Kultur im Hof: Lotte ließ die Zuhörer nicht an gestern und an morgen denken Kerstin Rickert Minden. „Loslassen, den Moment genießen, nicht an gestern denken und nicht an morgen“ – die Sängerin und Liedermacherin Lotte hatte genaue Vorstellungen davon, wie ihr Publikum das „Kultur im Hof“-Konzert mit ihr erleben soll. Deutsch-Pop-Balladen mit aussagekräftigen Texten, die positive Ausstrahlung der 26-Jährigen und die Atmosphäre im Innenhof der Neuen Regierung boten dafür am Samstag den passenden Rahmen. „Musik ist der Ort, wo ich runterkommen kann“, sagt Lotte, die 1995 als Charlotte Rezbach in Ravensburg geboren wurde. „Ravensburg, das ist so ein bisschen wie hier“, sagt sie irgendwann, während sie den Blick durch den Innenhof schweifen lässt. Die Sympathien ihrer Zuhörer hat sie da längst erobert. Hinter ihr liege eine stressige Woche, deshalb habe sie sich so sehr auf diesen Auftritt gefreut, schwärmt sie. Im Publikum entdeckt sie bekannte Gesichter. Die meisten Besucher aber erleben Lotte zum ersten Mal live, wie sie auf Nachfrage erfährt. Damit für alle klar ist, wo die Reise hingeht, stellt sie zu Beginn klar: „Ich bin hier, um gemeinsam mit euch das Leben zu feiern.“ Was Lotte sagt, hört sich an, als komme es aus tiefstem Herzen. Sie strahlt, und ihre Augen leuchten. Die junge Musikerin kommt erfrischend authentisch herüber und kein bisschen abgehoben. Mit ihrem frechen Kurzhaarschnitt und ihrem schlichten Outfit – Sneaker, kurze Radlerhose und T-Shirt – wirkt sie wie das Mädchen von nebenan, das alle mögen. Die unkomplizierte Art, wie sie mit dem Publikum kommuniziert, und die Texte ihrer Songs tun ihr Übriges, um diesen Eindruck zu verstärken. „Ich seh die besten Tage vor mir. Das Beste was wir haben, sind wir. Es fühlt sich verdammt gut an, was da passiert. Gib mir mehr davon, mehr davon“, singt sie sich mit gefühlvoller Stimme in den Balladen-Himmel. An ihrer Seite: Keyboarder Nis Kötting und Jan Listing an der Gitarre, der im Chorus die zweite Stimme übernimmt. Das geht unter die Haut. Bass und Schlagzeug-Begleitung gesellen sich auf Knopfdruck dazu. Für eine größere Besetzung als ein Trio sei nicht genügend Platz auf der Bühne, erklärt Lotte den Einsatz elektronischer Geräte anstelle echter Kollegen. Ebenso offen spricht sie zwischen den Songs darüber, was sie bewegt. Gerade ist sie 26 geworden. Single, viel unterwegs. „Gefühlt bin ich einmal im Monat umgezogen“, erzählt sie davon, was das Musikerleben für sie bedeutet. Einerseits sei ihr „Horizont mega weit“, aber das viele Unterwegssein mache auch einsam. „Das habe ich unterschätzt, als ich angefangen habe, Musik zu machen.“ In dem berührend-melancholischen Song „Alles zieht vorbei“ verarbeitet Lotte ihre Gefühle und setzt dabei vor allem auf die Kraft ihrer Worte, während sie sich dezent am Klavier begleiten lässt. Lottes Lieder handeln vom Leben und der Liebe, von dem Herzschmerz, der damit verbunden ist, aber auch davon, mit Vergangenem abzuschließen. Und von der Kraft, positiv nach vorne zu schauen, den Moment zu genießen und die Welt um sich herum ein Stückchen besser zu machen. Beim Publikum trifft sie damit auf offene Ohren. Ein bisschen erinnert Lotte mit ihren reflektierten Texten und ihrer warmherzigen, eindringlichen Stimme manchmal an die junge Nena. Musikalisch ist noch Luft nach oben. Etwas wenig Abwechslung bieten die größtenteils ruhigen Songs, die mit ähnlichen Akkordfolgen aufwarten. Das ändert sich zum Ende des Konzertes, als Lotte mit „Auf das, was da noch kommt“, eigentlich ein Duett mit Max Giesinger, die Wende hin zu „etwas tanzbarer“ Musik einläutet. Dass sie den Song allein singt, verfehlt dessen Wirkung nicht: Ein Großteil des Publikums erhebt sich von den Stühlen und tanzt im Rhythmus des Drumcomputers. Lotte singt vom Stolpern und Scheitern, vom Aufstehen, von Träumen und der Euphorie „auf das, was da noch kommt“ – und die Menge singt mit. „Gemeinsam das Leben zu feiern“ war die sympathische Sängerin und Songschreiberin angetreten. Es hat funktioniert.

Kultur im Hof: Lotte ließ die Zuhörer nicht an gestern und an morgen denken

Kultur im Hof: Lotte Rezbach, hier im Duett mit Jan Listing an der Gitarre, ließ die Zuhörer nicht an gestern und an morgen denken, sondern nur das Leben und die Liebe in ihren Liedern spüren. Foto: Rickert © Rickert

Minden. „Loslassen, den Moment genießen, nicht an gestern denken und nicht an morgen“ – die Sängerin und Liedermacherin Lotte hatte genaue Vorstellungen davon, wie ihr Publikum das „Kultur im Hof“-Konzert mit ihr erleben soll. Deutsch-Pop-Balladen mit aussagekräftigen Texten, die positive Ausstrahlung der 26-Jährigen und die Atmosphäre im Innenhof der Neuen Regierung boten dafür am Samstag den passenden Rahmen.

„Musik ist der Ort, wo ich runterkommen kann“, sagt Lotte, die 1995 als Charlotte Rezbach in Ravensburg geboren wurde. „Ravensburg, das ist so ein bisschen wie hier“, sagt sie irgendwann, während sie den Blick durch den Innenhof schweifen lässt. Die Sympathien ihrer Zuhörer hat sie da längst erobert. Hinter ihr liege eine stressige Woche, deshalb habe sie sich so sehr auf diesen Auftritt gefreut, schwärmt sie. Im Publikum entdeckt sie bekannte Gesichter. Die meisten Besucher aber erleben Lotte zum ersten Mal live, wie sie auf Nachfrage erfährt. Damit für alle klar ist, wo die Reise hingeht, stellt sie zu Beginn klar: „Ich bin hier, um gemeinsam mit euch das Leben zu feiern.“ Was Lotte sagt, hört sich an, als komme es aus tiefstem Herzen. Sie strahlt, und ihre Augen leuchten. Die junge Musikerin kommt erfrischend authentisch herüber und kein bisschen abgehoben.

Mit ihrem frechen Kurzhaarschnitt und ihrem schlichten Outfit – Sneaker, kurze Radlerhose und T-Shirt – wirkt sie wie das Mädchen von nebenan, das alle mögen. Die unkomplizierte Art, wie sie mit dem Publikum kommuniziert, und die Texte ihrer Songs tun ihr Übriges, um diesen Eindruck zu verstärken. „Ich seh die besten Tage vor mir. Das Beste was wir haben, sind wir. Es fühlt sich verdammt gut an, was da passiert. Gib mir mehr davon, mehr davon“, singt sie sich mit gefühlvoller Stimme in den Balladen-Himmel. An ihrer Seite: Keyboarder Nis Kötting und Jan Listing an der Gitarre, der im Chorus die zweite Stimme übernimmt. Das geht unter die Haut. Bass und Schlagzeug-Begleitung gesellen sich auf Knopfdruck dazu. Für eine größere Besetzung als ein Trio sei nicht genügend Platz auf der Bühne, erklärt Lotte den Einsatz elektronischer Geräte anstelle echter Kollegen. Ebenso offen spricht sie zwischen den Songs darüber, was sie bewegt. Gerade ist sie 26 geworden. Single, viel unterwegs. „Gefühlt bin ich einmal im Monat umgezogen“, erzählt sie davon, was das Musikerleben für sie bedeutet. Einerseits sei ihr „Horizont mega weit“, aber das viele Unterwegssein mache auch einsam. „Das habe ich unterschätzt, als ich angefangen habe, Musik zu machen.“ In dem berührend-melancholischen Song „Alles zieht vorbei“ verarbeitet Lotte ihre Gefühle und setzt dabei vor allem auf die Kraft ihrer Worte, während sie sich dezent am Klavier begleiten lässt.


Lottes Lieder handeln vom Leben und der Liebe, von dem Herzschmerz, der damit verbunden ist, aber auch davon, mit Vergangenem abzuschließen. Und von der Kraft, positiv nach vorne zu schauen, den Moment zu genießen und die Welt um sich herum ein Stückchen besser zu machen. Beim Publikum trifft sie damit auf offene Ohren. Ein bisschen erinnert Lotte mit ihren reflektierten Texten und ihrer warmherzigen, eindringlichen Stimme manchmal an die junge Nena.

Musikalisch ist noch Luft nach oben. Etwas wenig Abwechslung bieten die größtenteils ruhigen Songs, die mit ähnlichen Akkordfolgen aufwarten. Das ändert sich zum Ende des Konzertes, als Lotte mit „Auf das, was da noch kommt“, eigentlich ein Duett mit Max Giesinger, die Wende hin zu „etwas tanzbarer“ Musik einläutet. Dass sie den Song allein singt, verfehlt dessen Wirkung nicht: Ein Großteil des Publikums erhebt sich von den Stühlen und tanzt im Rhythmus des Drumcomputers. Lotte singt vom Stolpern und Scheitern, vom Aufstehen, von Träumen und der Euphorie „auf das, was da noch kommt“ – und die Menge singt mit. „Gemeinsam das Leben zu feiern“ war die sympathische Sängerin und Songschreiberin angetreten. Es hat funktioniert.

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