Kino statt Stadthalle: Hauptausschuss entscheidet über Verkauf Monika Jäger Minden. Der Hauptausschuss wird heute nicht öffentlich über den Verkauf der Stadthalle an die AIM Center GmbH aus Passau entscheiden. Diese möchte die Obermarktpassage entwickeln und plant, den Bereich der Stadthalle an einen Kinobetreiber zu vermieten. Dieser bestätigte am Mittwoch gegenüber dem MT sein Interesse an dem Objekt. Im Vorfeld machten viele politische Fraktionen bereits deutlich, dass sie einem Verkauf zustimmen werden. Die Passage ist aktuell im Besitz zahlreicher Teileigentümer, von denen die Stadt Minden nur einer ist. AIM-Geschäftsführer Robert Maier sagte bei der Präsentation seiner Planungen vor der Politik, dass sein Ziel ist, möglichst viel selbst in die Hand zu bekommen. So könne er bei der Sanierung des Gesamtobjekts schneller und umfassender vorgehen. Darum bemühten er und sein Team sich darum, auch alle Eigentumswohnungen zu erwerben. Der Gewerbebereich gehört der AIM bereits. Doch warum die Eile beim Stadthallen-Verkauf? „Wir drängen, da wir für das Projekt eine Komplettplanung mit zugehörigem Brandschutzkonzept vorlegen müssen“, so AIM-Projektverantwortlicher Rupert Atzberger. „Um unseren Bauzeitenplan einhalten zu können, ist es daher wichtig, dass wir bis etwa Mitte Januar unsere Eingabeplanung beim Bauamt vorlegen können.“ So müsse er wissen, ob die Stadthalle in der Planung mit berücksichtigt werden soll oder nicht. „Daher würden wir im Falle von diesbezüglichen Verzögerungen oder Unklarheiten die Stadthalle nicht mehr in unsere weiteren Planungen mit einbeziehen können.“ Der Mietvertrag mit den Kino-Betreibern könne erst geschlossen werden, nachdem die Stadthalle im Besitz der AIM-Center-GmbH sei, so Atzberger. Im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt bestätigen die potenziellen Betreiber ihr Interesse. Sie führen Kinos unter anderem in Niedersachsen und Brandenburg. Darunter sind moderne Multiplexe ebenso wie umgebaute mittelgroße Kinos. Die Lage am ZOB und mit den vielen Parkplätzen im Haus finden sie ideal, und ihr Architekt habe bereits prinzipiell geprüft, ob sich die Vorstellungen mit den tatsächlichen Gegebenheiten vereinbaren lassen. Sieben Säle „klein aber fein“ sollen es werden, und das so, wie heute Kino betrieben werden müsste: „Mehr im Premiumbereich, zum Beispiel mit bequemen Ledersesseln.“ Kino, sagen sie, müsse sich heutzutage eindeutiger positionieren, ohne preislich Zielgruppen wie Familien und Jugendliche auszuschließen. Im Programm sollen Mainstream-Movies ebenso sein wie Arthouse-Angebote. Und nein, wegen der Gewohnheit der Mindener, zu Kinos im Umland zu fahren, machten sie sich keine Sorgen. „Das wird kein Riesenpalast wie in den 80ern. Es wird dann keinen Grund mehr geben, woanders hin zu fahren.“ Sie seien an Minden schon viele Jahre interessiert. Da sie selbst aber Betreiber und keine Investoren seien, hätte sich bisher nichts Passendes ergeben. Es gebe auch schon einen Entwurf für einen Mietvertrag und einen „Letter of Intent“. Und doch: Noch ist nicht alles bis ins Detail geplant und durchgeprüft, aber da die AIM-Center-Entwickler mit großem Schwung an der Arbeit sind, erwarten auch die Kino-Betreiber zügig voranzukommen. „Wir sind Kinounternehmer und gehen mit großer Überzeugung daran.“ Und Corona? „Wir sehen in die Zukunft.“ Kleine wie große Fraktionen sehen den Verkauf der Stadthalle und die Pläne der Passauer positiv. Alle wollen zustimmen – die AfD beantwortete die MT-Anfrage nicht. Unter anderem finde sie die Vorhaben zur energetischen Sanierung überzeugend, so Bettina Fuhg, Sprecherin der Grünen. Das Gesamtkonzept von Freizeit, Wohnen und Einzelhandel sei eine gute Mischung. Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden) begrüßt die AIM-Pläne, weil sie auf viele Bedürfnisse der Stadtgesellschaft eingingen. Nach MT-Informationen soll die Halle für den symbolischen Preis von einem Euro verkauft werden. Das bestätigt oder dementiert die Stadt Minden nicht: „Verkaufspreise werden immer im nicht öffentlichen Teil der Sitzungen behandelt“, so Bürgermeister Michael Jäcke. Bis auf ein Rückkaufsrecht gebe es keine Bedingungen. Auch die Linke bewerte die Gesamtplanung positiv, so Angela Gradler-Gebecke. Der Verkauf der Stadthalle sei eine Chance, um den Leerstand nach zehn Jahren zu beenden. „Damit belasten auch die laufenden Kosten, welche ja trotz Leerstand entstanden sind, nicht mehr den Haushalt der Stadt.“ Die Mindener Initiative sei froh, nachdem viele Gesprächskontakte mit möglichen Interessenten bisher keine Ergebnisse brachten, „jetzt mit der AIM Center GmbH endlich zum Abschluss zu kommen“, sagt Harald Steinmetz. Positiv seien auch die finanzielle Entlastung und das Wiederkaufsrecht für Minden. „Die Pläne der AIM Center GmbH können eine Signalwirkung für die Innenstadt bedeuten“, so Stadtverordneter Thorsten Vogt (Wir für Minden). Besonders positiv finden auch viele Stadtverordnete und Fraktionen, dass schon im Frühjahr 2021 die Tiefgarage wieder öffnen soll. Hartmut Freise erklärt für die FDP-Fraktion, dass der Verkauf zeitnah erfolgen sollte, auch er verweist auf die Kostenersparnis. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er gerne mehr über bereits realisierte Projekte des AIM-Centers wissen möchte. „Leider hält sich der Investor dazu, wie auch zur Finanzierung des Gesamtprojekts etwas bedeckt.“ Und die beiden großen Fraktionen? Hendrik Mucke, CDU, erklärt: „Wir begrüßen die Entwicklung der Obermarktpassage ausdrücklich und sind daher auch für den Verkauf der Stadthalle.“ Damit verbunden sei die Erwartung, dass es auch schnell weiter geht. Die Rückkaufoption sei notwendige Absicherung. Peter Kock erklärt für die SPD: „Das Engagement des Investors ist sehr zu begrüßen , und wir werden ihn unterstützen.“ Eine wiederbelebte Obermarktpassage sei ein bedeutsamer Schritt für die ganze Innenstadt, das Engagement erscheine „überzeugend und glaubhaft“. Wie auch die Grünen wünscht sich die SPD, dass auch über Fahrradstellplätze im Parkhaus nachgedacht werden sollte. Neben dem Kino steht auch das geplante Hotel im Fokus einiger Politiker. So sagt Hartmut Freise, seine Fraktion sei zu diesen Planungen „etwas skeptisch“ und Herziger-Möhlmann schlägt vor, Barrierefreiheit in den Fokus zu nehmen. In der Tat gehöre das Hotel zu den sehr wenigen Elementen ohne aktuelle Mietinteressenten, erklärte AIM-Projektbetreuer Rupert Atzberger am Mittwoch gegenüber dem MT. Er habe mit zwei ortsansässigen und drei überregionalen Betreibern geredet, das dann aber aus aktuellem Anlass ausgesetzt. „Die Betreiber haben gerade andere Sorgen.“ Notfalls würde AIM das Hotel auch selbst betreiben. Erfahrung habe die Gesellschaft auf diesem Gebiet bereits. Der Großteil der Fläche in der Passage sei vergeben: „Wir haben für circa 80 Prozent Mieter“. Das reiche völlig aus, um das Gesamtkonzept wirtschaftlich umzusetzen. Die Stadt Minden empfiehlt den Verkauf ausdrücklich, so Bürgermeister Jäcke, „da wir natürlich großes Interesse an einer guten Entwicklung der Immobilie und des gesamten Bereiches haben.“ Die Stadt sehe es sehr positiv, dass es jetzt einen Investor gibt, der die sehr schwierige Immobilie entwickele.

Kino statt Stadthalle: Hauptausschuss entscheidet über Verkauf

Heute will der Hauptausschuss im nicht öffentlichen Teil über den Verkauf der Stadthalle in der Obermarktpassage entscheiden. Die Passauer AIM Center GmbH möchte das Gesamtobjekt schnell entwickeln. Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Der Hauptausschuss wird heute nicht öffentlich über den Verkauf der Stadthalle an die AIM Center GmbH aus Passau entscheiden. Diese möchte die Obermarktpassage entwickeln und plant, den Bereich der Stadthalle an einen Kinobetreiber zu vermieten. Dieser bestätigte am Mittwoch gegenüber dem MT sein Interesse an dem Objekt. Im Vorfeld machten viele politische Fraktionen bereits deutlich, dass sie einem Verkauf zustimmen werden.

Die Passage ist aktuell im Besitz zahlreicher Teileigentümer, von denen die Stadt Minden nur einer ist. AIM-Geschäftsführer Robert Maier sagte bei der Präsentation seiner Planungen vor der Politik, dass sein Ziel ist, möglichst viel selbst in die Hand zu bekommen. So könne er bei der Sanierung des Gesamtobjekts schneller und umfassender vorgehen. Darum bemühten er und sein Team sich darum, auch alle Eigentumswohnungen zu erwerben. Der Gewerbebereich gehört der AIM bereits.

Doch warum die Eile beim Stadthallen-Verkauf? „Wir drängen, da wir für das Projekt eine Komplettplanung mit zugehörigem Brandschutzkonzept vorlegen müssen“, so AIM-Projektverantwortlicher Rupert Atzberger. „Um unseren Bauzeitenplan einhalten zu können, ist es daher wichtig, dass wir bis etwa Mitte Januar unsere Eingabeplanung beim Bauamt vorlegen können.“ So müsse er wissen, ob die Stadthalle in der Planung mit berücksichtigt werden soll oder nicht. „Daher würden wir im Falle von diesbezüglichen Verzögerungen oder Unklarheiten die Stadthalle nicht mehr in unsere weiteren Planungen mit einbeziehen können.“

Der Mietvertrag mit den Kino-Betreibern könne erst geschlossen werden, nachdem die Stadthalle im Besitz der AIM-Center-GmbH sei, so Atzberger. Im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt bestätigen die potenziellen Betreiber ihr Interesse. Sie führen Kinos unter anderem in Niedersachsen und Brandenburg. Darunter sind moderne Multiplexe ebenso wie umgebaute mittelgroße Kinos. Die Lage am ZOB und mit den vielen Parkplätzen im Haus finden sie ideal, und ihr Architekt habe bereits prinzipiell geprüft, ob sich die Vorstellungen mit den tatsächlichen Gegebenheiten vereinbaren lassen.

Sieben Säle „klein aber fein“ sollen es werden, und das so, wie heute Kino betrieben werden müsste: „Mehr im Premiumbereich, zum Beispiel mit bequemen Ledersesseln.“ Kino, sagen sie, müsse sich heutzutage eindeutiger positionieren, ohne preislich Zielgruppen wie Familien und Jugendliche auszuschließen. Im Programm sollen Mainstream-Movies ebenso sein wie Arthouse-Angebote.

Und nein, wegen der Gewohnheit der Mindener, zu Kinos im Umland zu fahren, machten sie sich keine Sorgen. „Das wird kein Riesenpalast wie in den 80ern. Es wird dann keinen Grund mehr geben, woanders hin zu fahren.“ Sie seien an Minden schon viele Jahre interessiert. Da sie selbst aber Betreiber und keine Investoren seien, hätte sich bisher nichts Passendes ergeben.

Es gebe auch schon einen Entwurf für einen Mietvertrag und einen „Letter of Intent“. Und doch: Noch ist nicht alles bis ins Detail geplant und durchgeprüft, aber da die AIM-Center-Entwickler mit großem Schwung an der Arbeit sind, erwarten auch die Kino-Betreiber zügig voranzukommen. „Wir sind Kinounternehmer und gehen mit großer Überzeugung daran.“ Und Corona? „Wir sehen in die Zukunft.“

Kleine wie große Fraktionen sehen den Verkauf der Stadthalle und die Pläne der Passauer positiv. Alle wollen zustimmen – die AfD beantwortete die MT-Anfrage nicht.

Unter anderem finde sie die Vorhaben zur energetischen Sanierung überzeugend, so Bettina Fuhg, Sprecherin der Grünen. Das Gesamtkonzept von Freizeit, Wohnen und Einzelhandel sei eine gute Mischung. Claudia Herziger-Möhlmann (Bürger-Bündnis Minden) begrüßt die AIM-Pläne, weil sie auf viele Bedürfnisse der Stadtgesellschaft eingingen.

Nach MT-Informationen soll die Halle für den symbolischen Preis von einem Euro verkauft werden. Das bestätigt oder dementiert die Stadt Minden nicht: „Verkaufspreise werden immer im nicht öffentlichen Teil der Sitzungen behandelt“, so Bürgermeister Michael Jäcke. Bis auf ein Rückkaufsrecht gebe es keine Bedingungen.

Auch die Linke bewerte die Gesamtplanung positiv, so Angela Gradler-Gebecke. Der Verkauf der Stadthalle sei eine Chance, um den Leerstand nach zehn Jahren zu beenden. „Damit belasten auch die laufenden Kosten, welche ja trotz Leerstand entstanden sind, nicht mehr den Haushalt der Stadt.“ Die Mindener Initiative sei froh, nachdem viele Gesprächskontakte mit möglichen Interessenten bisher keine Ergebnisse brachten, „jetzt mit der AIM Center GmbH endlich zum Abschluss zu kommen“, sagt Harald Steinmetz. Positiv seien auch die finanzielle Entlastung und das Wiederkaufsrecht für Minden.

„Die Pläne der AIM Center GmbH können eine Signalwirkung für die Innenstadt bedeuten“, so Stadtverordneter Thorsten Vogt (Wir für Minden). Besonders positiv finden auch viele Stadtverordnete und Fraktionen, dass schon im Frühjahr 2021 die Tiefgarage wieder öffnen soll. Hartmut Freise erklärt für die FDP-Fraktion, dass der Verkauf zeitnah erfolgen sollte, auch er verweist auf die Kostenersparnis. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er gerne mehr über bereits realisierte Projekte des AIM-Centers wissen möchte. „Leider hält sich der Investor dazu, wie auch zur Finanzierung des Gesamtprojekts etwas bedeckt.“

Und die beiden großen Fraktionen? Hendrik Mucke, CDU, erklärt: „Wir begrüßen die Entwicklung der Obermarktpassage ausdrücklich und sind daher auch für den Verkauf der Stadthalle.“ Damit verbunden sei die Erwartung, dass es auch schnell weiter geht. Die Rückkaufoption sei notwendige Absicherung. Peter Kock erklärt für die SPD: „Das Engagement des Investors ist sehr zu begrüßen , und wir werden ihn unterstützen.“ Eine wiederbelebte Obermarktpassage sei ein bedeutsamer Schritt für die ganze Innenstadt, das Engagement erscheine „überzeugend und glaubhaft“. Wie auch die Grünen wünscht sich die SPD, dass auch über Fahrradstellplätze im Parkhaus nachgedacht werden sollte.

Neben dem Kino steht auch das geplante Hotel im Fokus einiger Politiker. So sagt Hartmut Freise, seine Fraktion sei zu diesen Planungen „etwas skeptisch“ und Herziger-Möhlmann schlägt vor, Barrierefreiheit in den Fokus zu nehmen. In der Tat gehöre das Hotel zu den sehr wenigen Elementen ohne aktuelle Mietinteressenten, erklärte AIM-Projektbetreuer Rupert Atzberger am Mittwoch gegenüber dem MT. Er habe mit zwei ortsansässigen und drei überregionalen Betreibern geredet, das dann aber aus aktuellem Anlass ausgesetzt. „Die Betreiber haben gerade andere Sorgen.“ Notfalls würde AIM das Hotel auch selbst betreiben. Erfahrung habe die Gesellschaft auf diesem Gebiet bereits. Der Großteil der Fläche in der Passage sei vergeben: „Wir haben für circa 80 Prozent Mieter“. Das reiche völlig aus, um das Gesamtkonzept wirtschaftlich umzusetzen.

Die Stadt Minden empfiehlt den Verkauf ausdrücklich, so Bürgermeister Jäcke, „da wir natürlich großes Interesse an einer guten Entwicklung der Immobilie und des gesamten Bereiches haben.“ Die Stadt sehe es sehr positiv, dass es jetzt einen Investor gibt, der die sehr schwierige Immobilie entwickele.

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