Kommentar zur Notunterkunft in Minden: Jammern hilft nicht Nina Könemann Wer sich beruflich in den Sozialen Netzwerken bewegt, kennt das Problem: Kaum postet man etwas zum Thema Flüchtlinge, verselbstständigt sich die Diskussion und wird fast unmoderierbar. Ein Wort ist offenbar in der Lage, Urängste mancher Menschen zu schüren: Kommentatoren berichten, Bekannte seien aus ihrer Wohnung geflogen, weil dort jetzt Flüchtlinge wohnen. Die Kriminalität steige rasant. Immer wieder kommt die Frage: In was für einem Staat leben wir eigentlich? Kann der sich nicht erst um die Deutschen kümmern, die auch verhungern?Einige Zeitungen verzichten deshalb darauf, solche Themen in den Netzwerken zu posten. Weil sie nicht Tage damit verbringen wollen, Diskussionen zu moderieren, die weder konstruktiv noch rational sind. Man kann über Flüchtlingspolitik denken, was man möchte, kann für offene oder geschlossene Grenzen sein, so oder so nimmt uns aber niemand das Essen weg. Und niemand wird aus einer Wohnung geworfen, um Asylsuchenden oder Flüchtlingen Platz zu machen.150 Flüchtlinge sollen am Montag eine Notunterkunft in Minden beziehen. Eine Situation, die für keine Seite befriedigend sein wird. Die Stadt ist - verständlicherweise - mit dem spontanen Auftrag überfordert und sucht händeringend nach einer Lösung, die den Menschen zumindest ein Dach über dem Kopf bietet. 150 spontane Gäste sind für eine Verwaltung keine leichte Aufgabe. Und auch die Asylsuchenden können sich wohl Schöneres vorstellen, als in Provisorien zu wohnen. Das Jammern hilft trotzdem keinem. Es löst weder das Problem noch bekämpft es die Ursache von Völkerwanderungen. Es macht nur schlechte Stimmung.Wir haben die Nachricht der Flüchtlinge gestern nach langer Diskussion doch gepostet und wurden positiv überrascht: Neben einiger fremdenfeindlicher Kommentare gab es auch Erfreuliches: Eine kleine Gruppe von Facebook-Kommentatoren tat sich zusammen und will helfen. Die Freiwillige Feuerwehr Ovenstädt hat das Prinzip auf ihrer Fanpage schön auf den Punkt gebracht: „Denkt an das Motto der WM! Die Welt zu Gast bei Freunden.“ Angst war noch nie ein guter Ratgeber.

Kommentar zur Notunterkunft in Minden: Jammern hilft nicht

Wer sich beruflich in den Sozialen Netzwerken bewegt, kennt das Problem: Kaum postet man etwas zum Thema Flüchtlinge, verselbstständigt sich die Diskussion und wird fast unmoderierbar. Ein Wort ist offenbar in der Lage, Urängste mancher Menschen zu schüren: Kommentatoren berichten, Bekannte seien aus ihrer Wohnung geflogen, weil dort jetzt Flüchtlinge wohnen. Die Kriminalität steige rasant. Immer wieder kommt die Frage: In was für einem Staat leben wir eigentlich? Kann der sich nicht erst um die Deutschen kümmern, die auch verhungern?

Einige Zeitungen verzichten deshalb darauf, solche Themen in den Netzwerken zu posten. Weil sie nicht Tage damit verbringen wollen, Diskussionen zu moderieren, die weder konstruktiv noch rational sind. Man kann über Flüchtlingspolitik denken, was man möchte, kann für offene oder geschlossene Grenzen sein, so oder so nimmt uns aber niemand das Essen weg. Und niemand wird aus einer Wohnung geworfen, um Asylsuchenden oder Flüchtlingen Platz zu machen.

150 Flüchtlinge sollen am Montag eine Notunterkunft in Minden beziehen. Eine Situation, die für keine Seite befriedigend sein wird. Die Stadt ist - verständlicherweise - mit dem spontanen Auftrag überfordert und sucht händeringend nach einer Lösung, die den Menschen zumindest ein Dach über dem Kopf bietet. 150 spontane Gäste sind für eine Verwaltung keine leichte Aufgabe. Und auch die Asylsuchenden können sich wohl Schöneres vorstellen, als in Provisorien zu wohnen. Das Jammern hilft trotzdem keinem. Es löst weder das Problem noch bekämpft es die Ursache von Völkerwanderungen. Es macht nur schlechte Stimmung.

Wir haben die Nachricht der Flüchtlinge gestern nach langer Diskussion doch gepostet und wurden positiv überrascht: Neben einiger fremdenfeindlicher Kommentare gab es auch Erfreuliches: Eine kleine Gruppe von Facebook-Kommentatoren tat sich zusammen und will helfen. Die Freiwillige Feuerwehr Ovenstädt hat das Prinzip auf ihrer Fanpage schön auf den Punkt gebracht: „Denkt an das Motto der WM! Die Welt zu Gast bei Freunden.“ Angst war noch nie ein guter Ratgeber.

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