Kulturzentrum statt Kultstätte: Mindener werben für Wiederaufbau des Wagner-Theaters in Riga Udo Stephan Köhne Minden. Konzert und Werbeveranstaltung: Der vom Richard-Wagner-Verband ausgerichtete Abend mit der lettischen Pianistin Lauma Skride brachte dem Publikum nicht nur eine Menge schöner Musik, sondern auch spannende Einblicke zum Wiederaufbau des Richard-Wagner-Theaters in Riga, einem Projekt, das gerade mit nachhaltiger politischer Unterstützung auf den Weg gebracht wird. So hat der Deutsche Bundestag mehr als fünf Millionen Euro bereit gestellt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist einer der Schirmherren wie auch hohe Vertreter der lettischen Politik. Als weiteren wichtigen Markstein und Treffpunkt für Wagner-Freunde verstehen die Initiatoren des Wiederaufbaus die Neuerrichtung dieses vor etwa 20 Jahren geschlossenen Theaters, das 1782 als Rigaer Stadttheater errichtet wurde und in dem Richard Wagner von 1837 bis 1839 – also den Jahren als er in Riga als Kapellmeister wirkte – zahlreiche Konzerte abgehalten haben dürfte. „Hier wurde Wagner zum Europäer“, sagte Konrad Winckler bei seiner Darlegung des Projekts; Winckler vertritt die Anliegen dieses Projekts mit großer Leidenschaft. Gedacht ist nicht an den Aufbau einer weiteren Wagner-Kultstätte, sondern an ein europäisches Kulturzentrum mit einem 500 Plätze umfassenden Konzertsaal. Entstehen soll ein Begegnungszentrum für Tagungen und Kongresse, Probenräume, ebenso ein Museum. Von hier aus sollen Impulse für die Kunst und alle diejenigen, die an der Vision des Gesamtkunstwerks im 21. Jahrhundert mitwirken wollen, ausgehen. So weit der Traum, der in einem schön gestalteten Modell (das nach dem Konzert zu bestaunen war) einer lettischen Architektin bereits Miniaturwirklichkeit geworden ist. Die Eröffnung ist übrigens für 2026 geplant, dem Jahr des 150. Geburtstags der Bayreuther Festspiele. Bis dahin muss allerdings noch eine Menge Geld aufgetrieben werden, um die angepeilte Gesamtsumme von 35 Millionen zu erreichen. Einiges wird aus Strukturfonds der Europäischen Union kommen, einen Rest aber werden private Spender bereitstellen. Deshalb geht Konrad Winckler auf eine Spendensammeltournee, die im Mindener Stadttheater jetzt ihren Anfang nahm. Diese Werbung unterstütze mit ihrer Kunst die lettische Pianistin Lauma Skride, die von ihren Konzerten als junge Pianistin im Richard-Wagner-Theater berichtete. Ihr musikalisches Programm war ganz der programmatischen Idee untergeordnet. Am Anfang standen zwei lettische Kompositionen – vier der spätromantischen „Dainas“ von Janis Medins, dann die sehr traditionell gehaltene „Sonnenabendmusik“ des 1946 geborenen Peteris Vasks. Danach spielte Skride die „32 Variationen über ein eigenes Thema WoO 80“ von Ludwig van Beethoven, die für die Pianistin emotional eng mit dem Richard-Wagner-Theater verbunden sind. Die „Drei Romanzen op. 11“ von Clara Schumann standen auf dem Programm, weil die junge Clara mehrfach in Riga konzertiert hat. Den Abschluss bildeten Canzone und Tarantella aus „Venezia e Napoli“ von Franz Liszt. Den hochvirtuosen Anforderungen dieses Werks blieb Lauma Skride nichts schuldig, musizierte souverän und hatte Zeit, sich den pianistischen Farbspielereien der Komposition ausführlich zuzuwenden. Als Zugabe war ein lettisches Wiegenlied zu hören, auch dieses mit der so typischen Melancholie versehen, die viele Stücke aus diesem Kulturkreis auszeichnet. Vielleicht wäre ein Klavierwerk von Richard Wagner hier die noch bessere Wahl gewesen. Dem Komponisten, der zwei Jahre lang eine Kapellmeisterstelle in Riga innehatte, hätte es sicherlich gefallen.

Kulturzentrum statt Kultstätte: Mindener werben für Wiederaufbau des Wagner-Theaters in Riga

Zukunftsmusik: Das Foto zeigt einen Blick in das Modell des Theaters, das in Riga wiedererrichtet werden soll.
Foto: Udo Stephan Köhne
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Minden. Konzert und Werbeveranstaltung: Der vom Richard-Wagner-Verband ausgerichtete Abend mit der lettischen Pianistin Lauma Skride brachte dem Publikum nicht nur eine Menge schöner Musik, sondern auch spannende Einblicke zum Wiederaufbau des Richard-Wagner-Theaters in Riga, einem Projekt, das gerade mit nachhaltiger politischer Unterstützung auf den Weg gebracht wird. So hat der Deutsche Bundestag mehr als fünf Millionen Euro bereit gestellt, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist einer der Schirmherren wie auch hohe Vertreter der lettischen Politik.

Als weiteren wichtigen Markstein und Treffpunkt für Wagner-Freunde verstehen die Initiatoren des Wiederaufbaus die Neuerrichtung dieses vor etwa 20 Jahren geschlossenen Theaters, das 1782 als Rigaer Stadttheater errichtet wurde und in dem Richard Wagner von 1837 bis 1839 – also den Jahren als er in Riga als Kapellmeister wirkte – zahlreiche Konzerte abgehalten haben dürfte. „Hier wurde Wagner zum Europäer“, sagte Konrad Winckler bei seiner Darlegung des Projekts; Winckler vertritt die Anliegen dieses Projekts mit großer Leidenschaft. Gedacht ist nicht an den Aufbau einer weiteren Wagner-Kultstätte, sondern an ein europäisches Kulturzentrum mit einem 500 Plätze umfassenden Konzertsaal. Entstehen soll ein Begegnungszentrum für Tagungen und Kongresse, Probenräume, ebenso ein Museum. Von hier aus sollen Impulse für die Kunst und alle diejenigen, die an der Vision des Gesamtkunstwerks im 21. Jahrhundert mitwirken wollen, ausgehen.

So weit der Traum, der in einem schön gestalteten Modell (das nach dem Konzert zu bestaunen war) einer lettischen Architektin bereits Miniaturwirklichkeit geworden ist. Die Eröffnung ist übrigens für 2026 geplant, dem Jahr des 150. Geburtstags der Bayreuther Festspiele. Bis dahin muss allerdings noch eine Menge Geld aufgetrieben werden, um die angepeilte Gesamtsumme von 35 Millionen zu erreichen. Einiges wird aus Strukturfonds der Europäischen Union kommen, einen Rest aber werden private Spender bereitstellen. Deshalb geht Konrad Winckler auf eine Spendensammeltournee, die im Mindener Stadttheater jetzt ihren Anfang nahm.


Diese Werbung unterstütze mit ihrer Kunst die lettische Pianistin Lauma Skride, die von ihren Konzerten als junge Pianistin im Richard-Wagner-Theater berichtete. Ihr musikalisches Programm war ganz der programmatischen Idee untergeordnet. Am Anfang standen zwei lettische Kompositionen – vier der spätromantischen „Dainas“ von Janis Medins, dann die sehr traditionell gehaltene „Sonnenabendmusik“ des 1946 geborenen Peteris Vasks. Danach spielte Skride die „32 Variationen über ein eigenes Thema WoO 80“ von Ludwig van Beethoven, die für die Pianistin emotional eng mit dem Richard-Wagner-Theater verbunden sind. Die „Drei Romanzen op. 11“ von Clara Schumann standen auf dem Programm, weil die junge Clara mehrfach in Riga konzertiert hat. Den Abschluss bildeten Canzone und Tarantella aus „Venezia e Napoli“ von Franz Liszt. Den hochvirtuosen Anforderungen dieses Werks blieb Lauma Skride nichts schuldig, musizierte souverän und hatte Zeit, sich den pianistischen Farbspielereien der Komposition ausführlich zuzuwenden.

Als Zugabe war ein lettisches Wiegenlied zu hören, auch dieses mit der so typischen Melancholie versehen, die viele Stücke aus diesem Kulturkreis auszeichnet. Vielleicht wäre ein Klavierwerk von Richard Wagner hier die noch bessere Wahl gewesen. Dem Komponisten, der zwei Jahre lang eine Kapellmeisterstelle in Riga innehatte, hätte es sicherlich gefallen.

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