. Erst mittags war die Einladung gekommen, so Bölling. „Ich bin kurzfristig gefragt worden, ob ich nach Hamburg kommen oder zugeschaltet werden könnte." Sie habe sich für die Teilnahme entschieden – „wohl wissend, was für ein Format das ist" -, um den Kreis nach außen zu präsentieren. Gegen 16 Uhr ist der erste Technik-Test, Bölling sitzt bei sich zuhause („ich habe den Platz gesucht, an dem ich das beste Licht habe" – das sei im Kreishaus nicht optimal). Ein Stück Gardine soll mit ins Bild, verlangt die Regie. Dann sieht Bölling zu, wie die Teilnehmenden im Studio professionell geschminkt werden. Nachdem die Aufzeichnung begonnen hat, versorgt sie die Regie immer wieder mit Hinweisen im Chat. „Ich war bei der ganzen Sendung dabei, das war mir auch wichtig." Um 17.36 Uhr ist sie an der Reihe. Gastgeber Markus Lanz führt kurz in die geografische Lage des Kreises Minden-Lübbecke ein. Eine Karte wird gezeigt, auf der in der Umgebung „ziemlich viel Rot" zu sehen ist, so Lanz. Seine Frage: Wie es die Landrätin handhaben wolle, wenn sie den Lockdown lockern könnte, zu verhindern, dass die Menschen aus Hannover zum Einkaufen kämen? Eine unerwartete Frage, die ein Stück an der Realität im Kreis vorbei geht. War Bölling überrascht? „Das ist auf Landratsebene ja schwer zu beantworten", sagt sie im Rückblick. „Aber ich hatte mir vorgenommen, auf alles so gut wie möglich zu antworten." Die konkreten Fragen waren nicht abgesprochen, es gab aber ein breit angelegtes Vorgespräch. In dem sei es beispielsweise um Inzidenz, Impfen und mögliche Astra-Zeneca-Skepsis gegangen. In ihrer Antwort auf Lanz’ Frage bleibt Bölling daher allgemein. Sie verweist darauf, dass es nur gemeinsam ginge, dass es bereits jetzt viele Absprachen mit den Nachbarn gebe, auch mit denen in Niedersachsen – und dann sagt sie auch, dass die Inzidenz im Kreisgebiet derzeit wieder steigt. Darauf geht Lanz allerdings nicht ein, er fragt, wie Bölling es der eigenen Bevölkerung erklären wolle, wenn die Inzidenz unter 35 sei „und sie lassen alles zu?" Bölling verweist darauf, dass es nicht ihre Entscheidung sei, den Lockdown im Kreisgebiet aufzuheben: das sei Landessache. Sie spricht von fließenden Diskussionen, Entscheidungen von Tag zu Tag und der Bedeutung des Diskussionsprozesses. Und was hat sie nun auf die eigentlich zentrale Frage gesagt, wie es im Kreis Minden-Lübbecke gelungen sei, die Inzidenz von über 200 im Januar auf derzeit 44,1 (am 14. Februar 38,3) zu senken? Was war die Antwort, die gefehlt hat? Sie habe unter anderem auf die enge Zusammenarbeit im Krisenstab hingewiesen, darauf, dass es stets Abstimmungen mit den Städten und Gemeinden gegeben hat. „Und auch, wenn das ein Allgemeinplatz ist: Wir haben hier sehr disziplinierte Bürger." Ein wichtiger Schritt sei zudem gewesen, dass der Kreis passgenau eingegriffen habe. Die hohen Werte in Espelkamp und Rahden wurden unter anderem durch Eingriffe in das Thema Religionsausübung in Kombination mit dem Lockdown gesenkt. „Wir waren doch vor Weihnachten einer der Spitzenreiter im Land." Und nicht sie persönlich habe doch die Fallzahlen gesenkt, sondern eine Mischung aus Maßnahmen im Kreis und den Vorgaben des Landes – das klingt dann auch bei den Antworten durch, die es in die Sendung geschafft haben. Schnell ist der Gastauftritt der Minden-Lübbecker Landrätin – ihr erster in einer Talkshow, auch wenn sie schon mehrfach beim WDR zu Gast war – wieder vorbei. Lanz verabschiedet sie mit der Hoffnung, sie in der Zukunft vielleicht einmal im Studio begrüßen zu dürfen. Die Runde geht nahtlos vom kleinen Minden-Lübbecke zur großen Politik über. Die Sendung steht in der ZDF-Mediathek zur Verfügung. Landrätin Anna Bölling ist ab 43:59 zu sehen.

Update: Das sagt Landrätin Anna Bölling zu ihrem Auftritt bei Markus Lanz

Minden-Lübbeckes Landrätin Anna Bölling ist der Runde um Markus Lanz im Studio zugeschaltet. Repro: MT © Rogge

Minden. Die rasant fallende Inzidenz der Corona-Neuinfektionen im Kreis Minden-Lübbecke hatte die Redaktion der ZDF-Talkshow „Markus Lanz" neugierig gemacht und bescherte Mindens Landrätin Anna Bölling einen virtuellen Kurzauftritt: Etwa vier Minuten war sie in der Sendung vom Mittwochabend zugeschaltet, um über den starken Rückgang von Corona-Neuinfektionen im Kreis zu berichten.

Themen der Sendung sind an diesem Abend – wie so oft – der Umgang mit der Pandemie in Deutschland und mögliche Auswege aus der Dauerkrise. Zu Gast: der CDU-Politiker Carsten Linnemann, der Spiegel-Redakteur Markus Feldenkirchen, der Pharmazeut Professor Thorsten Lehr und die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats Professorin Christiane Woopen (die Lanz übrigens als „einzige Frau heute in der Runde" begrüßt).

Auch das MT hatte einen Gastauftritt - allerdings nur für Sekunden. Die "Markus-Lanz"-Redaktion nutzte die von der MT-Redaktion erstellte Inzidenz-Verlaufskurve. Repro: MT - © Rogge
Auch das MT hatte einen Gastauftritt - allerdings nur für Sekunden. Die "Markus-Lanz"-Redaktion nutzte die von der MT-Redaktion erstellte Inzidenz-Verlaufskurve. Repro: MT - © Rogge

Bölling wird nach gut 40 Minuten zugeschaltet – und gibt auf die Frage des Moderators, wie sie es geschafft hat, die Ansteckungszahlen zu verringern, dann keine konkrete Antwort. Das liege an der Regie, wie Bölling am Donnerstag bei einem kurzen Rückblick bedauernd sagt. „Ich finde schade, dass der erste Teil abgeschnitten worden ist, in dem es genau darum ging, wie wir den Inzidenzwert runter bekommen haben."

Als Bölling um kurz nach Mitternacht auf dem Bildschirm im Studio zu sehen ist. schläft sie in Wirklichkeit längst. Die Sendung wurde nachmittags aufgezeichnet. Erst mittags war die Einladung gekommen, so Bölling. „Ich bin kurzfristig gefragt worden, ob ich nach Hamburg kommen oder zugeschaltet werden könnte." Sie habe sich für die Teilnahme entschieden – „wohl wissend, was für ein Format das ist" -, um den Kreis nach außen zu präsentieren.

Gegen 16 Uhr ist der erste Technik-Test, Bölling sitzt bei sich zuhause („ich habe den Platz gesucht, an dem ich das beste Licht habe" – das sei im Kreishaus nicht optimal). Ein Stück Gardine soll mit ins Bild, verlangt die Regie. Dann sieht Bölling zu, wie die Teilnehmenden im Studio professionell geschminkt werden. Nachdem die Aufzeichnung begonnen hat, versorgt sie die Regie immer wieder mit Hinweisen im Chat. „Ich war bei der ganzen Sendung dabei, das war mir auch wichtig."

Um 17.36 Uhr ist sie an der Reihe.

Gastgeber Markus Lanz führt kurz in die geografische Lage des Kreises Minden-Lübbecke ein. Eine Karte wird gezeigt, auf der in der Umgebung „ziemlich viel Rot" zu sehen ist, so Lanz. Seine Frage: Wie es die Landrätin handhaben wolle, wenn sie den Lockdown lockern könnte, zu verhindern, dass die Menschen aus Hannover zum Einkaufen kämen?

Eine unerwartete Frage, die ein Stück an der Realität im Kreis vorbei geht. War Bölling überrascht? „Das ist auf Landratsebene ja schwer zu beantworten", sagt sie im Rückblick. „Aber ich hatte mir vorgenommen, auf alles so gut wie möglich zu antworten." Die konkreten Fragen waren nicht abgesprochen, es gab aber ein breit angelegtes Vorgespräch. In dem sei es beispielsweise um Inzidenz, Impfen und mögliche Astra-Zeneca-Skepsis gegangen. In ihrer Antwort auf Lanz’ Frage bleibt Bölling daher allgemein. Sie verweist darauf, dass es nur gemeinsam ginge, dass es bereits jetzt viele Absprachen mit den Nachbarn gebe, auch mit denen in Niedersachsen – und dann sagt sie auch, dass die Inzidenz im Kreisgebiet derzeit wieder steigt.

Darauf geht Lanz allerdings nicht ein, er fragt, wie Bölling es der eigenen Bevölkerung erklären wolle, wenn die Inzidenz unter 35 sei „und sie lassen alles zu?" Bölling verweist darauf, dass es nicht ihre Entscheidung sei, den Lockdown im Kreisgebiet aufzuheben: das sei Landessache. Sie spricht von fließenden Diskussionen, Entscheidungen von Tag zu Tag und der Bedeutung des Diskussionsprozesses.

Und was hat sie nun auf die eigentlich zentrale Frage gesagt, wie es im Kreis Minden-Lübbecke gelungen sei, die Inzidenz von über 200 im Januar auf derzeit 44,1 (am 14. Februar 38,3) zu senken? Was war die Antwort, die gefehlt hat? Sie habe unter anderem auf die enge Zusammenarbeit im Krisenstab hingewiesen, darauf, dass es stets Abstimmungen mit den Städten und Gemeinden gegeben hat. „Und auch, wenn das ein Allgemeinplatz ist: Wir haben hier sehr disziplinierte Bürger."

Ein wichtiger Schritt sei zudem gewesen, dass der Kreis passgenau eingegriffen habe. Die hohen Werte in Espelkamp und Rahden wurden unter anderem durch Eingriffe in das Thema Religionsausübung in Kombination mit dem Lockdown gesenkt. „Wir waren doch vor Weihnachten einer der Spitzenreiter im Land."

Und nicht sie persönlich habe doch die Fallzahlen gesenkt, sondern eine Mischung aus Maßnahmen im Kreis und den Vorgaben des Landes – das klingt dann auch bei den Antworten durch, die es in die Sendung geschafft haben.

Schnell ist der Gastauftritt der Minden-Lübbecker Landrätin – ihr erster in einer Talkshow, auch wenn sie schon mehrfach beim WDR zu Gast war – wieder vorbei. Lanz verabschiedet sie mit der Hoffnung, sie in der Zukunft vielleicht einmal im Studio begrüßen zu dürfen. Die Runde geht nahtlos vom kleinen Minden-Lübbecke zur großen Politik über.

Die Sendung steht in der ZDF-Mediathek zur Verfügung. Landrätin Anna Bölling ist ab 43:59 zu sehen.

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