Kita und Corona: Das hat sich seit der Rückkehr zum Regelbetrieb geändert Doris Christoph Minden. Der erste Corona-Fall war ein Schock, berichtet Annet Panten, Leiterin der Kindertagesstätte Leonhardi. „Wir waren ja die erste Kita überhaupt in Minden.“ Vor ein paar Wochen dann ein weiteres positives Testergebnis bei einem Kind. Wieder musste eine Gruppe samt Personal in Quarantäne. Bei einer Einrichtung in Preußisch Oldendorf schloss das Gesundheitsamt des Kreises gleich die ganze Kita. Warum werden Unterschiede gemacht? „Wie immer bei positiven Fällen werden die direkten Kontaktpersonen ermittelt und in Quarantäne geschickt. Für die Ermittlung wird maßgeblich die Einhaltung der jeweiligen Hygienekonzepte zugrunde gelegt“, erklärt Sabine Ohnesorge von der Pressestelle des Kreises. „Wenn zum Beispiel eine Kita-Gruppe unter sich geblieben ist und weitere Personen sich an die gängigen Regeln wie Abstand halten oder Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gehalten haben, ist natürlich ein kleinerer Personenkreis betroffen.“ Bei gruppenübergreifenden Konzepten ergebe sich gegebenenfalls ein größerer Kontaktpersonenkreis. Auch die räumlichen Umgebung – also geschlossene Räume oder spielen unter freiem Himmel – und die Dauer des direkten Kontakts würden berücksichtigt. Wird ein Kind positiv auf Corona getestet, nimmt das Gesundheitsamt Kontakt zu allen Beteiligten auf, berät und informiert die Einrichtungsleitungen und ermittelt die Kontaktpersonen. Daraufhin werden die entsprechenden Quarantänen angeordnet, erklärt Ohnesorge. Ein Elternteil erhält eine Ordnungsverfügung und geht mit in die häusliche Isolation, um das Kind zu betreuen. Ob Tests angeordnet oder angeboten werden, hänge vom Einzelfall ab. In der Kita Leonhardi sind die Gruppen auch nach der Rückkehr zum Regelbetrieb weiter getrennt. „Und Eltern dürfen nach wie vor nicht ins Gebäude“, erklärt Annet Panten. Die Mitarbeiter nehmen die Kinder an der Eingangstür in Empfang. Nur in den Randbetreuungszeiten von 6.30 bis 7.30 Uhr sowie 14.30 bis 17 Uhr kommen Jungen und Mädchen zusammen, die sonst nicht zusammen sind. „In der Regel spielen sie aber auch dann weiter in festen Freundesgruppen“, ist Pantens Erfahrung. Mit der Rückkehr zum Regelbetrieb hat die Erhöhung der Fallzahlen zumindest in dieser Einrichtung nicht unbedingt zu tun. „Ein Falltrat bei uns ja noch während des eingeschränkten Regelbetriebs auf“, sagt die Leiterin. Zur Erinnerung: Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie waren Kitas ab Mitte März zunächst geschlossen, es gab Notbetreuungen für ausgewählte Berufsgruppen. Dann öffneten die Kitas am 8. Juni mit einem eingeschränkten Regelbetrieb, der zehn Stunden weniger Betreuungszeit vorsah. Die Kinder mussten zudem in ihren Gruppen bleiben, sie durften untereinander keinen Kontakt haben. Für Eltern galt ein Betretungsverbot. Bei Kontakt zwischen Angehörigen und Kita-Personal gilt seitdem eine Maskenpflicht. Seit dem 17. August herrscht wieder der normale Regelbetrieb mit der gebuchten Stundenzahl. Was hat sich seitdem geändert? „Durch den Regelbetrieb können wir wieder normal arbeiten“, sagt Ulrich Schlomann vom Evangelischen Kirchenkreis Minden, der 16 Kitas in kirchlicher Trägerschaft mit rund 1.200 Betreuungsplätzen vertritt. Vor allem die Randzeitenbetreuung sei wieder möglich. „Das ermöglicht eine flexiblere Personalplanung.“ Auch an einer der kirchlichen Einrichtungen hatte es zu Beginn des Regelbetriebs einen Corona-Fall gegeben, eine Gruppe wurde in Quarantäne geschickt. Einige der Kitas halten auch weiter an der Trennung der Gruppen fest. „Sie sind vorsichtig und wollen kein Risiko eingehen“, erklärt Ulrich Schlomann. Dabei komme es aber auch auf die baulichen Gegebenheiten an, ob dies möglich sei. Manche Kitas haben generell ein offenes Betreuungskonzept, bei dem sich die Kinder frei in der Einrichtung bewegen können. Zum Beispiel die städtische Kita Hahlen. Ob mit dem Regelbetrieb eine Rückkehr zum alten Angebot möglich war, bedurfte der Abstimmung. „Nach Rücksprache mit dem LWL und dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke darf auch das offene Konzept unter gewissen Einschränkungen umgesetzt werden“, erklärt Stadtsprecherin Katharina Heß hierzu. Sollte beispielsweise an der Kita Hahlen ein Corona-Fall auftreten, entscheide das Gesundheitsamt über den Umfang der Schließung von Gruppen. Nichts geändert hat sich an den weiterbestehenden Hygienekonzepten – und der Dokumentationspflicht. „Es bedeutet einen deutlichen Mehraufwand“, sagt Ulrich Schlomann. Das nordrhein-westfälische Familienministerium hat deshalb das Programm „#ichhelfemit“ gestartet, bei dem Kindertagesstätten Mittel zur Finanzierung von Kita-Helfern bekommen können. Es läuft bis Ende des Jahres. Ulrich Schlomann erhofft sich davon „eine deutliche Entlastung“. Nach Auskunft von Katharina Heß haben alle Mindener Träger entsprechende Anträge dafür gestellt. Die Alltagshelfer sollen in den Einrichtungen bei der „erhöhten hygienischen Versorgung der betreuten Kinder, wie dem häufigeren Händewaschen, der Einhaltung von Vorgaben des Infektionsschutzes in den Gruppen oder im hauswirtschaftlichen Bereich unterstützen. Hier insbesondere bei Aufgaben wie der Essensversorgung und Reinigung, beim Küchendienst, der Wäschepflege und Desinfektion. Auch Unterstützung bei den Bring- und Abholzeiten oder auf dem Außengelände gehören dazu. Hat Annet Panten nun Sorge vor weiteren Fällen in ihrer Einrichtung? „Man bekommt Routine“, sagt sie. Ob es einen weiteren Fall geben könnte, sei ein bisschen wie Lotterie.

Kita und Corona: Das hat sich seit der Rückkehr zum Regelbetrieb geändert

Der erste Corona-Fall an einer Mindener Kita trat im August auf. Foto: imago-images.de © imago images/Pixsell

Minden. Der erste Corona-Fall war ein Schock, berichtet Annet Panten, Leiterin der Kindertagesstätte Leonhardi. „Wir waren ja die erste Kita überhaupt in Minden.“ Vor ein paar Wochen dann ein weiteres positives Testergebnis bei einem Kind. Wieder musste eine Gruppe samt Personal in Quarantäne. Bei einer Einrichtung in Preußisch Oldendorf schloss das Gesundheitsamt des Kreises gleich die ganze Kita. Warum werden Unterschiede gemacht?

„Wie immer bei positiven Fällen werden die direkten Kontaktpersonen ermittelt und in Quarantäne geschickt. Für die Ermittlung wird maßgeblich die Einhaltung der jeweiligen Hygienekonzepte zugrunde gelegt“, erklärt Sabine Ohnesorge von der Pressestelle des Kreises. „Wenn zum Beispiel eine Kita-Gruppe unter sich geblieben ist und weitere Personen sich an die gängigen Regeln wie Abstand halten oder Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gehalten haben, ist natürlich ein kleinerer Personenkreis betroffen.“ Bei gruppenübergreifenden Konzepten ergebe sich gegebenenfalls ein größerer Kontaktpersonenkreis. Auch die räumlichen Umgebung – also geschlossene Räume oder spielen unter freiem Himmel – und die Dauer des direkten Kontakts würden berücksichtigt.

Wird ein Kind positiv auf Corona getestet, nimmt das Gesundheitsamt Kontakt zu allen Beteiligten auf, berät und informiert die Einrichtungsleitungen und ermittelt die Kontaktpersonen. Daraufhin werden die entsprechenden Quarantänen angeordnet, erklärt Ohnesorge. Ein Elternteil erhält eine Ordnungsverfügung und geht mit in die häusliche Isolation, um das Kind zu betreuen. Ob Tests angeordnet oder angeboten werden, hänge vom Einzelfall ab.

In der Kita Leonhardi sind die Gruppen auch nach der Rückkehr zum Regelbetrieb weiter getrennt. „Und Eltern dürfen nach wie vor nicht ins Gebäude“, erklärt Annet Panten. Die Mitarbeiter nehmen die Kinder an der Eingangstür in Empfang. Nur in den Randbetreuungszeiten von 6.30 bis 7.30 Uhr sowie 14.30 bis 17 Uhr kommen Jungen und Mädchen zusammen, die sonst nicht zusammen sind. „In der Regel spielen sie aber auch dann weiter in festen Freundesgruppen“, ist Pantens Erfahrung. Mit der Rückkehr zum Regelbetrieb hat die Erhöhung der Fallzahlen zumindest in dieser Einrichtung nicht unbedingt zu tun. „Ein Falltrat bei uns ja noch während des eingeschränkten Regelbetriebs auf“, sagt die Leiterin.

Zur Erinnerung: Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie waren Kitas ab Mitte März zunächst geschlossen, es gab Notbetreuungen für ausgewählte Berufsgruppen. Dann öffneten die Kitas am 8. Juni mit einem eingeschränkten Regelbetrieb, der zehn Stunden weniger Betreuungszeit vorsah. Die Kinder mussten zudem in ihren Gruppen bleiben, sie durften untereinander keinen Kontakt haben. Für Eltern galt ein Betretungsverbot. Bei Kontakt zwischen Angehörigen und Kita-Personal gilt seitdem eine Maskenpflicht. Seit dem 17. August herrscht wieder der normale Regelbetrieb mit der gebuchten Stundenzahl.

Was hat sich seitdem geändert? „Durch den Regelbetrieb können wir wieder normal arbeiten“, sagt Ulrich Schlomann vom Evangelischen Kirchenkreis Minden, der 16 Kitas in kirchlicher Trägerschaft mit rund 1.200 Betreuungsplätzen vertritt. Vor allem die Randzeitenbetreuung sei wieder möglich. „Das ermöglicht eine flexiblere Personalplanung.“ Auch an einer der kirchlichen Einrichtungen hatte es zu Beginn des Regelbetriebs einen Corona-Fall gegeben, eine Gruppe wurde in Quarantäne geschickt.

Einige der Kitas halten auch weiter an der Trennung der Gruppen fest. „Sie sind vorsichtig und wollen kein Risiko eingehen“, erklärt Ulrich Schlomann. Dabei komme es aber auch auf die baulichen Gegebenheiten an, ob dies möglich sei.

Manche Kitas haben generell ein offenes Betreuungskonzept, bei dem sich die Kinder frei in der Einrichtung bewegen können. Zum Beispiel die städtische Kita Hahlen. Ob mit dem Regelbetrieb eine Rückkehr zum alten Angebot möglich war, bedurfte der Abstimmung. „Nach Rücksprache mit dem LWL und dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke darf auch das offene Konzept unter gewissen Einschränkungen umgesetzt werden“, erklärt Stadtsprecherin Katharina Heß hierzu. Sollte beispielsweise an der Kita Hahlen ein Corona-Fall auftreten, entscheide das Gesundheitsamt über den Umfang der Schließung von Gruppen.

Nichts geändert hat sich an den weiterbestehenden Hygienekonzepten – und der Dokumentationspflicht. „Es bedeutet einen deutlichen Mehraufwand“, sagt Ulrich Schlomann. Das nordrhein-westfälische Familienministerium hat deshalb das Programm „#ichhelfemit“ gestartet, bei dem Kindertagesstätten Mittel zur Finanzierung von Kita-Helfern bekommen können. Es läuft bis Ende des Jahres. Ulrich Schlomann erhofft sich davon „eine deutliche Entlastung“.

Nach Auskunft von Katharina Heß haben alle Mindener Träger entsprechende Anträge dafür gestellt. Die Alltagshelfer sollen in den Einrichtungen bei der „erhöhten hygienischen Versorgung der betreuten Kinder, wie dem häufigeren Händewaschen, der Einhaltung von Vorgaben des Infektionsschutzes in den Gruppen oder im hauswirtschaftlichen Bereich unterstützen. Hier insbesondere bei Aufgaben wie der Essensversorgung und Reinigung, beim Küchendienst, der Wäschepflege und Desinfektion. Auch Unterstützung bei den Bring- und Abholzeiten oder auf dem Außengelände gehören dazu.

Hat Annet Panten nun Sorge vor weiteren Fällen in ihrer Einrichtung? „Man bekommt Routine“, sagt sie. Ob es einen weiteren Fall geben könnte, sei ein bisschen wie Lotterie.

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