Kontaktverfolgung: Kreis setzt auf „Luca“ - mit einer Alternative für Menschen ohne Handy Lea Oetjen Minden. Um die Kontaktverfolgung strukturierter zu regeln, nutzt das Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke ab sofort die Daten der „Luca“-App – als einer der ersten bundesweit. „Es ist ein Angebot und keine Pflicht“, stellt Pressesprecher Florian Hemann jedoch unmissverständlich klar. Es sei gewünscht, dass die App von möglichst vielen Einrichtungen, Geschäften und Menschen genutzt werde. Dem Kreis sei aber klar, dass nicht jeder ein Handy besitzt. Daher soll es schon ganz bald eine Alternative geben. Mit einem Schlüsselanhänger samt personalisierten QR-Code könnten sich in Zukunft Personen ohne Handy an öffentlichen Orten registrieren. Im Vorfeld müssen dafür lediglich die persönlichen Daten mit dem Schlüsselanhänger synchronisiert werden. „Dann gelten sie bei bestimmungsgemäßen Gebrauch als zuverlässig“, erklärt Hemann, betont aber: „Aufgrund des zusätzlichen Aufwands, der für die Betreiber entsteht, wird die Smartphone-App klar favorisiert.“ In welchem Umfang die Schlüsselanhänger trotzdem als Alternative beschafft werden sollen, was sie kosten werden und welche weiteren Fragen damit zusammenhängen, wird aktuell zwischen dem Kreis und den Kommunen abgestimmt. Dementsprechend konnte der Pressesprecher darauf keinerlei Antworten liefern. Falls Menschen weder App noch Schlüsselanhänger nutzen wollen, läuft es wohl weiterhin auf eine Zettelwirtschaft hinaus, vermutet Hemann. Das ist auch der Plan, bis die Anhänger fürs Schlüsselbund erhältlich sind. Aber: „Jeder Kontakt der nicht mehr analog über Listen nachverfolgt werden muss, bedeutet aber im Zweifel weniger Aufwand.“ Dieser soll durch „Luca“ in Zukunft aber eigentlich deutlich verringert werden. Das erhofft sich zumindest der Kreis. „Die Kontaktnachverfolgung wird auf ein neues Level gehoben“, sagt Hemann. „Auch weil die App auch dort zum Einsatz kommen kann und sollte, wo sonst vielleicht keine Listen geführt wurden – wie beispielsweise in den Supermärkten.“ Eine Übersicht, welche Einrichtungen und Geschäfte ihre Kontaktnachverfolgung bereits über „Luca“ regeln, hat der Kreis nicht. „Solche Abfragen sind aktuell nicht vorgesehen und, zumindest was die Nutzung im privaten Umfeld angeht, auch datenschutzrechtlich problematisch“, erläutert Hemann. Einige Geschäfte in der Innenstadt, wie die Buchhandlung Thalia, bieten ihren Kunden die App-Nutzung bereits an. Andere haben es hingegen noch nicht mitbekommen, dass der Kreis Minden-Lübbecke diese Art der Kontaktverfolgung überhaupt gestattet. So schreibt eine MT-Leserin: „Beim Depot hieß es, dass Minden noch nicht so weit wäre, die App zu nutzen. Wir mussten dann per Hand einen Zettel mit unseren Daten ausfüllen.“ Es sei natürlich unglücklich, dass noch nicht alle Bescheid wissen. Damit solche Missverständnisse gar nicht erst entstehen, bittet der Kreis „insbesondere die Kammern, Wirtschaftsförderer und kommunale Verwaltungen um Weiterleitung der Informationen“. Damit eine lückenlose und schnelle Nachverfolgung klappen kann, sollten so viele Menschen die App nutzen. „Sie kann damit neben flächendeckenden Tests und den Hygieneregeln ein weiterer Baustein in der Pandemiebekämpfung sein und helfen, zurück zu einer verantwortungsvollen Normalität zu kommen“, betont Hemann. Er mahnt dennoch zur Vorsicht. „Die App schafft mehr Sicherheit, das stimmt, aber eben keine hundertprozentige.“ Übrigens: Dass der Mühlenkreis so schnell mit den „Luca“-Daten arbeiten kann, hängt mit der guten Kompatibilität mit dem Gumax-System des Gesundheitsamts zusammen. Das ist die Computer-Software, die der Kreis unter anderem zur Dokumentation der Infektionszahlen nutzt. Die Zusammenarbeit der beiden Programme läuft wie folgt: Erfährt das Gesundheitsamt im Rahmen der Kontaktverfolgung im Gespräch mit der infizierten Person, dass diese „Luca“ nutzt, wird die Person aufgefordert, mit der App eine TAN zu generieren und sie dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Damit kann das Gesundheitsamt auf die in der App registrierten Aufenthaltsorte der vergangenen Tage zugreifen. Die, die im Kreisgebiet liegen, erhalten dann über das „Luca“-System eine Anfrage, die zeitlich relevanten Daten freizugeben. Danach kann das Gesundheitsamt die Personen, die ebenfalls die App nutzen und sich zeitlich am selben Ort aufgehalten haben, abrufen und diese Daten in das Gumax-System für die weitere Kontaktverfolgung übernehmen. „Was sich für Laien vielleicht aufwendig anhört, entspricht klar dem Datenschutz und ähnelt letztlich auch der bisherigen Vorgehensweise, bei der allerdings in der Regel Papierlisten verarbeitet werden mussten“, erläutert Florian Hemann.

Kontaktverfolgung: Kreis setzt auf „Luca“ - mit einer Alternative für Menschen ohne Handy

Mehr und mehr Läden im Mühlenkreis bieten ihren Kunden zur Kontaktnachverfolgung eine Registrierung über die Luca-App an – wie zum Beispiel die Buchhandlung Thalia in der Mindener Innenstadt. MT-Foto: Leonie Meyer

Minden. Um die Kontaktverfolgung strukturierter zu regeln, nutzt das Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke ab sofort die Daten der „Luca“-App – als einer der ersten bundesweit. „Es ist ein Angebot und keine Pflicht“, stellt Pressesprecher Florian Hemann jedoch unmissverständlich klar. Es sei gewünscht, dass die App von möglichst vielen Einrichtungen, Geschäften und Menschen genutzt werde. Dem Kreis sei aber klar, dass nicht jeder ein Handy besitzt. Daher soll es schon ganz bald eine Alternative geben.

Mit einem Schlüsselanhänger samt personalisierten QR-Code könnten sich in Zukunft Personen ohne Handy an öffentlichen Orten registrieren. Im Vorfeld müssen dafür lediglich die persönlichen Daten mit dem Schlüsselanhänger synchronisiert werden. „Dann gelten sie bei bestimmungsgemäßen Gebrauch als zuverlässig“, erklärt Hemann, betont aber: „Aufgrund des zusätzlichen Aufwands, der für die Betreiber entsteht, wird die Smartphone-App klar favorisiert.“ In welchem Umfang die Schlüsselanhänger trotzdem als Alternative beschafft werden sollen, was sie kosten werden und welche weiteren Fragen damit zusammenhängen, wird aktuell zwischen dem Kreis und den Kommunen abgestimmt. Dementsprechend konnte der Pressesprecher darauf keinerlei Antworten liefern.

Falls Menschen weder App noch Schlüsselanhänger nutzen wollen, läuft es wohl weiterhin auf eine Zettelwirtschaft hinaus, vermutet Hemann. Das ist auch der Plan, bis die Anhänger fürs Schlüsselbund erhältlich sind. Aber: „Jeder Kontakt der nicht mehr analog über Listen nachverfolgt werden muss, bedeutet aber im Zweifel weniger Aufwand.“ Dieser soll durch „Luca“ in Zukunft aber eigentlich deutlich verringert werden. Das erhofft sich zumindest der Kreis. „Die Kontaktnachverfolgung wird auf ein neues Level gehoben“, sagt Hemann. „Auch weil die App auch dort zum Einsatz kommen kann und sollte, wo sonst vielleicht keine Listen geführt wurden – wie beispielsweise in den Supermärkten.“

Malina Reckordt

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Eine Übersicht, welche Einrichtungen und Geschäfte ihre Kontaktnachverfolgung bereits über „Luca“ regeln, hat der Kreis nicht. „Solche Abfragen sind aktuell nicht vorgesehen und, zumindest was die Nutzung im privaten Umfeld angeht, auch datenschutzrechtlich problematisch“, erläutert Hemann. Einige Geschäfte in der Innenstadt, wie die Buchhandlung Thalia, bieten ihren Kunden die App-Nutzung bereits an. Andere haben es hingegen noch nicht mitbekommen, dass der Kreis Minden-Lübbecke diese Art der Kontaktverfolgung überhaupt gestattet. So schreibt eine MT-Leserin: „Beim Depot hieß es, dass Minden noch nicht so weit wäre, die App zu nutzen. Wir mussten dann per Hand einen Zettel mit unseren Daten ausfüllen.“

Es sei natürlich unglücklich, dass noch nicht alle Bescheid wissen. Damit solche Missverständnisse gar nicht erst entstehen, bittet der Kreis „insbesondere die Kammern, Wirtschaftsförderer und kommunale Verwaltungen um Weiterleitung der Informationen“. Damit eine lückenlose und schnelle Nachverfolgung klappen kann, sollten so viele Menschen die App nutzen. „Sie kann damit neben flächendeckenden Tests und den Hygieneregeln ein weiterer Baustein in der Pandemiebekämpfung sein und helfen, zurück zu einer verantwortungsvollen Normalität zu kommen“, betont Hemann. Er mahnt dennoch zur Vorsicht. „Die App schafft mehr Sicherheit, das stimmt, aber eben keine hundertprozentige.“

Übrigens: Dass der Mühlenkreis so schnell mit den „Luca“-Daten arbeiten kann, hängt mit der guten Kompatibilität mit dem Gumax-System des Gesundheitsamts zusammen. Das ist die Computer-Software, die der Kreis unter anderem zur Dokumentation der Infektionszahlen nutzt. Die Zusammenarbeit der beiden Programme läuft wie folgt: Erfährt das Gesundheitsamt im Rahmen der Kontaktverfolgung im Gespräch mit der infizierten Person, dass diese „Luca“ nutzt, wird die Person aufgefordert, mit der App eine TAN zu generieren und sie dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Damit kann das Gesundheitsamt auf die in der App registrierten Aufenthaltsorte der vergangenen Tage zugreifen. Die, die im Kreisgebiet liegen, erhalten dann über das „Luca“-System eine Anfrage, die zeitlich relevanten Daten freizugeben. Danach kann das Gesundheitsamt die Personen, die ebenfalls die App nutzen und sich zeitlich am selben Ort aufgehalten haben, abrufen und diese Daten in das Gumax-System für die weitere Kontaktverfolgung übernehmen. „Was sich für Laien vielleicht aufwendig anhört, entspricht klar dem Datenschutz und ähnelt letztlich auch der bisherigen Vorgehensweise, bei der allerdings in der Regel Papierlisten verarbeitet werden mussten“, erläutert Florian Hemann.

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