Kunstwerk oder eine rostige Plakatwand? SPD-Stadtverordneter Peter Kock sieht mangelnden Respekt vor Keilstück / Hartmut Freise (FDP): Nur ein Stück Metall Carsten Korfesmeyer Minden (mt). Plakate und Graffiti bringen das Keilstück wieder in die Diskussion. Peter Kock (SPD) spricht von mangelndem Respekt im Umgang mit der Kunst, die Liberale Fraktion hätte keine Probleme damit, wenn die Skulptur entfernt würde.Die Skulptur, die der Stadt Minden gehört, hat in der öffentlichen Meinung seit 1987 polarisiert. „Das Keilstück wird immer mehr als Plakatwand missbraucht“, sagt Peter Kock. Der Stadtverordnete ärgert sich darüber, wie in Minden mit der Kunst im öffentlichen Raum umgegangen wird.Wird das Keilstück verunreinigt, sucht die Stadt den Verursacher. Der muss dann den Schaden beseitigen. Tut er das nicht, stellt die Stadt ihm die Kosten für die Reinigung in Rechnung.Dass wildes Plakatieren nicht in Ordnung sei, teilt auch Hartmut Freise. Der stellvertretende Vorsitzende der Liberalen Fraktion hat jedoch den Eindruck, dass die Skulptur von der Bevölkerung nicht als Kunstwerk empfunden werde. „Für mich ist das nur ein Stück rostiges Metall“, sagt er. Seine Fraktion sei der Ansicht, darauf gut verzichten zu können und: Die mangelnde Wahrnehmung sei mit ein Auslöser für die „ewigen Graffitischmierereien und die vielen Plakate“.CDU-Fraktionschef Ulrich Stadtmann sieht das Problem woanders. „Das Keilstück wirkt deplatziert“, sagt er. Als Kunstwerk würde es eher gesehen, wenn der Martinikirchhof komplett neu gestaltet würde, was aufgrund der städtischen Haushaltslage zurzeit undenkbar sei. „Der Platz bräuchte mehr Aufenthaltsqualität.“ Die künstlerische Aussage des Keilstücks, Bezugspunkte zur Architektur des Platzes herzustellen, wäre dann aber besser zu erkennen.Harald Steinmetz von der Mindener Initiative erinnert an die langen hitzigen Debatten um das Keilstück, die letztlich sogar die Gerichte beschäftigten. „Es ist als Kunstwerk anerkannt – und dann darf man es auch nicht Beschmieren oder Plakatieren“, sagt er. Steinmetz bringt allerdings auch den Gedanken ins Spiel, ob es nicht Teil des künstlerischen Ausdrucks sei, Graffitis und Co. am Keilstück zu dulden. „Man könnte da ja mal beim Künstler nachfragen.“Bettina Fuhg zeigt viel Sympathie für SkulpturBettina Fuhg (Bündnisgrüne) sieht im Keilstück ein Kunstwerk am falschen Standort. „Plakatieren und Beschriften geht gar nicht“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende, die als Künstlerin auch eine große Sympathie für die vier Meter hohe Melallskulptur hat. „Ich finde sie gut“, sagt die Politikerin.Das Keilstück des Künstlers Wilfried Hagebölling ist 2001 vom Landgericht Bielefeld sogar zur Verschrottung freigegeben – und erst in der Berufung durch das Oberlandesgericht Hamm „gerettet“ worden. Die Diskussionen dürften weiter gehen, denn: über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten

Kunstwerk oder eine rostige Plakatwand?

Die Debatte um den Umgang mit dem Keilstück als Kunstwerk ist neu entfacht. In jüngster Zeit wurde die 1987 auf dem Martinikirchhof aufgestellte Skulptur besonders häufig für das Aufkleben von Plakaten genutzt. Das polarisiert in der Mindener Politik. © MT-Foto: Carsten Korfesmeyer

Minden (mt). Plakate und Graffiti bringen das Keilstück wieder in die Diskussion. Peter Kock (SPD) spricht von mangelndem Respekt im Umgang mit der Kunst, die Liberale Fraktion hätte keine Probleme damit, wenn die Skulptur entfernt würde.

Die Skulptur, die der Stadt Minden gehört, hat in der öffentlichen Meinung seit 1987 polarisiert. „Das Keilstück wird immer mehr als Plakatwand missbraucht“, sagt Peter Kock. Der Stadtverordnete ärgert sich darüber, wie in Minden mit der Kunst im öffentlichen Raum umgegangen wird.

Wird das Keilstück verunreinigt, sucht die Stadt den Verursacher. Der muss dann den Schaden beseitigen. Tut er das nicht, stellt die Stadt ihm die Kosten für die Reinigung in Rechnung.

Dass wildes Plakatieren nicht in Ordnung sei, teilt auch Hartmut Freise. Der stellvertretende Vorsitzende der Liberalen Fraktion hat jedoch den Eindruck, dass die Skulptur von der Bevölkerung nicht als Kunstwerk empfunden werde. „Für mich ist das nur ein Stück rostiges Metall“, sagt er. Seine Fraktion sei der Ansicht, darauf gut verzichten zu können und: Die mangelnde Wahrnehmung sei mit ein Auslöser für die „ewigen Graffitischmierereien und die vielen Plakate“.

CDU-Fraktionschef Ulrich Stadtmann sieht das Problem woanders. „Das Keilstück wirkt deplatziert“, sagt er. Als Kunstwerk würde es eher gesehen, wenn der Martinikirchhof komplett neu gestaltet würde, was aufgrund der städtischen Haushaltslage zurzeit undenkbar sei. „Der Platz bräuchte mehr Aufenthaltsqualität.“ Die künstlerische Aussage des Keilstücks, Bezugspunkte zur Architektur des Platzes herzustellen, wäre dann aber besser zu erkennen.

Harald Steinmetz von der Mindener Initiative erinnert an die langen hitzigen Debatten um das Keilstück, die letztlich sogar die Gerichte beschäftigten. „Es ist als Kunstwerk anerkannt – und dann darf man es auch nicht Beschmieren oder Plakatieren“, sagt er. Steinmetz bringt allerdings auch den Gedanken ins Spiel, ob es nicht Teil des künstlerischen Ausdrucks sei, Graffitis und Co. am Keilstück zu dulden. „Man könnte da ja mal beim Künstler nachfragen.“

Bettina Fuhg zeigt viel Sympathie für Skulptur

Bettina Fuhg (Bündnisgrüne) sieht im Keilstück ein Kunstwerk am falschen Standort. „Plakatieren und Beschriften geht gar nicht“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende, die als Künstlerin auch eine große Sympathie für die vier Meter hohe Melallskulptur hat. „Ich finde sie gut“, sagt die Politikerin.

Das Keilstück des Künstlers Wilfried Hagebölling ist 2001 vom Landgericht Bielefeld sogar zur Verschrottung freigegeben – und erst in der Berufung durch das Oberlandesgericht Hamm „gerettet“ worden. Die Diskussionen dürften weiter gehen, denn: über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten

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