80 Teilnehmer bei Kundgebung gegen Corona-Einschränkungen Kerstin Rickert,Doris Christoph Minden. In Minden protestierten am vergangenen Samstag erneut Gegner der Corona-Einschränkungen auf dem Simeonsplatz. An der dritten „Kundgebung für Freiheit und Selbstbestimmung“ in Folge, die von Impfgegnern und den Gruppen von „Nicht ohne uns – Demokratischer Widerstand“ und „Grundrechte OWL“ organisiert wurde, beteiligten sich etwa 80 Menschen. Vorausgegangen war ein Demonstrationszug durch die Mindener Innenstadt. Der als „Spaziergang“ angemeldete Protestmarsch wurde, wie auch die anschließende Demonstration auf dem Simeonsplatz, von Polizei und Ordnungsbehörde begleitet. In zwei Reihen durch Flatterband auf Abstand gehalten und mit Plakaten, auf denen sie Forderungen wie „Stop Masernimpfzwang“ und „kontrollierte sofortige Lockerungsmaßnahmen“ zum Ausdruck brachten, zogen etwa 20 Demonstranten am frühen Nachmittag durch die Bäckerstraße und über Scharn, Marktplatz, Obermarktstraße und Simeonstraße auf den Simeonsplatz. Angeführt wurde der Protestmarsch von einem Mann aus Espelkamp, der auch die Kundgebungen auf dem Marktplatz an den beiden Samstagen zuvor angemeldet hatte. Mithilfe eines Megaphons sprach er von „massiver Unverhältnismäßigkeit des Lockdowns“ und forderte unter anderem „Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit und der eigenen Kinder“. Dazu gehöre auch eine freie Impfentscheidung. Die Passanten reagierten unterschiedlich. Manche lächelten und schüttelten den Kopf, einer rief: „Ich hoffe, dein Kind bekommt die Masern“. Andere nahmen interessiert die Handzettel mit der Einladung zur Kundgebung entgegen, die von den Demonstranten verteilt wurden. Auf dem Simeonsplatz hatten sich unterdessen weitere 20 Demonstranten eingefunden. Im Verlauf der eineinhalbstündigen Kundgebung wuchs die Zahl der Teilnehmer auf etwa 80. Zu Beginn wurden die Anwesenden darauf hingewiesen, Abstände zueinander einzuhalten und sich dabei an auf dem Pflaster aufgemalten Kreuzen zu orientieren. Es folgten mehrere Redebeiträge aus dem Kreis der Teilnehmer. Jeder, der etwas sagen wollte, durfte ans Mikrofon und seine Meinung kundtun. Den Anfang machte eine Frau, die sich als Natalie und Gründerin der impfgegnerischen Gruppe „Stammtisch Minden“ vorstellte. Zur Sprache kamen Kritik am Masernschutz-Gesetz und insbesondere an den Corona-Maßnahmen. Ein zentrales Thema diesmal war Medienkritik. Sowohl den öffentlich-rechtlichen Medien als auch dem Mindener Tageblatt warfen die Redner vor, einseitig und manipulativ zu berichten und Meinungsmache zu betreiben. Im Zentrum der Wutrede eines Mannes um die 50 stand ein am selben Tag im MT unter der Überschrift „Als wir sprachen“ erschienener Artikel von MT-Chefredakteur Benjamin Piel. Daraus zitiert wurden Passagen, die deutlich machen sollten, der Verfasser betreibe „tendenziöse Medienmache“ und das MT berichte nicht neutral, sondern betreibe „Stimmungsmache“ und „Hetze“. Zudem wurde der MT-Redaktion unterstellt, der SPD nahe zu stehen. In einem weiteren Redebeitrag behauptete ein Mann, der sich als Frank vorstellte, die MT-Redaktion sei bestechlich. Solche Kundgebungen gab es am Samstag in mehreren deutschen Städten, so auch in Bielefeld. In Ostwestfalen-Lippe haben sie die Aufmerksamkeit des linksautonomen „Recherche Kollektivs Ostwestfalen“ auf sich gezogen, das nach eigenen Angaben zu den Themen Neonazismus, Rassismus und Faschismus in der Region arbeitet. Es hat die Demonstration vom 23. Mai in Minden analysiert. Auf seiner Twitter-Seite teilt es mit, dass sich unter den Teilnehmern auch bekannte Neonazis und Reichsbürger befunden hätten. Anwesend seien auch Mathias Schwier und Robert Göhricke von der Partei „Die Rechte OWL“ gewesen. Eine Abgrenzung gegen Rechts sei bei der Veranstaltung nicht erfolgt. Kenntnis über den Tweet und dessen Inhalt erlangte das MT erst nach der jüngsten Demonstration. Eine Stellungnahme des Veranstalters konnte die Redaktion deshalb vor Ort nicht einholen. Da der Organisator aus Espelkamp seinen Namen trotz Nachfrage nicht nennen wollte und auch die Internetseite der Kundgebung kein Impressum aufweist, war dies auch zu seinem späteren Zeitpunkt nicht möglich.? Auch der Blog des „Recherche Kollektivs Ostwestfalen“ verfügt übrigens über kein Impressum. Die Autorinnen sind erreichbar unter Kerstin.Rickert@MT.de und Doris.Christoph@MT.de

80 Teilnehmer bei Kundgebung gegen Corona-Einschränkungen

Zum dritten Mal fand eine „Kundgebung für Freiheit und Selbstbestimmung“ in Minden statt. Sie begann mit einem Demonstrationszug, der zum Simeonsplatz führte. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Minden. In Minden protestierten am vergangenen Samstag erneut Gegner der Corona-Einschränkungen auf dem Simeonsplatz. An der dritten „Kundgebung für Freiheit und Selbstbestimmung“ in Folge, die von Impfgegnern und den Gruppen von „Nicht ohne uns – Demokratischer Widerstand“ und „Grundrechte OWL“ organisiert wurde, beteiligten sich etwa 80 Menschen.

Vorausgegangen war ein Demonstrationszug durch die Mindener Innenstadt. Der als „Spaziergang“ angemeldete Protestmarsch wurde, wie auch die anschließende Demonstration auf dem Simeonsplatz, von Polizei und Ordnungsbehörde begleitet.

In zwei Reihen durch Flatterband auf Abstand gehalten und mit Plakaten, auf denen sie Forderungen wie „Stop Masernimpfzwang“ und „kontrollierte sofortige Lockerungsmaßnahmen“ zum Ausdruck brachten, zogen etwa 20 Demonstranten am frühen Nachmittag durch die Bäckerstraße und über Scharn, Marktplatz, Obermarktstraße und Simeonstraße auf den Simeonsplatz.

Angeführt wurde der Protestmarsch von einem Mann aus Espelkamp, der auch die Kundgebungen auf dem Marktplatz an den beiden Samstagen zuvor angemeldet hatte. Mithilfe eines Megaphons sprach er von „massiver Unverhältnismäßigkeit des Lockdowns“ und forderte unter anderem „Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit und der eigenen Kinder“. Dazu gehöre auch eine freie Impfentscheidung.

Die Passanten reagierten unterschiedlich. Manche lächelten und schüttelten den Kopf, einer rief: „Ich hoffe, dein Kind bekommt die Masern“. Andere nahmen interessiert die Handzettel mit der Einladung zur Kundgebung entgegen, die von den Demonstranten verteilt wurden.

Auf dem Simeonsplatz hatten sich unterdessen weitere 20 Demonstranten eingefunden. Im Verlauf der eineinhalbstündigen Kundgebung wuchs die Zahl der Teilnehmer auf etwa 80. Zu Beginn wurden die Anwesenden darauf hingewiesen, Abstände zueinander einzuhalten und sich dabei an auf dem Pflaster aufgemalten Kreuzen zu orientieren.

Es folgten mehrere Redebeiträge aus dem Kreis der Teilnehmer. Jeder, der etwas sagen wollte, durfte ans Mikrofon und seine Meinung kundtun. Den Anfang machte eine Frau, die sich als Natalie und Gründerin der impfgegnerischen Gruppe „Stammtisch Minden“ vorstellte. Zur Sprache kamen Kritik am Masernschutz-Gesetz und insbesondere an den Corona-Maßnahmen.

Ein zentrales Thema diesmal war Medienkritik. Sowohl den öffentlich-rechtlichen Medien als auch dem Mindener Tageblatt warfen die Redner vor, einseitig und manipulativ zu berichten und Meinungsmache zu betreiben. Im Zentrum der Wutrede eines Mannes um die 50 stand ein am selben Tag im MT unter der Überschrift „Als wir sprachen“ erschienener Artikel von MT-Chefredakteur Benjamin Piel. Daraus zitiert wurden Passagen, die deutlich machen sollten, der Verfasser betreibe „tendenziöse Medienmache“ und das MT berichte nicht neutral, sondern betreibe „Stimmungsmache“ und „Hetze“. Zudem wurde der MT-Redaktion unterstellt, der SPD nahe zu stehen. In einem weiteren Redebeitrag behauptete ein Mann, der sich als Frank vorstellte, die MT-Redaktion sei bestechlich.

Solche Kundgebungen gab es am Samstag in mehreren deutschen Städten, so auch in Bielefeld. In Ostwestfalen-Lippe haben sie die Aufmerksamkeit des linksautonomen „Recherche Kollektivs Ostwestfalen“ auf sich gezogen, das nach eigenen Angaben zu den Themen Neonazismus, Rassismus und Faschismus in der Region arbeitet. Es hat die Demonstration vom 23. Mai in Minden analysiert. Auf seiner Twitter-Seite teilt es mit, dass sich unter den Teilnehmern auch bekannte Neonazis und Reichsbürger befunden hätten. Anwesend seien auch Mathias Schwier und Robert Göhricke von der Partei „Die Rechte OWL“ gewesen. Eine Abgrenzung gegen Rechts sei bei der Veranstaltung nicht erfolgt.

Kenntnis über den Tweet und dessen Inhalt erlangte das MT erst nach der jüngsten Demonstration. Eine Stellungnahme des Veranstalters konnte die Redaktion deshalb vor Ort nicht einholen. Da der Organisator aus Espelkamp seinen Namen trotz Nachfrage nicht nennen wollte und auch die Internetseite der Kundgebung kein Impressum aufweist, war dies auch zu seinem späteren Zeitpunkt nicht möglich.? Auch der Blog des „Recherche Kollektivs Ostwestfalen“ verfügt übrigens über kein Impressum.

Die Autorinnen sind erreichbar unter Kerstin.Rickert@MT.de und Doris.Christoph@MT.de

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