Kreis plant Millionen-Investitionen in die Schule Rodenbeck und das Leo-Sympher-Kolleg Sebastian Radermacher Minden. Eigentlich stand das Leo-Sympher-Berufskolleg ganz oben auf der Liste der Schulen, die der Kreis dringend für die Zukunft neu aufstellen muss. Der Pavillon ist seit Jahren abgängig und nicht mehr zu retten. Auch das Werkstattgebäude ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Beides wollte die Verwaltung in naher Zukunft in Angriff nehmen – doch dann stellte sie dieses Vorhaben zurück. Nach Forderungen aus der Politik wird sie die Planung für die Berufsschule nun noch einmal komplett neu unter die Lupe nehmen (das MT berichtete) – und das wird einige Zeit dauern. Stattdessen rückt auf der Prioritätenliste nun die Förderschule Rodenbeck nach oben – doch auch die Erweiterungspläne für den Hauptstandort an der Wilhelm-Tell-Straße im Stadtteil Königstor sind kompliziert, zeitaufwendig und kosten viel Geld. Ein Überblick. Projekte getauscht Ohne den Tausch der beiden Vorhaben wäre dem Kreis möglicherweise ein 4,7-Millionen-Euro-Zuschuss des Bundes durch die Lappen gegangen – das wollte die Verwaltungsspitze verhindern. Die Mittel hatte der Kreis bereits für die erforderliche Sanierung des W-Gebäudes des Leo-Sympher-Kollegs im Doppelhaushalt 2020/21 eingeplant, ab 2022 zudem Haushaltsmittel für den Neubau des Pavillons inklusive Toilettenanlage vorgesehen. Doch die nicht enden wollende Diskussion über die Zukunft der angrenzenden Kampa-Halle und dabei vor allem die Frage, welche Rollen die beiden Berufskollegs Leo-Sympher und Freiherr-vom-Stein in den Plänen für den Hallenkomplex spielen sollen, ließ die Verantwortlichen letztlich umdenken. Bei einer ganzheitlichen Planung des Areals an der Ecke Hahler Straße/Bayernring hätte der Kreis die Fördermittel nämlich nicht verwenden dürfen, außerdem gab es ein zeitliches Problem, denn der Zuschuss des Bundes hätte bis Ende 2022 verwendet werden müssen. Ringen um Fördermittel Die Prüfung brachte ein positives Ergebnis: Die Bauvorhaben Förderschule Rodenbeck und Leo-Sympher-Kolleg können in der zeitlichen Reihenfolge getauscht werden. „Wir dürfen die Mittel des Bundes für die geplante Erweiterung der Schule Rodenbeck verwenden“, bestätigt Markus Pfeiffer, Leiter des Amtes Gebäude und Liegenschaften beim Kreis, im MT-Gespräch. Und vor kurzem erhielt er eine weitere gute Nachricht, die die Planung entzerrt: Der Bund habe die Frist zur Verwendung der Mittel um ein Jahr verlängert. Der Kreis hat für die Umsetzung des Projekts Förderschule nun also bis Ende 2023 Zeit, die Abrechnung muss bis Ende 2024 erfolgen. „Das verschafft uns Luft und ermöglicht eine gute Planung“, meint der Amtsleiter. Pläne für die Förderschule Die Förderschule Rodenbeck ist eine Einrichtung für Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (Sekundarstufe I). Ziel der Pädagogen dort ist es, die Jungen und Mädchen so weit zu stärken, dass sie an eine Regelschule wechseln können oder nach dem zehnten Schuljahr den Übergang in den Beruf schaffen. Aktuell ist die Schule auf zwei Standorte – Wilhelm-Tell-Straße und Fasanenstraße – aufgeteilt. Trotz des Inklusionsanspruchs wachsen Förderschulen wieder – auch an der Schule Rodenbeck ist der Bedarf für eine Vergrößerung vorhanden (das MT berichtete). Nach der Fertigstellung des Anbaus soll die Außenstelle an der Fasanenstraße geschlossen werden. An der Stammschule wurde der Betrieb zum Schuljahr 2005/06 aufgenommen, vier Jahre später folgte die Eröffnung des Nebenstandortes. Dies sei inhaltlich zu der Zeit in Ordnung und vertretbar gewesen, berichtet Kreisdirektorin Cornelia Schöder. Optimal sei dies aber letztlich nicht, zumal die Anforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen seien. Beispiel Schulsozialarbeit: Bei zwei Standorten könne man diese Unterstützung nicht gezielt einsetzen. Gerade an der Förderschule Rodenbeck habe man mit jungen Menschen zu tun, die mit hartnäckigen Problemen zu kämpfen haben, betont Schulamtsleiterin Antje Gieselmann. „Da muss man entsprechende Angebote schaffen.“ Im Jahr 2018 analysierten Kreis und Schulleitung die Situation und blickten in die Zukunft. Angebote, Begleitung, Raumplanung – wie soll die Förderschule in Zukunft aussehen? Das oberste Ziel war klar definiert: „Schule soll als sicherer Ort erlebbar werden und den jungen Menschen eine Struktur bieten“, fasst es Gieselmann zusammen. Der Entschluss, die Zweigstelle an der Fasanenstraße aufzugeben und die Stammschule zu erweitern, war gefallen. Doch nun einfach auf der Wiese neben dem bestehenden Gebäude einen Anbau hinsetzen und ein paar Räume einrichten – so einfach ist das Ganze nicht. „Wir müssen nun erst einmal prüfen, wie die pädagogischen Anforderungen sind und wie sie sich entwickeln“, erklärt Cornelia Schöder. Größe der Klassenzimmer, Anzahl der benötigten Nebenräume, Pläne für eine Mensa: Aus all diesen Aspekten werde am Ende eine Raumplanung entwickelt, die sich dann in einem optimal geplanten neuen Gebäudeteil widerspiegeln soll. Pläne fürs Leo-Sympher Auch hier ist es nicht einfach, die Schule optimal für die Zukunft aufzustellen, sagt die Kreisdirektorin. Das Leo-Sympher ist ein gewerblich-technisches Berufskolleg und vereint verschiedene Fachrichtungen – Technik, Gestaltung, Ernährung, Soziales – unter einem Dach. Auch dort gibt es viele benachteiligte Schüler mit Problemen zum Start ins Berufsleben. Schöder: „Es sind besondere Herausforderungen in pädagogischer Hinsicht.“ Dass es keinen Sinn macht, den heruntergekommenen Pavillon noch einmal kostspielig aufzupäppeln, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Auch der Sanierungsbedarf im Ende der 1970er Jahren geplanten Werkstattgebäude, in dem unter anderem der Kfz-Bereich und der Fachbereich Gestaltung untergebracht sind, steht nicht zur Diskussion. Aber ist es langfristig gesehen sinnvoll, einen neuen Pavillon zu bauen und gleichzeitig das W-Gebäude zu sanieren? Oder wäre es wirtschaftlicher, die beiden voneinander getrennten Bereiche künftig in einem Neubau zusammenzufassen? Der Kreis forciert die zweite Variante. „Wir werden den Pavillon und das Werkstattgebäude zusammen betrachten und die Planung darauf ausrichten“, sagt Markus Pfeiffer. Anders als noch vor einigen Monaten spiele dabei die Kampa-Halle keine Rolle mehr, stellt er klar: „Sie hat für die Entwicklung des Leo-Sympher-Berufskollegs keine Bedeutung mehr – wir haben die Projekte inhaltlich voneinander getrennt.“ Das Ersatzneubau-Projekt wurde am Leo-Sympher bereits vor etwa acht Jahren erstmals diskutiert, wie Schulleiter Knut Engels zuletzt gegenüber der Politik erklärt hatte. Profitieren sollen besonders die Berufsvorbereitungsklassen, also Schüler mit einem hohen Unterstützungsbedarf. Für die Zukunft gehe es vor allem auch um moderne didaktische Standards, denen die aktuellen Lernorte nicht mehr entsprächen. Bei der detaillierten Planung spielen aber nicht nur pädagogische, sondern auch städtebauliche Aspekte bei der Gestaltung des Geländes an der Hahler Straße eine Rolle, wie Markus Pfeiffer erläutert: „Wir möchten die Schule erlebbar machen und sie in den städtebaulichen Kontext einbinden.“ Für Schulleiter Engels hätte ein Neubau zwei entscheidende Vorteile: Es wäre eine deutliche Wertschätzung für den Bereich der Ausbildungsvorbereitung, ein würdiger Lernort für die schwächsten Schüler könnte entstehen. Und ein Neubau könnte den Bereich der Schule an der Hahler Straße enorm aufwerten. Der Bauhof neben der Kampa-Halle, mit Graffiti besprühte Wände, davor der Parkplatz: Dieser Bereich könnte sehr gut neugestaltet und dadurch aufgewertet werden, findet Engels. Und sollte dort gebaut werden, könnten Pavillon und W-Gebäude bis zur Fertigstellung genutzt werden, sieht er einen weiteren positiven Aspekt. Am Ende müsse aber die Politik entscheiden, welcher Weg eingeschlagen werde. „Wir kriegen den Schulalltag noch geregelt und geben dem Kreis die Zeit, die er braucht“, sagt Engels und fügt an: „Wir würden uns aber natürlich freuen, wenn bald eine Entscheidung fällt.“ Bis dies der Fall sein wird, dauert es aber noch einige Zeit, wie Pfeiffer erläutert. Alles neu denken, alles beachten, nichts außen vor lassen – das ist nun das Motto. Und am Ende muss die Kreisverwaltung zusehen, dass sich die Umsetzung zu einem vertretbaren Preis darstellen lässt. Letzteres hatte zuletzt die Politik gefordert: Die Verwaltung solle bei der detaillierten Planung prüfen, wo der Rotstift angesetzt werden könnte. Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) hatte eine Summe von 25 bis 30 Millionen Euro für den Ersatzneubau genannt. Aus Kostengründen seien die Pläne zuletzt nicht weiterverfolgt worden, sagte er. Markus Pfeiffer will sich zu möglichen Kosten noch nicht äußern. „Es ist bislang nur ein Vorentwurf, der noch nicht zu Ende gedacht ist.“ Das weitere Vorgehen Die Detailplanung für die Erweiterung der Schule Rodenbeck soll im Herbst starten, kündigt der Amtsleiter an. Für das Vorhaben ist ein europaweites und entsprechend langwieriges Ausschreibungsverfahren erforderlich. „Es ist ein komplexes Thema, das macht die Planung aber auch spannend“, sagt Pfeiffer. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam ein tolles Ergebnis hinbekommen werden.“ Nach jetzigen Stand geht er davon aus, dass die zugesagten 4,7 Millionen Euro des Bundes für das Projekt komplett verwendet werden. Die Förderquote liegt bei 90 Prozent, das bedeutet einen Eigenanteil des Kreises in Höhe von rund 470.000 Euro. Pfeiffer legt Wert darauf, dass es sich auch dabei nur um eine erste Kostenschätzung handelt und noch nicht um eine konkrete Finanzierungsplanung. Er rechnet mit einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren – „im Sommer 2022 werden wir starten müssen, um den Zeitplan einzuhalten.“ Die Planung für das Leo-Sympher wird sich noch hinziehen. Wie lange? Dazu könne er noch keine Aussage treffen. „Wir werden jetzt die Aufgaben verteilen“, sagt Pfeiffer. Es habe bereits ein erstes Treffen mit Vertretern der Schulleitung und Architekten gegeben. Weitere werden folgen.

Kreis plant Millionen-Investitionen in die Schule Rodenbeck und das Leo-Sympher-Kolleg

Am Leo-Symper-Berufskolleg an der Hahler Straße in Minden herrscht seit Jahren größerer Sanierungsbedarf. © MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Eigentlich stand das Leo-Sympher-Berufskolleg ganz oben auf der Liste der Schulen, die der Kreis dringend für die Zukunft neu aufstellen muss. Der Pavillon ist seit Jahren abgängig und nicht mehr zu retten. Auch das Werkstattgebäude ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Beides wollte die Verwaltung in naher Zukunft in Angriff nehmen – doch dann stellte sie dieses Vorhaben zurück. Nach Forderungen aus der Politik wird sie die Planung für die Berufsschule nun noch einmal komplett neu unter die Lupe nehmen (das MT berichtete) – und das wird einige Zeit dauern. Stattdessen rückt auf der Prioritätenliste nun die Förderschule Rodenbeck nach oben – doch auch die Erweiterungspläne für den Hauptstandort an der Wilhelm-Tell-Straße im Stadtteil Königstor sind kompliziert, zeitaufwendig und kosten viel Geld. Ein Überblick.

Projekte getauscht

Ohne den Tausch der beiden Vorhaben wäre dem Kreis möglicherweise ein 4,7-Millionen-Euro-Zuschuss des Bundes durch die Lappen gegangen – das wollte die Verwaltungsspitze verhindern. Die Mittel hatte der Kreis bereits für die erforderliche Sanierung des W-Gebäudes des Leo-Sympher-Kollegs im Doppelhaushalt 2020/21 eingeplant, ab 2022 zudem Haushaltsmittel für den Neubau des Pavillons inklusive Toilettenanlage vorgesehen.

Der Hauptstandort der Förderschule Rodenbeck an der Wilhelm-Tell-Straße im Stadtteil Königstor wird ausgebaut. In den nächsten Monaten bereitet der Kreis das Ausschreibungsverfahren vor. - © MT-Foto: Alex Lehn
Der Hauptstandort der Förderschule Rodenbeck an der Wilhelm-Tell-Straße im Stadtteil Königstor wird ausgebaut. In den nächsten Monaten bereitet der Kreis das Ausschreibungsverfahren vor. - © MT-Foto: Alex Lehn

Doch die nicht enden wollende Diskussion über die Zukunft der angrenzenden Kampa-Halle und dabei vor allem die Frage, welche Rollen die beiden Berufskollegs Leo-Sympher und Freiherr-vom-Stein in den Plänen für den Hallenkomplex spielen sollen, ließ die Verantwortlichen letztlich umdenken. Bei einer ganzheitlichen Planung des Areals an der Ecke Hahler Straße/Bayernring hätte der Kreis die Fördermittel nämlich nicht verwenden dürfen, außerdem gab es ein zeitliches Problem, denn der Zuschuss des Bundes hätte bis Ende 2022 verwendet werden müssen.

Ringen um Fördermittel

Die Prüfung brachte ein positives Ergebnis: Die Bauvorhaben Förderschule Rodenbeck und Leo-Sympher-Kolleg können in der zeitlichen Reihenfolge getauscht werden. „Wir dürfen die Mittel des Bundes für die geplante Erweiterung der Schule Rodenbeck verwenden“, bestätigt Markus Pfeiffer, Leiter des Amtes Gebäude und Liegenschaften beim Kreis, im MT-Gespräch. Und vor kurzem erhielt er eine weitere gute Nachricht, die die Planung entzerrt: Der Bund habe die Frist zur Verwendung der Mittel um ein Jahr verlängert. Der Kreis hat für die Umsetzung des Projekts Förderschule nun also bis Ende 2023 Zeit, die Abrechnung muss bis Ende 2024 erfolgen. „Das verschafft uns Luft und ermöglicht eine gute Planung“, meint der Amtsleiter.

Pläne für die Förderschule

Die Förderschule Rodenbeck ist eine Einrichtung für Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (Sekundarstufe I). Ziel der Pädagogen dort ist es, die Jungen und Mädchen so weit zu stärken, dass sie an eine Regelschule wechseln können oder nach dem zehnten Schuljahr den Übergang in den Beruf schaffen.

Aktuell ist die Schule auf zwei Standorte – Wilhelm-Tell-Straße und Fasanenstraße – aufgeteilt. Trotz des Inklusionsanspruchs wachsen Förderschulen wieder – auch an der Schule Rodenbeck ist der Bedarf für eine Vergrößerung vorhanden (das MT berichtete). Nach der Fertigstellung des Anbaus soll die Außenstelle an der Fasanenstraße geschlossen werden.

An der Stammschule wurde der Betrieb zum Schuljahr 2005/06 aufgenommen, vier Jahre später folgte die Eröffnung des Nebenstandortes. Dies sei inhaltlich zu der Zeit in Ordnung und vertretbar gewesen, berichtet Kreisdirektorin Cornelia Schöder. Optimal sei dies aber letztlich nicht, zumal die Anforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen seien. Beispiel Schulsozialarbeit: Bei zwei Standorten könne man diese Unterstützung nicht gezielt einsetzen.

Gerade an der Förderschule Rodenbeck habe man mit jungen Menschen zu tun, die mit hartnäckigen Problemen zu kämpfen haben, betont Schulamtsleiterin Antje Gieselmann. „Da muss man entsprechende Angebote schaffen.“ Im Jahr 2018 analysierten Kreis und Schulleitung die Situation und blickten in die Zukunft. Angebote, Begleitung, Raumplanung – wie soll die Förderschule in Zukunft aussehen? Das oberste Ziel war klar definiert: „Schule soll als sicherer Ort erlebbar werden und den jungen Menschen eine Struktur bieten“, fasst es Gieselmann zusammen. Der Entschluss, die Zweigstelle an der Fasanenstraße aufzugeben und die Stammschule zu erweitern, war gefallen.

Doch nun einfach auf der Wiese neben dem bestehenden Gebäude einen Anbau hinsetzen und ein paar Räume einrichten – so einfach ist das Ganze nicht. „Wir müssen nun erst einmal prüfen, wie die pädagogischen Anforderungen sind und wie sie sich entwickeln“, erklärt Cornelia Schöder. Größe der Klassenzimmer, Anzahl der benötigten Nebenräume, Pläne für eine Mensa: Aus all diesen Aspekten werde am Ende eine Raumplanung entwickelt, die sich dann in einem optimal geplanten neuen Gebäudeteil widerspiegeln soll.

Pläne fürs Leo-Sympher

Auch hier ist es nicht einfach, die Schule optimal für die Zukunft aufzustellen, sagt die Kreisdirektorin. Das Leo-Sympher ist ein gewerblich-technisches Berufskolleg und vereint verschiedene Fachrichtungen – Technik, Gestaltung, Ernährung, Soziales – unter einem Dach. Auch dort gibt es viele benachteiligte Schüler mit Problemen zum Start ins Berufsleben. Schöder: „Es sind besondere Herausforderungen in pädagogischer Hinsicht.“

Dass es keinen Sinn macht, den heruntergekommenen Pavillon noch einmal kostspielig aufzupäppeln, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Auch der Sanierungsbedarf im Ende der 1970er Jahren geplanten Werkstattgebäude, in dem unter anderem der Kfz-Bereich und der Fachbereich Gestaltung untergebracht sind, steht nicht zur Diskussion. Aber ist es langfristig gesehen sinnvoll, einen neuen Pavillon zu bauen und gleichzeitig das W-Gebäude zu sanieren? Oder wäre es wirtschaftlicher, die beiden voneinander getrennten Bereiche künftig in einem Neubau zusammenzufassen? Der Kreis forciert die zweite Variante. „Wir werden den Pavillon und das Werkstattgebäude zusammen betrachten und die Planung darauf ausrichten“, sagt Markus Pfeiffer. Anders als noch vor einigen Monaten spiele dabei die Kampa-Halle keine Rolle mehr, stellt er klar: „Sie hat für die Entwicklung des Leo-Sympher-Berufskollegs keine Bedeutung mehr – wir haben die Projekte inhaltlich voneinander getrennt.“

Das Ersatzneubau-Projekt wurde am Leo-Sympher bereits vor etwa acht Jahren erstmals diskutiert, wie Schulleiter Knut Engels zuletzt gegenüber der Politik erklärt hatte. Profitieren sollen besonders die Berufsvorbereitungsklassen, also Schüler mit einem hohen Unterstützungsbedarf. Für die Zukunft gehe es vor allem auch um moderne didaktische Standards, denen die aktuellen Lernorte nicht mehr entsprächen.

Bei der detaillierten Planung spielen aber nicht nur pädagogische, sondern auch städtebauliche Aspekte bei der Gestaltung des Geländes an der Hahler Straße eine Rolle, wie Markus Pfeiffer erläutert: „Wir möchten die Schule erlebbar machen und sie in den städtebaulichen Kontext einbinden.“

Für Schulleiter Engels hätte ein Neubau zwei entscheidende Vorteile: Es wäre eine deutliche Wertschätzung für den Bereich der Ausbildungsvorbereitung, ein würdiger Lernort für die schwächsten Schüler könnte entstehen. Und ein Neubau könnte den Bereich der Schule an der Hahler Straße enorm aufwerten. Der Bauhof neben der Kampa-Halle, mit Graffiti besprühte Wände, davor der Parkplatz: Dieser Bereich könnte sehr gut neugestaltet und dadurch aufgewertet werden, findet Engels. Und sollte dort gebaut werden, könnten Pavillon und W-Gebäude bis zur Fertigstellung genutzt werden, sieht er einen weiteren positiven Aspekt. Am Ende müsse aber die Politik entscheiden, welcher Weg eingeschlagen werde. „Wir kriegen den Schulalltag noch geregelt und geben dem Kreis die Zeit, die er braucht“, sagt Engels und fügt an: „Wir würden uns aber natürlich freuen, wenn bald eine Entscheidung fällt.“

Bis dies der Fall sein wird, dauert es aber noch einige Zeit, wie Pfeiffer erläutert. Alles neu denken, alles beachten, nichts außen vor lassen – das ist nun das Motto. Und am Ende muss die Kreisverwaltung zusehen, dass sich die Umsetzung zu einem vertretbaren Preis darstellen lässt. Letzteres hatte zuletzt die Politik gefordert: Die Verwaltung solle bei der detaillierten Planung prüfen, wo der Rotstift angesetzt werden könnte. Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD) hatte eine Summe von 25 bis 30 Millionen Euro für den Ersatzneubau genannt. Aus Kostengründen seien die Pläne zuletzt nicht weiterverfolgt worden, sagte er. Markus Pfeiffer will sich zu möglichen Kosten noch nicht äußern. „Es ist bislang nur ein Vorentwurf, der noch nicht zu Ende gedacht ist.“

Das weitere Vorgehen

Die Detailplanung für die Erweiterung der Schule Rodenbeck soll im Herbst starten, kündigt der Amtsleiter an. Für das Vorhaben ist ein europaweites und entsprechend langwieriges Ausschreibungsverfahren erforderlich. „Es ist ein komplexes Thema, das macht die Planung aber auch spannend“, sagt Pfeiffer. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam ein tolles Ergebnis hinbekommen werden.“ Nach jetzigen Stand geht er davon aus, dass die zugesagten 4,7 Millionen Euro des Bundes für das Projekt komplett verwendet werden. Die Förderquote liegt bei 90 Prozent, das bedeutet einen Eigenanteil des Kreises in Höhe von rund 470.000 Euro. Pfeiffer legt Wert darauf, dass es sich auch dabei nur um eine erste Kostenschätzung handelt und noch nicht um eine konkrete Finanzierungsplanung. Er rechnet mit einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren – „im Sommer 2022 werden wir starten müssen, um den Zeitplan einzuhalten.“

Die Planung für das Leo-Sympher wird sich noch hinziehen. Wie lange? Dazu könne er noch keine Aussage treffen. „Wir werden jetzt die Aufgaben verteilen“, sagt Pfeiffer. Es habe bereits ein erstes Treffen mit Vertretern der Schulleitung und Architekten gegeben. Weitere werden folgen.

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