Keine Solidarität: Zahnärzte distanzieren sich von verschwörungstheoretischen Aussagen Lea Oetjen Minden. Die Liste ist lang – und wird immer länger. Eine Vielzahl von Zahnärztinnen und Zahnärzten aus dem Mindener Land distanziert sich mit Nachdruck von einem ihrer Kollegen. Der Mann war zuletzt immer wieder mit verschwörungserzählerischen Äußerungen zur Corona-Pandemie auf seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Seite aufgefallen. Die MT-Redaktion hatte über seine Aussagen berichtet und ihn nach seiner Motivation gefragt. Im Beitrag sagte er: „Besondere Wertschätzung, Solidarität und Loyalität erfahre ich vor allem von meinen zahnärztlichen Kollegen.“ Es ist eine Aussage, die mehr als ein Dutzend verschiedener Zahnärzte der Region so nicht stehen lassen will. Anders als vom MT getitelt, sei es keine Gratwanderung, auf die sich der Mindener begeben habe – „es ist vielmehr ein Tanz auf der Rasierklinge“, findet ein anderer Zahnarzt aus Minden. Aufgrund einer Corona-Infektion habe er selbst eine Zeit im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Ich empfinde es als unerträglich, in welcher Weise es diesem Kollegen seit Monaten gelingt, seine abstrusen Theorien ohne Gegenwehr zu verbreiten“, betont er. Es sei sehr befremdlich, dass „der anonyme Kollege es sich erlaubt, von Wertschätzung, Loyalität und Solidarität seitens der Zahnärzteschaft zu sprechen. Diese Aussage ist nicht nur aus der Luft gegriffen, sie ist eine bodenlose Unverschämtheit“, stellt der Mann klar, der nicht genannt werden möchte (Name ist der Redaktion bekannt). Er ist Mitglied im Verein zur Sicherung der Zahnärztlichen Versorgung (VSZV) Minden. Auch dessen Vorsitzender findet deutliche Worte: „Ich kann und will mich auch gar nicht mit solchen Aussagen in irgendeiner Art solidarisieren“, betont Dennis Becker. Seiner Meinung nach sei es nicht in Ordnung, „so einem Menschen eine solche Plattform zu geben“. Er würde zwar respektieren, dass jeder seine eigene Meinung hat, „aber meine Kollegen und ich distanzieren uns klar davon. Da solidarisiert sich wirklich niemand von uns mit.“ Die verschwörungsideologischen und querdenkerischen Aussagen des Kollegen würden einer ganzen Berufsgruppe immens schaden. „Dabei gibt es kaum einen Beruf, der momentan näher dran ist. Wir kämpfen jeden Tag an vorderster Front“, betont Becker. Es sei nach den schwierigen vergangenen Monaten einfach nur frustrierend, die Sätze des Kollegen lesen zu müssen. „Nein, das geht so einfach nicht in Ordnung. Aber das Problem ist, dass es überhaupt keinen Zweck hat, mit diesen Querdenkern zu diskutieren. Da kommt man ja nie auf einen gemeinsamen Nenner“, ist sich Becker sicher. Akzeptieren oder gar tolerieren will er das Verhalten des Kollegen dennoch nicht. „Es ist ja schön und gut, dass der Herr keine Corona-Fälle mit schwerem Verlauf in der Familie oder im Bekanntenkreis gehabt hat. Aber es gibt inzwischen genug Menschen, die da ganz andere Geschichten erleben mussten.“ Die ohnehin schon hohen Hygienestandards in den Praxen seien noch einmal spürbar hochgeschraubt worden. „Wir mussten uns alle umorganisieren. Wir halten Abstand, tragen Maske. Und das machen wir gerne, um unsere Patienten, aber auch unser Personal zu schützen.“ Um sich öffentlich von den Verschwörungserzählungen des Kollegen zu distanzieren, haben zahlreiche Zahnärzte eine gemeinsame Stellungnahme verfasst. Darin heißt es unter anderem: Der Kollege sei ihres Wissens nach „von keiner Kollegin und keinem Kollegen im Kreis Minden-Lübbecke unterstützt worden“ (was der betreffende Zahnarzt allerdings genau genommen auch nicht behauptet hatte, da er allgemein von „zahnärztlichen Kollegen“ gesprochen hatte, ohne deren Wohnort näher zu benennen). Somit sei die Aussage, er erfahre besondere Wertschätzung und Solidarität aus den eigenen Reihen „diffamierend und falsch“. „Humor und Satire ist an dieser Stelle angesichts auch in unserem Landkreis an Corona sterbender Menschen bedauerlich, ja fast unerträglich.“ Die so empfundene Behauptung, dass sich Zahnärzte der Region mit Verschwörungstheorien und Coronaleugnern solidarisieren, weisen die Zahnärzte zurück.

Keine Solidarität: Zahnärzte distanzieren sich von verschwörungstheoretischen Aussagen

Eine Vielzahl von Zahnärzten aus dem Mindener Land distanziert sich von den Aussagen, die einer ihrer Kollegen getätigt hat. Foto: Imago-images.de © imago images/Westend61

Minden. Die Liste ist lang – und wird immer länger. Eine Vielzahl von Zahnärztinnen und Zahnärzten aus dem Mindener Land distanziert sich mit Nachdruck von einem ihrer Kollegen. Der Mann war zuletzt immer wieder mit verschwörungserzählerischen Äußerungen zur Corona-Pandemie auf seiner öffentlich einsehbaren Facebook-Seite aufgefallen.

Die MT-Redaktion hatte über seine Aussagen berichtet und ihn nach seiner Motivation gefragt. Im Beitrag sagte er: „Besondere Wertschätzung, Solidarität und Loyalität erfahre ich vor allem von meinen zahnärztlichen Kollegen.“ Es ist eine Aussage, die mehr als ein Dutzend verschiedener Zahnärzte der Region so nicht stehen lassen will. Anders als vom MT getitelt, sei es keine Gratwanderung, auf die sich der Mindener begeben habe – „es ist vielmehr ein Tanz auf der Rasierklinge“, findet ein anderer Zahnarzt aus Minden.

Aufgrund einer Corona-Infektion habe er selbst eine Zeit im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Ich empfinde es als unerträglich, in welcher Weise es diesem Kollegen seit Monaten gelingt, seine abstrusen Theorien ohne Gegenwehr zu verbreiten“, betont er. Es sei sehr befremdlich, dass „der anonyme Kollege es sich erlaubt, von Wertschätzung, Loyalität und Solidarität seitens der Zahnärzteschaft zu sprechen. Diese Aussage ist nicht nur aus der Luft gegriffen, sie ist eine bodenlose Unverschämtheit“, stellt der Mann klar, der nicht genannt werden möchte (Name ist der Redaktion bekannt). Er ist Mitglied im Verein zur Sicherung der Zahnärztlichen Versorgung (VSZV) Minden.

Auch dessen Vorsitzender findet deutliche Worte: „Ich kann und will mich auch gar nicht mit solchen Aussagen in irgendeiner Art solidarisieren“, betont Dennis Becker. Seiner Meinung nach sei es nicht in Ordnung, „so einem Menschen eine solche Plattform zu geben“. Er würde zwar respektieren, dass jeder seine eigene Meinung hat, „aber meine Kollegen und ich distanzieren uns klar davon. Da solidarisiert sich wirklich niemand von uns mit.“

Die verschwörungsideologischen und querdenkerischen Aussagen des Kollegen würden einer ganzen Berufsgruppe immens schaden. „Dabei gibt es kaum einen Beruf, der momentan näher dran ist. Wir kämpfen jeden Tag an vorderster Front“, betont Becker. Es sei nach den schwierigen vergangenen Monaten einfach nur frustrierend, die Sätze des Kollegen lesen zu müssen. „Nein, das geht so einfach nicht in Ordnung. Aber das Problem ist, dass es überhaupt keinen Zweck hat, mit diesen Querdenkern zu diskutieren. Da kommt man ja nie auf einen gemeinsamen Nenner“, ist sich Becker sicher.

Akzeptieren oder gar tolerieren will er das Verhalten des Kollegen dennoch nicht. „Es ist ja schön und gut, dass der Herr keine Corona-Fälle mit schwerem Verlauf in der Familie oder im Bekanntenkreis gehabt hat. Aber es gibt inzwischen genug Menschen, die da ganz andere Geschichten erleben mussten.“ Die ohnehin schon hohen Hygienestandards in den Praxen seien noch einmal spürbar hochgeschraubt worden. „Wir mussten uns alle umorganisieren. Wir halten Abstand, tragen Maske. Und das machen wir gerne, um unsere Patienten, aber auch unser Personal zu schützen.“

Um sich öffentlich von den Verschwörungserzählungen des Kollegen zu distanzieren, haben zahlreiche Zahnärzte eine gemeinsame Stellungnahme verfasst. Darin heißt es unter anderem: Der Kollege sei ihres Wissens nach „von keiner Kollegin und keinem Kollegen im Kreis Minden-Lübbecke unterstützt worden“ (was der betreffende Zahnarzt allerdings genau genommen auch nicht behauptet hatte, da er allgemein von „zahnärztlichen Kollegen“ gesprochen hatte, ohne deren Wohnort näher zu benennen). Somit sei die Aussage, er erfahre besondere Wertschätzung und Solidarität aus den eigenen Reihen „diffamierend und falsch“.

„Humor und Satire ist an dieser Stelle angesichts auch in unserem Landkreis an Corona sterbender Menschen bedauerlich, ja fast unerträglich.“ Die so empfundene Behauptung, dass sich Zahnärzte der Region mit Verschwörungstheorien und Coronaleugnern solidarisieren, weisen die Zahnärzte zurück.

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