Kirmespark an der Weser: Schausteller freuen sich nach langer Durststrecke über Neuauflage Kerstin Rickert Minden. „Noch bescheidener geht’s nicht" – so beschreibt Wolfgang Michael die Situation seiner Branche. Er ist der Vorsitzende des Vereins reisender Schausteller Minden-Lübbecke. „Seit gut anderthalb Jahren befinden wir uns, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung im vergangenen Herbst, im Lockdown." Gezwungenermaßen nicht arbeiten zu dürfen, gehe an die Existenz und zehre an den Nerven. Auf „fast 100 Prozent" beziffert der Schausteller die Umsatzeinbußen bei ihm selbst und vielen Kollegen. Aber das sei noch nicht einmal das Schlimmste. „Als Schausteller wollen wir den Leuten Freude bringen, und auch uns bereitet unsere Arbeit Spaß. Wir haben gerne Kontakt zu Menschen – und der hat enorm gefehlt", sagt Michael. Umso mehr freue er sich für sich und seine Kollegen auf den Kirmespark Weser, der an diesem Freitag auf Kanzlers Weide startet. Knapp 30 Schaustellerbetriebe, überwiegend aus Minden, sind bei der zweiten Kirmespark-Auflage auf Kanzlers Weide dabei. Kein Vergleich zur Mindener Messe, die vor Corona regelmäßig mit über 100 Fahrgeschäften, Imbissständen, Losbuden und weiteren Attraktionen in zehn Tagen mehr als 100.000 Besucher lockte. Doch schon der Kirmespark im vergangenen Oktober sei gut angenommen worden. Laut Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing, kamen an vier Wochenenden rund 35.000 Besucher. „Das waren mehr als wir erwartet hatten", sagt Wolfgang Michael und hofft diesmal auf einen ähnlichen Erfolg. Ein paar andere Fahrgeschäfte als letztes Mal seien vertreten, beispielsweise Musikexpress statt Breakdancer. „Wir möchten Abwechslung bieten und das Ganze familiär halten", sagt Wolfgang Michael. Auf Klassiker wie den Autoscooter müssen die Besucher ebenso wenig verzichten wie die Kleinsten voll auf ihre Kosten kommen sollen. „Hauptsache, das Wetter spielt mit, dann kommen die Leute auch", ist der Vorsitzende des Schaustellervereins optimistisch. „Seit wieder mehr geöffnet hat und gelockert wurde, merkt man, dass die Menschen auch mehr unternehmen." Finanziell lohne sich das Ganze nicht, ist Michael sich mit Sander einig, der angesichts der hohen Auflagen von einer enormen logistischen und organisatorischen Herausforderung spricht. Für Olaf Kaiser-Benna ist das auch einer der Gründe, warum Schausteller mit großen Fahrgeschäften sich zweimal überlegen, ob sie beim Kirmespark mitmachen. „Sie zahlen nur drauf, weil ihnen die Anschlusstermine fehlen, um ihre ausländischen Mitarbeiter zurückzuholen", sagt der Mindener. Er selbst hat versucht, sich in der kirmeslosen Zeit mit dem Betrieb von Imbissständen auf seinem Grundstück über Wasser zu halten. „Dabei habe ich Nachbarn kennengelernt, die ich in 20 Jahren noch nie gesehen hatte. Ich war ja immer unterwegs oder beschäftigt", erzählt der Schausteller. Jetzt aber freut er sich darauf, mit seinem „Karussell mit den sprechenden Autos" endlich wieder Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. „Der Kirmespark ist für die Schausteller auch in psychologischer Hinsicht wichtig", sagt Sander. So sieht es auch der Vorsitzende des Schaustellervereins: „Es ist gut, Partner zu haben, die versuchen, das machbar zu machen, was unter Pandemie-Bedingungen möglich ist." Einen besonderen Anreiz biete diesmal auch die Verbindung von Kirmes und Kultur, die aus Mitteln des Förderprogramms „Neustart Kultur" der Beauftragten der Bundesregierung für Medien und Kultur finanziert werden kann. Standort und Konzept des Kirmesparks bieten in Sanders Augen positive Synergieeffekte. Zum einen durch die unmittelbare Nähe des Testzentrums und zum anderen durch die Kulturzone inmitten des zentralen Biergartens, wo freitags und samstags ab 19 Uhr Livemusik geboten werde. „Und zwar nicht Hochkultur, sondern Musik, die die unterschiedlichsten Geschmäcker anspricht." Er hoffe, dass dieses Pilotprojekt aufgeht und sich daraus vielleicht auch neue Wege für die Zukunft der Mindener Messe entwickeln können. „Ich sehe in der Krise auch die Chance, neue Dinge auszuprobieren und auch andere Zielgruppen als bisher zu erreichen." Welche Einschränkungen diesmal für die Besucher des Kirmesparks gelten, hat sich durch die ab heute gültige, aktualisierte Corona-Schutzverordnung des Landes NRW kurzfristig noch einmal geändert. Bis gestern galt noch, dass Besucher hätten getestet, geimpft oder genesen sein müssen. Aus der Pflicht wird nun eine ausdrückliche Empfehlung. „In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke und dem Ordnungsamt der Stadt Minden werden die Besucher dringend gebeten, sich vor dem Besuch des Kirmesparks testen zu lassen. Eine Testpflicht besteht solange nicht, wie die Inzidenzstufe wie aktuell im Kreisgebiet und in NRW bei Null liegt", teilte MMG-Geschäftsführer Jörg-Friedrich Sander dem MT gestern Nachmittag auf Anfrage mit. „Wir haben das Testzentrum der Mühlenkreiskliniken direkt vor der Haustür und eine Kooperation vereinbart. Wer sich für den Kirmespark testen lassen möchte, kann das dort schnell und unbürokratisch ohne lange Wartezeit tun", kündigt Sander an. Weiterhin verpflichtend ist die 3G-Regel (getestet, geimpft oder genesen) für die Kulturzone mit Livemusik. Eine Maskenpflicht besteht für den Kirmespark grundsätzlich nicht mehr. Aber auch da setzt Sander auf die Eigenverantwortung der Besucher nach dem Motto: „Wo es eng wird, Maske auf." Trotz leicht gestiegener Sieben-Tage-Inzidenz liegt der Kreis Minden-Lübbecke weiterhin unterhalb der neuen Inzidenzstufe 0. Was das im Einzelnen bedeutet.

Kirmespark an der Weser: Schausteller freuen sich nach langer Durststrecke über Neuauflage

Die Kulturzone mit der Bühne inmitten des zentralen Biergartens ist noch einmal separat eingezäunt. In diesem Bereich dürfen sich wegen der Corona-Beschränkungen maximal 199 Besucher gleichzeitig aufhalten. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Minden. „Noch bescheidener geht’s nicht" – so beschreibt Wolfgang Michael die Situation seiner Branche. Er ist der Vorsitzende des Vereins reisender Schausteller Minden-Lübbecke. „Seit gut anderthalb Jahren befinden wir uns, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung im vergangenen Herbst, im Lockdown." Gezwungenermaßen nicht arbeiten zu dürfen, gehe an die Existenz und zehre an den Nerven. Auf „fast 100 Prozent" beziffert der Schausteller die Umsatzeinbußen bei ihm selbst und vielen Kollegen. Aber das sei noch nicht einmal das Schlimmste. „Als Schausteller wollen wir den Leuten Freude bringen, und auch uns bereitet unsere Arbeit Spaß. Wir haben gerne Kontakt zu Menschen – und der hat enorm gefehlt", sagt Michael. Umso mehr freue er sich für sich und seine Kollegen auf den Kirmespark Weser, der an diesem Freitag auf Kanzlers Weide startet.

Knapp 30 Schaustellerbetriebe, überwiegend aus Minden, sind bei der zweiten Kirmespark-Auflage auf Kanzlers Weide dabei. Kein Vergleich zur Mindener Messe, die vor Corona regelmäßig mit über 100 Fahrgeschäften, Imbissständen, Losbuden und weiteren Attraktionen in zehn Tagen mehr als 100.000 Besucher lockte. Doch schon der Kirmespark im vergangenen Oktober sei gut angenommen worden. Laut Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing, kamen an vier Wochenenden rund 35.000 Besucher. „Das waren mehr als wir erwartet hatten", sagt Wolfgang Michael und hofft diesmal auf einen ähnlichen Erfolg. Ein paar andere Fahrgeschäfte als letztes Mal seien vertreten, beispielsweise Musikexpress statt Breakdancer. „Wir möchten Abwechslung bieten und das Ganze familiär halten", sagt Wolfgang Michael. Auf Klassiker wie den Autoscooter müssen die Besucher ebenso wenig verzichten wie die Kleinsten voll auf ihre Kosten kommen sollen. „Hauptsache, das Wetter spielt mit, dann kommen die Leute auch", ist der Vorsitzende des Schaustellervereins optimistisch. „Seit wieder mehr geöffnet hat und gelockert wurde, merkt man, dass die Menschen auch mehr unternehmen."

Finanziell lohne sich das Ganze nicht, ist Michael sich mit Sander einig, der angesichts der hohen Auflagen von einer enormen logistischen und organisatorischen Herausforderung spricht. Für Olaf Kaiser-Benna ist das auch einer der Gründe, warum Schausteller mit großen Fahrgeschäften sich zweimal überlegen, ob sie beim Kirmespark mitmachen. „Sie zahlen nur drauf, weil ihnen die Anschlusstermine fehlen, um ihre ausländischen Mitarbeiter zurückzuholen", sagt der Mindener. Er selbst hat versucht, sich in der kirmeslosen Zeit mit dem Betrieb von Imbissständen auf seinem Grundstück über Wasser zu halten. „Dabei habe ich Nachbarn kennengelernt, die ich in 20 Jahren noch nie gesehen hatte. Ich war ja immer unterwegs oder beschäftigt", erzählt der Schausteller. Jetzt aber freut er sich darauf, mit seinem „Karussell mit den sprechenden Autos" endlich wieder Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. „Der Kirmespark ist für die Schausteller auch in psychologischer Hinsicht wichtig", sagt Sander. So sieht es auch der Vorsitzende des Schaustellervereins: „Es ist gut, Partner zu haben, die versuchen, das machbar zu machen, was unter Pandemie-Bedingungen möglich ist."


Einen besonderen Anreiz biete diesmal auch die Verbindung von Kirmes und Kultur, die aus Mitteln des Förderprogramms „Neustart Kultur" der Beauftragten der Bundesregierung für Medien und Kultur finanziert werden kann. Standort und Konzept des Kirmesparks bieten in Sanders Augen positive Synergieeffekte. Zum einen durch die unmittelbare Nähe des Testzentrums und zum anderen durch die Kulturzone inmitten des zentralen Biergartens, wo freitags und samstags ab 19 Uhr Livemusik geboten werde. „Und zwar nicht Hochkultur, sondern Musik, die die unterschiedlichsten Geschmäcker anspricht." Er hoffe, dass dieses Pilotprojekt aufgeht und sich daraus vielleicht auch neue Wege für die Zukunft der Mindener Messe entwickeln können. „Ich sehe in der Krise auch die Chance, neue Dinge auszuprobieren und auch andere Zielgruppen als bisher zu erreichen."

Welche Einschränkungen diesmal für die Besucher des Kirmesparks gelten, hat sich durch die ab heute gültige, aktualisierte Corona-Schutzverordnung des Landes NRW kurzfristig noch einmal geändert. Bis gestern galt noch, dass Besucher hätten getestet, geimpft oder genesen sein müssen. Aus der Pflicht wird nun eine ausdrückliche Empfehlung. „In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke und dem Ordnungsamt der Stadt Minden werden die Besucher dringend gebeten, sich vor dem Besuch des Kirmesparks testen zu lassen. Eine Testpflicht besteht solange nicht, wie die Inzidenzstufe wie aktuell im Kreisgebiet und in NRW bei Null liegt", teilte MMG-Geschäftsführer Jörg-Friedrich Sander dem MT gestern Nachmittag auf Anfrage mit.

„Wir haben das Testzentrum der Mühlenkreiskliniken direkt vor der Haustür und eine Kooperation vereinbart. Wer sich für den Kirmespark testen lassen möchte, kann das dort schnell und unbürokratisch ohne lange Wartezeit tun", kündigt Sander an. Weiterhin verpflichtend ist die 3G-Regel (getestet, geimpft oder genesen) für die Kulturzone mit Livemusik. Eine Maskenpflicht besteht für den Kirmespark grundsätzlich nicht mehr. Aber auch da setzt Sander auf die Eigenverantwortung der Besucher nach dem Motto: „Wo es eng wird, Maske auf."

Trotz leicht gestiegener Sieben-Tage-Inzidenz liegt der Kreis Minden-Lübbecke weiterhin unterhalb der neuen Inzidenzstufe 0. Was das im Einzelnen bedeutet.

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