"Keine Bilder wie am 23. Dezember": Bürgermeister appelliert vor Weihnachtsmarkt-Eröffnung an die Vernunft - mit Video Patrick Schwemling Minden. Es war das Gesprächsthema Nummer eins am Wochenende: Gibt es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt in Minden? Oder wird er trotz der fortgeschrittenen Aufbauarbeiten doch noch abgesagt? Am Montagvormittag, also einen Tag vor der Eröffnung, war dann klar: Der Weihnachtsmarkt findet wie geplant in der Innenstadt statt. Dies gaben Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing GmbH, und Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) in einem Pressegespräch bekannt. Die Buden und Fahrgeschäfte öffnen am Dienstag um 11 Uhr. Geplant ist, dass der Markt bis zum 30. Dezember offen sein wird – unter strikter Einhaltung der 2G-Regel mit stichprobenartigen Kontrollen des Ordnungsamts. In der Praxis sieht es so aus: Jede Person, die auf den Weihnachtsmarkt will, muss zunächst den 2G-Status nachweisen. Erst dann bekommt man an zahlreichen Ausgabestellen in der Innenstadt ein Bändchen ausgehändigt, das zum Kauf von Waren berechtigt. Für die Kontrolle des Nachweises ist zusätzlich ein Ausweisdokument notwendig. Es soll nicht möglich sein, eine Person mit Band für den Kauf zu beauftragen, die möglicherweise Getränke oder Ähnliches an Ungeimpfte weiterreicht. „Wir werden das strikt kontrollieren. Wenn jemand vier Glühwein bestellt, dann müssen diejenigen, die es bekommen auch das Bändchen vorzeigen", kündigte Udo Osthold, 2. Vorsitzender des Schaustellervereins, an. Kleinkinder brauchen keine Bändchen, darüber hinaus gelten Schüler wegen der Corona-Testungen in den Schulen als gleichgestellt. „Wir haben am Freitag mit allen beteiligten Parteien zusammengesessen und einen Plan geschmiedet, in welcher verantwortbaren Art und Weise der Weihnachtsmarkt stattfinden kann", erklärte Bürgermeister Michael Jäcke im Rathaus. Die Stadt Minden, Veranstalter Minden Marketing, die Werbegemeinschaft und der Schaustellerverein Minden-Lübbecke einigten sich dabei auf gewisse Rahmenbedingungen wie etwa die Durchführung der 2G-Regel, die vom Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke abgesegnet werden mussten. „Das ist dann heute Morgen final geschehen", erklärte Sander weshalb die, vor allem von den Schaustellern so lang ersehnte, offizielle Bestätigung bis einen Tag vor Beginn des Markts auf sich warten ließ. Obwohl 2G erst mit Ablauf der bis Mittwoch gültigen Schutzverordnung am Donnerstag in NRW eingeführt wird, gilt diese Regelung auf dem Weihnachtsmarkt bereits ab Dienstag. „Damit greifen wir den erwarteten Maßnahmen vor. Sollte es am Mittwoch dann weitergehende Regelungen geben, müssen wir nachjustieren", erläuterte Peter Kienzle, erster Beigeordneter der Stadt Minden, das komplizierte Prozedere. Wie Jäcke mitteilte, sei am Freitag auch kurz darüber diskutiert worden, ob die Eröffnung auf Donnerstag verschoben werden könnte. Diesen Gedankengang habe man dann aber schnell verworfen. „Wir wollen keine Risiken eingehen, aber wenn irgendwie möglich den für die Mindener Innenstadt so wichtigen Weihnachtsmarkt an den Start bringen. Diese schwierige Mission ist nur im Schulterschluss und in gemeinsamer Verantwortung erfolgreich umsetzbar", sagte Jäcke. Dafür habe man verschiedene Punkte ausgearbeitet. Sander erklärte, dass es kein stationäres Bühnenprogramm geben werde, außerdem seien Änderungen beim Aufbau vorgenommen worden, um mehr Ausweichflächen zu schaffen. Als Beispiel führte er den Verzicht der Riesentanne an, wodurch die stark frequentierten Stände in das Zentrum des Marktplatzes rücken, um die Laufwege der Innenstadt zu entlasten. Darüber hinaus könne der Markt an Tagen, wo deutlich mehr los sei als normalerweise, ganz oder für gewisse Zeitfenster geschlossen werden. „Da denke ich speziell an den 23. Dezember der Vorjahre. Solche Bilder darf es dieses Jahr nicht geben", betonte Sander. Überhaupt waren alle Akteure – ob Jäcke, Kienzle oder Sander – bemüht, um Vorsicht zu werben. „Das ist auch die Aufgabe eines jeden einzelnen Besuchers. Ganz wichtig ist auch das Abstand halten", appellierte Kienzle und Jäcke fügte an: „Alle müssen helfen, dass die Auflagen eingehalten werden." Am deutlichsten wurde Veranstalter Sander mit einem Rat an Personen, die sich unsicher seien: „Wenn das der Fall ist, dann sollte man im Zweifelsfall besser zuhause bleiben." Je nachdem, wie sich die Corona-Situation in den nächsten Woche entwickelt, würden weitere Schritte geprüft. Laut Osthold sei eine Weiterführung unter 2G-Plus-Bedingungen wirtschaftlich nicht mehr umsetzbar. „Gibt es Änderungen in der Corona-Schutzverordnung, werden wir wieder zusammenkommen, um weitere Entscheidungen zu treffen", sagte Kienzle. Ein vorzeitiges Ende des Weihnachtsmarkts ist also nicht ausgeschlossen. Dem Startschuss steht jedoch erstmals nichts im Wege. Ein Pro und Contra zur Eröffnung des Mindener Weihnachtsmarktes  Pro: In unserer Hand  Von Nina Könemann  Es hat in den vergangenen Wochen viele Zeitpunkte gegeben, an denen eine Absage des Weihnachtsmarktes ohne Probleme zu rechtfertigen gewesen wäre: steigende Krankenhauszahlen, düstere Prognosen der Virologen, schleppender Fortgang der Impfkampagne. Die Vorzeichen waren da. All diese Ausfahrten aber wollte niemand nehmen. Weder politisch noch gesellschaftlich gab es den großen Aufschrei, man möge doch den besinnlichen Zauber in diesem Jahr ausfallen lassen. Stattdessen: Vorfreude und Vorbereitungen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt verstrichen. Wer Schausteller eine Woche lang Warten und Buden ankarren lässt, während Besucher der Innenstadt am Bild der Normalität vorbeilaufen, kann nicht einen Tag vor der Eröffnung sagen: Pustekuchen, alles umsonst. Bitte packt euren Kram wieder zusammen und esst die Mandeln selbst. Dafür, dass der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr stattfindet, tragen wir alle die Verantwortung. Keiner hat ernstlich versucht es zu verhindern. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollten wir verantwortungsvoll damit umgehen: Abstand halten, boostern und testen. Ich zumindest trinke trotzdem meinen Glühwein. Contra: Nicht passend Von Patrick Schwemling Rekordinzidenz, immer mehr Corona-Intensivpatienten, Weihnachtsmarkt. Na, welches Wort tanzt hier aus der Reihe? Die Antwort auf diese rhetorische Frage spare ich mir. Was ich mir aber nicht spare, ist eine Kritik an der Durchführung des Mindener Weihnachtsmarktes.  Alle Akteure haben es sich garantiert nicht leicht gemacht, diese Entscheidung zu fällen. Sie ist aber schlichtweg ein falsches Zeichen an die Bevölkerung. Wir befinden uns mitten in der vierten Corona-Welle, ein weiterer Lockdown im Dezember ist zum Greifen nahe – und was passiert in Minden? Tassen hoch!  Das gaukelt eine Normalität vor, die wir uns alle wünschen, die es im Moment aber nicht gibt. Von den 60.0000 Menschen, die sich pro Tag infizieren, werden in den nächsten Wochen täglich mehrere Hundert sterben. Wenn man sich das einmal vor Augen führt, dann kann der Glühwein nicht mehr schmecken.

"Keine Bilder wie am 23. Dezember": Bürgermeister appelliert vor Weihnachtsmarkt-Eröffnung an die Vernunft - mit Video

Wenn der Weihnachtsmarkt an gewissen Tagen deutlich zu voll wird, behält sich der Veranstalter Minden Marketing vor ihn für den Tag oder ein gewisses Zeitfenster zu schließen. MT-Archivofoto: © Alex Lehn

Minden. Es war das Gesprächsthema Nummer eins am Wochenende: Gibt es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt in Minden? Oder wird er trotz der fortgeschrittenen Aufbauarbeiten doch noch abgesagt? Am Montagvormittag, also einen Tag vor der Eröffnung, war dann klar: Der Weihnachtsmarkt findet wie geplant in der Innenstadt statt. Dies gaben Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing GmbH, und Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) in einem Pressegespräch bekannt. Die Buden und Fahrgeschäfte öffnen am Dienstag um 11 Uhr. Geplant ist, dass der Markt bis zum 30. Dezember offen sein wird – unter strikter Einhaltung der 2G-Regel mit stichprobenartigen Kontrollen des Ordnungsamts.

In der Praxis sieht es so aus: Jede Person, die auf den Weihnachtsmarkt will, muss zunächst den 2G-Status nachweisen. Erst dann bekommt man an zahlreichen Ausgabestellen in der Innenstadt ein Bändchen ausgehändigt, das zum Kauf von Waren berechtigt. Für die Kontrolle des Nachweises ist zusätzlich ein Ausweisdokument notwendig. Es soll nicht möglich sein, eine Person mit Band für den Kauf zu beauftragen, die möglicherweise Getränke oder Ähnliches an Ungeimpfte weiterreicht. „Wir werden das strikt kontrollieren. Wenn jemand vier Glühwein bestellt, dann müssen diejenigen, die es bekommen auch das Bändchen vorzeigen", kündigte Udo Osthold, 2. Vorsitzender des Schaustellervereins, an. Kleinkinder brauchen keine Bändchen, darüber hinaus gelten Schüler wegen der Corona-Testungen in den Schulen als gleichgestellt.

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„Wir haben am Freitag mit allen beteiligten Parteien zusammengesessen und einen Plan geschmiedet, in welcher verantwortbaren Art und Weise der Weihnachtsmarkt stattfinden kann", erklärte Bürgermeister Michael Jäcke im Rathaus. Die Stadt Minden, Veranstalter Minden Marketing, die Werbegemeinschaft und der Schaustellerverein Minden-Lübbecke einigten sich dabei auf gewisse Rahmenbedingungen wie etwa die Durchführung der 2G-Regel, die vom Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke abgesegnet werden mussten. „Das ist dann heute Morgen final geschehen", erklärte Sander weshalb die, vor allem von den Schaustellern so lang ersehnte, offizielle Bestätigung bis einen Tag vor Beginn des Markts auf sich warten ließ.


Obwohl 2G erst mit Ablauf der bis Mittwoch gültigen Schutzverordnung am Donnerstag in NRW eingeführt wird, gilt diese Regelung auf dem Weihnachtsmarkt bereits ab Dienstag. „Damit greifen wir den erwarteten Maßnahmen vor. Sollte es am Mittwoch dann weitergehende Regelungen geben, müssen wir nachjustieren", erläuterte Peter Kienzle, erster Beigeordneter der Stadt Minden, das komplizierte Prozedere. Wie Jäcke mitteilte, sei am Freitag auch kurz darüber diskutiert worden, ob die Eröffnung auf Donnerstag verschoben werden könnte. Diesen Gedankengang habe man dann aber schnell verworfen.

„Wir wollen keine Risiken eingehen, aber wenn irgendwie möglich den für die Mindener Innenstadt so wichtigen Weihnachtsmarkt an den Start bringen. Diese schwierige Mission ist nur im Schulterschluss und in gemeinsamer Verantwortung erfolgreich umsetzbar", sagte Jäcke. Dafür habe man verschiedene Punkte ausgearbeitet.

Sander erklärte, dass es kein stationäres Bühnenprogramm geben werde, außerdem seien Änderungen beim Aufbau vorgenommen worden, um mehr Ausweichflächen zu schaffen. Als Beispiel führte er den Verzicht der Riesentanne an, wodurch die stark frequentierten Stände in das Zentrum des Marktplatzes rücken, um die Laufwege der Innenstadt zu entlasten. Darüber hinaus könne der Markt an Tagen, wo deutlich mehr los sei als normalerweise, ganz oder für gewisse Zeitfenster geschlossen werden. „Da denke ich speziell an den 23. Dezember der Vorjahre. Solche Bilder darf es dieses Jahr nicht geben", betonte Sander. Überhaupt waren alle Akteure – ob Jäcke, Kienzle oder Sander – bemüht, um Vorsicht zu werben.

„Das ist auch die Aufgabe eines jeden einzelnen Besuchers. Ganz wichtig ist auch das Abstand halten", appellierte Kienzle und Jäcke fügte an: „Alle müssen helfen, dass die Auflagen eingehalten werden." Am deutlichsten wurde Veranstalter Sander mit einem Rat an Personen, die sich unsicher seien: „Wenn das der Fall ist, dann sollte man im Zweifelsfall besser zuhause bleiben."

Je nachdem, wie sich die Corona-Situation in den nächsten Woche entwickelt, würden weitere Schritte geprüft. Laut Osthold sei eine Weiterführung unter 2G-Plus-Bedingungen wirtschaftlich nicht mehr umsetzbar. „Gibt es Änderungen in der Corona-Schutzverordnung, werden wir wieder zusammenkommen, um weitere Entscheidungen zu treffen", sagte Kienzle. Ein vorzeitiges Ende des Weihnachtsmarkts ist also nicht ausgeschlossen. Dem Startschuss steht jedoch erstmals nichts im Wege.

Ein Pro und Contra zur Eröffnung des Mindener Weihnachtsmarktes 

Pro: In unserer Hand 

Von Nina Könemann 

Es hat in den vergangenen Wochen viele Zeitpunkte gegeben, an denen eine Absage des Weihnachtsmarktes ohne Probleme zu rechtfertigen gewesen wäre: steigende Krankenhauszahlen, düstere Prognosen der Virologen, schleppender Fortgang der Impfkampagne. Die Vorzeichen waren da. All diese Ausfahrten aber wollte niemand nehmen. Weder politisch noch gesellschaftlich gab es den großen Aufschrei, man möge doch den besinnlichen Zauber in diesem Jahr ausfallen lassen. Stattdessen: Vorfreude und Vorbereitungen.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt verstrichen. Wer Schausteller eine Woche lang Warten und Buden ankarren lässt, während Besucher der Innenstadt am Bild der Normalität vorbeilaufen, kann nicht einen Tag vor der Eröffnung sagen: Pustekuchen, alles umsonst. Bitte packt euren Kram wieder zusammen und esst die Mandeln selbst. Dafür, dass der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr stattfindet, tragen wir alle die Verantwortung. Keiner hat ernstlich versucht es zu verhindern. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollten wir verantwortungsvoll damit umgehen: Abstand halten, boostern und testen. Ich zumindest trinke trotzdem meinen Glühwein.

Contra: Nicht passend

Von Patrick Schwemling

Rekordinzidenz, immer mehr Corona-Intensivpatienten, Weihnachtsmarkt. Na, welches Wort tanzt hier aus der Reihe? Die Antwort auf diese rhetorische Frage spare ich mir. Was ich mir aber nicht spare, ist eine Kritik an der Durchführung des Mindener Weihnachtsmarktes. 

Alle Akteure haben es sich garantiert nicht leicht gemacht, diese Entscheidung zu fällen. Sie ist aber schlichtweg ein falsches Zeichen an die Bevölkerung. Wir befinden uns mitten in der vierten Corona-Welle, ein weiterer Lockdown im Dezember ist zum Greifen nahe – und was passiert in Minden? Tassen hoch! 

Das gaukelt eine Normalität vor, die wir uns alle wünschen, die es im Moment aber nicht gibt. Von den 60.0000 Menschen, die sich pro Tag infizieren, werden in den nächsten Wochen täglich mehrere Hundert sterben. Wenn man sich das einmal vor Augen führt, dann kann der Glühwein nicht mehr schmecken.

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