Konzert: Klassisch und Jiddisch im Ständersaal Michael Grundmeier Minden. Mit ihrem Programm „Klassisch & Jiddisch“ sind drei talentierte Musiker im Ständersaal des Preußenmuseums zu sehen gewesen. Auf Einladung der „Jüdischen Kultusgemeinde“ in Kooperation mit der „Gesellschaft für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit“ gaben die Brüder Marlen und David Malaev und Angela Pape ein facettenreiches und kraftvolles Konzert. Etwas ungewohnt war die Situation im Ständersaal des Preußenmuseum schon. Die rund 40 Zuhörer mussten an Tischen sitzen, ein bisschen wie in einer Schulklasse. Anderes sei wegen der Pandemie aber nicht möglich gewesen, sagte Harald Scheurenberg in seiner Begrüßung. Mit Start des Konzerts war die ungewohnte Atmosphäre schnell vergessen. Denn eines ließ sich schon relativ früh erkennen: Wie talentiert die drei Musiker trotz ihrer jungen Jahre sind. Pianist Marlen Malaev, der sein Studium mit Bestnote abgeschlossen hat, ist schon auf zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden. Sein Bruder David (Geige) hat in allen Altersklassen sämtliche Preise abgeräumt. Und Angela Pape hat mir ihrer komplexen Stimme ebenfalls schon viele Herzen gewinnen können. Unter dem Motto „Klassisch & Jiddisch“ spielten die Musiker in unterschiedlichen Besetzungen. Mal als Trio und mal als Duo nur die Brüder Malaev. Herausragend gelang beispielsweise die „Dante Sonata“ von Franz Liszt, die Dante zunächst immer tiefer in den Höllenkreis herab-, später aber auch wieder aufsteigen lässt. In dichten Klavierpassagen gibt Marlen Malaev einen Eindruck in die Gefühlswelt Dantes, die er bei seiner Suche nach Beatrices durchlebt. Verzweiflung, Freude, Angst, Trauer bis hin zu wirklichen Klanggewittern. Eine Offenbarung ist auch der „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. David Malaev spielt die Violine so kalt, dass die Temperatur im Raum gefühlt um ein paar Grad nach unten rutscht. „Der Zuhörer muss mit den Zähnen klappern“, erklärt der Musiker seine Spielweise. Rund wird das Konzert immer dann, wenn Angela Pape aus dem Duo ein Trio macht. Papes volle Altstimme ergreift wohl jeden im Raum. Sie hat echtes Talent und ein Gespür dafür, wie ein Lied klingen muss. Selbst vielfach Gehörtem kann sie neue Facetten abgewinnen, wie ihr Vortrag von „Bei mir bist du sheen“ gezeigt hat. Von Violine und Klavier umschmeichelt, gibt Pape dem Klassiker einen neuen Drive, mit viel Schmelz in der Stimme. Mit dramatischem Gestus singt Pape das Freiheitslied „Dona, Dona“ und voller Inbrunst „Schma Jisrael“, das zu den wichtigsten Gebeten im Judentum gehört. Unterm Strich ein „hochkarätiges Konzert, das mehr Publikum verdient gehabt hätte“, wie es Harald Scheurenberg zum Schluss formulierte. Laut Scheurenberg wurde die Veranstaltung vom „Zentralrat der Juden“ unterstützt.

Konzert: Klassisch und Jiddisch im Ständersaal

Angela Pape gab mit ihrer Stimmfarbe auch bekannten Liedern etwas Neues. Foto: Michael Grundmeier © Michael Grundmeier

Minden. Mit ihrem Programm „Klassisch & Jiddisch“ sind drei talentierte Musiker im Ständersaal des Preußenmuseums zu sehen gewesen. Auf Einladung der „Jüdischen Kultusgemeinde“ in Kooperation mit der „Gesellschaft für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit“ gaben die Brüder Marlen und David Malaev und Angela Pape ein facettenreiches und kraftvolles Konzert.

Etwas ungewohnt war die Situation im Ständersaal des Preußenmuseum schon. Die rund 40 Zuhörer mussten an Tischen sitzen, ein bisschen wie in einer Schulklasse. Anderes sei wegen der Pandemie aber nicht möglich gewesen, sagte Harald Scheurenberg in seiner Begrüßung. Mit Start des Konzerts war die ungewohnte Atmosphäre schnell vergessen. Denn eines ließ sich schon relativ früh erkennen: Wie talentiert die drei Musiker trotz ihrer jungen Jahre sind. Pianist Marlen Malaev, der sein Studium mit Bestnote abgeschlossen hat, ist schon auf zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden. Sein Bruder David (Geige) hat in allen Altersklassen sämtliche Preise abgeräumt. Und Angela Pape hat mir ihrer komplexen Stimme ebenfalls schon viele Herzen gewinnen können.

Unter dem Motto „Klassisch & Jiddisch“ spielten die Musiker in unterschiedlichen Besetzungen. Mal als Trio und mal als Duo nur die Brüder Malaev. Herausragend gelang beispielsweise die „Dante Sonata“ von Franz Liszt, die Dante zunächst immer tiefer in den Höllenkreis herab-, später aber auch wieder aufsteigen lässt. In dichten Klavierpassagen gibt Marlen Malaev einen Eindruck in die Gefühlswelt Dantes, die er bei seiner Suche nach Beatrices durchlebt. Verzweiflung, Freude, Angst, Trauer bis hin zu wirklichen Klanggewittern. Eine Offenbarung ist auch der „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. David Malaev spielt die Violine so kalt, dass die Temperatur im Raum gefühlt um ein paar Grad nach unten rutscht. „Der Zuhörer muss mit den Zähnen klappern“, erklärt der Musiker seine Spielweise.


Rund wird das Konzert immer dann, wenn Angela Pape aus dem Duo ein Trio macht. Papes volle Altstimme ergreift wohl jeden im Raum. Sie hat echtes Talent und ein Gespür dafür, wie ein Lied klingen muss.

Selbst vielfach Gehörtem kann sie neue Facetten abgewinnen, wie ihr Vortrag von „Bei mir bist du sheen“ gezeigt hat. Von Violine und Klavier umschmeichelt, gibt Pape dem Klassiker einen neuen Drive, mit viel Schmelz in der Stimme. Mit dramatischem Gestus singt Pape das Freiheitslied „Dona, Dona“ und voller Inbrunst „Schma Jisrael“, das zu den wichtigsten Gebeten im Judentum gehört. Unterm Strich ein „hochkarätiges Konzert, das mehr Publikum verdient gehabt hätte“, wie es Harald Scheurenberg zum Schluss formulierte. Laut Scheurenberg wurde die Veranstaltung vom „Zentralrat der Juden“ unterstützt.

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